Trittsichere Fliesen in Sanitärbereichen Keramik und der "Glitschtest"

Immer wieder kämpfen Dienstleister mit Sicherheitsfliesen, die nicht mehr reinigungsfähig sind. Trotz permanenter Grundreinigung ist die Anschmutzung nicht zu bremsen. Oft wird es auf die "raue" Oberfläche geschoben. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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    01 Trittsichere Keramikfliesen in einer Dusche, also einem nassbelasteten Barfußbereich.
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    02 Trittsichere Fliesen für mit Schuhen begangene Bereiche, hier eine gewerb liche Küche.

Sicherheitsfliesen sind nach ihren Anwendungsbereichen zu unterscheiden.

Schuhbereiche: Die Rutschsicherheits-"Bibel" BGR 181 der Berufsgenossenschaften regelt, welche Bewertungsgruppen für welche Bereiche als Mindestanforderungen gelten. Das reicht von R9 bis R13/V4. Die alte Weisheit der Gebäudereinigung "Je rauer die Oberfläche, desto aufwendiger die Reinigung" stimmt dabei. Das bedeutet, das diese Keramiken nicht auf Reinigungsfähigkeit, sondern auf Schmutzaufnahme optimiert sind, um ein Ausgleiten auf der Schmutzschicht zu verhindern. Es soll auch verhindert werden, dass eine festgepappte Schmutzschicht nicht als Gleiter dient (so wie man Teppichstücke benutzt, wenn man Möbel auf PVC kratzerfrei verrücken möchte). Man könnte fast meinen, dass die Entwickler es darauf angelegt haben, diese Keramiken reinigungsunfähig zu konstruieren.

Für Sicherheitsfliesen wird fast ausschließlich Feinsteinzeug verwendet. Und das entsteht so: Ultrafeines Mineralpulver mit hohen Anteilen an Quarz, Feldspäten und anderen Flussmitteln wird unter hohem Druck trockengepresst. Durch die sehr dichte Sinterung wird eine äußerst geringe Wasseraufnahme von kleiner als 0,5 Prozent oder sogar noch geringer erreicht. Die Brenntemperatur von etwa 1.200°C trägt zu einer sehr dichten Verbindung bei, die bei dem fertigen Feinsteinzeug (FSZ) zu einer hohen Verschleißfestigkeit und chemischen Beständigkeit führt.

Anders als bei Naturstein oder Klinker hat Feinsteinzeug keine durchgehenden Kapillaren. Das bedeutet, dass dieser Werkstoff keine Fleckbildner einziehen lässt. Der Reinigungsaufwand resultiert nur aus der Schmutzanhaftung durch die extra rau gemachte Oberfläche.

Hilft eine Imprägnierung?

Nein, die Eindringtiefe ist null, die Reste müssen laut Anleitung entfernt werden. Das bedeutet aber, dass man fast alles wieder entfernt, denn es kann ja nichts eindringen. Wird doch imprägniert, bildet sich ein Silikonharzfilm mit unerwünschten Nebeneffekten. Diese Imprägniermittel sind in der Regel nämlich copolymereditierte Siliconharze und halten organische Schmutze wie Ruß aus Reifen und Gummisohlen bombastisch gut fest. Ohne Einsatz von Lösungsmitteln (z.B. Orangenterpen) sind sie nicht entfernbar.

Warum steigt die Schmutzanhaftung?

Das ist meistens in der falschen Reinigung begründet. Die Bereiche, in denen diese Fliesen verwendet werden, sind in der Regel hoher Schmutzbelastung ausgesetzt, die der Dienstleister nur mit Grundreinigern entfernen kann. Aber die Methoden der Grundreinigung werden nicht angewendet. Das Wichtigste fehlt meistens: das Nachspülen. Die in den Mitteln enthaltenen Tenside trocknen an und kleben an der Oberfläche fest. Dabei erfüllen sie aber noch ihre Aufgabe, den Schmutz festzuhalten, auf den dann die nächste Tensidschicht abgelagert wird usw. Man reinigt dann nicht mehr die keramische Oberfläche, sondern nur die oberste Dreckkruste. Um festzustellen, ob man tatsächlich die Fliese oder nur den Schmutz bearbeitet, wendet man den "Glitschtest" an. Einfach Wasser auf die Keramik geben und einen Augenblick abwarten. Dann mit zwei Fingern und etwas Druck über die Keramik "gleiten". Fühlt es sich "glitschig" an, ist zu 99 Prozent sicher, dass sich auf dem Boden eine Dreckkruste etabliert hat.

