Straßentauben verursachen nicht nur massive Verschmutzungen und Schäden an Gebäuden und Denkmälern. Sie übertragen auch Krankheiten und können von Parasiten befallen sein, die auf den Menschen übergehen. Technisch stehen hochwirksame Bekämpfungsmethoden zur Verfügung.
Die Stadttaube Columbia livia ist eine sehr erfolgreiche Tierart und Zivilisationsfolger des Menschen. Kaum eine größere Stadt hat nicht mit mehr oder weniger großen Taubenpopulationen zu kämpfen. Zählungen haben ergeben, dass der Bestand an Straßentauben fünf bis zehn Prozent einer Stadtbevölkerung erreichen kann.
Tauben sind biologisch optimal für ein Leben in der Stadt angepasst. Moderne Städte haben wenig Vegetation und ähneln daher dem natürlichen Lebensraum der Taube: der Felsenküste. Auch was den Speisezettel betrifft, ist die Stadttaube nicht wählerisch: Der größte Teil der Nahrung stammt direkt oder indirekt vom Menschen: Fisch, gekochtes Fleisch, Schokolade, Käse, Salat, Essiggurken, geröstete Kastanien und Teigwaren mit Hackfleischsauce.
Grundsätzlich gilt dabei: Die verfügbare Nahrungsmenge in einer Stadt bestimmt die Größe der Taubenpopulation. Als Problemschwelle wird dabei eine Dichte von 300 bis 400 Tauben pro Quadratkilometer angesehen. Eine Taube produziert jährlich etwa zwölf Kilogramm Nasskot. Massive Verschmutzungen und Schäden an Gebäuden, Statuen und Denkmälern sind die Folge. Seit den 1940er-Jahren werden Taubenpopulationen regelmäßig auf humanpathogene Krankheitserreger untersucht. Dabei wurden 89 Erreger nachgewiesen: 32 Bakterien, 46 Pilze und vier Protozoen. Nur für sieben der 89 Keime wurde bis heute eine Übertragung auf den Menschen beschrieben. Dazu gehören Salmonellen, Ornithose, Pilzerkrankungen und Chlamydien, die zu Lungenentzündungen und anderen schweren Symptomen führen können.
Taubenkotreinigung: Schutzmaßnahmen sind wichtig
Untersuchungen haben ergeben, dass fast 50 Prozent aller Straßentauben bereits mit Chlamydien in Kontakt gekommen sind. Rund zwölf Prozent der Tiere schieden das Bakterium aus. Die meisten Übertragungen geschehen über die Atemwege. Dabei werden kleinste kontaminierte Partikel oder Tröpfchen als Aerosol inhaliert. Besonders gefährlich ist daher der Aufenthalt in belasteten Räumen, wenn der Kot ohne Schutz aufgewirbelt oder unsachgemäß gereinigt wird. Umso wichtiger sind die richtigen Schutzmaßnahmen bei der Ausführung von Taubenkotreinigungen und Desinfektionsmaßnahmen.
Taubenparasiten können den Menschen befallen
Taubenparasiten können den Menschen und seine Haustiere befallen, wenn sie von ihrem eigentlichen Wirt, der Taube, getrennt werden. Der häufigste Parasit ist dabei die Taubenzecke (Argas reflexus) – ein temporärer, blutsaugender Ektoparasit. Taubenzecken können jahrelang ohne Nahrung überleben und dann dennoch in Wohnräume eindringen und den Menschen vorwiegend nachts befallen. Die Parasiten sind dabei häufig nicht sichtbar und halten sich in tiefen, unzugänglichen Spalten in Mauerwerk oder Holz auf. Bei den meisten Menschen führt der Biss der Taubenzecke nur zu einer harmlosen Reaktion, ähnlich wie bei einem Mückenstich. Ein Befall ist dennoch sehr lästig.
Bei Menschen, die allergisch auf den beim Biss übertragenen Speichel reagieren, kann es auch zu einem anaphylaktischen Schock kommen. Am häufigsten ist der Befall mit Taubenzecken in den Monaten März bis Juli. Die Zecken halten sich an warmen Tagen auch auf Außenmauern auf und gelangen durch Fenster und Balkontüren ins Gebäudeinnere. Rigipswände sind kein Hindernis, kleinste Spalten genügen der Zecke.
Außer der Taubenzecke wurden bei Straßentauben auch Taubenflöhe (Ceratophyllus columbae), Bettwanzen (Cimex lectularius) sowie die rote Blutmilbe (Dermanyssus gallinae) und die nördliche Vogelmilbe (Ornithonyssus syliarum) nachgewiesen. Auch diese Parasiten können Menschen befallen, was aber recht selten ist.
Die Bekämpfung von Taubenzecken ist schwierig. Direkt können die Parasiten aufgrund der tief liegenden Verstecke in der Regel nicht bekämpft werden. Daher setzt man bei der Bekämpfung auf Langzeitpräparate, also lange residual (über die Rückstände) wirkende Mittel.
Bei Taubenzecken sind Langzeitpräparate erforderlich
Wiederholungsbehandlungen sind dennoch notwendig, da Taubenzecken sehr lange Entwicklungszyklen haben und alle mobilen Stadien (Larven, Nymphen und Adulte) lange hungern können. Ausgewachsene Zecken können maximal ein Jahr bis zu einer nächsten Blutmahlzeit hungern, Zecken im Nymphenstadium sogar noch länger. In den Zeiten ohne Nahrungsaufnahme bewegen sich die Zecken wenig und sind für die Präparate kaum erreichbar. Die Konzentration der Präparate nach einer Behandlung muss genau dann noch befallstilgend sein, wenn die Zecken aktiv werden.
