Kreativ sein - oder es droht der Kollaps

»Die Überalterung der Gesellschaft stellt die Branche vor große Herausforderungen. Sie bietet aber auch Chancen.«

Markus J. Targiel | Redakteur | markus.targiel@holzmann-medien.de

Kreativ sein - oder es droht der Kollaps

- Der Arbeitsmarkt wandelt sich. Die Entwicklung hat bereits vor rund zehn Jahren eingesetzt und wird sich zunehmend beschleunigen. Die Rede ist vom demographischen Wandel. Die Gebäudereinigungsbetriebe spüren bei der Nachwuchswerbung schon jetzt die harte Konkurrenz am Arbeitsmarkt (siehe hierzu Beiträge zu diesem Thema von unserem Autor Hartmut H. Wolff). Es gilt deshalb jetzt mehr denn je, für ein gutes Image des eigenen Betriebes bzw. der ganzen Branche zu sorgen, um hier nicht ins Hintertreffen zu geraten beim (im wahrsten Sinne des Wortes) Kampf um den Nachwuchs.

Am deutlichsten wird diese dramatische Entwicklung des Arbeitsmarktes, wenn man sich konkrete Zahlen vor Augen führt: Ab dem Jahr 2015, so das Statistische Bundesamt, ist von einer spürbaren Verringerung der Erwerbsbevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren auszugehen. Dieser Prozess werde sich ab dem Jahr 2020 nochmals beschleunigen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Im Jahr 2030 werde die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter voraussichtlich rund 6,3 Millionen Menschen weniger umfassen als noch 2010 (knapp 50 Millionen). 2060 werden nur noch 36 Millionen Menschen im Erwerbsalter sein (-27 Prozent). Dabei wird von einer Nettozuwanderung von jährlich 200.000 Personen ab dem Jahr 2020 ausgegangen. Wanderten im Saldo weniger Menschen nach Deutschland zu, falle der Rückgang der Erwerbsbevölkerung entsprechend höher aus.

Parallel zum Werben um Nachwuchs muss man sich grundsätzliche Gedanken darüber machen, wie man das Potenzial älterer Beschäftigter besser nutzt. Dazu gehört auch, dass bei zunehmendem Anteil älterer Beschäftigter die Arbeitsbedingungen altersgerecht(er) gestaltet werden müssen. Eine Herausforderung nicht nur für die Gebäudereinigerbranche, sondern für die Gesellschaft insgesamt!

Der Alterungsprozess der Gesellschaft eröffnet aber auch Chancen. Auch hierzu einige Zahlen zu einer Entwicklung, in der wir bereits mittendrin stecken: Im Jahr 2060 werden 34 Prozent der Bevölkerung in Deutschland
65 Jahre und älter sein und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben als Kinder geboren werden. 2050 wird die Gruppe der mindestens 80-Jährigen über 10 Millionen betragen! Vor diesem Hintergrund habe ich kürzlich mit einem Dienstleister gesprochen, der sich derzeit intensiv damit auseinandersetzt, wie man ältere Menschen als Kundengruppe gewinnen kann - und ist vom Erfolg überzeugt. Nicht nur mit Reinigungsleistungen, sondern z.B. auch mit Hol- und Bringdiensten. Eine Idee, die so neu nicht ist, aber im Zuge der Überalterung der Gesellschaft mehr als einen Gedanken wert ist.

Markus J. Targiel