Boden -

Sanierung von Linoleum: In vier Schritten zum Erfolg

Die Nassgrundreinigung von Linoleumbelägen ist ein häufig angewendetes Verfahren in der Gebäudereinigung. Allerdings kommt es immer wieder zu Schäden. Wenn es um Austausch oder Sanierung geht, ist Letzteres ­oftmals die bessere und vor allem kostengünstigere Wahl. Eine Anleitung zur Sanierung von Linoleumbelägen in vier Schritten.

Alle Jahre wieder werden in den Sommerferien hunderttausende Quadratmeter Lino­leumbodenbeläge vor allem in Schulen nassgrundgereinigt und neu ­beschichtet. ­Etliche davon werden tief­greifend beschädigt. Dabei geht es in der Regel weniger um die Frage, ob ein Schaden eintritt, sondern vielmehr ­darum, wo und wann es passiert.

Häufig liegt es ­an ­der Ausführung

Warum eigentlich kommt es immer wieder zur Zerstörung von Linoleumbelägen durch Nassgrundreinigung – Tendenz in den vergangenen zehn bis 20 Jahren steigend? Häufig liegt die Ursache in der Ausführung. Vielleicht hat das Grundreinigungsteam ­ unsauber gearbeitet und/oder einen zu ­alkalischen Grundreiniger mit pH-Wert größer als 9,5 oder eine sehr abrasive Pad­scheibe – schwarz oder braun – verwendet. Oder die Trocknungszeiten zwischen der Nassgrundreinigung und dem Auftragen der Beschichtung wurden nicht eingehalten. Es kann aber auch sein, dass das besonders schnelle Grundreinigungsteam schlichtweg vergessen hat, den Bodenbelag nach der Grundreinigung ordentlich zu neutralisieren, also mit ausreichend Wasser zu spülen.

Rau mit matten oder glänzenden Arealen

Das Ergebnis ist letztlich identisch. Durch Nassgrund­reinigung geschädigte ­Bodenbeläge sind oftmals rau, weisen matte oder glänzende Stellen auf und brauchen sehr viel Zeit, bis sie wieder trocken sind. ­Zudem fühlt sich der nasse Belag schwammig beziehungsweise pastös oder bröselig an. Die nach der Grundreinigung auf­ge­tragene Beschichtung versackt im Gefüge des Bodens und er sieht aus wie ein Streuselkuchen. Es bilden sich großflächig ­matte bis seidenmatte Areale und Glanznester, die auch durch mehrmaliges Auftragen der Beschichtung optisch nicht ansprechender werden – im Gegenteil.

Helle, gelbliche Punkte ­nach der Nassgrundreinigung

Oftmals weisen die geschädigten Boden­beläge nach der Nassgrundreinigung helle, gelbliche Punkte auf. Ursache hierfür ist, dass das Leinöl durch die Grund­reinigung zum Teil in Lösung gegangen ist und dadurch das Korkmehl nicht mehr eingebunden ist – das Gefüge wurde chemisch oder mechanisch zerstört. In der Regel kann man bei den geschädigten Bodenbelägen mit dem Fingernagel das Gemenge bis zur Trägerschicht beziehungsweise bis zum Estrich abkratzen. In Extremfällen kann es durch den Einsatz eines hochalkalischen Grundreinigers zu einem Farbumschlag kommen und der ­Bodenbelag bekommt einen deut­lichen Gelbstich. Dieser Farbumschlag kann durch sofortiges großflächiges Aufbringen eines amidosulfonhaltigen Sanitärreinigers wieder umgekehrt werden. Dies funktioniert aber nur in den ersten zehn bis 20 Minuten nach dem Farbumschlag. Nach Abtrocknung des Bodenbelags ist der Schaden irreversibel.

Wenn die Beschichtung ­abpudert oder milchig wird

Ein weiteres sicheres Indiz dafür, dass der Bodenbelag grundlegend beschädigt ist: Der grundgereinigte und beschichtete Belag weist nach einer Zeit von einer bis sechs Wochen später helle Streifen in Form von Wischspuren auf, wird milchig und/oder die Beschichtung pudert ab (Bilder 2 und 3). Ob Letzteres der Fall ist, lässt sich einfach feststellen: Drücken Sie einen durchsichtigen Klebestreifen (Tesafilm) fest auf die Beschichtung und ziehen ihn dann mit ­einem beherzten Ruck ab. Sollten sich auf dem Klebestreifen kleine weiße Punkte oder Pickel zeigen, handelt es sich um ­ Teile der Beschichtung, die sich von der Oberfläche abgelöst haben. Gleichzeitig ist die Beschichtung an der Stelle, wo der Klebestreifentest durchgeführt wurde, matt und klar abgegrenzt.

