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Berufskleidung als Markenbotschafter Tragbare Visitenkarte muss passen

Bei der Arbeit nutzt die schönste Kleidung nichts, wenn sie kneift oder einengt. ­Damit sich die Mitarbeiter in ihrer Garderobe wohlfühlen, müssen bei der Beschaffung ­Faktoren wie Klimakomfort, Ergonomie, Design und Bewegungsfreiheit berücksichtigt werden.

Es steht außer Frage: Der Beruf des Gebäudereinigers ist anstrengend. Auch wenn technische Hilfsmittel die Arbeit erleichtern, müssen viele Flächen noch immer von Hand gesäubert, gewischt und poliert werden. ­Dabei kommt man leicht ins Schwitzen und die Kleidung wird klamm und feucht. Was in Innenräumen noch erträglich sein mag, ist im Freien – etwa beim Reinigen riesiger Glasfronten oder Fassaden – ausgesprochen unangenehm und kann außerdem gesundheitliche Folgen wie Erkältungen oder Muskelverspannungen nach sich ziehen. Das Unbehagen nimmt weiter zu, wenn die Kleidung auch noch zu eng ist, rutscht oder die Bewegungsfreiheit einschränkt. Die Folge ist eine Abneigung gegen das Outfit – selbst, wenn es noch so schick aussehen mag.

Aspekte, die zu beachten sind

Damit die Arbeitskleidung durch die Mitarbeiter ­akzeptiert wird, sollten bei der Beschaffung des Outfits verschiedene Aspekte beachtet werden. Eine ergonomische Schnittführung ist eine der wichtigsten Voraussetzung, wie Joachim Geyer, Key Account Manager beim Paul H. Kübler Bekleidungswerk (Plüderhausen) weiß: „Jacken mit vorgeformten Ärmeln und rückseitiger Bewegungsfalte sowie Hosen mit vorverlegten Seitennähten sind bei gestreckter, gebückter oder kniender Haltung wichtig. Große Vorteile bringen auch elastische Einsätze in Bund und Schrittbereich der Hosen, da sie zu einem hohen Bewegungsspielraum führen.“

Auch der Mietservice-Anbieter Bardusch (Ettlingen) schätzt die Wirkung leistungsfähiger Stretcheinsätze: Dank der elastischen Elemente wird für die Ausführung einer Bewegung bis zu zehnmal weniger Kraft benötigt als bei einer Berufs- und Schutzkleidung ohne entsprechende Dehnfunktion, heißt es aus dem Unternehmen. Dadurch wird Verspannungen und schwerwiegenden Gesundheitsproblemen wie Bandscheibenvorfällen vorgebeugt. Außerdem reduziert eine komfortable Arbeitskleidung das Risiko von ­Unfällen, da die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der ­Beschäftigten deutlich länger erhalten bleibt. Daraus ergibt sich ein erheblicher Vorteil für Gebäude­reiniger-Betriebe: Krankheitsbedingte Fehlzeiten sinken.

Zwiebellook für jedes Klima

Die wechselnden klimatischen Bedingungen sind eine weitere Herausforderung, die mit einer fachgerechten Bekleidung gelöst werden kann. Wer beispielsweise beim Fenster- oder Fassadenreinigen ständig zwischen drinnen und draußen wechselt oder täglich an mehreren Arbeitsstellen eingesetzt ist, braucht einen Zwiebellook. Der aus dem Sport bekannte mehrlagige Bekleidungsaufbau wird entsprechend den klimatischen Bedingungen zusammengestellt. ­Eine eng­anliegende, aber elastische Funktionsunter­wäsche sorgt für die „Basiswärme“. Sie nimmt aber auch Schweiß auf, transportiert ihn schnell von der Haut weg und erhält dadurch ein angenehmes Trage­klima. Die zweite Bekleidungslage kann ein Shirt, ein Kasack, eine Fleece-, eine Arbeitsjacke oder ein Softshell-Oberteil in Kombination mit einer Bund- oder Softshellhose sein. Sie übernehmen die „Brot- und Butterfunktion“ in geheizten Räumen oder bei gemäßigten Außentemperaturen. Zusätzlich schützen sie vor Verschmutzungen oder Wasserspritzern und bieten Stauraum für Arbeitsutensilien, Ausweise und Persönliches. Ein verlängert geschnittenes Rückenteil ist ebenfalls sinnvoll, denn es bietet Schutz gegen Zug­luft, die auch in Innenräumen entstehen kann. Die letzte oberste Schicht kommt bei Wind, Regen oder Kälte zum Einsatz. Spezielle, oft mit atmungsaktiven Membranen versehene Jacken schützen gegen die Widrigkeiten des Wetters und wärmen gleichzeitig. Wer über einen längeren Zeitraum im Freien zu tun hat, sollte unbedingt normgerechte Wetterschutz­kleidung nach DIN EN 343 (Klasse 3) tragen, so die Empfehlung der DBL. „Wir haben entsprechende ­Jacken in unserem Sortiment, die aufgrund eines speziellen 2-Lagen-Laminats eine sehr hohe Wasserdichtigkeit aufweisen. Auch die verschließbaren Taschen sind wetterfest. So bleiben die Beschäftigten – und deren Tascheninhalt – selbst bei schlechtestem Wetter lange trocken. Aufgrund der besonderen Materialien ist ­außerdem eine für eine gute Atmungsaktivität notwendige, hohe Wasserdampfdurchlässigkeit gewährleistet“, erklärt Thomas Krause, Verkaufsleiter beim DBL Partner Böge Textil-Service in Duisburg.

