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Daytime Cleaning Sichtbare Sauberkeit

Professionelle Reinigung findet fast immer dann statt, wenn die meisten Menschen Feierabend haben oder noch schlafen – weil Reinigungsprozesse so problemlos durchgeführt werden können, Geschäftsprozesse nicht „gestört“ werden. Die Konsequenz sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, da Mitarbeiter nur wenige Stunden am Morgen und/oder abends arbeiten. Reinigung während des Betriebsablaufs würde Reinigung erlebbar machen, das Miteinander fördern und eine einfachere Abstimmung zwischen Auftraggeber und Kunde bewirken. Mehr und mehr Auftraggeber lassen sich vom sogenannten Daytime Cleaning überzeugen.

Unter Daytime Cleaning oder Tagesreinigung versteht man die Reinigung während der Betriebszeiten des Kunden. Außerhalb dieser Kernzeiten werden dabei in der Regel nur noch Tätigkeiten verrichtet, die den Ablauf beim Kunden stören würden oder – bei reduzierter oder bedarfsorientierter Reinigung – die hinzukommenden Vollreinigungen.

In Verwaltungsgebäuden und ähnlichen Objekten ­findet die Tagesreinigung üblicherweise in den Vormittagsstunden statt. Der Zeitkorridor reicht in der Regel für die Reinigung aus; gleichzeitig ist für diese Zeiten auch am einfachsten ­Per­sonal zu finden, da zu diesen Zeiten auch Schulen, Kitas und Horte ge­öffnet sind.Der Übergang zum Daytime Cleaning ­findet in der Regel in bestehenden Vertragsverhältnissen statt. In aus­ge­wählten Objektbereichen wird das Modell idealer­weise ­zunächst getestet, bevor das gesamte Objekt umgestellt wird. Kostenreduzierung steht bei der Einführung nicht im Vordergrund und ist auch nur zu erwarten, wenn gleichzeitig von zuvor leistungsverzeichnisbasierter auf weniger umfangreiche bedarfsorientierte Reinigung umgestellt wird. Preisvorteile, mit denen die Kunden für die Tagesreinigung gewonnen werden sollen, sind also nur in begrenztem Umfang möglich und grundsätzlich davon abhängig, inwieweit im Vorfeld bereits Einsparpotenziale genutzt wurden und tatsächlich noch Raum für weitere ­Kostensenkungen besteht.

Dem Arbeitskräftemangel entgegenwirken

Bei einer engen Abstimmung zwischen Dienstleister und Auftraggeber gibt es durch Daytime Cleaning meist zusätzliche Möglichkeiten der Auftragsausübung. Der größte Vorteil liegt aber sicherlich darin, neue Mitarbeiter finden zu können – können, da Beruf und Familie (Stichwort: Kinderbetreuung) besser zu vereinbaren sind.

Im besten Fall ist es sogar möglich, eine bislang geringfügige in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzustellen. Den Dienstleistern ist es somit auch möglich, zusätzliche Aufträge anzunehmen.

Kommunktion mit dem Kunden

Daytime Cleaning ist nicht zwingend an eine betriebliche ­Mindestgröße gebunden, wirklich alle Vorteile sind aber in der Regel erst ab einer bestimmten Größe realisierbar. Dies hängt zum Beispiel von unregelmäßigen Veranstaltungen und damit anfallenden Verschmutzungen ab, auf die im Rahmen einer Tagesreinigung viel flexibler und direkter reagiert werden kann, oder auch davon, ob das Objekt bislang strikt nach Leistungsverzeichnis, bedarfsorientiert oder ergebnisorientiert gereinigt wurde.

Zur erfolgreichen Tagesreinigung gehört eine gute Kommunikation mit dem Kunden. Hierzu sind auf Mitarbeiterseite, sowohl bei den Objektleitern und Vorarbeitern als auch bei den Reinigungskräften, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen.

Bei einer Umstellung sollte auch die Arbeitskleidung der Reinigungskräfte einer Prüfung unterworfen und eventuell auf die neue Situation abgestimmt werden.

Gleiches gilt für das Auftreten der ­Reinigungskräfte selbst. Ein angemessener Umgang mit dem Kunden sollte selbstverständlich sein, Schulungen des Personals können hier helfen. Denn es ist davon auszugehen, dass die Anforderungen an die diesbezüglichen Fähigkeiten der Mitarbeiter etwas höher sind.

Geeignete Maschinen und Geräte

Mit einer Umstellung auf Daytime Cleaning können zu Beginn einige Investitonen notwendig werden, etwa für die Anschaffung geeigneter Geräte und Maschinen. Denn für den Einsatz während der Betriebszeiten in einem Objekt sollten sie möglichst geräusch­arm und eventuell auch kleiner und wendiger sein.

Die Anschaffungskosten können höher sein als bei herkömmlichen Geräten, andererseits werden weniger Geräte und Maschinen benötigt, da gleichzeitig weniger Mitarbeiter tätig sind. Zudem ist der Schulungsaufwand bei Objektleitern, Vorarbeitern und Reinigungskräften eventuell höher.

Daneben müssen ausreichende und geeignete Schutz- und Sicherungsmaßnahmen (zum Beispiel Warnschilder für rutschgefährliche Flächen) vorgehalten werden.

