Schadensfalldatenbank -

Unappetitlicher ­Wasserschaden

Nach einem Wasserschaden, hervorgerufen durch Fäkalien und andere in der ­Toilette entsorgte Materialien, sollte der Sachverständige prüfen, welche Reinigungs­maßnahmen notwendig sind, um die Nutzung der Sanitäranlage in einer Mieteinheit wiederherstellen zu können.

Grundsätzlich gehört in die Toilette genau das, wofür sie vor Jahrhunderten ursprünglich einmal konzipiert worden ist, nämlich für das "kleine und das große Geschäft". Gleichzeitig kann unbedenklich Klopapier der Toilette zugeführt werden. Das Toilettenpapier ist dafür ausgelegt, im Wasser möglichst schnell zu zerfasern, so dass es nicht zu einer Verstopfung kommen kann.

Das genaue Gegenteil passiert bei Papiertaschentüchern, Küchenrollen oder Feuchttüchern aus synthetischen Fasern. Diese sind eher dafür ausgelegt, Feuchtigkeit zu überstehen beziehungsweise den Zerfaserungsprozess zu verlangsamen. Zum Teil überstehen diese Tücher auch einen Waschvorgang.

Entladung in einer Toilette im Erdgeschoss

Im vorliegenden Schadensfall wurden in einem Mehrfamilienhaus über die Jahre alle erdenklichen Sorten an Papiertüchern die Toiletten heruntergespült mit der Folge, dass es zu einer erheblichen Verstopfung im Abflusssystem kam. Diese sorgte letztendlich dafür, dass sich die im Haus heruntergespülten Abwässer in einer Toilette im Erdgeschoss entluden. Der Sachverständige wurde hinzugezogen, um zu prüfen, welche Reinigungsmaßnahmen notwendig waren, um die Nutzung wiederherstellen zu können.

Vollflächige Desinfektion nach der Reinigung

Der Eigentümer stellte sich zudem die Frage, ob neben der klassischen Sanierung des Abwassersystems zusätzliche Hygienemaßnahmen notwendig waren, um in der Mieteinheit die unbedenkliche Nutzung wieder zu gewährleisten. Entsprechend wurde die Empfehlung ausgesprochen, nach Durchführung der Sanierungsmaßnahmen zu prüfen, ob es zu weiteren sanierungsbedürftigen Feuchteschäden gekommen ist. Da dies nicht der Fall war, sollte durch eine fach- und sachgerechte Reinigung die unbedenkliche Nutzung wiederhergestellt werden. Hierzu wurde empfohlen, in den Bereichen, die durch Schmutz- und Abwasser verunreinigt waren, nach der Reinigung eine vollflächige Desinfektion durchzuführen.

Die Reinigungsmaßnahme wurde wie folgt durchgeführt:

  • Entfernung von Grobschmutz mit anschließender Entsorgung;
  • alkalische Reinigung der betroffenen Flächen (im vorliegenden Fall war eine Nassreinigung aufgrund der verbauten Werkstoffe unproblematisch);
  • Klarspülen der Oberflächen zur Vermeidung eines Seifenfehlers bei der anschließenden Desinfektion;
  • Desinfektion mittels eines gelisteten Produktes in der vom Hersteller angegebenen maximalen Konzentration bei maximaler Einwirkzeit – unter Einhaltung der üblichen Bestimmungen zur Durchführung einer Desinfektionsmaßnahme.

Aus Sicht der Gebäudereinigung waren nach Abschluss dieser Arbeiten keine weiteren Maßnahmen notwendig, da auch keine Geruchsbelästigung mehr festzustellen war.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

Tipp vom Gutachter: Bei belasteten Flächen­ Desinfektion ­einplanen

Sascha Hintze
BU 1 -

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger: "Wenn Reinigungsmaßnahmen anstehen, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass die zu reinigenden Oberflä­chen belastet sein könnten, sollten im Anschluss auch entspre­chende Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt ­werden.

Bei Unsicherheiten im Hinblick auf den Erfolg der Desinfektion sollte im Nachgang auch eine Beprobung in Erwägung gezogen werden. "

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