Boden -

Unterschiedliche Aufgaben – ­eine Lösung

Bei Grundreinigungsarbeiten kommt im Marien Hospital in Düsseldorf seit ­einiger Zeit ­­eine Maschine mit Orbitaltechnik zum Einsatz – vielseitig ­verwendbar und ­geeignet auch für Treppen und kleine Sanitärbereiche. Der Dienstleister spricht von einem „wirklichen Mehrwert“.

Grundreinigung braucht Zeit. Im Idealfall sieht der ­Boden danach aus wie neu und die Beschichtung hält der Belastung durch Patienten und medizinisches Personal lange stand. In der Onkologischen Tages­klinik des Düsseldorfer Marien Hospitals werden ­diese Arbeiten nach Bedarf ausgeführt. Heute – an einem Samstag – ist es wieder soweit. Wartebereich, Flur, zwölf Behandlungsräume und die Sanitär­an­lagen sind verwaist. "Wir arbeiten uns Stück für Stück ­voran. ­Dafür sind etwa zwei Samstage angesetzt, die Tages­klinik ist an Wochentagen im Dauerbetrieb", sagt ­Demis Apruzzese, technischer Leiter Healthcare des Gebäudedienstleistungsunternehmens Apleona Ahr (Oberhausen), das seit 2010 über die Tochtergesellschaft KMR Service im Marien Hospital tätig ist.

Viele unterschiedliche Bodenbeläge

PVC im Wartebereich, Fliesen im WC, Granit­steinboden im Treppenhaus: Die unterschied­lichen ­Bodenbeläge der Tagesklinik stellen hohe An­sprüche an die Intensivreinigung. Demis Apruzzese hat ­dafür eine Lösung gefunden: den Floor Sander Junior von Jöst Abrasives. Die Bodenbearbeitungsmaschine ist ein kompaktes Modell mit Wassertank und zwei ­Rollen für den Transport. Die Reinigungsarbeit ­erledigt eine rechteckige Platte, auf die je nach Bodenbeschaffenheit und Verfahren – Nass- oder Trockenreinigung – ein spezielles Pad aufgebracht wird. Tatsächlich hat die Maschine Ähnlichkeit mit einer Rüttelplatte. Im Gegensatz zu einer Scheuersaugmaschine ­arbeitet sie mit Orbitaltechnik.

Auch im laufenden Betrieb

Seit rund einem Monat ist der Floor Sander Junior im gesamten Marien Hospital im Einsatz. Vor dem Einsatz der Maschine war die Grundreinigung sehr aufwändig, zum Beispiel in den Sanitärbereichen. Dort hatten sich auf den dunklen Fliesen Kalkablagerungen gebildet, die sich nur mit viel Zeit und Mühe entfernen ließen. "Die Maschine lässt sich im laufenden Betrieb einsetzen, wir müssen also nicht mehr Bereiche sperren oder abtrennen. An vielen Stellen reicht das Abfahren, die Beschichtung muss nicht erneuert werden. Das spart enorm Zeit", sagt Susanne Jockwitz, Leiterin Service- und Wirtschaftsdienste im Marien Hospital.

Orbitaltechnik im Marien Hospital: Mit 2.800 Bewegungen pro Minute in alle Richtungen

Mit hochfrequenten Schwingungen

Die Orbitaltechnik, auch oszillierende Technik ­genannt, ist eine Schleiftechnik und stammt aus der Metall- und Holzverarbeitung. Doch das Verfahren ist auch für die Reinigungstechnik interessant und hielt vor ein paar Jahren Einzug ins Reinigungs­wesen. Jöst Abrasives hat damit eine Branchenwanderung vollzogen: Ursprünglich spezialisiert auf die ­Herstellung und den Vertrieb von Schleifmitteln und Schleifsystemen ist dem Mittelständer der Sprung in die Reinigungswelt gelungen. Und so funktioniert die Orbitaltechnik: Ein Trägermedium – hier die rechteckige Bodenplatte – wird durch einen Elektromotor in hochfrequente Schwingungen versetzt. Auf diesen Träger wird ein Werkzeug oder Aufsatz angebracht, der das unerwünschte Material von einer Oberfläche abträgt – in diesem Fall sind es die Pads. So lässt sich Stein schleifen oder auf Holzdielen Lack entfernen. Auf dem Boden beseitigt die Technik den Schmutz.

