Dussmann Branchenprimus zieht Bilanz

Branchenprimus zieht Bilanz

-Thomas Greiner, seit September 2007 Vorstandsvorsitzender der Dussmann-Gruppe, zog auf der Bilanz-Pressekonferenz ein klares Fazit: Peter Dussmann habe dem neuen Vorstand ein gut aufgestelltes Unternehmen anvertraut, das in den nächsten Jahren erfolgreich weiterentwickelt und ausgebaut werden soll.

Gegenüber 2006 habe sich ausschließlich durch organisches Wachstum der Umsatz um 47 Millionen (3,7 Prozent) auf 1.331 Millionen Euro gesteigert. Im Vergleich zum Vorjahr sei ein um 13 Prozent höheres Jahresergebnis erwirtschaftet worden, so Thomas Greiner. Auf internationaler Ebene wurde das vierte Mal in Folge ein höherer Jahresumsatz erzielt.

Seit drei Jahren verbessere sich das internationale Jahresergebnis kontinuierlich, unterstrich der Vorstandsvorsitzende. Er erwartet bis zum Ende des laufenden Jahres ein organisches Umsatzwachstum um vier Prozent sowie eine Steigerung des Jahresergebnisses um 20 Prozent. 2007 betrugen die Investitionen 30,6 Millionen Euro gegenüber 26,4 Millionen Euro im Vorjahr. Investitionsschwerpunkte waren die Ausstattungen zahlreicher Großkücheneinrichtungen im In- und Ausland sowie die Errichtung einer Großwäscherei in Luxemburg.

Die Belegschaft wuchs weltweit um 1.909 Mitarbeiter auf 51.136 Beschäftigte. Hierzulande waren es 583 neue Stellen, im Ausland sogar 1.326. Weitere Neueinstellungen sollen folgen, allein in Deutschland sollen dieses Jahr 1.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Sowohl 2007 als auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres wurden viele interessante Neuaufträge akquiriert. Unter anderem zeichnet Dussmann-Service an den Rolls-Royce-Deutschland-Standorten Dahlewitz und Oberursel 2007 für das integrierte Facility Management. Diese Dienstleistung sei mittlerweile ein Exportschlager, so Thomas Greiner.

Zu den stärksten Wachstumsmärkten in diesem Segment gehören die Vereinigten Arabischen Emirate, in Katar solle demnächst ein vierter Standort eröffnet werden. Die britische Tochter von Dussmann-Service bekam die Zuschläge für die Sicherheitsdienstleistungen in der US-Botschaft in London sowie im US-Konsulat in Edinburgh. Seit September des vorigen Jahres sind fast 160 Beschäftigte der chinesischen Auslandsgesellschaft des Unternehmens für die Sicherheit im BMW-Werk in Shenyang verantwortlich. Seit April 2008 nimmt Dussmann-Service die Sicherheits- und Gebäudereinigung-Dienstleistungen an verschiedenen Standorten der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH – unter anderem im Flughafen Frankfurt/Main – wahr.

Im Februar 2008 wurde Dussmann-Service im Rahmen eines Pilotprojekts mit der „Zentralen Probenannahme“ für das Landeslabor Brandenburg beauftragt. Die Mitarbeiter erfassen, katalogisieren und verteilen täglich bis zu 10.000 Proben aus Veterinärmedizin und Bodentechnik. Im Segment Catering wurde Dussmann-Service durch das Universitätsklinikum Greifswald mit der Verpflegung von bis zu 700 Patienten sowie 180 Mitarbeitern beauftragt. Darüber hinaus konnten in der Schulverpflegung neue Aufträge gewonnen werden. Mittlerweile kochen Dussmann-Küchenteams deutschlandweit täglich 30.000 Mahlzeiten für Schulen und Kindergärten. Ebenso wird für Patienten und Schüler in Italien, Estland, Rumänien und Bulgarien gekocht. In Ungarn betreibt Dussmann-Service eine Küche im Strafvollzug.

Wachsende Bedeutung kommt dem Altenpflegemarkt zu. Das 1985 gegründete Tochterunternehmen Kursana unterhält in Deutschland mittlerweile 108 Senioren- und Pflegeeinrichtungen. In Österreich gibt es vier Häuser, in der Schweiz und Estland jeweils eines und 16 in Italien. Gegenwärtig werden insgesamt 12.600 Senioren durch 5.730 Kursana-Mitarbeiter betreut. Von Anfang 2007 bis Anfang 2008 wurden in Deutschland sieben neue Seniorendomizile eröffnet. In Niedersachsen, Bayern und Schleswig-Holstein sollen bis zum Herbst dieses Jahres vier weitere Kursana-Senioreneinrichtungen fertiggestellt sein.

Für die kommenden Jahre erwartet Thomas Greiner in diesem Segment weiteres Wachstum. „Kursana ist eine wichtige und tragende Säule der Dussmann-Gruppe und trägt durch seine Expansion im In- und Ausland einen großen Anteil zum Unternehmenserfolg bei“, stellte der Vorstandsvorsitzende fest. In Deutschland sollen pro Jahr fünf bis acht Seniorenhäuser mit 600 bis 900 Betten eröffnet werden. Sämtliche Einrichtungen sind Neubauten, 80 Prozent der Kapazitäten Einzelzimmer. Barrierefreie Duschbäder sind Standard. Einen immensen Bedarf an neuen stationären Pflegeeinrichtungen für Senioren sieht Thomas Greiner in Osteuropa. Dort müssten allerdings gemeinsam mit den Kommunen und den Versicherungsträgern tragbare Finanzierungsmodelle entwickelt werden. Möglicherweise sei der in deutschen Häusern übliche Komfort nicht ohne weiteres übertragbar, räumte der Vorstandsvorsitzende ein. Für osteuropäische Senioren sei es jedoch schon ein Komfortgewinn, wenn ihnen statt der bisher üblichen Etagenbäder künftig Kursana-Domizile mit Doppelzimmern und individuellen Nasszellen angeboten würden. Ein Schwerpunkt für die nächsten Jahre soll die unternehmensinterne Aus- und Weiterbildung in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachhochschulen sein. „Der Bedarf ist da“, so Thomas Greiner. Azubis hätten gute Chancen auf eine Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis in der Dussmann-Gruppe. Ein gesetzlicher Mindestlohn auf Bundesebene könnte für kleinere Unternehmen verhängnisvoll sein, befürchtet Thomas Greiner. „Weil im stationären Bereich mittlerweile qualifiziertes Personal rar ist, wird der geforderte Stundenlohn von 7,50 Euro bereits übertroffen“, so der Vorstandsvorsitzende. Deshalb würden viele kleine ambulante Pflegedienste schon jetzt um das Überleben kämpfen. Für die Dussmann-Gruppe stelle sich diese Frage indessen nicht. Die Kursana-Häuser seien Dienstleistungszentren, die Leistungen des gesamten Portfolios anbieten könnten.

Reinhard Wylegalla