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Verfugungsrückstände entfernen: Was gegen Zementschleier hilft

Wenn sich der vermeintliche Zementschleier nicht entfernen lässt, ist meist nicht (nur) Zement, sondern auch Kunststoff im Spiel – die Höchststrafe für Gebäudereiniger. In einem solchen Fall kann man versuchen, die Verfugungsrückstände mit hoch alkalischen und/oder lösemittelhaltigen Produkten und viel Mechanik zu entfernen. Welche Säuren sich dafür eignen und welche Tipps beachtet werden sollten.

Nach Um-, Aus- oder Neubau Verfugungsrückstände zu entfernen – egal ob auf Boden oder Wandflächen, ob aus Natur- oder Kunststein, Klinker, Fliesen, Feinsteinzeug oder Terracotta – ist für den Gebäudereiniger eigentlich eine Routinearbeit. Denn in den meisten Fällen kann davon ausgegangen werden, dass sich Verfugungsrückstände mit einem sauren Reinigungsmittel (pH-Wert < 1) und ein wenig Mechanik, manuell oder bei größeren Flächen maschinell, unproblematisch entfernen lassen.

Wenn Gebäudereiniger aber an dieser vermeintlich einfachen Aufgabe scheitern, könnte es daran liegen, dass der Zementschleier gar kein Zementschleier ist – sondern ein Gemenge aus Kunststoff, meist Epoxidharz und Zement, das chemisch nahezu nicht zu entfernen ist.

Schwierigkeiten bei der Entfernung

Treten Schwierigkeiten bei der Entfernung von Verfugungsrückständen auf, betrifft dies überwiegend Bodenbeläge, die in Schwimm- und Hallenbädern, Nassbereichen und Sanitäranlagen (öffentlich und privat) sowie in lebensmittelverarbeitenden Einrichtungen und Betrieben wie Großküchen, Schlachtereien und dergleichen verlegt sind.

Die Ursache ist – neben der oftmals offenporigen Oberfläche von Fliesen, die aus Sicherheitsgründen in Nassbereichen verlegt werden müssen – die Verwendung einer kunststoffvergüteten Fugenmasse zum Ausfugen der Bodenbeläge.

Kunststoffvergütete Fugenmasse als Ursache

Aufgrund ihrer Materialeigenschaften ist die kunststoffvergütete Fugenmasse beständig gegen Feuchtigkeit und starke Mechanik (zum Beispiel der Wasserstrahl von Hochdruckreinigern), was oftmals standardmäßig bei der Bodenreinigung in solchen Einrichtungen eingesetzt wird.

Ein weiterer Grund für die Verwendung von kunststoffvergüteter Fugenmasse in diesen Bereichen: Säurehaltige Reinigungsprodukte greifen kunststoffvergütete Fugenmasse nicht an und zerstören sie nicht. Zudem sind diese Fugen teilelastisch und stören sich nicht an starken Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen.

Erreicht werden diese Eigenschaften, indem herkömmlichem Zement, der normalerweise zum Verfugen von Bodenbelägen verwendet wird, Kunststoffanteile (meist aus Epoxidharz- oder Polymeren) beigefügt werden. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Die positiven Eigenschaften der kunststoffvergüteten Fugenmasse erschweren nämlich die chemische Entfernung des Schleiers aus Verfugungsrückständen.

Um diese Flexfugenmasse zum Abbinden und Aushärten zu bringen, ist ein Härter erforderlich. Die entstandene Zwei-Komponenten-Fugenmasse ist nach dem Aushärten chemisch nahezu unlösbar und muss daher meistens mechanisch entfernt werden, was in der Praxis nach Durchtrocknung der Fugenmasse meist mehr schlecht als recht gelingt und unzählige ungeplante Arbeitsstunden verschlingt.

Unterschiede sind optisch nicht zu erkennen

Verständlich, dass der Gebäudereiniger ein großes Interesse daran hat, frühzeitig zu erkennen, ob es sich um einen klassischen Zementschleier oder um die Rückstände einer kunststoffvergüteten Fugenmasse handelt. Dies zu erkennen ist in der Praxis oftmals nicht ganz unproblematisch, da optisch keinerlei Unterschiede bestehen.

