Jeder Müll hatte ursprünglich einmal einen Wert, bevor er entsorgt wurde. Ein Teil dieses Wertes lässt sich auch nach der Entsorgung wieder heben, insbesondere wenn die Abfälle nach Stoffen getrennt wurden und so eine Verwertung wirtschaftlich sinnvoll ist. Je nach Lage der Rohstoffmärkte werden Wertstoffabfälle, also getrennte Abfälle, günstiger entsorgt oder man erhält sogar noch etwas für diese Abfallarten.
Kosten senken ohne Aufwand
- Durch die Abfalltrennung lassen sich also erhebliche Kosten einsparen und damit ein weiterer Wettbewerbsvorteil schaffen. Darüber hinaus werden über eine genauere Auswahl der Abfallsäcke auch die Verbrauchskosten gesenkt. Wichtig ist, dass nur die Abfälle, die sich zu einer Fraktion zusammenfassen lassen, auch gemeinsam entsorgt werden.
Am Arbeitsplatz fängt es an
In einem Bürogebäude z.B. fällt in der Regel besonders viel Papiermüll an. Eine einfache Lösung wäre es, an jedem Arbeitsplatz einen Papierkorb und einen Mülleimer für den Restmüll bereitzustellen. So ist zumindest das leicht zu recycelnde und gleichzeitig voluminöse Papier stofflich von den anderen Abfällen getrennt und günstiger zu entsorgen. Als zweiter Schritt zur Umsetzung einer getrennten Abfallsammlung haben sich so genannte „Wertstoffinseln“ durchgesetzt. Das ist ein Verbund von Mülleimern, die in der Regel auf dem Deckel mit einer Beschriftung, einem zum Wertstoff passenden Piktogramm und einer bestimmten Farbe gekennzeichnet sind, um Fehlwürfe zu verhindern. Natürlich ist es wichtig, vor allem diese Farbtrennung konsequent bis zur endgültigen Entsorgung durchzuhalten. Werden die Abfälle an der Wertstoffinsel getrennt entsorgt und stecken in den Mülltonnen, unabhängig von der Abfallfraktion, immer die gleichen Müllsäcke, z.B. schwarze, so ist die Gefahr einer Verwechslung der Säcke beim Entleeren der Wertstoffinseln groß. Die eigentlich bezweckte Abfalltrennung wird ad absurdum geführt.
Im Gegensatz zur Nutzung von Putztüchern sind bei der Abfalltrennung keine verbindlichen Farbschemata definiert. Es hat sich jedoch ein grobes Farbleitsystem etabliert, bei dem die Farben eine teilweise überschneidende Bedeutung haben (siehe Kasten).
Durchsicht schafft Durchblick
Wer auf farbliche Trennung verzichten möchte, greift bei der Wertstoffentsorgung zu transparenten Abfallsäcken. Die Durchsichtigkeit von Abfallsäcken ermöglicht es, dass der Entsorger einen genauen Überblick über die zu entsorgende Abfallfraktion bekommt. So weiß der Entsorger, was er annimmt. Die Gefahr der Fehlentsorgung und damit der Verunreinigung von anderen Wertstoffen kann vermieden werden. Aus diesem Grund schreiben einige Entsorger die Verwendung von transparenten Säcken vor.
Würden alle Abfälle ungetrennt entsorgt werden, wären nicht nur die Kosten für die Entsorgung, sondern auch die Materialkosten für die Abfallsäcke höher. Die Auswahl der Abfallsäcke bemisst sich dann nämlich immer an den schwersten, scharfkantigsten bzw. problematischsten Abfällen. Dies zieht die Wahl der stabilsten und damit meist auch teuersten Abfallsäcke nach sich. Durch die Trennung der Abfälle werden auch hier Kosten bei den Verbrauchsartikeln eingespart. Zwar benötigt man immer noch stabile Säcke für nasse oder scharfkantige Abfälle, jedoch nicht mehr so viele, da die unproblematischeren Abfälle mit dünneren und dadurch günstigeren Abfallsäcken entsorgt werden.
Auswahl der Abfallsäcke
Anhand der zu trennenden Abfallfraktionen können entsprechende Rückschlüsse auf die Beschaffenheit der Abfälle gezogen werden. Dies erleichtert die Auswahl der richtigen Abfallsäcke. Harte, schwere oder nasse Abfälle sollten in einem Abfallsack aus einem anderen Material entsorgt werden als weiche und leichte Abfälle. Auch spielt die stoffliche Vergleichbarkeit der Abfallsäcke mit dem Abfall eine Rolle. Der gefüllte Abfallsack kann so gleich mit entsorgt werden und muss nicht mehr entleert werden. Sind viele scharfkantige Abfälle zu erwarten, wie beispielsweise Scherben oder Ähnliches, dann sind Papiersäcke die erste Wahl. Papier ist schnittfester als Kunststofffolie. Die Scherben können den Papiersack nicht ohne Weiteres zerschneiden. Der Sack bleibt erhalten und schützt darüber hinaus vor Schnittwunden.
