Kolumne -

Die Wolff-Kolumne Wertschätzung – ­wertlos, weil billig?

Weil wir gerade davon sprechen: Es wird Zeit, mal wieder einen Politfuchs zu zitieren, den Reichskanzler Otto von Bismarck. „Dumme Menschen lernen aus ihren eigenen Fehlern. Kluge Menschen lernen aus den Fehlern anderer.“ Also gehen wir gemeinsam auf einen interessanten Lerntrip in Nachbars Garten.

Das Lernobjekt: die Geschichte eines Verlustes. Inszeniert in einem Großunternehmen der Branche. Nach Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit verlässt ein regionaler Spitzen­manager unspektakulär das Unternehmen. Er formuliert ein verbindliches Kündigungsschreiben.

Natürlich wird jetzt der bekannte Ursachenkatalog für unerwartete Kündigungen in den Büros ganz oben aufgeblättert. Die üblichen Verdächtigen treten auf: „Böse Headhunter“, mehr Geld, erhöhte Statussymbole. Eben alle „Wir-sind nicht-schuldig“-Erklärungen an der Firmenspitze. Ist ja so bequem. Eben ein Schicksalsschlag.

Nun, der Autor kennt die Hauptperson schon länger und konnte deshalb die Entwicklung vorausahnen. Aus kleinen Gesprächsfetzen. Die wahre Kündigungsursache: Mangelnde Wertschätzung durch die da oben. Also ein absolut immaterieller Wert. Sehr preiswert zu haben und mit gutem Willen schnell weiterzugeben. Aber, was nichts kostet, scheint gedankenlosen Topmanagern auch ohne Wert.

Carsten Bach, „Wertschätzungsexperte“, unterscheidet zwei Kategorien der „Anerkennungsverweigerer“. Kategorie 1: Hauptsache der Mitarbeiter funktioniert. Er wird dafür ja bezahlt. Kategorie 2: die irrgläubigen Chefs. Sie gehen guten Glaubens davon aus, dass sie sich „wertschätzend verhalten“. Bachs Credo: „Wertschätzung schafft Wertschöpfung.“

Und falls Sie selbst unter Wertschätzungsentzug leiden, hilft Ihnen vielleicht diese Feststellung vor dem Spiegel: „Nie war ich so wertvoll wie heute!“

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