Rückfragen beim Auftraggeber bleiben oft ergebnislos, da meist weder der Bauherr noch der Architekt Auskunft darüber geben kann, ob es sich um Zement oder kunststoffvergütete Fugen handelt. Zudem muss geklärt werden, wie die Rückstände entfernt werden können und wie groß der Zeitaufwand dafür ist, um später bei der Reinigung keinen finanziellen Schiffbruch zu erleiden.

Arbeitsproben beim Vor-Ort-Termin nehmen

Am besten ist es, sich einen Eindruck bei einem Vor-Ort-Termin vor Auftragsannahme oder Angebotsabgabe zu machen. Um zweifelsfrei zu bestimmen, ob es sich um Zement oder Kunststoffrückstände handelt, müssen bei diesem Ortstermin Arbeitsproben durchgeführt werden. Diese Arbeitsproben sollen so ausgeführt werden, dass sie eindeutigen Aufschluss über die Art und Entfernbarkeit der Rückstände gibt.

Vor Beginn der Arbeitsprobe müssen alle an die Testfläche angrenzenden Bauteile und Metallgegenstände vor dem Kontakt mit der Reinigungslösung geschützt werden. Anschließend wird der Bodenbelag der Testfläche gewässert. Dabei ist darauf zu achten, dass alle Fugen mit Wasser bedeckt sind, sodass sie sich mit Wasser vollsaugen können. Durch das Vorwässern wird erreicht, dass die Fugen keine säurehaltige Reinigungslösung mehr aufnehmen können und Folgeschäden wie ein Herausbrechen der Fugen verhindert wird.

So gelingt die Arbeitsprobe

Nach vollständiger Wässerung wird das überschüssige Wasser mit einem Gummischieber oder ähnlichen wieder entfernt. Nun wird die saure Reinigungslösung mit einem Mopp aufgebracht. Unter ständiger Bewegung muss sie 15 bis 20 Minuten einwirken. Zwischendurch wird mit einem kratzfreien Handpad die Testfläche mechanisch bearbeitet.

Nach Ende der Einwirkzeit wird die saure Reinigungslösung mit einem Wassersauger oder Mopp aufgenommen. Anschließend wird die Fläche durch dreimaliges Nasswischen oder Spülen mit Wasser neutralisiert. Um sicherzustellen, dass alle säurehaltigen Rückstände entfernt wurden und der Bodenbelag nicht durch zurückbleibende Säurereste geschädigt wird, überprüft man mit einem pH-Papier, ob sich der Bodenbelag im pH-neutralen Bereich befindet.

Bei einem negativen Ergebnis muss die Neutralisation wiederholt werden, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Im günstigsten Fall lässt sich der Zementschleier mit dem säurehaltigen Reiniger entfernen und die Belagoberfläche ist nach dem Trocknen sauber, schlierenfrei und weist keine Oberflächenveränderung im Glanzgrad auf.

Spezialreiniger verwenden

Bleibt hingegen eine Reaktion des sauren Reinigers mit dem vermeintlichen Zementschleier aus, handelt es sich um die Reste einer kunststoffvergüteten Fugenmasse. In diesem Fall bestehen nach deren vollständiger Aushärtung kaum Aussichten darauf, die Ablagerungen restlos zu entfernen.

Zahlreiche Hersteller bieten spezielle Epoxidharzentferner an, die entweder auf Säurebasis (Ameisensäure) oder auf Lösemittelbasis (Butylglycol) basieren. Ob und welche Spezialreiniger funktionieren, muss eine Arbeitsprobe zeigen. Das Grundproblem ist, dass die Zementpartikel in der Fugenmasse mit Kunststoffpartikeln gebunden werden, denen herkömmliche saure Reinigungsprodukte nichts anhaben können.

Letzte Zweifel mit der Brennprobe beseitigen

Um sicherzugehen, dass es sich tatsächlich um Rückstände einer kunststoffvergüteten Fugenmasse handelt, kann eine Brennprobe durchgeführt werden. Dazu wird mit Messer oder Klinge ein Teil der Ablagerungen abgekratzt und zu einem kleinen Häufchen geschichtet, das mit einem Feuerzeug oder Bunsenbrenner abgebrannt wird.

Brennen beziehungsweise glimmen und rauchen die Rückstände, so handelt es sich zweifelsfrei nicht um Zementschleier, sondern um Reste einer kunststoffvergüteten Fugenmasse – was für den Gebäudereiniger die Höchststrafe bedeutet. In diesem Fall kann versucht werden, mit hoch alkalischen und/oder lösemittelhaltigen Produkten und viel Mechanik (Edelstahlwolle, Draht- oder Grittbürste) die Verfugungsrückstände zu entfernen. Handelt es sich um echten Zementschleier, ist alles gut. Zur chemischen Entfernung bieten sich eine Vielzahl von Säuren an.

