Praxis -

Wie Cleaning on Demand funktionieren kann

Die bedarfsorientierte Reinigung auf Grundlage erhobener Daten ist kein ­reines Zukunftsthema. Wie sich Cleaning on Demand schon heute mit ­durchgängiger ­Software auf den Weg bringen lässt, zeigt ein Pilotprojekt an der Technischen ­Universität München am Campus ­Garching.

Das Thema Digitalisierung spielt im Umfeld der Gebäudedienste eine immer wichtigere Rolle. Unter dem Dach des technischen Gebäudemanagements sollen unter anderem Dienstleistungen wie Reinigung, Hygiene und Sicherheit vernetzt werden. Dabei liegt der Fokus nicht länger nur auf einzelnen digitalen Systemen, sondern zunehmend auf integrativen Lösungen, ­welche die entsprechenden Prozesse durchgängig abbilden können.

Am Standort Garching der Technischen Universität München wurde dazu ein gemeinsames Pilotprojekt von Caverion Deutschland als Facility-Management-­Anbieter und Klüh Cleaning durchgeführt. Dabei kamen in der Fakultät für Mathematik und Informatik – kurz FMI – auf knapp 43.000 Quadratmetern verschiedene digitale und nachhaltige Lösungen sowie ­Robotik zum Einsatz, um das ­Objekt vollumfassend zu bewirtschaften. Die ­Ergebnisse dieses Projekts sollen helfen, die angebotenen infrastrukturellen Leistungen fit für die Zukunft zu machen beziehungsweise für künftige Herausforde­rungen am Markt vorzubereiten.

Um den hohen Anforderungen der TU München in Garching an das Facility Management und damit auch an die Erbringung der Reinigungsdienstleistung gerecht zu werden, sind dort 28 Reinigungskräfte – geführt von einer Objektleitung und zwei Vorarbeiterinnen – von 6 bis 13 Uhr an fünf Tagen in der Woche im Einsatz. Unterstützt werden diese von einer Cleaning-on-Demand-­Tageskraft, die von 12 Uhr bis 17 Uhr auf digitalen Abruf die repräsentativen und hygienisch relevanten Bereiche am ­Campus in Ordnung hält.

Reinigungsleistung in Echtzeit abrufbar

Zur Erreichung der gemeinsam definierten Ziele wurden im Rahmen des ­P­ilotprojektes eine Reihe von Digitalisierungsmaß­nahmen ergriffen. Unter anderem implementierte Klüh Cleaning im laufenden Betrieb das selbst entwickelte Qualitätsmesssystem DigiClean, welches den Facility-Manager in die Lage versetzt, Reinigungsleistung in Echtzeit abzurufen. Das inzwischen bei über 100 Kunden ­installierte System ist zudem in der Lage, Leistungsverzeichnisse und Raumbücher präzise, das heißt zugeschnitten auf die jeweiligen Raum­ausprägungen, abzubilden. Auch kann es Schulungsinhalte für Reinigungskräfte darstellen, wodurch die Einarbeitungszeit der Reinigungskräfte stark verringert werden kann. Eine digitale Reporting-Funktion ermöglicht außerdem, tages- beziehungs­weise monatsaktuelle Berichte zu erstellen und eine Wiedervorlage-Liste zu führen. Dadurch sind alle Informationen und Berichte jederzeit und von überall abrufbar. Nach zwei Jahren auf dem Markt werden mit dem System inzwischen 8.500 Qualitätskon­trollen monatlich durchgeführt.

Flankierend zum softwarebasierten Qualitätsmesssystem wurde das Customer Service Portal DigiService eingeführt, das über Android-betriebene Mobile Devices bedienbar ist. Hierbei handelt es sich um eine ebenfalls von Klüh entwickelte Kommunikationsplattform mit ­Helpdesk-Funktion. Das System ist mit einer modernen API-Schnittstelle ausgestattet, sodass auch vorhandene IoT-fähige Systeme und Sensoren ihre Informationen in das Service Portal einspielen können. Beispielhaft ist hier das System EasyCube von Tork zu nennen, mit dessen Hilfe Füllstände von Spendern im Sanitärbereich gemeldet werden können. Anstatt die ­Informationen in einem gesonderten System auslesen zu müssen, werden diese in das Service Portal eingespielt und lassen sich dort verwalten. Aufgrund der ganztägigen Verfügbarkeit können Aufträge und Anforderungen dabei auch außerhalb der Geschäftszeiten eingetragen und mit Beginn der nächsten Schicht bearbeitet werden.

Ressourcen einsparen nach dem Green-Credit-Konzept

Die mit DigiClean kompatible Schnitt­stelle von DigiService erlaubt es weiterhin, auch die Anwesenheit und Aufenthaltszeit der Reinigungskraft in den zu reinigenden Räumen zu dokumentieren und die Reinigungsleistung so transparent zu machen. Die digitale Anzeige der ­erbrachten Leistung via E-Paper vermittelt den Nutzern der hygienerele­vanten Räumlichkeiten somit ein Gefühl der ­Sicherheit und macht Unterschriftenlisten in Sanitärbereichen oder anderen hygienerelevanten Räumen überflüssig.

