Praxis -

Terrassenreinigung mit Kollateralschäden?

Im Zuge einer Terrassenreinigung entstand im Randbereich ein Schaden, der vom Dienstleister behoben wurde. Allerdings machte der Objektbetreiber einen weiteren ­vermeintlichen Schaden geltend, den der Sachverständige zu beurteilen hatte.

Nach der Durchführung von Reinigungsarbeiten auf einer Terrasse ist ein Schaden entstanden, der auch zu keinem Zeitpunkt vom Dienstleister bestritten wurde. Ein Hinweis, was bei den Arbeiten zu beachten ist, wurde – wie leider so oft – vom ausführenden Personal nur halbherzig berücksichtigt. Bei allen daraus resultierenden Konsequenzen der Schadensbearbeitung kam es dann jedoch zu dem – zumindest aus Sicht des Objektbetreibers – eigentlichen (vermeintlichen) Schaden: Der Objektbetreiber meldete nach der Begutachtung des ursprünglichen Schadens einen weiteren Schaden mit einer enormen Schadenshöhe.

Die Ausgangslage

Um den Terrassenplatten einen gewissen Schutz zu verleihen, entschied sich der Dienstleister dafür, ein Wischpflegeprodukt zu verwenden. Da Hersteller von Reinigungsmitteln mit großem Erfolg darauf achten, dass ein Schichtaufbau durch die Verwendung von Wischpflegeprodukten vermieden wird und die Pflegekomponenten mit der nächsten Reinigung wieder aufgenommen werden, war die Verwendung aus Sicht des Sachverständigen nicht unbedingt die beste Lösung. Im Vorfeld konnte jedoch davon ausgegangen werden, dass eine Schädigung durch die eingesetzten Wischpflegeprodukte nahezu unmöglich ist.

Die Terrassenplatten wurden unter Verwendung einer Einscheibenmaschine gereinigt, die je nach Verschmutzungsgrad gegenüber der Reinigung mittels Hochdruck große Vorteile bietet: Es ist erstens leichter, ein homogenes Ergebnis zu erzielen, und zweitens ist die Gefahr, dass der Untergrund durch unsachgemäße Strahlarbeiten in Mitleidenschaft gezogen wird, deutlich kleiner.

Der vermeintliche Schaden

Leider wurde dabei nicht ausreichend darauf geachtet, dass im Randbereich Reinigungskomponenten ins Umfeld gelangen könnten. Bei besagtem Umfeld handelte es sich um einen in den Boden eingelassenen Pool mit einem Fassungsvermögen von circa 30.000 Litern, der auch nach 20 Jahren noch einen sehr gepflegten Eindruck machte.

Beim Einsatz von Wischpflegeprodukten unter der Zuhilfenahme der Mechanik durch eine Einscheibenmaschine – zu welchem Schaden soll es dabei wohl gekommen sein? Aus Sicht des Objektbetreibers führten die in den Pool eingedrungenen Reinigungskomponenten dazu, dass die Poolfarbe ausblich.

Für die Fotodokumentation war es sehr hilfreich, dass der Objektbetreiber – scheinbar sofort nachdem der Schaden gemeldet wurde – das Wasser abgelassen hatte. Er konnte dieses Vorgehen dem Sachverständigen jedoch nicht erklären oder näher begründen, sondern versuchte das Augenmerk des Sachverständigen auf die ausgeblichenen Poolwände zu lenken.

Die Rahmenbedingungen

Es gibt klare Vorschriften, die man zur Genüge aus der Beurteilung von Glas kennt. Bei der Beurteilung einer Poolwand beziehungsweise eines Poolbodens gilt es, dies unter der Berücksichtigung der normalen Betrachtungsweise vorzunehmen. Da ein Pool bestimmungsgemäß mit Wasser gefüllt ist, hat auch die Betrachtung entsprechend zu erfolgen.

Eine Farbveränderung war zwar nicht abzustreiten, doch nach 20 Jahren ist sie nicht zu vermeiden. Es kommen nämlich nicht nur die Faktoren der üblichen Nutzung ins Spiel, sondern auch die Pflege. Hierzu zählt auch der Wasserbesatz. ­Wurde der Pool mit Wasser in Trinkwasserqualität befüllt oder wurde in den zurückliegenden Jahren ein Wasser verwendet, das nicht den vom Hersteller vorgegebenen Qualitäten und Werten entsprach?

Gleiches gilt für den Betrieb des Pools. Welche Was­seraufbereitungsmöglichkeiten wurden genutzt? Chlor – mit bleichender Wirkung? Wenn ja, dann ist zu prüfen, mit welchem Chlorgehalt der Pool betrieben wurde.

Im vorliegenden Fall beteuerte der Objektbetreiber zwar, die Wasseraufbereitung lediglich durch einen Sandfilter vorzunehmen – nur um den Sachverständigen gleich darauf zu einer Anlage mit automatischer Chlorung zu führen ...

Die hier aufgeworfenen Fragen zu Nutzung beziehungsweise Pflege sind auch die Gründe dafür, dass die Hersteller von GfK-Pools (glasfserverstärkter Kunststoff) nur selten konkrete Aussagen darüber treffen, wie lange die Ursprungsfarbe erhalten bleibt – weil sie das gar nicht können. Interessant: Ein Hersteller garantiert, dass es innerhalb von zehn Jahren nicht zu einem Farbverlust von über 50 Prozent kommt.

Dienstleister trifft ­keine Schuld

Das Fazit war im vorliegenden Fall somit eindeutig: Nicht jeder vermeintliche Schaden ist tatsächlich auch ein Schaden – und schon gar nicht einer, der von einem ­Reinigungsdenstleister zu verantworten ist.

Der in diesen Fall involvierte Dienstleister, ein alteingesessener Meisterbetrieb, hat alles richtig gemacht. Schäden, die zu verantworten waren, wurden professionell bearbeitet. Schäden allerdings, die nicht in der Verantwortung lagen, wurden durch die Zuhilfenahme des Sachverständigen begutachtet und zur weiteren Bewertung an die Versicherung übermittelt.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

Tipp vom Gutachter: Gutachten oft kostenlos

Sascha Hintze

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger: "Nur allzu schnell sind Objektbetreiber dazu gewillt, dem Reinigungsdienstleister einen Schaden zuzuschreiben. Leider übernehmen viele Dienstleister trotz besseren Wissens dann die Beseitigung von Schäden, die sie nicht zu verantworten haben.

Allerdings: Viele Versicherungen nutzen das Wissen von Sachverständigen, um zu prüfen, ob der Versicherungsnehmer tatsächlich für den Schaden verantwortlich ist. Oftmals entstehen dem Versicherungsnehmer dabei noch nicht einmal die Kosten für den Sachverständigen."

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