Aus Erfahrung hat sich in diesem Fall folgendes Prozedere bewährt: Ein Ultranetzer in zehnfacher Überdosierung wird mit einer Walzenbürste (Lippe hochgezogen) auf den Boden aufgetragen und gegebenenfalls zweifach abgefahren (Lippe oben). Nach einer Einwirkzeit von etwa fünf Minuten wird der Belag mit viel Wasser mehrfach mit der Walzenbürste (Lippe unten) abgefahren. Dann den "Glitschtest" wiederholen. Man merkt den Unterschied meist drastisch. Mit Tellerbürste oder anderen Reinigungsmitteln funktioniert es nicht. Viele fragen nun: "Kann ich dann nicht auch die Unterhaltsreinigung so machen ?" Meistens geht das nicht, da die Ultranetzer für diese Schmutzmengen nicht geeignet sind, abgesehen von Hygienevorgaben, die eventuell nicht erfüllt werden können.

Nassbelastete Barfußbereiche: Federführend für die Regelungen bei nassbelasteten Barfußbereichen ist die gesetzliche Unfallversicherung (GUV). In der "GUV-I 8527", aktualisierte Fassung vom August 2004, steht geschrieben: "Nassbelastete Barfußbereiche sind dadurch gekennzeichnet, dass die Bodenbeläge in diesem Bereich in der Regel nass sind und barfuß begangen werden. Bodenbeläge im Sinne dieser GUV-Informationen sind auch Stufen von Treppen und Leitern." (Quelle: http://regelwerk.unfallkassen.de/regelwerk/data/regelwerk/inform/I_8527.pdf) Anders als bei den Schuhbereichen soll hier erreicht werden, dass die durch Wasser aufgeweichten Füße nicht wegrutschen. Damit die Oberfläche scharf genug ist und gleichzeitig die abgerubbelte Hornhaut der Füße nicht zu einem eigenen Schmierfilm wird, hat die Industrie Glasuren entwickelt, die unter dem Mikroskop aussehen wie ein Heckenlabyrinth. Das bedeutet, das Körperfett wird in die tiefen "Täler" gedrückt und mit jedem neuen Schweißfuß verdichtet. Mechanisch sind diese Keramiken empfindlich. Einmal mit einem schwarzen Pad gereinigt und der Schmutz ist weg, inklusive der rutschhemmenden Glasur. Der "Glitschtest", die gleiche Problematik und Vorgehensweise gelten auch hier.

Wie reinigt man diese Keramiken?

Erst einmal steht intelligente Planung im Vordergrund. In der o.a. Vorschrift der GUV ist zu lesen: "Entlang der Wände bis zu einem Abstand von etwa 15 cm, in Ecken und unter fest im Fußboden verankerten Einrichtungen und Bauteilen kann zur Erleichterung der Reinigung ein ebener unprofilierter Bodenbelag eingesetzt werden."

Leider hat das kaum ein Architekt gelesen, denn dadurch hat man die Randverschmutzung drastisch verkleinert. Auch Bereiche um Urinale und WC sind damit gemeint. Ebenso steht dort: "Für die Reinigung großflächiger Fußböden mit stark rutschhemmender Oberflächenstruktur eignen sich im Allgemeinen nur Reinigungsmaschinen und Hochdruckreinigungsgeräte."

Das bedeutet, dass diese Keramiken manuell nicht gereinigt werden können. Einschränkend ist auch zu sagen, dass Tellerbürsten oder Einscheibenmaschinen nur drüberrutschen. Hier ist "Gewalt" nötig, um den gepressten Schmutz aus den Tälern zu treiben. Die Walzenbürste ist dafür ideal. In Verbindung mit einem geeigneten Reinigungsmittel kann es durch das andere Wirkprinzip der Mechanik den Belag vom Schmutz befreien. Wichtig ist die Flottenmenge, je mehr, desto besser (nicht zu verwechseln mit der Menge an Reinigungsmitteln). Das beruht auf dem Wirkprinzip der Inkompressibilität von Flüssigkeiten. Allerdings sind dem auch Grenzen gesetzt. Mineralische Verschmutzungen (Ablagerungen in Thermen) benötigen vor allen Dingen Chemie und Wirkzeit, wenn sie denn überhaupt entfernbar sind.

Was mache ich, wenn keine Maschine oder Hochdruckreiniger einsetzbar sind? Dreck anhäufen und dann mit Trockeneis wegstrahlen. Mit Mikrofaserbezügen kann man oberflächlichen Schmutz entfernen, aber je nach Rauigkeit werden die Reinigungskräfte Oberarme wie Holzfäller bekommen, weil die Bezüge sich festhaken und nicht gleiten. Man kann dem Dienstleister nur empfehlen "Bedenken" nach VOL anzumelden über nicht zu reinigende bzw. desinfizierende Bereiche, damit er hinterher nicht für Hygieneprobleme verantwortlich gemacht werden kann.

Herbert Fahrenkrog

Magna Naturstein Beratungsservice | Tel. 0212/2442395

Fahrenkrog@magnastein.com | www.magnastein.com