Ein Linoleumboden besteht aus Träger­material, Jutegewebe, Kork oder Holzmehl, Farbstoffen und Kalksteinpulver als Füllstoff. Leinöl (Leinölfirnis) und Naturharze dienen als Klebstoff, der den Linoleumzement zusammenhält. Dieser Linoleumzement wird auf das Trägergewebe oder direkt auf die Kalanderwalzen aufgetragen und in der Reifekammer vier bis sechs Wochen getrocknet. Durch das ­Reifen härtet der Linoleumzement aus. Leinölfirnis und Naturharze verharzen und halten den Zement zusammen. ­Genau diese Verharzung wird bei einer mangelhaften Nassgrundreinigung chemisch oder mechanisch zerstört und der Linoleumzement geht in Lösung.

Belag austauschen ­oder sanieren?

Wenn dieser Fall eingetreten ist, bleiben drei Möglichkeiten. Erstens: Der Kunde akzeptiert dies so, dann ist alles gut. Zweitens: Der zerstörte Bodenbelag wird auf Kosten des Schadensverursachers ausgetauscht. Die Kosten sind erheblich. Je nach Gegebenheiten können sie mit bis zu ­150 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlagen. Drittens: Der zerstörte Boden­belag wird saniert. Die Kosten für die Sanierung sind im Vergleich zum Austausch mit bis zu 35 Euro pro Quadratmeter deutlich geringer. Einzig verfärbte Linoleumböden können nicht saniert werden, da sich der Farbumschlag nicht mehr umkehren lässt. Weiter ist zu beachten, dass sanierte Linoleumbeläge nie wieder nassgrund­gereinigt werden können, ohne vollständig zerstört zu werden. Sie müssen mit einer Pflegefilm­sanierung gewartet werden.

Sanierung hilft in ­den meisten Fällen

Ein zerstörter Linoleumbodenbelag kann meistens durch tiefgreifende Sanierungsmaßnahmen wiederhergestellt werden. Dazu ist es nötig, eine Probefläche zu bearbeiten. Sollte diese nach drei bis sechs Monaten noch intakt sein, kann davon ausgegangen werden, dass die Sanierungsmaßnahme erfolgreich war und die rest­lichen Beläge saniert werden können. Dabei gilt: Die Sanierung muss in meh­reren Schritten durchgeführt werden.

Schritt 1: Nassgrundreinigen

Der Bodenbelag wird zuerst mit einem Lino­leum-Grundreiniger mit hohem ­Lösungsmittelanteil, schwerer Einscheibenmaschine und roter Pad­scheibe nassgrundgereinigt. Dabei wird der ­Boden mit der Einscheibenmaschine in ­50 Prozent überlappenden Bahnen horizontal und vertikal langsam abgefahren. Im Anschluss an die Grundreinigung – der Belag muss frei von Glanznestern sein – wird der Boden mindestens dreimal mit viel Wasser gespült und dann mit einem leistungsstarken Wassersauger ­ abgesaugt. Im Anschluss muss der ­pH-Wert des ­Bodens gemessen werden. Liegt er ­zwischen 6,5 und 7,8, kann nach einer Trocknungszeit von mindestens ­­24 Stunden und bis zu ­72 Stunden Schritt zwei erfolgen. Es ist zu empfehlen, vor Schritt zwei eine Feuchtigkeitsmessung durchzuführen und sie auch zu proto­kollieren.

Schritt 2: Trocken schleifen

Der trockene, grundgereinigte Linoleumbelag wird nun mit einer schweren Einscheibenmaschine – zum Beispiel Typ BRM 545 mit Absaugung von Nilfisk oder einer anderen Marke mit ähnlichem ­Eigengewicht und Drehzahl – und grauem Schleifpad trocken abgeschliffen. (Praxis­tipp: Die besten Ergebnisse habe ich mit Pads von 3M erzielt.) Es ist unbedingt ­darauf zu achten, dass eventuell noch vorhandene Glanznester mechanisch zum Beispiel mit Schleifpapier – Körnung 400 bis 800 – oder chemisch zum Beispiel mit Isopropanol restlos entfernt werden. Der Belag muss ein gleichmäßiges, mattes und homogenes Oberflächenbild zeigen. Sollte dies nicht der Fall sein, wird der Boden nochmals mit Einscheiben­maschine und grauem Pad überschliffen. Im ­Anschluss muss der Belag durch Absaugen restlos entstaubt werden.

Schritt 3: Grundieren

Der vorbereitete Boden wird mit einer Kunststoff­polymerdispersion, einem Poren­füller, satt aber nicht zu dick ­ beschichtet beziehungsweise grundiert. Nach Durchtrocknung der Grundierung (mindestens zwölf Stunden) wird Schritt zwei – schleifen – wieder­holt. Es kann nötig werden, diese Prozedur – grundieren und schleifen – zwei- bis dreimal zu ­wiederholen, bis der Belag sich an der Oberfläche homogen und geschlossen zeigt. Glanznester oder Schichtaufbauten dürfen nicht mehr vorhanden sein. Durch das Abschleifen kann es dazu kommen, dass der Boden in seiner Farbgebung­ ­ etwas heller wird und kleine gelbe Punkte sichtbar werden – das ist Kork- oder Holzmehl.