Textilien mit Sonnenschutzfaktor

Allerdings setzt nicht nur schlechtes Wetter den Mitarbeitern zu, die den Außenbereich eines Objekts pflegen. Gerade die letzten beiden heißen, langen Sommer haben gezeigt, wie wichtig ein guter Hautschutz im Freien ist. Spezielle Shirts mit eingearbeitetem Sonnenschutzfaktor (UVP) können vor Sonnenbrand und dessen schmerzhaften Folgen schützen. Wer das Hautrisiko für seine Beschäftigten minimieren will, kann bei der BG Bau eine Arbeitsschutz­prämie beantragen (www.bgbau.de/service/angebote/arbeitsschutzpraemien/praemie/individueller-sonnen-und-hitzeschutz/). Gefördert wird die Anschaffung von Langarm-Shirts, die einen nach EN 13758 getesteten UVP von 50 und darüber haben.

Kollektionen, die jedem passen

Bei einem Outfit für gemischte Teams kommt es auch auf die verfügbaren Modelle an. Eine geeignete ­Kollektion sollte unbedingt Damenhosen beinhalten, rät Bierbaum Proenen aus Köln. Sie sind auf die weiblichen Proportionen zugeschnitten. Das bringt den notwendigen Tragekomfort bei der Arbeit und ist eine wichtige Voraussetzung, damit sich die Mitarbeiterinnen wohl und gut angezogen fühlen. Durch Verwendung von Stretch-, Superstretch- oder 4-­Wege-Geweben wird die Bequemlichkeit um eine weitere Stufe gesteigert. Die elastischen Textilien sind dehnfähiger als klassische Mischgewebe, erleichtern viele Bewegungsabläufe, sind aber in der Regel ­etwas teuer. Daher wird in der Gebäudereinigung überwiegend Kleidung aus einem Polyester-Baumwoll-Mix eingesetzt. Aber auch bei den Klassikern hat sich einiges getan: Moderne Mischgewebe sind zur Verbesserung der Tragephysiologie leichter als noch vor einigen Jahren. Warengewichte um 250 bis 270 g/m² ergeben eine gute Kombination aus Feuchtigkeitsmanagement und Strapazierfähigkeit, sind auch bei hellen Farben blickdicht und leicht zu pflegen.

Wäsche mit Mindestbedingungen

Apropos Pflege: Eine Branchen-Kleidung muss sehr gute Pflegeeigenschaften haben. Sie sollte Wasch­temperaturen von 60 Grad Celsius, am besten sogar 95 Grad Celsius aushalten und auf dem Pflegeetikett das Symbol für Trocknereignung ausweisen. Nur dann kann ein Betrieb davon ausgehen, dass die Kleidung nicht bei jedem Wasch- und Trockenvorgang einläuft und dem Mitarbeiter irgendwann nicht mehr passt. Wer hingegen eine Wäscherei mit der Pflege der ­Firmenkleidung beauftragt, sollte leasinggeeignete, mit einem PRO-Label gekennzeichnete Outfits beschaffen. Bei der Vergabe von Schutzkleidung ist jedoch Vorsicht geboten. Die Wäsche muss die ausgewiesene Schutzfunktion der Ware erhalten, der Arbeitgeber oder ein Bevollmächtigter muss diese vor der Ausgabe an die Beschäftigten prüfen. Doch kaum ein Betrieb dürfte über die entsprechenden Gerätschaften zum Testen der Wasserdichtigkeit, Chemikalienabweisung oder Warneigenschaften verfügen. Im Zweifelsfall ist das Mieten der Schutzkleidung daher die bessere Lösung: Textilservice-Unternehmen führen die notwendigen Qualitätskontrollen durch und tauschen mangelhafte Teile gegen funktionsfähige aus.

