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Ausbildung im Gebäudereiniger-Handwerk Willkommen im Betrieb

Die Zahl der Auszubildenden im Gebäudereiniger-Handwerk sinkt seit Jahren, die Abbrecherquote – oftmals noch in der Probezeit – ist hoch. Die Ausbildung des Nachwuchses ist in der Branche längst zur Herausforderung geworden – nicht nur, weil es nicht mehr ganz einfach ist, Auszubildende zu finden. Wie gelingt es Betrieben, dass ihre Gebäudereiniger­azubis bleiben und sich gut entwickeln?

Konflikte mit Kollegen, Ausbildern und Vorgesetzten, mangelnde Kommunikation, ungünstige Arbeitsbedingungen und zu wenig Anerkennung, aber auch falsche Berufsvorstellungen: Das sind nur einige Gründe für die hohen Abbruchzahlen bei der Ausbildung. Jeder dritte Auszubildende im Handwerk wirft vorzeitig das Handtuch. Im Gebäudereiniger-Handwerk ist es sogar jeder zweite Auszubildende.

Nur wer sich als Ausbilder gleich zu Beginn richtig um neue Azubis kümmert, kann Probleme vermeiden und sich später über engagierte Fachkräfte freuen. Denn gerade in den ersten Tagen machen sich viele Auszubildende Gedanken darüber, ob ihre Entscheidung für den Ausbildungsberuf und den -betrieb richtig war. Fühlen sie sich von Anfang an willkommen, kann dies helfen, Ausbildungsabbrüche zu verhindern.

Unterstützung ist nicht nur am Anfang wichtig

Für die Azubis beginnt mit der Lehre ein neuer Lebensabschnitt: vom fremdbestimmten Lernen für Schule und Lehrer hin zu einem Lernen für die eigene Entwicklung und berufliche Zukunft. Damit die Jugendlichen ihre neue Rolle im Betrieb und im Kollegenkreis leichter finden können, brauchen sie gerade zu Beginn Unterstützung. Der Karrierestart sollte möglichst schonend sein. Aber wie können Ausbilder den Azubis dabei entgegenkommen? Und was ist den Auszubildenden selbst überhaupt wichtig?

Was in die Willkommensmappe gehört

Ein Willkommensschreiben bereits vor dem Ausbildungsbeginn hilft dem Azubi, sich auf den ersten Arbeitstag vorzubereiten – und nimmt ihm womöglich einen Teil der Nervosität. Im Schreiben sollten Hinweise zum Ablauf stehen. Wann soll der Jugendliche da sein? Was soll er mitbringen? Um neuen Auszubildenden am ersten Tag den Einstieg zu erleichtern, ist es sinnvoll, die wichtigsten Infos zum Betrieb kompakt zusammenzufassen. Zum optimalen Starter-Kit gehören Einführungs- oder Willkommensmappen. Dadurch erhalten die Azubis die wichtigsten Informationen auf einen Blick. Diese Inhalte sollte eine digitale oder analoge Willkommensmappe bieten:

  • Daten und Fakten zur aktuellen Situation des Unternehmens,
  • Firmengeschichte in Kurzform,
  • Infos zu Dienstleistungen, Kunden und der Marktposition,
  • Leitlinien des Unternehmens,
  • Sozialleistungen und Bonussysteme,
  • Unterstützungsmöglichkeiten (zum Beispiel bei der Wohnungssuche),
  • Ansprechpartner mit Kontaktdaten,
  • Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten,
  • Aufstiegschancen und Perspektiven,
  • Betriebsregeln im Überblick,
  • Checklisten.

Der erste Tag kann entscheidend sein

Über Erfolg und Misserfolg einer Ausbildung können die ersten Tage entscheiden.  In der Regel sollte immer der Chef neue Mitarbeiter willkommen heißen – das gilt auch bei Azubis. Es zeigt gleich zu Beginn der Ausbildung, dass auch die Lehrlinge wertgeschätzt werden. Der zuständige Ausbilder kann die Aufgabe übernehmen, falls der Betriebsinhaber verhindert ist.