Randnahes Arbeiten möglich

Die Maschine macht keine Drehbewegungen, sie wird im Gegensatz zu einer klassischen Einscheiben­maschine nicht schwingend bewegt, sondern nur langsam vor und zurück. Die Platte schleift beziehungs­weise reinigt mit einem Hub von fünf Milli­metern und rotiert mit 2.800 ­Bewegungen pro Minute in alle Richtungen. Diese Vibration liefert sehr guten Abrieb und spart Wasser, Chemie und Zeit: "Aufgrund der höheren Mechanik und der Wirkungsweise der ­exzentrischen Maschinen ist das Ergebnis besser und die Arbeitszeit wird reduziert. Mit den recht­eckigen Maschinen – erhältlich mit Kabel oder als Akku-­Variante – kann randnah ­gearbeitet werden, die mühsame Handarbeit in Ecken, Kanten und unter überstellten Bereichen entfällt", sagt Philipp Reitza, Fachberater im Vertrieb von Jöst. Mit 21 Kilogramm Gewicht ist der Junior leicht zu schieben und bei ­Treppen noch tragbar. Wandelbar machen ihn seine Pads: Super-Pads in rot oder grün für PVC-Böden, blaue Pads für Teppichböden, Schaum­gitter-Pads für den Trockenschliff, Mikrofaser-Pads für Fliesen und Stein. "Beim Transport schützt ein Staubband die Klettplatte, damit die feinen Zähnchen nicht beschädigt werden und der Klettmechanismus intakt bleibt", sagt Philip Reitza.

Nassgrundreinigung im Wartebereich

Zurück ins Marien Hospital: Zum Start der ­Arbeiten wird der Wartebereich vorbereitet. Die Sitzbänke ­werden entfernt, die freie Fläche – ein PVC-Boden – wird mit Bendurol Forte von Ecolab vorbereitet. Der Grundreiniger löst Schmutz, Schuhsohlenabrieb und die schwarzen Schlieren von Transportwagen und Sitzgruppen im Wartebereich an. Dafür werden zehn Liter der Lösung pro 20 Quadratmeter manuell mit dem Mopp aufgebracht. Zehn Minuten Einwirkzeit, dann geht es mit dem Floor Sander Junior weiter. An der ­Bodenplatte, einer Klettplatte, wird ein grünes­ Super-Pad befestigt. "Die Pads lassen sich per Klettverbindung sehr leicht lösen und austauschen", ­erklärt Phillip Reitza. "Sie sind beidseitig nutzbar, daher ­reichen zwei, höchstens drei Pads für diese ganze ­Abteilung." Bahn für Bahn fährt die Reinigungskraft den PVC-­Boden ab. Eine Bahn nach vorne bis in die Ecken, ein Stück zur Seite, dann folgt die nächste Bahn im Rückwärtsgang. Die Bahnen müssen überlappen. Der ­Junior arbeitet relativ leise, eine Unterhaltung ist möglich. Um den Anpressdruck zu er­höhen, wird auf die Maschine ein zusätzliches Gewicht von fünf Kilogramm montiert. Die blaue Metall­platte wird einfach aufgesetzt und festgeschraubt, das geht ohne Werkzeug. Nach Gebrauch müssen die Gewichte ­wieder abgenommen und gesäubert werden. Nachdem der Raum „abgerüttelt“ ist, wird per Mopp ­neutralisiert. Anschließend nimmt eine Scheuer­saugmaschine das Schmutzwasser auf. Danach wird mit dem Mopp die neue Beschichtung aufgetragen: Top Care ­Hospital von Dr. Schnell, sie trocknet innerhalb 30 bis 40 ­Minuten. "Wir haben die Beschichtung wegen ihrer kurzen Trocknungszeit gewählt, damit vor allem die Patienten­zimmer im ­täglichen Betrieb schnell wieder belegt werden ­können", erklärt Demis Apruzzese. Die Arbeiten im 40 Quadratmeter großen Wartebereich sind nach etwa einer Stunde abgeschlossen.