Darüber hinaus beraten textile Dienstleister wie Bardusch und DBL einen Betrieb bereits im Vorfeld und helfen bei der für die jeweiligen Aufgaben passenden Berufskleidung. Sie bieten ein umfangreiches Sortiment unterschiedlicher Kollektionen in einem breiten Konfektionsgrößenspiegel an und übernehmen die komplette Pflege sowie Reparaturen. Hinzu kommt, dass die DBL bei Bedarf und auf Basis einer Gefahrenanalyse bei der Wahl der nötigen Schutzkleidung hilft.

Schutz für Mitarbeiter- und ­Oberflächen

Ein weiterer wichtiger Faktor auf der Anforderungsliste einer fachgerechten Kleidung ist die funktionelle Ausstattung der einzelnen Teile. Da bei der Reinigung empfindlicher Flächen, Möbel oder Werkstücke keine Kratzer entstehen dürfen, muss auf Metallreißverschlüsse, Zipper, Knöpfe oder Ähnliches verzichtet werden, berichtet Engelbert Strauss aus Bieber­gemünd. Oberteile und Hosen sollten daher konsequent mit verdeckten Verschlüssen wie abgedeckten Reißverschlüssen, Zipper-Garagen oder Weitenregulierungen von Armbündchen mit Haft- und Flausch- oder Strick-Elementen gearbeitet sein. Dass sie – wie auch die Kleidung selbst – aus hochwertigen, langlebigen Materialien gefertigt sind, sollte sich von selbst verstehen: Nur so sieht das Mitarbeiter-Outfit lange repräsentativ aus.

Auch Taschen haben eine wichtige Funktion. Sie sollten praktisch angebracht und in Größe und Anzahl gut gewählt sein, um Arbeitszubehör gut zu verstauen und dieses immer parat zu haben. Wer zudem ständig mit feuchten Tüchern hantiert, sollte sich mit wasser­abweisenden Holstertaschen oder wasserfesten Schürzen gegen eindringende Nässe schützen. Für Mitarbeiter, die sich regelmäßig in Verkehrsbereichen bewegen, ist darüber hinaus eine gute Erkennbarkeit wichtig. Diese lässt sich mit dezenten Reflexstreifen oder Elementen in fluoreszierenden Farben umsetzen. Je nach Risiko kann aber möglicherweise auch das Tragen einer zertifizierten Warnkleidung erforderlich sein. Dann bestimmt das Ergebnis der Gefährdungsanalyse, wie viel Schutz notwendig ist, damit die Mitarbeiter besser und schneller gesehen werden.

Erscheinungsbild aus einem Guss

Letztendlich sollte ein Gebäudereiniger bei der Einkleidung der Beschäftigten noch auf eine weitere Eigenschaft achten: Ein stimmiger Stil im Unternehmensdesign. „Professionell gekleidete Mitarbeiter sind Markenbotschafter und steigern den Wieder­erkennungswert eines Anbieters“, sagt Mario Bauerfeld, Key Account Manager PSA bei der igefa Handelsgesellschaft in Ahrensfelde. „Gleichzeitig erhöht ein gelungenes Teamoutfit aber auch die Zufriedenheit und das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Belegschaft.“ Für die Branche eignet sich eine Reihe unterschiedlicher Produkte: Dazu gehören Kasacks und Schlupfhosen, aber auch Chinohosen, T-Shirts, Polo-Shirts, Sweater und Fleecejacken für Firmen, die ihr Team moderner einkleiden möchten. „Aus dieser Vielfalt lässt sich gewöhnlich eine optimale Lösung finden“, ergänzt Mario Bauerfeld.

Sollten die Design-Wünsche eines Betriebs nicht mit bestehenden Sortimenten abgedeckt werden können, ist individuelle Bekleidung eine alternative Möglichkeit. Dabei ist die Beratung hinsichtlich Design und Branding durch die optimale Wahl der Farben, ­Firmenlogo und Embleme für Mitarbeiternamen wichtig. „Bei der Einführung einer individuellen Unter­nehmensgarderobe empfehlen wir außerdem, die Mitarbeiter einzubeziehen. Schließlich sollen sie sich in ihrer Arbeitskleidung wohlfühlen. Das kann in Tragetests geprüft werden. Diese geben Hinweise, ob die Outfits geeignet sind oder verbessert werden sollten.“ Nicht zu vergessen sei auch die persönliche Schutzausrüstung, erklärt der Igefa-Mann. „Für den Schutz von Gebäudereinigern gegen Gefährdungen am Arbeitsplatz stehen zahlreiche Produkte für den Einsatz von Kopf bis Fuß zur Verfügung, je nachdem, was sie an ihrem Arbeitsplatz benötigen, um sicher arbeiten zu können.“

Sabine Anton-Katzenbach, Fachjournalistin

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