Feinsteinzeugfliesen erfreuen sich bei Bauherren und Architekten großer Beliebtheit. Der vielseitige Bodenbelag hat mit Erfolg in die unterschiedlichsten Gebäudearten Einzug gehalten. Er ist heute als modernes Gestaltungsmittel im Bodenbelagbereich nicht mehr wegzudenken.
Gegen die Vergrauung
-Die Feinsteinzeugfliese besteht aus einem speziell aufbereiteten homogenen Tonmaterial, dessen sprühgetrocknete Masse unter hohem Druck gepresst bei einer Temperatur von über
1.200 °C gebrannt wird und dabei stark aussintert. Dadurch ergibt sich ein extrem harter Belag mit einem sehr niedrigen Wasseraufnahmevermögen (weniger als 0,5 Gewichtsprozente) und hoher Trittsicherheit.
Es gibt verschiedene Arten von Feinsteinzeugfliesen: oberflächenbehandelte und -unbehandelte. Sie unterteilen sich in:
- Naturoberflächen,
- gebürstete Oberflächen,
- anpolierte Oberflächen,
- polierte Oberflächen und
- strukturierte Oberflächen.
Da alle diese Feinsteinzeugfliesen jedoch eine mikroporöse Oberfläche haben, können auch sehr kleine Schmutzpartikel eindringen und sich verankern: Die Folge ist eine sogenannte Vergrauung, die eine große Herausforderung für die Bodenreinigung mit sich bringt. Nur mit speziellen Reinigungs-
mitteln, die über eine große Benetzungsfähigkeit verfügen,
kräftiger Mechanik und Reinigungstextilien aus Mikrofaser, gelingt es, den Schmutz aus dieser Oberflächenstruktur herauszulösen.
Erstreinigung: Dem Zementschleier an den Kragen
Bei der Erstreinigung eines neu verlegten Feinsteinzeugfliesen-Bodens wird zunächst der Grobschmutz durch Kehren oder Absaugen beseitigt. Mörtel- und Gipsreste bzw. Lacke und Farben werden mit einer Klinge entfernt. Dann geht es dem Zementschleier an den Kragen, der nach dem Verfugen der Fliesen zurückgeblieben ist.
Bevor der Zementschleierentferner aufgelegt wird, muss die Reinigungsfläche mit klarem Wasser gut vorgenässt werden, damit sich die Fugen zwischen den Fliesen mit Feuchtigkeit sättigen können und keinen Schaden durch die im Zementschleier enthaltene Säure nehmen.
Beim darauf folgenden maschinellen Einsatz kommen zwei unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:
1. Eine langsam laufende Einscheibenmaschine (150 U/min), um ein hohes Drehmoment auf die Oberfläche zu bringen.
Die Maschine sollte außerdem mit einem Reinigungsmitteltank, einem Zusatzgewicht sowie einem Padträger mit Mikrofaserpads ausgerüstet sein. Nur die synthetisch hergestellte Mikrofaser ist in der Lage, in die poröse Oberflächenstruktur der Feinsteinzeugfliesen einzudringen und die Schmutzpartikel zu beseitigen. Das Geheimnis: Durch die Reibung lädt sich die Mikrofaser elektrostatisch auf und es entsteht eine schmutzanziehende Wirkung.
Zunächst wird der Zementschleierentferner (circa fünfprozentig) in Bahnen abschnittsweise vorgelegt. Während der Einwirkzeit (circa fünf Minuten) wird der Belag in stark überlappenden, kreisförmigen Bewegungen bahnenweise mehrfach abgeschrubbt, um eine gleichmäßige Abtragsleistung zu erreichen.
Beim Vorlegen und Bearbeiten der zu reinigenden Flächen ist darauf zu achten, dass der Zementschleierentferner nicht auftrocknet. Daher ist gegebenenfalls Reinigungsflotte aus dem Tank nachzulegen. Als nächster Schritt folgt dann das Aufsaugen der Schmutzflotte mit einem großdimensionierten, leistungsfähigen Nass-/Trockensauger. Auch ist darauf zu achten, dass in regelmäßigen Abständen nach der Bearbeitung einer Fläche von 20–30 m² das Mikrofaserpad ausgewechselt wird, da die Schmutzaufnahme-Kapazität des Pads erreicht ist. Dazu noch ein Hinweis: Die schmutzigen Scheibenpads können nach Gebrauch nicht einfach ausgespült werden, sondern müssen vor dem erneuten Einsatz in der Waschmaschine gesäubert werden.
Abschließend wird die abgesäuerte Fläche mit reichlich klarem Wasser gespült und mit dem Nass-/Trockensauger abgesaugt.