Bevor es mit der Arbeit losgeht, sollte der Lehrling erst einmal eine Betriebsführung bekommen. So findet er sich schnell alleine zurecht und fühlt sich nicht verloren. Dabei sollte der Azubi zumindest alle für ihn wichtigen Räume sehen. Die Betriebsführung ist auch eine gute Gelegenheit, die Kollegen kennenzulernen. Vor allem sollte für den Azubi schnell klar sein, wer seine Ansprechpartner sind. Denn er muss wissen, an wen er sich mit welchen Fragen wenden kann – sonst fragt er womöglich gar nicht.

Wichtige Betriebsregeln erläutern

Gerade in einer neuen Umgebung geben Regeln Orientierung Azubis müssen wissen:

  • Was ist im Betrieb erlaubt und was wird ungern gesehen (zum Beispiel Rauchen und Handynutzung)?
  • Wie sind die Arbeitszeiten und Pausenzeiten?
  • Wem soll er Bescheid geben, wenn er krank ist?
  • Was hat es mit dem Ausbildungsnachweisheft auf sich?
  • Wie ist der Ablauf in der Berufsschule?

Die ausführlichen Betriebsregeln sollten Ausbilder nicht nur im Gespräch erklären, sondern auf jeden Fall auch schriftlich aushändigen  – zum Beispiel in der Willkommensmappe.

Paten sind erster Ansprechpartner bei Fragen

Sinnvoll ist es, jedem Auszubildenden einen Paten zuzuteilen, der den Nachwuchs in die Gepflogenheiten des Betriebs einarbeitet und erster Ansprechpartner bei Fragen ist. Denn der Ausbildungsstart beginnt für alle Berufseinsteiger mit zahlreichen Fragen: Wer sind meine Ansprechpartner? Wo finde ich was? Und was gibt es zu beachten?  Erfahrene Ausbilder wissen: Nah dran sein an den Auszubildenden und ihren Fragen und Schwierigkeiten im Alltag zahlt sich aus. Bewusstes Kümmern beginnt gleich am ersten Tag.

Anhand folgender Liste können Ausbilder mit ihrem neuen Auszubildenden die wichtigsten Informationen für den ersten Arbeitstag abarbeiten.

  • Begrüßung des neuen Auszubildenden,
  • Ablauf „Erster Tag“ vorstellen,
  • Betriebsrundgang: Wo finde ich was?,
  • Vorstellen der Geschäftsleitung,
  • Vorstellen der Mitarbeiter,
  • Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen,
  • Eventuell Zusatzvereinbarung unterzeichnen,
  • Ordner mit wichtigen Betriebsinformationen erklären und aushändigen,
  • Ausgabe von Arbeitsbekleidung und -material,
  • Erläuterung des Ausbildungsplans,
  • Zielvereinbarung für die erste Woche besprechen,
  • Tagesrückblick: Fünf-Minuten Gespräch

Was der Nachwuchs will

Aber was will eigentlich der Nachwuchs selbst? Die Manufactum Studie von Würth zeigt, was den Auszubildenden während ihrer Lehrzeit besonders wichtig ist.

  • Gutes Verhältnis zu Kollegen (80 Prozent),
  • Gute Arbeitsmarktchancen im erlernten Beruf (70 Prozent),
  • Wertschätzung der geleisteten Arbeit (62 Prozent),
  • Weiterbildungschancen nach der Ausbildung (59 Prozent),
  • Unterstützung im Betrieb (56 Prozent),
  • Gutes und direktes Verhältnis zum Chef (53 Prozent),
  • Angemessenes Gehalt nach der Ausbildung (53 Prozent),
  • Abwechslungsreiche Arbeitsaufgaben (49 Prozent),
  • Freiraum bei der Arbeitsausführung (44 Prozent),
  • Gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit (41 Prozent).

Die Wertschätzung der eigenen Arbeit ist für die Azubis also einer der wichtigsten Faktoren für die Arbeitszufriedenheit. Die Spitzenposition nimmt aber das gute Verhältnis zu den Kollegen ein – die Azubis wollen also auch selbst Teil des Teams werden. Der Schlüssel hierzu liegt – wie so oft – im erfolgreichen Gespräch.