Welche Säure hilft gegen Zementschleier?

Amidosulfonsäure

Amidosulfonsäure ist wohl die bekannteste Säure. Ihr großer Vorteil: Es handelt sich um eine selbsttätige Säure. Einmal auf die Belagoberfläche aufgebracht, macht sie sich selbsttätig ans Werk, bis alle Zementrückstände chemisch gelöst sind. Zudem ist Amidosulfonsäure schwer flüchtig, so dass während der Reinigung wenig gesundheitsbelastende Dämpfe entstehen. Einziger Wermutstropfen ist, dass Amidosulfonsäure bei Oberflächen aus Kupfer und Messing sehr korrosiv und damit zerstörend wirken kann.

Essigsäure

Essigsäure wird von vielen Fliesenverlegern zur Entfernung des Zementschleiers empfohlen. Häufig heißt es: "Mischen Sie 1/4 Liter Essig mit fünf Litern heißem Wasser und befeuchten Sie die Fliesen damit. Lassen Sie die Mischung einwirken und spülen Sie anschließend mit klarem Wasser nach." Das könnte man zwar machen, ist aber viel zu gefährlich und daher nicht ratsam. Essigsäure ist eine sehr flüchtige und gesundheitsschädliche Säure, die sich in Kombination mit heißem Wasser rasch verflüchtigt und dadurch Atemwege und Haut des Anwenders schädigt.

Zudem ist Essigsäure stark korrosiv und kann Folgeschäden bei Beschlägen, Verblendungen oder angrenzenden Metallteilen verursachen. Essigsäure hat mit den kleinsten MAK-Wert (Mittlere-Arbeitsplatz-Konzentration) von 10 ppm (parts per million). Je kleiner der ppm-Wert ist, um so schädlicher verhält sich ein Soff zu einem lebenden Organismus.

Citronensäure

Citronensäure hat zwar ihre Berechtigung als Kalkentferner, insbesondere bei Haushaltsgeräten wie Wasserkochern oder Kaffeemaschinen, ist jedoch eine eher schwache Säure und wirtschaftlich bei der professionellen Entfernung von Kalkrückständen und Zementschleier nicht zu gebrauchen.

Salzsäure

Salzsäure ist ein klassischer Vertreter bei der Zementschleierentfernung. Die Säure hat hervorragende Kalklöseeigenschaften und kann in Konzentration unter fünf Prozent angewendet werden. Salzsäure ist wie Essigsäure sehr flüchtig und korrosiv. Sie lässt Metallteile (auch Edelstahl) rosten und bedeutet daher bei der Verwendung als Zementschleierentferner ein hohes Risiko und im schlimmsten Fall unabsehbare Folgeschäden. Salzsäure in der Reinigungslösung verflüchtigt sich sehr rasch in die Umgebungsluft und überzieht alle metallischen Gegenstände, die mit diesem Luftgemisch in Berührung kommen, binnen kürzester Zeit mit einer Schicht aus Flugrost (auch Edelstahl).

Noch schlimmer ist, dass flüchtige Salzsäure auch in elektrische Bauteile wie Platinen und Schalter eindringt und dort zu Korrosionen und im schlimmsten Fall zu fatalen Folgeschäden führen kann. Also alles in allem keine gute Idee, Salzsäure bei der Entfernung von Zementschleier einzusetzen. Dies musste ein Gebäudereiniger erleben, der den Auftrag hatte, in einer neuen Großküche den Zementschleier zu entfernen. Der Gebäudereiniger verwendete Salzsäure, was auch zu einem guten Ergebnis führte. Als der Gebäudereiniger am nächsten Tag zu einem Ortstermin einbestellt wurde, musste er aber feststellen, dass alle Einbauten aus Edelstahl verrostet waren. Die Schadenssumme betrug rund 180.000 Euro.

