Themen und Trends 2008 Von Konjunktur und Konkurrenz

Entsendegesetz, Mindestlohn und die Chemikalienverordnung REACH waren drei wichtige Entwicklungen, die die Reinigungsbranche 2007 in Atem gehalten haben. Wir haben Hersteller und Dienstleister gefragt, welche Themen und Trends die Branche 2008 beschäftigen werden.

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    Hans Kielgas, Direktor Marketing Institutional, Johnson Diversey Deutschland.
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    Thomas Braun, Leitung Marketing & Vertrieb, Lattemann & Geiger Dienstleistungs gruppe.
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    Tim Jessinghaus, Geschäfts führer AJP A. Jessinghaus & Partner GmbH.
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    Dirk Salmon, Geschäftsführer Vermop Salmon GmbH.
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    Dr. Ralf- Hendrik Steinkühler, Leiter Marketing/Anwen dungstechnik/ Schulung der Hako-Werke GmbH.

Von Konjunktur und Konkurrenz

  • AJP A. Jessinghaus & Partner GmbH, Tim Jessinghaus

Ich blicke im Großen und Ganzen zuversichtlich auf das neue Jahr. Als Spezialist für Dienstleistungen in Seniorenheimen und Krankenhäusern sehen wir noch viel Potenzial für eine weitere positive Entwicklung unseres Unternehmens. Dank Entsendegesetz und Einführung des Mindestlohns, den wir durchaus befürworten, sehen wir auch dem zuletzt teils ruinösen Preiskampf gelassener entgegen. Das Entsendegesetz bringt leider auch mit sich, dass Mitarbeitern keine Zeit mehr für zwischenmenschliche Kontakte mit Patienten bleibt – es geht ein Stück Menschlichkeit verloren.

Sorgen macht mir die Unternehmer- und Unternehmenskultur, die in vielen Bereichen zu beobachten ist. Soziale Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber scheinen viele Firmenchefs oder Vorstände heute nicht mehr zu empfinden. Wie sonst könnte ein Bahnchef nach den Tarifabschlüssen Entlassungen von Mitarbeitern ankündigen? Gäbe es einen Satz des Jahres, müsste der mit Blick auf solche Verhaltensweisen lauten: „Das tut man nicht!“ So aber entwickeln sich Unternehmer mehr und mehr zum Feindbild. Dagegen kämpfen wir in unserem Betrieb entschieden an, wir stellen uns der Verantwortung unseren Mitarbeitern gegenüber, ohne Wenn und Aber.

  • ◆ Hako-Werke, Dr. Ralf-Hendrik Steinkühler

Es ist davon auszugehen, dass sich die Lage der Weltwirtschaft – und damit auch das Klima in Deutschland – 2008 merklich eintrüben werden. Die Konjunktur lahmt – Investitionen werden zurückgestellt, die Unternehmensgewinne gehen zurück, Sparprogramme werden eingeleitet. Das bedeutet, dass die Auftraggeberseite die Kosten für die Gebäudereinigung ebenfalls kritisch überprüfen wird, was in der Folge auch die Investitionen in Reinigungstechnik betreffen könnte.

Die Reinigungstechnikindustrie kann sich den veränderten Rahmenbedingungen dadurch stellen, indem sie verstärkt Nutzungsalternativen anbietet, bei denen eine Maschine nicht mehr gekauft, sondern nur für die Nutzung (z.B. als Miete) bezahlt wird. Ebenso werden Beschaffungsalternativen mit kurzfristiger Bindung weiter an Bedeutung gewinnen.

Weiterhin wird die Wirtschaftlichkeit in der Reinigung weiter optimiert werden müssen, um Kosten ohne Qualitätseinbußen zu senken. Die Maschinenhersteller können dazu beitragen, indem z.B. Maschinen angeboten werden, die kürzere Rüstzeiten ermöglichen, z.B. mit automatischen Befüllsystemen, schnellladefähigen Batterien oder reduziertem Wasser- und Reinigungsmittelverbrauch. Personalkostensteigerungen, bedingt durch die Aufnahme des Gebäudereiniger-Handwerks in das Entsendegesetz und die Tariferhöhungen für 2008, können ebenfalls zu einem weiteren Ausbau des Maschineneinsatzes in der Gebäudereinigung führen, um gestiegene Personalkosten zu kompensieren. Die Hako-Werke werden sich mit entsprechenden Innovationen den Herausforderungen stellen.