2. Als wirtschaftliche Alternative zum Einscheibengerät kann eine kompakte Walzenschrubbmaschine mit Mikrofaserwalzen eingesetzt werden, mit der zunächst der Zementschleierentferner aufgebracht wird.
Klar: Auch hier ist darauf zu achten, dass die Reinigungsflotte nicht auftrocknet. Während der Einwirkzeit (circa fünf Minuten) wird die vorbereitete Fläche bei mittlerem Anpressdruck der Mikrofaserwalzen mehrmals kreuzweise abgefahren. Dadurch werden auch die Fugen sehr gut gereinigt. Dann wird die Schmutzflotte aufgesaugt. Zum Schluss ist mit der Scheuersaugmaschine – und reichlich Wasser – in der Einschrittmethode zu spülen.
Ausschlaggebend für ein bestmögliches Reinigungsergebnis bei Feinsteinzeugfliesen ist u.a. der hohe Anpressdruck der Mikrofaserwalzen. Mit bis zu 130 g/cm² (mittlerer Anpressdruck) ist er um ein Vielfaches höher als bei Scheibenbürsten (40 g/cm²), da die Auflagefläche wesentlich kleiner ist. Auch die Drehzahl der Mikrofaserwalze (ca. 1.100 U/min) ist am guten Reinigungsergebnis maßgeblich beteiligt.
Bei der Walzentechnik verbleibt durch die hohe Umdrehungszahl kein Schmutz in der Mikrofaser: Sie ist selbstreinigend. Die Mikrofaserwalzen müssen während des Reinigungsvorgangs nicht ausgewechselt werden und haben so immer die gleiche große Reinigungseffizienz. Ein zeitaufwendiges Säubern der Mikrofaserwalzen nach Abschluss der Reinigungsaufgabe ist ebenfalls nicht erforderlich. Es reicht ein Abspülen unter dem Wasserhahn.
Unterhaltsreinigung: Mit der Walzenschrubbmaschine nur ein Arbeitsgang
Bei der maschinellen Unterhaltsreinigung wird der Feinsteinzeugfliesen-Reiniger (drei bis fünfprozentig) mit einer kompakten Scheuersaugmaschine mit Walzenschrubbkopf und Mikrofaserwalzen gleichmäßig aufgetragen, eingearbeitet und im selben Arbeitsgang wieder abgesaugt. Hier reicht die Einschrittmethode. Bei diesem Reinigungssystem werden auch die Fugen immer gründlich gereinigt.
Für die Unterhaltsreinigung kleinerer Flächen sowie für das Reinigen schwer zugänglicher Stellen empfiehlt sich der Einsatz einer auf solche Aufgaben zugeschnittenen Scheuersaugmaschine oder eines Zweikammer-Nasswischwagens mit einem Mikrofasermopp.
Bei der Auswahl des Feinsteinzeugfliesen-Reinigungsmittels ist auf einen hohen Benetzungseffekt zu achten. Bevorzugt werden tensidfreie Reinigungsmittel, um der Wiederanschmutzung entgegenzuwirken.
Grundreinigung: Verfahren wie bei der Erstreinigung
Bei Feinsteinzeug-Bodenbelägen, die schon über Jahre beansprucht und bisher nur mit dem Wischmoppverfahren im Unterhalt gereinigt worden sind, ist in bestimmten Abständen eine maschinelle Grundreinigung in der Zweischrittmethode nicht zu umgehen. Hier kommen die gleichen Reinigungsverfahren zur Anwendung wie bei der Erstreinigung (Zementschleierentfernung) beschrieben. Je nach Verschmutzungsart und -grad sind tensidfreie Feinsteinzeugfliesen-Reiniger oder gut benetzende, stark alkalische Grundreiniger einzusetzen.
Dabei empfiehlt sich – wie bei der Erstreinigung – folgender Arbeitsablauf:
- Das Reinigungsmittel abschnittsweise auflegen und nicht auftrocknen lassen. Ein Vornässen der Fugen erübrigt sich, da das Fugenmaterial alkalibeständig ist.
- Während der Einwirkzeit vorgelegte Fläche mit der Einscheibenmaschine bzw. dem Walzenschrubbautomaten bearbeiten.
- Schmutzflotte aufsaugen.
- Bodenbelag mit reichlich klarem Wasser nachspülen.
Wenn die Feinsteinzeugfliese, die durch die Mikroporenstruktur anspruchsvoll ist, in der beschriebenen Weise regelmäßig gereinigt wird, ist eine Vergrauung auf Dauer nicht zu befürchten. So kommt die Ursprünglichkeit der Fliese voll zur Geltung. Auch dem Aspekt der Trittsicherheit wird wieder voll Rechnung getragen.
Gerd Heidrich | Schulungsleiter, Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH
Niels W. Buhrke | Freier Journalist