Praxis -

Wie sich Handballharze entfernen lassen

Bei Ausschreibungskalkulationen für die Unterhaltsreinigung in Sporthallen wird ein Detail nicht selten vergessen: Die Nutzung der Hallen durch ­Vereine, besonders Handballvereine. Sie verunreinigen nämlich Boden und Ober­flächen häufig mit Harz - das schwierig zu entfernen ist. Was tun?

Was bei Sprintern die Spikes sind, ist im Handball das Harz. In allen Ligen und in allen Altersklassen wird beim Handball mit Harz gespielt und trainiert. Es dient als Hilfs- und Haftmittel für ein leichteres Fangen und einen verringerten Krafteinsatz bei Trickwürfen. Es gibt zwar häufig ein Harz­verbot in Hallen, dennoch sind Übereinkünfte für die ­Ver­wendung üblich. Das Harz wird beim Training und im Spiel überall verteilt und die Reinigung zur ­echten Herausforderung. Dies betrifft nicht nur die Bodenflächen, sondern auch Kontaktflächen wie ­Türgriffe, Umkleidebänke, Duscharmaturen und andere Oberflächen.

Untergründe und Materialien prüfen

Vor einer fachgerechten Harzentfernung empfiehlt es sich, alle zu reinigenden Materialien, Flächen und Oberflächen, Wandverkleidungen, Türen, ­Armaturen, Acrylscheiben oder Turngeräte eingehend auf ihre Beständigkeit gegenüber Reinigungsmitteln, oder ­genauer gesagt deren Inhaltstoffe, zu prüfen. Ebenso gilt es zu analysieren, mit welchem Harz ­gespielt beziehungsweise trainiert wurde. Offiziell ­dürfen nur wasserlösliche Haftmittel eingesetzt werden. Dennoch kommt es vor allem bei Wettkämpfen immer wieder vor, dass lösemittellösliche Harze verwendet werden (etwa Baumharze). Deren Rückstände zu entfernen ist deutlich aufwändiger, da bei solchen Harzarten Tropfen oder Klumpen entstehen können, die rasch aushärten und dadurch fast unmöglich zu entfernen sind.

Aggressive Reinigungsmittel greifen Spielfeldlinien an

Abgesehen von der zeitaufwändigen Entfernung des Harzes ist die Auswahl des geeigneten Reinigungs­mittels beziehungsweise der Methode nicht ganz einfach. Entweder man arbeitet effizient und groß­flächig – wodurch der Belag und die Spielfeldkennzeich­nungen am Hallenboden leiden. ­Oder man ­reinigt die Ober­flächen möglichst schonend – wobei die ­kontaminierten Bereiche nach und nach ein ­unschönes und ungleichmäßiges Erscheinungsbild abgeben.

Beide Herangehensweisen haben eines gemein: Das Resultat ist unbefriedigend. Werden bei der Auswahl des Harzentferners zusätzlich Umwelt­kriterien einbezogen, resultiert daraus oft ein überdurchschnittlich hoher Zeitaufwand zur Entfernung des Ballharzes. In den wenigsten ­Fällen wird dieser Aufwand bereits bei der Kalkulation ­berücksichtigt. Die Folge: Auftraggeber haben im Nachhinein kein Verständnis für den hohen Zeitaufwand und die dadurch entstehenden Kosten. Erst wenn sich Beschwerden wegen mangelnder Reinigung oder gar entstandener Schäden häufen, wird nach einer Alternative gesucht. Gängige Tipps wie der Einsatz von Waschbenzin, Nagellackentfernern und Bügeleisen sind weder schonende noch nachhaltige Lösungen und sollten vermieden, am besten aber gar nicht in Betrachtgezogen werden.

Neues Produkt im Test

An genau diesem Punkt setzten die Produktentwickler von Wetrok an. Sie haben geforscht, getüftelt und schlussendlich einen neuen Reiniger entwickelt, "der die bisher unlösbar erscheinende Reinigungsaufgabe lösbar macht": einen Bodenreiniger für Sport­hallen mit Harznutzung.