Kombination verschiedener Mittel
Zur Bekämpfung von Taubenzecken setzt man meist auf eine Kombination von Sprüh-, Spritz- und/oder Nebelmittel mit lang wirksamen akariziden Wirkstoffen. Als Schädlingsbekämpfer setzen wir heute auf Pyrethrine, Diazinon, Piperonylbutoxid und Kieselsäure. Besonders die Kieselsäure kann über viele Jahre in den ausgebrachten Orten wirksam gegen Zecken bleiben. Die Wirkung ist dabei nicht toxisch, sondern physikalisch: Die Lipide der Cuticula binden die Kieselsäure-Partikel und können so nicht mehr der Regulierung des Wasserhaushalts der Zecke dienen. Die Parasiten trocknen rasch aus und sterben ab. Alternative Verfahren wie das Heißluftverfahren haben sich leider in der Praxis aus Wirkungs- und Kostengründen nicht bewährt.
Laimbarrieren (doppelseitiges Klebeband) sind als akute Sofortmaßnahme absolut zu empfehlen. Rund um Betten und auf den Fensterbänken können sie nächtliche Stichbelästigungen verhindern.
Taubenabwehr: Es gibt viele Möglichkeiten
Ohne Tauben keine Parasiten: Auf diese einfache Formel lässt sich die Herangehensweise bringen. Zur Taubenabwehr stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung:
Kontaktbasierte Methoden:
- Taubenabwehrspikes: Die Vögel können mit den Füßen den Boden nicht erreichen und finden keinen sicheren Halt. Spikes eignen sich zum Schutz von Fensterbänken, Vorsprüngen, Dachrinnen oder Firsten.
- Edelstahldrahtsysteme: Optisch anspruchsvoller und dezenter sind Drahtsysteme. Sie verhindern, dass der Vogel sicher ablanden kann. Dabei kommt es auf die richtige Drahtspannung an. Ein zusätzlich gespannter Draht verhindert das Unterfliegen. Üblicherweise werden mit Drahtsystemen die unmittelbar sichtbaren Bereiche am Gebäude geschützt.
- Vernetzungen: Wenn sich die befallenen Bereiche eingrenzen lassen, sind Netze eine sehr sichere Abwehrmaßnahme. Üblicherweise werden UV-stabilisierte und schwer entflammbare PE-Netze mit einer Maschenweite von 30 mal 30 Millimetern (oder maximal 50 mal 50 Millimetern) eingesetzt.
- Elektrosysteme: Diese Systeme wirken wie Weidezäune: Bei Kontakt mit dem System erhalten die Vögel einen wirksamen Stromimpuls, der sie ohne Gewöhnungseffekt vertreibt. Die sehr wirksamen Systeme sind aber für den Vogel völlig ungefährlich. Von Elektrosystemen gibt es verschiedene Ausführungen, zum Beispiel das Scaretape und dessen Nachfolger K70.
Methoden ohne direkten Kontakt:
- Attrappen: Immer wieder werden vor allem im privaten Bereich Raben-, Turmfalken- oder andere Attrappen zur Abwehr eingesetzt. Leider gewöhnen sich Tauben an Attrappen recht häufig.
- Akustische Lösungen: Vögel reagieren auf akustische Reize. Wenn sie Greifvogelschreie wahrnehmen, löst das in vielen Fällen eine Fluchtreaktion aus. Auf dieser Basis wurden verschiedene akustische Systeme entwickelt, die sich aber meist nur in der Dimensionierung unterscheiden: Für Hallen werden andere Systeme zur Anwendung kommen als etwa in der Landwirtschaft.
- Optische Lösungen: Vögel orientieren sich vor allem visuell. Optische Systeme wie Laser, Eagle-Eye, aber auch Vogelabwehr-Gele, setzen auf diesen Effekt.
- Speziallösungen: Sollen Tauben aus größeren Arealen vertrieben werden, sind innovative Lösungen gefordert. Dazu gehören Fangschläge, Taubenhäuser, die Ansiedlung von Greifvögeln bis zu Sonderlösungen für Flughäfen.
Warum manche Mittel nur kurzfristig wirken
Für die Besiedlung eines Gebiets mit Tauben kann es verschiedene Ursachen geben. Man misst die Besiedlungsstärke anhand des sogenannten Besiedlungsdrucks:
- Geringer Besiedlungsdruck besteht in den Fällen, wenn die Taube keine besondere Attraktivität zum Standort hat. Alle Abwehrmaßnahmen sind in der Regel erfolgreich.
- Bei mittlerem Besiedlungsdruck findet die Taube meist attraktive Futterplätze vor. Werden diese Attraktionen nicht beseitigt, wird sich die Taube auch nur schwer vertreiben lassen.
- Besonders starker Besiedlungsdruck besteht bei einem Brutgeschäft. In den Fällen wird die Taube Abwehrmaßnahmen konterkarieren. Nistmaterial wird in Taubenspikes so lange aufgeschichtet, bis Tauben sogar in den Spikes brüten. Dasselbe kann bei Elektrosystemen passieren. Bei starkem Besiedlungsdruck können nur Vernetzungen oder alternative Lösungen erfolgreich sein.
Bei der Auswahl des Abwehrsystems ist es wichtig, den Besiedlungsdruck zu messen. Wird ein falsches Abwehrsystem ausgewählt, kann es schnell zu einer Gewöhnung der Tauben kommen. Die Systeme sind dann wirkungslos. Nur wenn man dies berücksichtigt, kann eine Bekämpfung erfolgreich sein.
Jörg Nitzsche | heike.holland@holzmann-medien.de