Schritt 4: Beschichten

Der Bodenbelag wird nun mit mindestens fünf dünnen Opferschichten einer Polymerdispersion, am besten metallvernetzt, beschichtet. Je dünner die aufgebrachten Schichten sind, desto strapazierfähiger und ansprechender wird der Belag. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass nach ­jeder Beschichtung eine Trocknungszeit von mindestens ein bis zwei Stunden (je nach Wetterverhältnissen) vor dem nächsten Auftragen eingehalten wird. Sind die Schichten nicht vollständig durch­getrocknet, gehen sie bei erneutem Auftragen von Beschichtungsmittel wieder in Lösung und der Linoleumbelag ist endgültig zerstört. Statt einer Polymerdispersion können auch ein Poly­urethan-Primer und eine Polyurethanversiegelung, Ein- oder Zwei-Komponenten, verwendet werden.

Nach der Sanierung bl­oẞ keine Nassgrundreinigung mehr!

Wichtig: Nach der Sanierung darf ein ­Linoleumbelag nie wieder nassgrund­gereinigt werden. Durch die Sanierung wird der ­Boden in seiner Struktur weiter geschädigt, da durch das Ausspülen der im Boden angereicherten Grundreinigerlösung auch ein Teil des Leinöls und der Füllstoffe mit ausgewaschen wird. Dadurch verliert der Belag einen Teil seines Klebers. Nach der Sanierung übernimmt der aufgebrachte Porenfüller diese Funktion. Bei einer erneuten Nassgrundreinigung würde teilweise der Porenfüller ausgespült beziehungsweise chemisch gelöst werden. Der Belag würde sich in seine Bestandteile aufteilen und ziemlich sicher nicht mehr aushärten – ein klassischer Totalschaden.

Besser: Trockene ­Pflegefilm­sanierung

Um den sanierten Linoleumbodenbelag auf Dauer zu erhalten, ist es nötig, ihn ­regelmäßig zu warten. Das heißt: Bei ­ersten Anzeichen einer Abnutzung der oberen Beschichtung wie Kratzern, Laufstraßen oder partiellen Beschädigungen ist der Belag umgehend zu warten. Bei der Wartung muss der abgenutzte Boden­belag mit dem grauen Schleifpad überschliffen werden, bis die abgenutzten Flächen ein gleichmäßig mattes Oberflächenbild ­zeigen. Im Anschluss muss der Belag mit einer neuen Schutzschicht, ein bis zwei dünne Aufträge, wie in Schritt vier beschrieben, beschichtet werden. Das Intervall der Wartungsmaßnahmen hängt von der Intensität der Nutzung ab und kann zwischen sechs und 26 Wochen betragen.

Nutzschicht regelmäẞig ­überprüfen

Um zu verhindern, dass durch die Nutzung die tieferen Schichten beschädigt beziehungsweise abgenutzt werden, ist es erforderlich, die sanierten Bodenbeläge alle vier bis sechs Wochen zu inspizieren und zu prüfen, ob die Nutzschicht noch in Ordnung ist. Sobald die obere Nutzschicht Abnutzungserscheinungen zeigt, Kratzer oder matte Stellen, muss wieder gewartet werden. Ein großer Vorteil der Pflegefilmsanierung ist, dass nicht die ganze Fläche, sondern nur die abgenutzten Teilbereiche bearbeitet werden müssen.

Sanierung von Teilbereichen: Schnittstellen polieren

Um die Übergänge in einem solchen Fall anzugleichen, müssen die Schnittstellen nach vollständiger Durchtrocknung mit einer High-Speed-Maschine mit mehr als 1.500 Umdrehungen/Minute und Pad­scheibe in Rot, Weiß oder Naturhaar poliert werden. Durch das Polieren schmelzen die Schnittstellen bei etwa 70 Grad Celsius und die Nutzschichten verschmelzen miteinander. Zudem ist die Wartung deutlich günstiger als eine jährliche Nassgrund­reinigung mit Beschichtung. Und: Die Wartung produziert keine Grundreinigerflotte und ist damit in diesem Punkt klimaneutral – Green Cleaning als Benefit.

Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de

Uwe Büttner

Bild ohne Titel - 226781

Uwe Büttner ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter ­und vereidigter Sachverständiger und selbst­ständiger Berater mit dem Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen | www.reinigungsexperte.de

© rationell-reinigen.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Log-in

* Pflichtfelder bitte ausfüllen