Der Autor dieses Beitrags wurde auf das neue Produkt aufmerksam und hat gemeinsam mit dem Hersteller, einem Kunden und dem Dienstleister einen Praxistest durchgeführt.

Der Praxistest in Bildern

Die Objektwahl für den Test mit dem neuen Harz­entferner fiel auf eine von Handballharz arg in Mit­leidenschaft gezogene Sporthalle, in der regelmäßig Training und Wettkämpfe des örtlichen Hallenhandballvereins stattfinden.

Harz überall und in rauen Mengen

Die Halle mit einer Gesamtfläche von 1.212 Quadrat­metern ist mit einem Linoleumbelag (Alter: 15 ­Jahre) ausgelegt. Gereinigt wird in der Halle fünfmal die ­Woche ­(maschinell mit Wischpflegemittel ent­sprechend der DIN Norm 18032). Dreimal wöchentlich wird punktuell mit einem lösemittelhaltigen Produkt das Harz entfernt und einmal jährlich erfolgt eine Grund­reinigung mit anschließender Einpflege des Belages.

In dieser Halle wurden bisher schon unterschiedliche Harzentferner eingesetzt, ohne tatsächlich ein ­zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen: Der Dienst­leister kämpft schon seit geraumer Zeit mit hartnäckigen Harzrückständen. Diese sind auf der gesamten Fläche des Hallenbodens sichtbar – insbesondere auf der Teilfläche direkt vor den Handballtoren.

Hartnäckige Harzrückstände finden sich zudem auf beinahe allen Oberflächen, die beim Training oder Wettkampf mit einem Handball in Kontakt kommen können – von den Wänden bis hin zu den Scheiben. Durch Schuhe und Hände der Spieler verteilt, haftet das Harz mittlerweile fast überall.

Sorgfältige Prüfung vor dem Test

In einem ersten Schritt begutachteten die Experten alle durch Harzrückstände verunreinigten ­Stellen. ­Dabei wurden alle Acrylglasscheiben von der ­Reinigung mit Harzentfernern ausgeschlossen, da diese weder lösemittel- noch alkalibeständig sind. ­Anschließend wurde das neue Produkt bezüglich seiner ­Eignung analysiert. Im Gegensatz zu hoch ­alkalischen Produkten, bei denen die Gefahr besteht, den Linoleumbelag zu schädigen, wird das neue ­Produkt als geeignet für Linoleumbeläge beschrieben.

Harzentfernung: ­Das Konzept muss passen

Reinigung soll möglichst billig sein, nicht stören und natürlich alle zufriedenstellen. Dass dabei alle Fakten berücksichtigt werden müssen und die gesamte Konzeption der Reinigung ausschlaggebend ist, wird den Verantwortlichen erst bewusst, wenn massive Beschwerden von Nutzern eingehen oder gar irreversible Schäden entstanden sind.
Sporthallen an sich sind oft ein Aushängeschild für die ­jeweilige Kommune. Insbesondere, wenn zum Beispiel die örtlichen Handballvereine in höheren Ligen spielen. Wie eine Sporthalle nach außen wirkt, hat viele Aspekte. Die Räume sollen funktional und einladend sein, es sollen Unfallgefahren weitestgehend ausgeschlossen werden. Auch Licht, Farben und Atmosphäre sind in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung.

Dafür, dass eine Halle tatsächlich funktional, sicher und ein­ladend ist und bleibt, kommt der Reinigung eine zentrale Rolle zu. Denn die unbewusste Wahrnehmung einer intakten und gepflegten Sporthalle spiegelt sich im Verhalten der Nutzer und Besucher ebenso wider wie die einer ungepflegten und mit Mängeln behafteten Halle.
Eine gute Reinigungskonzeption für Sporthallenbeläge ­berücksichtigt Faktoren wie Nutzung, Nutzungszeiten, Art und Zustand des Bodenbelages, vorhandene Bodenauslässe, Abstell-, Lademöglichkeiten und Schmutzwasserentsorgung eines Reinigungsautomaten und ganz besonders die Art der Harznutzung.