Phosphorsäure

Phosphorsäure verhält sich dagegen besser. Sie ist weder flüchtig noch korrosiv, leider aber nicht selbsttätig aktiv wie Amidosulfonsäure. Phosphorsäure wandelt Kalk in Calziumphosphat um, das sich auf den noch ungelösten Zementrückständen ablagert und verhindert so die weitere chemische Reaktion (Lösung von Zementrückständen). Somit muss bei Verwendung von Phosphorsäure als Zementschleierentferner die sich bildende Calziumphosphatschicht immer wieder mechanisch abgetragen werden, um das weitere Wirken der Phosphorsäure auf den Zementschleierrückständen zu gewährleisten.

Eine weitere Eigenschaft der Phosphorsäure ist, dass gegenüber anderen Säuren eine geringe Konzentration von fünf bis zehn Prozent genügt, um Zementrückstände zu entfernen. Säuren wie Amidosulfon- oder Citronensäure benötigen Konzentrationen von 15 bis 30 Prozent. Der größte Vorteil der Phosphorsäure besteht darin, dass sie wenig korrosiv ist und sich sehr schonend gegenüber anderen Materialien verhält.

Säuren greifen kalkgebundene Beläge an 

Eine Gemeinsamkeit ist allen oben genannten Säuren zu eigen. Sie greifen ungeschützte Metalloberflächen – zum Beispiel die Aluminiumfüße von Sanitärtrennwänden – an und machen keine Unterscheidung zwischen dem zu entfernenden Zementschleier und der darunter befindlichen Belagoberfläche. Unproblematisch ist dies bei säurebeständigen Bodenbelägen wie Feinsteinzeugfliesen oder Klinker. Guter Rat ist gefragt, wenn es sich jedoch um eine nicht-säurebeständige Belagoberfläche wie Marmor, Travertin oder Betonwerkstein wie Terrazzofliesen handelt.

Bei der Verwendung von säurehaltigen und auch alkalischen Reinigungsmitteln zur Entfernung von Zementschleier reagieren kalkgebundene Belagoberflächen mit Verätzungen. Starke Mechanik, grünes, braunes oder schwarzes Pad, verkratzen die Belagoberfläche.

Bei geschliffenen oder polierten Oberflächen droht eine Beeinträchtigung der Optik bis hin zum totalen Glanzverlust. Kommen dann noch etwas exotischere Natursteinbeläge wie eisenhaltiger Granit, der überwiegend aus China stammt und auf säurehaltige Reinigungsmittel mit Rostflecken reagiert. Oder gelber und blauer Granit, die bei der Behandlung mit säurehaltigen Reinigern ihre Farbe verlieren und die Struktur nachhaltig ändern, ins Spiel, ist detailliertes Fachwissen und viel Fingerspitzengefühl erforderlich, um den Zementschleier rückstandslos zu beseitigen. Alles in allem keine einfachen Patienten und Schadensfälle sind programmiert.

Chemische Entfernung der Rückstände nicht möglich

Da bei der Zementschleierentfernung auf kalkgebundenen Belagoberflächen nur Reinigungsmittel mit einem pH-Wert von 6,5 bis 8,5 eingesetzt werden können, ist eine chemische Entfernung der Zementschleierrückstände auf diesen Belagoberflächen nicht möglich. Hier bleibt dem Gebäudereiniger nur der Versuch, den Zementschleier mechanisch zu entfernen.

Da kalkgebundene Belagoberflächen wie Marmor wenig beständig gegen Mechanik sind, bleiben dem Gebäudereiniger nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Es kann versucht werden, die Zementschleierrückstände mit einem Gemisch aus Bims-, Marmormehl oder Wiener Kalk und einem pH-neutralen Sanitärreiniger unter Verwendung eines kratzfreien Pads (weiß, rot) oder Edelstahlwolle zu entfernen.

Zementschleier: Was bei der Entfernung zu beachten ist

  • Vor Beginn prüfen, ob es sich um echten Zementschleier handelt 
  • Bodenbelag immer auf Säurebeständigkeit prüfen
  • Bodenbeläge und Fugen immer vorwässern
  • Angrenzende Bau- und Metallteile abdecken
  • Nie flüchtige Säuren wie Salz- oder Essigsäure verwenden
  • Persönliche Arbeitsschutzausrüstung (PSA) anlegen
  • Immer eine Testfläche vor Ausführungsbeginn anlegen
  • Bei kalkgebundenen Belägen Haftungsausschlusserklärung vom Kunden unterschreiben lassen

Über den Autor


Uwe Büttner
ist Gebäudereinigermeister, Sachverständiger und selbstständiger Berater.

Uwe Büttner
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