Bei Krisen sofort gegensteuern

Da dies bei aller Bereitschaft auf beiden Seiten nicht immer automatisch funktioniert, ist ein offener Dialog sinnvoll. Erkennt der Ausbilder etwa beim Durchsehen der Berichtshefte, dass es scheinbar irgendwo kriselt, spricht er nicht nur mit dem betroffenen Auszubildenden, sondern auch mit den Eltern oder dem Lehrer in der Berufsschule.Ausbilder sollten ihrem Auszubildenden so früh wie möglich zu verstehen geben, dass es sie interessiert, wie es ihm geht, wie es ihm gefällt und womit er sich eventuell schwer tut.

Expertentipps - ein Leitfaden für Ausbilder

Aber was genau können Ausbilder noch tun, um den neuen Azubis vor allem den Beginn so angenehm wie möglich zu machen? Werner Vetter, Geschäftsführer des Trainingsanbieters Faszinatour in Immenstadt, empfiehlt als Experte für Teamentwicklung fünf wichtige Tipps für einen gelungenen Ausbildungsbeginn:

  • 1. „Wir-Gefühl“ aufbauen. Damit Sie die Neuen einarbeiten können, müssen die erstmal angekommen sein – nicht nur physisch, sondern auch mit Hirn und Herz. Je schneller Zugehörigkeit und ein Wir-Gefühl entstehen, desto weniger bremsen Reibungsverluste und unnötiger Widerstand den Start. Deshalb schicken viele Firmen ihre Neuen gleich zu Beginn einige Tage ins Azubi-Camp. Hier haben sie Gelegenheit, sich kennenzulernen und ein Team zu werden, das die neuen Herausforderungen gemeinsam meistert.
  • 2. Ausbilder ins Team integrieren. Damit die Azubis möglichst  rasch in ihre neue Rolle und ein neues Lernverständnis finden können, muss nicht nur das Eis untereinander, sondern auch das zwischen Auszubildenden und Ausbildern brechen. Das klappt nur, wenn die Ausbilder von Anfang an Teil des Teams sind, statt von der Seitenlinie aus zu kommandieren: für manch einen Ausbilder eine Herausforderung – aber eine, die sich lohnt.
  • 3. Nachwuchs fördern und fordern. Entwickeln Sie ein klar formuliertes Ausbildungskonzept und stellen Sie klar, dass die Ausbildung eine wichtige Investition in die Zukunft ist. Überschütten Sie die Auszubildenden nicht mit Routinejobs, sondern bieten Sie auch Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung.
  • 4. Regelmäßiges Feedback einholen. Teamgeist, Motivation und Lernwille sind keine Selbstläufer – schon gar nicht, wenn man am Anfang des Berufswegs steht. Führen Sie also regelmäßig Mitarbeitergespräche: Was läuft gut? Welche Probleme gibt es, etwa mit Arbeitszeit, Berufsschule oder Vorgesetzten? Wer braucht wo Unterstützung?
  • 5. Orientierung und Perspektiven bieten. Bin ich fit für die Abschlussprüfung? Wie geht es danach weiter? Will ich bleiben oder doch lieber studieren? Wenn ich bleibe, wo finde ich meinen Platz im Unternehmen? Stehen Ausbilder und Chefs den Auszubildenden mit Rat und Tat zur Seite, können Sie Potentiale erkennen und nutzen, die anhand der Abschlussnoten alleine nicht sichtbar werden. Ziel ist es, gute Mitarbeiter im Betrieb zu halten.

Dass Berufskleidung in der passenden Größe und das notwendige Material für den ersten Arbeitsbereich bereitliegen, sollte genauso selbstverständlich sein wie eine genaue Vorgabe, welche Inhalte der Auszubildende im ersten halben Jahr im Einsatzbereich lernen sollte. Regelmäßige Feedbackgespräche mit den Ausbildern geben den Auszubildenden darüber hinaus Gelegenheit, ihre eigenen Ideen einzubringen. (Quellen: handwerk magazin/Kerstin Meier, Reinhold Mulatz, Deutsche Handwerks Zeitung).

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In den ersten Tagen ­machen sich viele Azubis Gedanken, ob ihre ­Entscheidung für den ­Beruf und Betrieb richtig war. Fühlen sie sich ­willkommen, kann dies helfen, Ausbildungs­abbrüche zu verhindern.

Erfahrene Ausbilder wissen: Nah dran sein an den Auszubildenden und ihren Fragen und Schwierigkeiten zahlt sich aus.

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