Ein gutes Reinigungskonzept zeichnet sich dadurch aus, dass die Lebenszykluskosten wirtschaftlicher werden. Häufige und aufwändige Erneuerungen der Spielfeldlinien, Reparaturen am Belag oder gar der Austausch des gesamten Belages entfallen für viele Jahre. Damit kommt es letztlich auch nicht zu Nutzungsausfällen und Umweltbelastungen durch die Entsorgung des alten Belages.

Elisabeth Schönwiese


Wie vom Hersteller empfohlen, wurde der Reiniger in der vorgegebenen Dosierung zuerst pun­ktuell ­getestet. Das Ergebnis: Mit einer 10-prozentigen ­Mischung war nach kurzer Einwirkzeit ein sehr vielversprechendes Reinigungsresultat sichtbar, so dass für die ­maschinelle Reinigung mit dem Nass­schrubbautomaten eine 5-prozentige Lösung vor­bereitet wurde. Das Testteam bestückte den Automaten mit roten Pads und dem neuen Produkt. Mit dem so vorbereiteten Nassschrubbautomaten wurde eine Testfläche ohne Absaugung angelegt. Die Größe der Testfläche (37,5 Quadratmeter) entsprach der Einwirkzeit von drei Minuten. Die vorgelegte Fläche wurde mit dem ­Automaten ein zweites Mal abgefahren, ­geschrubbt und abgesaugt. Das Ergebnis überzeugte alle ­anwesenden Reinigungsexperten: Das Harz hatte sich komplett gelöst.

Ergebnis hat alle Beteiligten überzeugt

Besonders im Vergleich zu den verschiedenen ­Produkten, die vom Dienstleister bisher in dieser Halle eingesetzt wurden, überraschte das Ergebnis auf der Testfläche in mehrfacher Hinsicht. Abgesehen von den trotz regelmäßiger und gezielter Reinigung noch vorhandenen Harzrückständen hat die notwendige Einwirkzeit den Einsatz der bisher eingesetzten Harz­entferner aus wirtschaftlichen Gründen immer wieder in Frage gestellt.

Anders hier: Die Harzrückstände waren zum ersten Mal komplett entfernt und das mit einem wirtschaftlich vertretbarem Zeitaufwand. 

Fazit des Tests: Der neue Reiniger (Wetrok ­Reshine Sport) hat alle Beteiligten derart überzeugt, dass ­vereinbart wurde, das neue Produkt ab sofort bei der laufenden Unterhaltsreinigung einzusetzen.

Bereits nach einigen Anwendungen wurde fest­gestellt, dass eine 2-prozentige Lösung und eine zweimal wöchentliche Harzentfernung ausreichen, um den gewünschten Reinigungs- und Pflegezustand zu erreichen. An den anderen Reinigungstagen wird ein Wischpflegemittel gemäß DIN 18032 Reinigung und Pflege von Sporthallen verwendet.

Als die Handballmannschaft die Halle zum ersten Mal nach dem Einsatz des neuen Reinigungsmittels betrat, war sie gleichermaßen verblüfft wie begeistert. Bestätigt wird der gute Reinigungserfolg auch vom Hallenwart einer anderen Sporthalle, in der das ­Produkt eingesetzt wurde. "Acht Jahre lang ­waren Harzrückstände ein großes Problem in unserer ­Halle. Seit wir nun das neue Produkt aus der Schweiz ­einsetzen, gehört dieses Problem der Vergangenheit an. Man könnte fast sagen, der Hallenboden hat eine Renaissance erlebt – von Harzverschmutzungen sind dort nämlich nach der Reinigung keine Spuren mehr zu finden", erklärt der verantwortliche Hallenwart, Jürgen Hemberle aus Bühl.

Joachim Schupp | peter.hartmann@holzmann-medien.de

Zum Autor

Joachim Schupp

Joachim Schupp

ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Freiburg im Breisgau und Mitglied im Kompetenzteam Gebäudereinigung.

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