Durch die stoffliche Gleichheit eignen sich Papiersäcke natürlich auch gut zur Entsorgung von Papierabfällen. Bei organischen bzw. kompostierbaren Abfällen hat man die Wahl zwischen Papiersäcken oder Abfallsäcken aus biologisch abbaubarer Folie. Papiersäcke haben den Vorteil, dass sie hitzebeständiger sind als Biofolie. Werden häufig heiße, d.h. über 80 °C warme Abfälle wie z.B. frischer Kaffeesatz oder Ähnliches entsorgt, mögen Papiersäcke im Vorteil sein. Allerdings müssen sie dann häufig entsorgt werden, da Papiersäcke nicht so feuchtigkeitsresistent sind wie Biofolie.
Handelt es sich um allgemeine organische Abfälle, also Obstschalen, etc., ist die Biofolie meist der bessere Weg. Durch ihre flüssigkeits- und luftdichten Eigenschaften hält sie Feuchtigkeit und Gerüche im Abfallsack. So verhindert sie eine Verschmutzung und damit Schimmelbildung in der Mülltonne. Beide Materialarten, Papier und Biofolie, haben den Vorteil, dass sie problemlos kompostierbar sind und daher mit dem Inhalt entsorgt werden können. Handelt es sich um weiche Abfälle wie Handtuchpapier, Textilien oder besonders leichte Abfälle, so sind Kunststoffsäcke aus PE-HD (Polyethylen high density) zu bevorzugen. PE-HD zeichnet sich dadurch aus, dass es auch bei geringer Foliendicke über eine hohe Reißfestigkeit verfügt. Aber die Weiterreißfestigkeit bei einer Beschädigung ist hingegen eher schwach. Wichtig bei der Entsorgung von PE-HD-Säcken ist also, dass die Säcke unbeschädigt bleiben. Dies ist bei den genannten Abfallfraktionen in der Regel gewährleistet. Bestehen die Abfallfraktionen aus nassen, schweren, kantigen oder unbestimmbaren Abfällen, so ist PE-LD (Polyethylen low density) das richtige Material für die Kunststoffsäcke.
Im Gegensatz zum PE-HD ist es dehnfähiger und hat eine wesentlich höhere Weiterreißfestigkeit. Ein beschädigter Abfallsack aus PE-LD reißt nicht weiter auf und erledigt so noch seinen Job. Dafür muss PE-LD allerdings in dickeren Wandstärken produziert werden und ist dementsprechend meist etwas teurer als PE-HD. Um die durch die erhöhte Wandstärke entstehenden erhöhten Kosten etwas abzufedern, wird vor allem im PE-LD-Bereich größtenteils auf Recyclingmaterial, also Regenerate gesetzt.
Regenerate senken Produktionskosten
Grob unterscheidet man zwischen Abfallsäcken aus handelsüblichen Standardregeneraten und Abfallsäcken aus definierten Produktionsabfällen. Dabei haben sich Letztere als besonders vorteilhaft erwiesen. Drei Punkte bilden dabei die besonderen Vorteile des definierten Regenerates:
- Durch die genaue Bestimmbarkeit des Materials lässt sich die Produktion der Folie besser und damit genauer steuern. Produktionsfehler, die zu erheblichen Schwächen der Schweißnaht, aber auch der Reißfestigkeit der Folie führen können, werden so minimiert.
- Handelsübliche, nicht definierte Standardregenerate sind in der Regel Regenerate (aus Sammlungen), deren Folien schon einmal einem Verwendungszweck, z.B. Verpackungsfolien, gedient haben und stark unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Die vielfältigen Quellen, aus denen diese Regenerate geschöpft werden, ziehen einen hohen Verschmutzungsgrad der Altfolie und damit auch der Regenerate nach sich. Durch die Hitze im Produktionsprozess von Folien werden diese Schmutzpartikel verbrannt und die Folie ist mit einem übel riechenden Geruch behaftet. Darüber hinaus setzen sich die Schmutzpartikel zwischen den Molekülketten des PE ab und bilden so Schwachstellen in der Folie.
- Meist handelt es sich bei definierten Regeneraten um einmal recycelte Neuware. Das heißt, die Molekülketten des PE sind noch verhältnismäßig lang, die Folie ist besonders zäh und reißfest. Wie auch bei Papier lässt sich PE nicht unendlich recyceln. Mit jedem Recyclingschritt werden die Molekülketten des PE kürzer, die Zähigkeit der Folie nimmt ab. Handelsübliche Regenerate bestehen häufig aus mehrfach recyceltem Material, also eher kürzeren Molekülketten.
Sören Dede, Emil Deiss KG | peter.hartmann@holzmannverlag.de