Meinung -

Leserbrief Theorie gleich Praxis?

Von Armin Bornschlegl

Als Generalimporteur von Ionic-Systemen und Fensterputzer mit hoher Praxiserfahrung habe ich Ihren Artikel „Deionisiertes Wasser gegen Ruß und Sonnencreme“ mit hohem Interesse gelesen. Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass in diesem Artikel mit der Feststellung „Die angegebene Flächenleistung bei Einsatz des Gerätes von 200 bis 380 m2/h scheint damit realistisch und von einer Fachkraft ohne Probleme erreichbar“ eine Flächenleistung suggeriert wird, welche im harten Praxiseinsatz als nicht realistisch betrachtet werden kann. Um dies plastisch darzustellen, sollte man sich die Dimension dieser Aussage vor Augen führen. Bei einem Mittelwert von 290 m2/h müsste ein Fensterputzer an einem Arbeitstag eine Fläche von ca. 2.400 m2 (5-fache Fläche gegenüber klassischer Reinigung) reinigen. Dies wäre eine Glasfront mit einer Höhe von 12,0 m und einer Länge von 200 m. Dies ist umso schwieriger, da in Deutschland in der Realität derzeit sicher über 90 Prozent der Flächen nur einmal jährlich gereinigt werden und daher auch eine entsprechende Verschmutzung aufweisen. Zudem erwartet der Kunde in Deutschland nicht nur saubere Glas-, sondern auch saubere Rahmenflächen.

Da wir am 19. und 22. März 2007 in unserer German Window Cleaning Academy 28 Anwender von Systemen mit deionisiertem Wasser vor Ort hatten, habe ich den Artikel als Bestandteil unserer Schulung integriert. Wie zu erwarten wurde diese Flächenangabe als völlig unrealistisch gewertet und als Aussage von nicht mit der Materie vertrauten Personen betrachtet. In einer Fragerunde wurde deutlich, dass Flächenleistungen von 70 bis 100 m2/h von Anwendern in der Praxis erzielt werden.

In meiner Eigenschaft als Generalimporteur solcher Systeme (Ionic ist Weltmarktführer) wäre es im Verkauf für uns sehr hilfreich, wenn die Aussage des Artikels stimmen würden, denn

Epotenziellen Kunden würden sehr hohe Erträge erwirtschaften,

EFensterreiniger würden sich in logischer Folge über hohe Akkordlöhne freuen,

EAuftraggeber von Reinigungsaufträgen hätten weitere Gründe für Preissenkungen.

In meiner Eigenschaft als Fensterputzer würde es bei mir Alpträume auslösen, denn ich müsste dann ein Objekt in der Größe der Eingangshalle des neuen Flughafen-Terminals München allein innerhalb von zwei bis drei Tagen mit einem Stangensystem reinigen. Ich möchte Abstand nehmen, diese Flächenleistung ergonomisch bezüglich der körperlichen Belastung zu analysieren.

Ich möchte aber jedem, der solche Flächenleistungen suggeriert, kostenlos anbieten, einen Tag in unserer German Window Cleaning Academy oder einem echten Praxiseinsatz teilzunehmen, um sich der Tragweite einer solchen Aussage bewusst zu werden.

Diese Systeme bieten für die Fensterreinigung in der Realität sehr viele Vorteile in Form von Hebebühnenkosteneinsparungen, Erreichbarkeit unzugänglicher Gebäudeecken und Treppenhäuser, Erhöhung der Arbeitssicherheit, Erhöhung der Arbeitsleistung (20 bis 100 Prozent). Es wäre aber schade, wenn diese positiven Effekte durch falsche Darstellungen oder Angaben negativ beeinträchtigt werden.

Armin Bornschlegl

Sehr geehrter Herr Bornschlegl,

wir greifen Ihre Kritik auf, um das Thema Flächenleistungen in einer Diskussionsrunde mit den beteiligten Personen zu erörtern. Die Ergebnisse werden wir in einer der nächsten Ausgaben allen unseren Lesern präsentieren.

Redaktion rr

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