Die miteinander interagierenden Systeme informieren nicht zuletzt über Leer­stände, sodass keine Zeit für unnötige Wege verschwendet wird und die Reinigungs­kräfte nur dort eingesetzt werden, wo eine tatsächliche Notwendigkeit besteht. Die ­daraus resultierende Zeitersparnis ist dann an anderer Stelle etwa für Hygienemaß­nahmen und Sonderleistungen investierbar – so die Idee hinter dem hier angesprochenen, sogenannten Green-Credit-System von Klüh.

Gemäß diesem Ansatz lässt sich zum Beispiel das zweimalige Reinigen ­einer Büro­fläche aufsparen und die auf diese Weise frei gewordenen Ressourcen können stattdessen – mit Zielrichtung Effizienzsteigerung bei gleichzeitiger Schonung der Umwelt – etwa für die Grundreinigung einer Teppichfläche genutzt werden. Auf diese Weise lässt sich für die Nutzer der Gebäude ein hygienisch sicheres und ansprechendes Arbeitsumfeld schaffen, ohne dass beim Facility Management Mehr­kosten ­entstehen.

Die Anbindung der Reinigungsmaschinen

Mit dem Fokus auf durchgängige Prozesse wurden schließlich auch die in Garching eingesetzten Reinigungsmaschinen von Kenter in das Gesamtkonzept eingebunden. Darunter befindet sich unter anderem der sogenannte i-Mop, welcher die beiden meistgebrauchten Bodenreinigungssysteme – Scheuersaugautomat und Flach­wischmopp – in einer kompakten ­Lösung vereint. Weiterhin ist im Objekt der ­Adlatus im Einsatz. Dabei handelt es sich um einen autonomen Reinigungsro­boter, der im Objekt selbständig zum Beispiel die Magistrale – sprich den großen Gang durch das Gebäude – reinigt und dabei für ein qualitativ hochwertiges und anhaltendes Reinigungsergebnis sorgt.

Randbe­reiche, die der Adlatus nicht erreicht, werden mit dem handgeführten i-Mop ­bearbeitet. Letzterer findet im Rahmen des Pilotprojektes ­insbesondere auch in den Sanitäranlagen Verwendung. ­Geplant ist außerdem, zeitnah den sogenannten LeoMop – einen neuartigen autonomen Mopp-Roboter – in das Reinigungskonzept der TU München Garching zu integrieren, der im Team mit dem Adlatus das Reinigungssystem komplettiert.

In einem weiteren Pilotprojekt soll speziell die Synchronisierung des Adlatus mit dem Customer Service Portal erprobt werden, um künftig eine ganztägige Reinigung einschließlich nachts realisieren zu ­können. Das Zusammenspiel beider ­Systeme ­würde es zum Beispiel ­Security-Mitarbeitern in der Nachtschicht ermöglichen, Verunreinigungen auf den Bodenflächen zu melden und diese zeitnah und autonom vom Roboter reinigen zu lassen.

Neben der Digitalisierung ist das Thema Nachhaltigkeit ein nicht minder wichtigerer Aspekt in der Reinigung – das gilt auch für das Objekt in Garching. Dort finden diesbezüglich aktuell unter anderem Tests mit Produkten wie denen von ­InnuSience statt. Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, mithilfe spezieller ­Mikroorganismen und Enzyme nachhaltige Reinigungsmittel zu entwickeln, die mit minimalster Konzentration eine maximale Performance erzielen. Mit anderen Worten: Es muss dabei nicht die Konzentration in der Reinigungslösung erhöht werden, um einen gleichen Effekt wie traditionelle Reiniger zu erzielen. Der auf diese Weise minimierte Einsatz von Chemikalien führt zum einen zu einer Verringerung des ökologischen Fußabdrucks. Zum anderen sinkt aber auch der Schulungsaufwand für Reinigungskräfte und die Arbeitssicherheit wird verbessert, da die auf Bakterien basierenden Reinigungsmittel in der Anwendungslösung keine Gefahrstoffe erhalten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Ein ganzheitliches Reinigungskonzept, wie es am Standort Garching der Technischen Universität ­München aktuell erprobt wird, vereinfacht insgesamt den Reinigungsprozess und bietet die Möglichkeit, schnell und einfach auf ­Wünsche sowie Anforderungen im Objekt zu ­reagieren, ohne dass eine Kommunikation außerhalb des Systems notwendig wird. Das kommt wiederum speziell auch den Anforderungen an eine ganztägige Betreuung von ­Objekten entgegen, die in vielen Bereichen gefragt ist.

Udo Weißmantel, Klüh Cleaning | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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