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Die Wolff-Kolumne Servicewüste: Täter als Kläger

Weil wir gerade davon sprechen. Bestimmt ist es Ihnen auch schon bewusst geworden. Seit gefühlten 100 Jahren produzieren Befragungen zum Thema „Service in Deutschland“ die ewig gleichen Schlagzeilen: „Servicewüste Deutschland“.

So stellte „salesforce“ im Internetblog fest: „Deutschlands Kundenservice hat ein Problem. 90 Prozent aller Deutschen empfinden ihn mittelmäßig bis gut.“ Also neun von zehn unserer Mitbürger finden, der Service in deutschen Landen könnte durchaus besser sein.

Die armen gescholtenen Dienstleister. Vom Friseur bis zur Kellnerin, von der Verkäuferin bis zum Taxifahrer. Warum reißen die sich nicht endlich einmal zusammen und sind freundlicher, netter, aufmerksamer? Kein Wunder, dass alle mit dem anklagenden Finger auf sie zeigen.

Nun, die alte Weisheit sagt: Wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, weisen mindestens drei Finger auf einen selbst zurück. Hier trifft es wirklich zu. Anstatt sich über den schlechten Service bei anderen Berufen zu beschweren, möge jeder erst einmal vor der eigenen Tür kehren!

Die große Mehrzahl der Befragten sind nämlich selbst Dienstleister – ohne das entsprechende Selbstverständnis: die Heerscharen im öffentlichen Dienst. Die Legionen von Mitarbeitern im Gesundheits- und Pflegewesen. ­Alle Angehörigen in den pädagogischen Berufen oder mit ­Lehrauftrag.

Wie würden die Umfrageergebnisse wohl aussehen, wenn sich all diese Gruppen endlich klar würden: „Ich bin ein Dienstleister. Ich leiste Dienste für andere.“

Hier noch ein Tipp für das praktische Freundlichkeitsstudium: Haben Sie ein Auge für die Dienstleisterin oder den Dienstleister, denen Sie sonst kaum Beachtung schenken. Der Reinigungskraft an Ihrem Arbeitsplatz. Da lernen Sie vermutlich, wie man trotz Knochenarbeit freundlich sein kann.

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