Kolumne -

Die Wolff-Kolumne Sprachwüste statt Visionsfeuer

Weil wir gerade davon sprechen: Haben Sie mitbekommen, wo die Visionen geblieben sind? Wo die Frauen und Männer geblieben sind, die in der Lage waren, ihre Visionen in einfachen, treffenden, prägnanten Sätzen zu formulieren? Irgendwie sind sie aus dem Alltagsleben, aus den Unternehmen verschwunden.

Diese Frauen und Männer in Wirtschaft und Gesellschaft besaßen die wunderbare Fähigkeit, ihre teils durchaus komplexen Visionen in leicht merkbare Formeln zu stanzen. Nehmen wir Henry Ford mit seiner revolutionären Marketingidee: „Bei uns kann man jede Autofarbe kaufen, Hauptsache, es ist schwarz.“

Oder der englische Seeheld Lord Nelson, der vor der Schlacht von Trafalgar den Kampfesmut, die Einsatzfreude seiner Truppen mit nur einem Satz anstachelte: „England erwartet, dass jedermann seine Pflicht tut.“ Aus! Einige Stunden später existierte keine französische Flotte mehr.

Ferdinand Piëch, der mit drei Worten Generationen von Autobauern auf die Sprungschanze schickte – bis heute: „Vorsprung durch Technik.“

Die legendären Worte des Weltmeistermachers Franz Beckenbauer in der Halbzeit-Kabine: „Geht‘s halt raus und spielt‘s Fußball.“

Ob in der Vollversammlung der Aktionäre oder im Quartalsmeeting des Familienbetriebs – die Unternehmersprache hat ihre Farbe verloren. Kein Feuer glimmt, das die Anwesenden anstecken könnte. Stattdessen sprachlicher Funktionalismus. Stattdessen die öde Trockenheit der Wüste Gobi.

Deshalb meine Ermunterungen an alle, die in ihrem Unternehmen das Feuer der Zukunft entfachen wollen – nutzen Sie doch einfach die Sprache, wozu sie erfunden wurde: Als ein wunderbares Instrument, Menschen zu begeistern. So wie es der Kirchenvater Augustinus formulierte: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

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