Trocken schleifen im Behandlungsraum

Der PVC-Boden in einem der Behandlungszimmer der Tagesklinik ist stark mit schwarzen Abriebspuren überzogen. Er soll deshalb einem Trockenschliff unterzogen werden. Bei der trockenen Pflegefilm­sanierung gilt es, den richtigen Abrieb zu wählen. "Ein paar Mikrometer genügen, das schadet dem Boden nicht, bringt aber ein schönes Ergebnis", sagt Demis Apruzzese. Auf der Klettplatte wird ein Adapter-Pad mit Schaumstoffrücken und Klettfolie angebracht. Auf diesen Adapter wird ein Schaumgitter-Pad montiert. Wie Schleifpapier weist es unterschiedliche Körnung auf. Je höher die Zahl, desto feiner lässt sich schleifen. Der erste Schliff mit 600-er Körnung lässt noch zu ­wünschen übrig. Mit 240-er-Körnung zeigt sich dann auf der Fläche eine feine, ­helle Staubschicht. Ein Wisch mit dem Mopp und der Staub ist weg, ebenso der grobe Schmutz. Die dunklen Streifen bleiben. Das Reinigungsergebnis lässt sich durch Zugabe von ­Wasser und eine zweite Fünf-Kilogramm-­Platte ­steigern. Der Junior bringt nun ­31 Kilogramm in den Schleifvorgang, das Reinigungsergebnis stimmt. Apropos Staub und Schmutz: Über ­einen Schlauch­anschluss lässt sich ein externer ­Sauger an die ­Maschine ­an­schließen. "Je nach ­Bodenbeschaffenheit können wir Körnung und ­Gewicht variieren", sagt Philipp Reitza. Die 1.800-er-Körnung eignet sich zum Polieren. "Damit ­ließe sich ein Ceranfeld säubern, ohne es zu ­ver­kratzen." Die Körnung 2.000 bis 3.000 kann Beschichtungen, Fliesen und Granit aufpolieren. Der Schleifvorgang e galisiert die Oberfläche, trägt den Schmutz ab und bringt Glanz.

Einsatz unter dem Waschbecken

Im Sanitärbereich zeigt die Maschine noch eine ­andere Facette: Sie kommt nicht nur in die Ecken, sondern auch unter Waschbecken und WC. Die Deichsel lässt sich fast waagerecht nach unten stellen. Das ist dort entscheidend, wo es eng wird. Für die Fliesen im WC wird ein Mikrofaser-Pad mit hoch- und tief­florigen Fasern und harten Polyesterborsten verwendet. Bis zu 60.000 Quadratmeter schafft ein Pad und kann bis zu 250 Wäschen gut überstehen, bis seine ­Leistungsfähigkeit endet. Hier wird nur Wasser eingesetzt, dennoch bildet sich auf den Fliesen Schaum. ­Warum? "Das sind die Reste des Reingungsmittels der Unterhaltsreinigung", sagt Demis Apruzzese. Das ­Rütteln löst nicht nur die Rückstände vom Wischen aus den Poren, es packt auch den Schmutz in den Fugen. ­10 bis 15 Minuten dauert es, dann ist das Säubern des Sanitärbereichs abgeschlossen.

Auch im Treppenhaus wird die Maschine eingesetzt: Auf den grobporigen Steinstufen haftet schwer lös­barer Schmutz. Mit Wasser und Mikrofaser-Pad geht es ans Werk: Drei bis vier Mal pro Treppenstufe vor und zurück – und die Platte sieht (fast) aus wie neu.

Nur ein Schalter: An und Aus

Für die Reinigungskraft reicht eine kurze Einweisung. Es gibt nur einen Schalter: an und aus. Den Hebel, mit dem sich die Deichsel verstellen lässt, kann man mit dem Fuß bedienen. Die Vibration ist am Griff deutlich spürbar. Aber das muss kein Nachteil sein. Vielen Reinigungskräften sind Einscheibenmaschinen aufgrund ihrer Zugkraft unangenehm – lässt man kurz los, scheren sie zur Seite aus. "Einscheibenmaschinen ziehen stark zur Seite, da verliert man schneller die Kontrolle", sagt Reinigungskraft Sofia Ingili. Wirkt sich diese Vibration der Maschine auf längere Sicht negativ auf die Bediener aus? "Gar nicht", sagt Philipp Reitza. In der Gefährdungsbeurteilung "Vibrationen" bei handgeführten und -gehaltenen Arbeitsmaschinen schneidet Floor Sander Junior mit einem äquivalenten Schwingungsgesamtwert von ­3,0 bis 3,2 Metern pro Quadratsekunde ab und liegt damit im grünen Bereich. "Theoretisch könnte ein Anwender diese ­Maschine fünf bis sechs Stunden ununterbrochen nutzen. Praktisch tut das niemand ohne Pause."

Für André Schmacht, Leiter Center of Competence Cleaning bei Apleona Ahr, liegen die Vorteile des ­Verfahrens auf der Hand: "Schnell, leicht, einfach“, sagt er, „das zählt. Jede Reinigungsfachkraft kann diese Maschine nutzen, nicht nur für die Grund­reinigung, sondern auch für die Zwischenreinigung und Unterhaltsreinigung." Ein "wirklicher Mehrwert" sei zudem die Kompaktheit und vielseitige Einsatzmöglichkeit des Floor Sander Junior, vor allem in kleinen Sanitärbereichen und auf Treppen. "Daher ist die ­Maschine bereits in mehreren von uns betreuten Kliniken im Einsatz", sagt André Schmacht.

Thea Wittmann | heike.holland@holzmann-medien.de

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