Leserbriefe -

Leserbrief Wo sind die innovativen Gebäudereiniger?


Erstmal möchte ich mich bei Ihnen für die spannenden und inspirierenden Beiträge in rationell reinigen bedanken. Meiner Meinung nach hat die Zeitschrift als Ganzes ein sehr hohes Niveau, aber Ihre Beiträge sind für mich von Ausgabe zu Ausgabe ein Highlight!

Ihrem aktuellen Beitrag „Wer braucht schon Gummibärchen?“ kann ich grundsätzlich viel abgewinnen. Was mich allerdings schon länger beschäftigt, sind Ihre genannten Beispiele Haribo, Gillette und McDonald’s. Alles Unternehmen, die sich im B2C-Markt bewegen.

Haben Sie eine Erklärung, warum man bei der Suche nach vorbildlichen Unternehmen (zu welchen Thema auch immer) fast ausschließlich auf B2C-Unternehmen stößt? Ganz selten sind es Unternehmen im B2B-Bereich und wie eindrucksvoll wäre erst ein Beispiel aus der Gebäudereinigung.

Wie ist es möglich, dass bei einer derart hohen Anzahl an Gebäudereinigungsunternehmen sich weltweit kein einziges dramatisch erfolgreiches Unternehmen befindet. Ein Reinigungsunternehmen, das seine Sache (in welchem Teilaspekt auch immer) derart innovativ und/oder gut macht, dass sein organisches Wachstum sich deutlich vom Marktdurchschnitt abhebt.

Ist es wirklich nur das Selbstverständnis/eine mangelnde Fantasie in der Branche oder greifen hier andere Marktgegebenheiten, die keine Haribos, Apples und McDonald’s in unserer Branche zulassen? Die Dienstleistung macht es vermutlich schwieriger, aber liegt es wirklich daran?

Ich freue mich auf Ihre Sichtweise.

Mag. Gert Wakonig | kfm. Geschäftsführung Österreich | Hectas Gebäudedienste, Klagenfurt

Sehr geehrter Herr Magister Wakonig!

Ich denke, auch der B2B-Sektor bietet uns sehr positive Beispiele dafür, wie ein klares Firmenprofil zu einer beherrschenden Marktstellung führen kann. Da sind zum Beispiel die fünf IBM-Mitarbeiter, die mit ihren in Nacht- und Wochenendarbeit entwickelten Ideen und Softwarekonzepten den damaligen Weltmarkführer das Fürchten lehrten. Heute bekannt als SAP. Sie wussten, was sie wollten.

Oder - wenn wir denn in der Computerbranche bleiben: Intel, eine Zwei-Personen-Gründung plus einem Geldgeber, den sie überzeugen konnten. Klares Profil auf ein einziges Produkt.

In der vierten Folge meiner kleinen Serie (Ausgabe 4/2011, Seite 69) tauchen auch zwei Dienstleister auf. Aus meiner Sicht bietet auch die Gebäudereinigung einige „starke“ Beispiele - sie sind von mir schon öfters zitiert worden, so dass ich meine Leser damit nicht erneut langweilen will.

Aber zum Beispiel: Der junge, unmündige Mann, der mit einer Leiter und einem Fahrrad (und ohne Betriebskapital und Gewerbeerlaubnis) nach Berlin kam und mit sehr konzentriertem Service den Markt der Gebäudereinigung im damaligen Berlin aufmischte. In den 30er Jahren leistete er seinen Service schon bis hoch an die Ostsee. Unter anderem mit 400 (!) Innenreinigungskräften - als die meisten Wettbewerber nur ans Fensterputzen dachten: Carl Gegenbauer. Nach dem 2. Weltkrieg begann er neu: Sein Marktanteil in Westberlin in den 80er Jahren: fast 50 Prozent (!).

Als Beratungsunternehmen dürfen wir natürlich nicht aus der aktuellen Schule plaudern. Aber unter unseren Kunden befindet sich auch dieses oder jenes Unternehmen, das wir auf dem Weg zur Alleinstellung in bestimmten Marktsegmenten der personalintensiven Dienstleistung begleiten. Dabei geht es (noch?) nicht um die Weltmarktführerschaft, wohl aber um die beherrschende Stellung in regionalen Märkten für bestimmte Zielgruppen.

Aber ich gebe Ihnen Recht: Wo sind heute die drei Objektleiter(innen) oder Gesellen, die diese personalintensive Dienstleistung in irgendeiner Marktnische „neu erfinden“ und mit klarem Profil zur Marktführerschaft bringen? Was mit defekten Autoscheiben (Carglass) klappt, muss doch auch mit Sauberkeit, Hygiene oder Ordnung gehen.

Hartmut H. Wolff | Geschäftsführer BestMaker Service, Berlin

© rationell-reinigen.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Log-in

* Pflichtfelder bitte ausfüllen