Abstimmung schafft Verständnis

Tagesreinigung erfordert einen gut durchdachten Reinigungsplan. Dabei macht es vor einer Umstellung durchaus Sinn, sich mit den Nutzern der betreffenden Gebäude beziehungsweise Räume abzustimmen. So wird mehr Verständnis für die individuellen Zeitpläne erreicht und sie können genau auf den Reinigungsprozess angepasst werden. Flexibilität ist dabei von entscheidender Bedeutung. Bei einer Umstellung auf die Tagesreinigung kann es ebenso sinnvoll sein, schrittweise mit einzelnen Reinigungstätigkeiten zu beginnen und sie nach und nach zu erweitern. Die Reinigungsvorgaben müssen dem neuen Reinigungsprogramm angepasst werden. Dazu gehört es auch, Stellenprofile nach ­Bedarf anzupassen und Zeiten und Frequenzen bestimmter ­Reinigungsarbeiten zu ändern.

Eine Herausforderung besteht besonders darin, geräuschintensive Tätigkeiten gut zu planen: Eine genau Festlegung, welche ­Reinigungstätigkeiten in welcher Reihenfolge durchgeführt werden, ist sinnvoll: Beispiel: Staubgesaugt wird am frühen Morgen, wenn noch nicht alle Büros besetzt sind und demgemäß noch nicht so häufig telefoniert wird.

Höhere Qualität und viele andere Vorteile

Welche Vorteile kann Daytime Cleaning sonst noch bringen? Bei Kunstlicht schwer erkennbare Verschmutzungen werden bei Tageslicht leichter entdeckt, die Reinigung von Glasvitrinen und Eingangstüren ist vereinfacht, da sich das Reinigungsergebnis deutlich besser kontrollieren lässt. Darüber hinaus sind die meisten Menschen tagsüber leistungsfähiger, was sich ebenfalls auf die Qualität der Reinigung auswirkt. Und die steigt erfahrungsgemäß auch durch eine bessere Kommunikation zwischen Objektnutzern und Reinigungspersonal. Wenn dann noch die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt und ein Vertrauensverhältnis entsteht, nimmt allgemein die Kundenzufriedenheit zu. Daraus können durchaus auch Folgeaufträge entstehen.

Daytime Cleaning bietet attraktivere Arbeitszeiten, daher ist die Chance größer, besser ausgebildetes Personal zu finden. Zudem werden weniger Mitarbeiter benötigt, da die Beschäftigten über längere Zeitintervalle tätig sind. Das Gebäudereiniger-Handwerk wird damit deutlich interessanter, die Reinigung erhält ein Gesicht und damit eine neue Wertigkeit. Für den Kunden wird der Dienstleisterwechsel deutlich schwieriger, weil seine Beschäftigten die gewohnten Reinigungskräfte meist behalten möchten.

In Summe können die genannten Argumente dazu führen, dass die Kosten sinken, da etwaige Nachtzuschläge entfallen, die ­Rekrutierung der Beschäftigten leichter ist, das aufwändige Schlüsselmanagement einfacher ist und geringere Rüstzeiten anfallen.

Gute Gründe auch für den Kunden

Will ein Dienstleister seinen Kunden von den Vorteilen des Day­time Cleaning überzeugen, gibt es zahlreiche weitere Argumente. Mehr Einfluss und die kundenseitige Wahrnehmung der Leistung des Dienstleisters sind ebenso offensichtliche Vorteile wie kürzere Reaktionszeiten bei Spontanverschmutzungen und der flexible Abruf zusätzlicher Dienstleistungen. Tagesreinigung ist in der Regel eine bedarfsorientierte Reinigung, so dass das Konzept optimal auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt ist.

Sicherheitsrelevante Bereiche sind während der Reinigung unter Beobachtung des Kunden. Auch Energie wird eingespart, da keine zusätzlichen Beleuchtungszeiten notwendig sind. Der Aufwand für Pförtner und Sicherheitsdienste verringert sich, da keine Zugangskontrolle außerhalb der eigenen Betriebszeiten notwendig ist. Ab einer gewissen Objektgröße kann die Reinigung auch günstiger durchgeführt werden, da sich einige Faktoren erst ab bestimmten Werten bemerkbar machen. Etwa wenn gleichzeitig von einer leistungsverzeichnisorientierten Reinigung auf eine bedarfsorientierte Reinigung umgestellt und so der Reinigungsumfang einschließlich Mitarbeiter- und Maschineneinsatz reduziert werden kann.

Hürden erfolgreich meistern

In der Realität gibt es bei einer Reinigung im Geschäftsablauf natürlich auch Hürden, die bedacht werden müssen. Allem ­voran besteht die Gefahr der Störung des Betriebsablaufs durch ­Geräuschbelästigung und die Anwesenheit der Reinigungskräfte. Diesem Argument kann mit der Verwendung speziell für diesen Einsatzbereich entwickelter Geräte entgegengetreten werden. Eine eventuell notwendige Vollreinigung außerhalb der Betriebs­zeiten des Kunden kann zusätzlich vereinbart werden.

Auch die Sorge um Betriebsgeheimnisse besteht, weil Reinigungskräfte Einblick auf PC-Bildschirme oder in Akten erhalten oder Zeuge bei Telefonaten und Gesprächen sind. Entsprechende Verschwiegenheitserklärungen der Beschäftigten sind hier ein probates Gegenmittel.

Zudem sollte eine genaue Abstimmung mit dem Kunden erfolgen, in welchen Bereichen (Personalbuchhaltung, Einkauf, Forschung und Entwicklung) und wie während der Anwesenheit von dessen Beschäftigten gereinigt werden soll.

Die Tagesreinigung erfordert in der Regel einen höheren ­Koordinations- und Managementaufwand, zumindest in der Anfangsphase. EDV-Programme können bei der Organisation behilflich sein. Der Einsatz lohnt wiederum erst ab bestimmten Objektgrößen.

Steffi Reuter, BIVpeter.hartmann@holzmann-medien.de

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