Schadensfalldatenbank -

Sanitärreinigung: Massive Verschmutzungen durch mangelhafte Wasserqualität

Starke Verunreinigungen im Sanitärbereich sind nicht immer auf eine mangelhafte ­Reinigung zurückzuführen – das zeigt der vorliegende Schadensfall.

Im vorliegenden Schadensfall ging es vorrangig um die Beurteilung der Reinigungsleistung in mehreren sanitären Anlagen. Wie in vielen Schadensfällen versucht man aufgrund der ersten Information, die man erhält, sich das Schadensbild vorzustellen und erarbeitet bereits gedanklich Lösungen. Im vorliegenden Fall vermutete der Sachverständige, auf übliche Verkalkungen oder organische Verschmutzungen zu treffen. Beim Ortstermin stellte sich die Sachlage jedoch etwas anders da. Die zu beurteilenden Verschmutzungen waren derart massiv, dass sie nicht zum üblichen Erscheinungsbild des Objektes und somit auch nicht zum Zustand der übrigen Flächen passten.

Wenn man die Bilder betrachtet, erschien die Lösung des Problems zunächst einmal ziemlich schwierig. Dennoch wird sich der eine oder andere – gerade diejenigen, die aus Industrieregionen kommen – ­erinnern, solche Verschmutzungen in den Wasch­kauen metall­verarbeitender Betriebe gesehen zu haben. Vor diesem Hintergrund wählte der Sachverständige dann den Lösungsansatz. Hierbei ergaben sich folgende Punkte die zu betrachten waren: Zum einen musste überprüft werden, ob und wie die Verschmutzungen entfernt werden können. Und zum anderen musste vollständig geklärt werden, wie es zu den Verschmutzungen kommen konnte.

Sanitärgrundreiniger schafft Abhilfe

Zunächst einmal wurde geprüft, ob die vorhandenen Verschmutzungen sich mit üblichen Haushaltsmitteln entfernen ließen. Organische Verschmutzungen aufgrund des Bildes, wie es sich dem Sachverständigen darstellte, konnten vernachlässigt werden. Deshalb entschied sich der Sachverständige dafür, eine Musterfläche mit einem haushaltsüblichen Sanitärreiniger anzulegen.

Das verwendete Produkt enthielt bereits einen Anteil an Phosphorsäure und wurde nach entsprechender Einwirkzeit zusätzlich unterstützt durch die mechanische Bearbeitung mittels eines haushaltsüblichen Reinigungsschwamms für Badezimmer. Bei genauer Betrachtung konnte eine kleine optische Verbesserung festgestellt werden, die jedoch für das Gesamtergebnis nicht akzeptabel gewesen wäre.

Daher wurde eine weitere Musterfläche mit einem für die Gebäudereinigung üblichen Sanitärgrundreiniger auf Phosphorsäurebasis unter Verwendung entsprechender Mechanik angelegt. Hierbei konnte eine deutliche optische Verbesserung erzielt werden. Durch Wiederholung der beschriebenen Maßnahme konnten die Verschmutzungen komplett entfernt ­werden.

Ursache im Wassersystem zu finden

Dennoch blieb die Frage offen, ob die Verschmutzungen ursächlich durch mangelhafte oder fehlende Reinigung zustande gekommen sind oder ob diese einen anderen Hintergrund hatten. Da auf den übrigen Flächen keine auffälligen Verschmutzungen vorzufinden waren, ging der Sachverständige davon aus, dass die Ursache für die vorhandenen Verschmutzungen eine andere sein muss. Denn auch der Blick in den Spülkasten des WCs mit starken Ablagerungen gab einen Hinweis darauf, dass diese aus dem Wassersystem kommen mussten.

Im Laufe des Ortstermins stellte sich heraus, dass das Haus über eine Eigenversorgung mit Wasser verfügt. Die Beprobung der Wasserqualität ergab, dass die ermittelten Werte, unter anderem für den Eisenanteil, deutlich über den in der Trinkwasserverordnung verankerten Grenzwerten lagen. Durch das übliche Nutzerverhalten kam es daher zu einem stetigen Aufbau an Rückständen und der Oxidationsprozess führte schließlich zu den vorhandenen Verschmutzungen. Somit konnte der Sachverständige feststellen, dass ein Reinigungsmangel nicht vorlag.

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Tipp: Wasserqualität beachten

Die Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch ( Trinkwasserverordnung – ­TrinkwV) erläutert unter § 3 Begriffsbestimmungen: „Im Sinne dieser Verordnung ist ,Trinkwasser‘ in jedem ­Aggregatzustand des Wassers und ungeachtet dessen, ob das Wasser für die Bereitstellung auf Leitungswegen, in Wassertransportfahrzeugen, aus Trinkwasserspeichern an Bord von Land-, Wasser- oder Luftfahrzeugen oder in verschlossenen Behältnissen bestimmt ist,

a) alles Wasser, das, im ursprünglichen Zustand oder nach Aufbereitung, zum Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen und Getränken oder insbesondere zu den folgenden anderen häuslichen Zwecken bestimmt ist:

  • aa) Körperpflege und -reinigung,
  • bb) Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß mit Lebensmitteln in Berührung kommen,
  • cc) Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen;

b) alles Wasser, das in einem Lebensmittel­betrieb verwendet wird für die Herstellung, die Behandlung, die Konservierung oder das Inverkehrbringen von Erzeugnissen oder Substanzen, die für den menschlichen Gebrauch bestimmt sind.“

Für den hier beschriebenen Fall war deshalb davon auszugehen, dass die Wasserqualität so zu sein hat, dass diese für den menschlichen Gebrauch geeignet ist, denn dann wären die beschriebenen Probleme nicht ­aufgetreten.

Bei derart aufkommenden Verschmutzungen, wie in diesem Fall beschrieben, lohnt sich der Blick in den Spülkasten, da hier die Ablagerungen oftmals noch viel deutlicher zu sehen sind. Hieraus lässt sich auch vor Abgabe eines Angebotes ein Rückschluss ziehen, ob ein erhöhter Aufwand bei der Reinigung aufgrund der Wasserhärte zu vermuten ist.

Der Sachverständige: Sascha Hintze

Sascha Hintze, Sachverständiger

Sascha Hintze ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter ­Sachverständiger.

Sachverständigenbüro für Gebäude­reinigung & ­Entwicklung, Duisburg.

Kontakt: hintze@sach­ver­staendigenbuero-hintze.de

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