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Graue Verfärbungen auf Eichenparkett Viel Lärm um nichts

Edles Eichenparkett in einer Hamburger Jugendstilvilla wurde wegen grauer Verfärbungen Teil eines Rechtsstreits. Handelt es sich bei Schäden wie diesem um Farbreaktionen oder nicht? Ein Gutachter klärt auf.

Wenn einst schönes Parkett in die Jahre kommt, sind Farbreaktionen ganz normal. Oder nicht? Kann die Schuld auch beim Mieter liegen? Diese für Gutachter klassische Frage stellte sich bei der Besichtigung des Obergeschosses einer Jugendstilvilla an der Hamburger Außenalster. Zwei Jahre lang hatte ein Schauspieler hier gewohnt. Nachdem die Wohnung ausgeräumt und wieder an den Vermieter übergeben wurde, zeigten sich scheinbar offensichtliche Verfärbungen auf dem jahrhundertealten Eichen­parkett.

Die nachweislich schon beim Bau des Hauses um etwa 1900 vorhandenen Parketttafeln wiesen Spuren auf, obwohl der Boden erst beim vorletzten Mieterwechsel abgeschliffen und neu versiegelt worden war. Nach der Entfernung des Teppichs zeigten sich markante Verfärbungen auf der Parkettfläche, wie der Vermieter bei der Abnahme bemerkte. Obwohl die Wohnung umgehend vom nächsten Mieter bezogen wurde, ­entwickelte sich auf Grundlage der Beanstandungen sowie durch Versäumnisse des Mieters, der auf diverse Schreiben nicht reagierte, ein Rechtsstreit.

Zur Beantwortung grundlegender Fragen ­wurde ein Gutachter zu Rate gezogen: Sind gräuliche Farb­reaktionen, wie vom Vermieter behauptet, vorhanden? Wenn ja, wo liegt die Ursache? Wie lässt sich der ­Schaden fachlich einordnen und welche Sanierungsmöglichkeiten gibt es?

Der Vermieter forderte, das Parkett komplett abschleifen und neu versiegeln zu lassen. Der ehemalige ­Mieter vertrat die Auffassung, dass die Veränderungen im Holz schon vor der letzten Sanierung stattgefunden hatten. Außerdem würden die Schäden ohnehin im Gesamtbild untergehen. Zum Zeitpunkt des Ortstermins war die Wohnung in der Villa bereits erneut bewohnt. Auf den ersten Blick fand der Gutachter keine Auffälligkeiten. Erst als beide Parteien alle Fakten und konkreten Anschuldigungen schilderten, erkannte der Gutachter das Anliegen des Vermieters: In dem etwa 60 Quadratmeter großen Wohnzimmer zeigten sich an drei bis vier Stellen in der Parkettoberfläche etwa tellergroße, gitterähnliche Strukturen, die sich grau verfärbt hatten.

Waren diese Veränderungen im Parkett zum Zeitpunkt der Abnahme in der leeren Wohnung bei gezielter Betrachtung wohl noch auszumachen gewesen, gingen sie im jetzt wieder möblierten Zustand nahezu komplett unter. Diese Einschätzung des Gutachters teilte auch der Vermieter. Im Bewusstsein, in seinem repräsentativen Wohnzimmer einen sehr hochwertigen Parkettboden zu besitzen, der bei einem folgenden Mieterwechsel in der Oberfläche weitestgehend makellos sein sollte, wollte der Vermieter laut Gerichtsakten allerdings trotzdem nicht einlenken.

Schadensbild

Die Ursache für die Verfärbungen waren für den Gutachter eindeutig nachvollziehbar, weitere Untersuchungen lehnte er daher ab. Rutschbremsen, die unter den Teppichen gelegen hatten, und deren darin enthaltene Weichmacher waren eine Reaktion mit der Versiegelung des Parketts eingegangen. Die Folge waren grau verfärbte Gitterabdrücke und Staubverschmutzungen. Das Holz war nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine Pflegeanweisung, die der Vermieter bei der letzten Renovierung vom Parkettunternehmer erhalten hatte und die einen Hinweis auf die Nichtverwendung weichmacherhaltiger Rutschbremsen enthielt und dem Mieter auch nachweislich weitergeleitet wurde, war der Akte beigefügt.

Schadensbeseitigung

Der Gutachter hatte sich den Boden aus mehreren Blickwinkeln angesehen und blieb bei seiner Einschätzung, die Vergrauungen würden im Gesamtbild untergehen. Er beschrieb sie mit den gegebenen Einschränkungen in Ausmaß und Umfang als „übliche Gebrauchsspuren“, die einen genutzten Parkettboden – trotz aller Exklusivität – charakterisierten. Eine etwaige Sanierung sei unverhältnismäßig, so der Gutachter. Die ­Gitternetzabdrücke zu beseitigen, sei nur durch einen kompletten Abschliff und eine Neuversiegelung des gesamten Wohnzimmerbodens möglich. Eine punktuelle Bearbeitung hätte wegen der späteren Sichtbarkeit keinen positiven Einfluss auf die Optik. Der Gutachter berücksichtigte in seiner Beurteilung, dass andere Sachverständige in Fällen wie diesen vielleicht anders entschieden hätten. Es handele sich um eine auch bei Gutachtern nicht unübliche Auslegungssache.

Walter Pitt (bwd, April 2019)peter.hartmann@holzmann-medien.de

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