Schadensfalldatenbank -

Staub auf Baustellen: Warum vermeiden Pflicht ist

Nach dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes wurde das bisherige, in ­unmittelbarer Nachbarschaft stehende Gebäude abgerissen. Dabei wurde leider nicht darauf ­geachtet, die Staubentwicklung zu minimieren. Die Folge war ein Staubfilm auf allen ­Fassadenteilen des Neubaus. Wie dieser richtig entfernt wird.

Beim Abriss eines Gebäudes ist die Entstehung von Staub und Lärm grundsätzlich nicht zu vermeiden, dennoch ­besteht die Pflicht, die Entstehung und die Ausbreitung von Stäuben über die Baustelle ­hinaus zu minimieren. Aus diesem Grund sind Emissionen schon während der Entstehung zu verhindern oder zu ­reduzieren – insbesondere, da der Grenz­wert für ­alveolengängige Stäube erneut herabgesetzt ­wurde.

Bei der Belastung durch Staub sind folgende Arbeitsplatzgrenzwerte zu ­beachten:

  • für E-Staub (einatembar): zehn Milligramm pro Kubikmeter
  • für A-Staub (inhalierbar/alveolengängig): drei Milligramm pro Kubikmeter

Alvelolengängiger Staub wird auch als inhalierbarer beziehungsweise ­lungengängiger Staub be­zeichnet. Denn die Staubpartikel sind so klein, dass sie beim Einatmen über die Atemwege aufgenommen werden und bis in die Alveolen und Bronchien der Lunge vordringen können.

Zu den Bauherrenpflichten gehört daher unter anderem die Vermeidung beziehungsweise Minderung von Stäuben auf Baustellen zur Vorsorge vor gesundheit­lichen Gefahren oder erheblichen Beläs­tigungen der auf der Baustelle beschäftigten Personen und Dritter.

Erhebliche Verschmutzung der Fassade

Im vorliegenden Schadensfall erfolgte diese Sorgfalt leider nicht ausreichend beziehungsweise nicht dauerhaft. Aufgrund der Witterung und der damit verbundenen s tärkeren Luftbewegungen kam es zu einer erheblichen Verschmutzung der Fassade des auf dem Nachbargrundstück befindlichen neuen Verwaltungs­gebäudes, da die Arbeiten nicht eingestellt beziehungsweise nicht eingeschränkt wurden. Wie auf den Bildern deutlich zu sehen ist, wurden bedingt durch die Abbrucharbeiten wesentliche Bauelemente mit mineralischen Verschmutzungen belegt.

Staubverschmutzungen durch Abbrucharbeiten

Fachmännisch reinigen und ­konservieren

Die Verschmutzungen gilt es nunmehr fachmännisch zu entfernen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Reinigung der Attika, der Fenster und der Fensterrahmenkonstruktion sowie der angrenzenden Bauteile und Fassadenelemente aus Aluminium und/oder sonstigen Metallen gemäß Merkblatt A5 "Reinigung von Aluminium im Bauwesen" (Herausgeber: GDA-­Gesamtverband der Aluminiumindustrie, Düsseldorf) erfolgt, inklusive einer anschließenden ­Konservierung. Wichtig ist hierbei, dass die Reinigungsarbeiten zeitnah ausgeführt werden, um eine Schädigung der Bausubstanz durch längere Einwirkzeiten zu verhindern.

Darüber hinaus kann keine Aussage über die Struktur der Verschmutzungen gegeben werden (eine Untersuchung hierzu wurde nicht durchgeführt), so dass in jedem Fall darauf zu achten ist, dass mit sehr viel Reinigungsflotte gearbeitet wird, um die Schmutzpartikel wegzuspülen und somit Kratzer, auch Mikrokratzer zu vermeiden. Die anfallende Schmutzflotte ist gemäß der entsprechenden Vorschriften zu entsorgen.

Lese-Tipp: Weitere spannende Schadensfälle finden Sie in unserer >> Schadensfalldatenbank <<

Staub durch Baustellen: 4 Tipps des Sachverständigen

  1. Sollten Abbrucharbeiten in unmittelbarer Nähe zu einem vom Dienstleister gereinigten Objekt geplant oder durchgeführt werden, so empfiehlt es sich bereits im Vorfeld auf einen erhöhten Reinigungsaufwand hinzuweisen, der durch die Staubentwicklung entstehen könnte.
  2. Kommt es wie im beschriebenen Fall zu derart starken Verschmutzungen, so ist schnelles Handeln gefragt. Denn zum einen sollen die Verschmutzungen möglichst zeitnah entfernt werden und zum anderen soll eine Schädigung durch eine zu lange Einwirkzeit auf die Bausubstanz vermieden werden.
  3. Je nachdem, welche Werkstoffe verbaut worden sind, sollen bei der Reinigung die entsprechenden Merkblätter und Fachanweisungen hinzugezogen werden. In diesem Fall das Merkblatt 5 "Reinigung von Aluminium im Bauwesen" (Herausgeber: GDA-Gesamtverband der Aluminiumindustrie).
  4. Vor der Ausführung der Arbeiten sind entsprechende Musterflächen anzulegen und ich kann hierbei nur jedem empfehlen, auf gelistete Reinigungsmittel zurück­zugreifen.

Der Sachverständige: Sascha Hintze

Sascha Hintze, Sachverständiger

Sascha Hintze ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter ­Sachverständiger.

Sachverständigenbüro für Gebäude­reinigung & ­Entwicklung, Duisburg.

Kontakt: hintze@sach­ver­staendigenbuero-hintze.de

Weitere Downloads zu diesem Artikel
© rationell-reinigen.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Log-in

* Pflichtfelder bitte ausfüllen