  • ◆ JohnsonDiversey, Hans Kielgas

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben. In den letzten Jahren hat sich der Fokus auf Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit verstärkt. Neben finanziellen Aspekten gewinnen ökologische und soziale Kriterien an Bedeutung. Was viele Branchen beschäftigt, wird auch 2008 ein Schwerpunkt im Bereich der Gebäudereinigung sein. Sowohl Anwender als auch Hersteller sind sich der Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt sowie den Anforderungen hinsichtlich Ressourcenschonung und Arbeitssicherheit bewusst. Gerade die Europäische Union forciert diese Trends mit verschiedenen Programmen. Gesetzliche Vorgaben wie REACH oder GHS werden 2008 die Branche beeinflussen – dies alles mit dem Ziel, den Schutz von Mensch und Umwelt zu verbessern. Für JohnsonDiversey bedeuten gesetzliche Vorgaben Minimalstandards. Wie in den Jahren zuvor werden das Unternehmen und seine Mitarbeiter danach streben, den Einfluss auf die Umwelt zu reduzieren und höchste Standards in nachhaltiger Entwicklung setzen.

  • ◆ Lattemann & Geiger Dienstleistungsgruppe, Thomas Braun

Das Schlagwort der fortschreitenden Konsolidierung der Branche Gebäudereinigung geistert seit vielen Jahren und wird immer wieder zum Trend erhoben. Die Realität zeigt trotzdem weiterhin eine von vielen mittelständischen Unternehmen geprägte Branche – und dies nicht zu Unrecht. Auf Nachfragerseite wird auch 2008 die Verbundvergabe, ob über mehrere Standorte oder über mehrere Leistungen, die Entwicklung prägen. Dabei zeigt sich aber, dass die globale, oft deutschlandweite Vergabe im personalintensiven Bereich Gebäudereinigung rückläufig ist. Immer mehr Nachfrager bilden Cluster und steuern die Vergabe nach regionalen Gesichtspunkten. Erreicht wird aus Nachfragersicht dabei Folgendes: Unternehmen mit regionalen Schwerpunkten erhalten dort Aufträge, wo sie logistisch am stärksten sind. Die Aufteilung des Volumens auf mehrere Unternehmen, z.B. in Clustern nach Bundesländern, bringt für die Nachfrageseite darüber hinaus einen weiteren entscheidenden Vorteil: Vergleichbarkeit und Bewertung unterschiedlicher Anbieter, die eine weitere Bündelung von Leistungen auch unter qualitativen Gesichtspunkten zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen.

  • Vermop Salmon GmbH, Dirk Salmon

Die gängige Ausschreibungspraxis zwingt die Dienstleister der Gebäudereinigungsbranche heute dazu, sich vor allem über den Preis zu differenzieren. Dennoch sehen wir am Markt erfolgreiche Unternehmen, denen es gelingt, jenseits aller Preisdiskussion Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln und mittels innovativer Konzepte ihre Kunden an sich zu binden. Dieser Herausforderung erfolgreich zu begegnen und sich im Markt zu profilieren, ist aus Sicht von Vermop der wichtigste Trend für 2008. Meilensteine auf dem Weg dorthin sind ein professioneller Auftritt und die Entwicklung kreativer und innovativer Konzepte. Trotz kurzfristigem Mehraufwand und schwierig zu messender Erträge wird diese Strategie langfristig zum Erfolg führen und den Dienstleister als Marke am Markt etablieren. Ziel von Vermop ist es, unseren Kunden dazu das Handwerkszeug zur Verfügung zu stellen in Form von innovativen Systemen und Know-how. Ein Beispiel dafür ist das Vermop MopLog Meditex Control System, das Kunden bei der Sicherung von Qualitätsprozessen unterstützt. In enger Zusammenarbeit zwischen Kunden und Herstellern entstehen qualitativ hochwertige Dienstleistungsprodukte. Diese werden gemeinsam umgesetzt mit dem Ziel, die Erträge nachhaltig zu verbessern. ⇥□