Praxis -

Reinigungstextilien waschen: die Tricks der Profis

Schmieriger und verschmutzter Fußboden? Streifen auf den Oberflächen? Zunächst denkt man an zu viel oder zu wenig Chemie in der Reinigungsflotte. Oder an zu nasses beziehungsweise zu trockenes Reinigen. Dabei ist die Ursache nicht selten eine andere – nämlich ein Mopp, der nicht fachgerecht gewaschen wurde.

Dass Reinigungstextilien nicht gut genug gewaschen sind, ist keine Seltenheit. Sind zum Beispiel noch Waschmittelrückstände im Mopp, so werden diese Rückstände durch die Nässe der Reinigungsflotte auf die Oberfläche übertragen und es schmiert. Erkennbar ist dieser einfache Fehler unter anderem durch einen auffälligen Geruch der Mopps oder Tücher nach ­Waschpulver.

Waschmittelrückstände erkennen und beheben

Ein zweiter und weitaus sichererer Weg, um Waschmittelrückstände zu erkennen, ist das Ausspülen. Hierfür sollten zwei Mopps in einem Eimer mit einem bis zwei Litern lauwarmen Wassers gut ausgespült und ausgewrungen werden. Diese Lösung ist dann in ein Glas zu schütten. Ist der Mopp weitgehend rückstandslos, wird das Ergebnis eine transparente Wasserlösung sein. Ist die Lösung milchig, befinden sich Waschmittelrückstände im Mopp, welche später auf der Oberfläche den Schmierfilm bilden. Hierfür gibt es zwei mögliche Ursachen: Entweder ist das Waschmittel viel zu hoch dosiert und/oder der Spülgang ist nicht ausreichend. Sind zusätzlich Schwebstoffe im Wasserglas, stimmt der gesamte ­Waschprozess nicht. In der Regel ist eine Überfüllung der Waschmaschine die Ursache dafür. Bei verschmierten Fußböden ist dieser Test grundsätzlich zu empfehlen. Meist ist der Fehler innerhalb weniger Minuten gefunden.

Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Waschfehlers, wenn die Oberflächen trotz richtiger Wischtechnik und korrekter Dosierung mit der passenden Chemie immer schmutziger werden, weil der Mopp einfach keinen Schmutz mehr aufnimmt. Zwar wird der Schmutz durch das Wischen gelöst; anschließend bleibt er aber „verteilt“ auf der Oberfläche liegen. Um das zu erkennen, gibt es einen einfachen, aber wirksamen Test: Die gewischte und noch nasse Fläche mit einer Gummilippe (Fensterwischer oder Wasserschieber) abziehen. In der Regel zeigt sich dann ein gelöster Schmutzfilm. Bei dieser Situation handelt sich es sich wahrscheinlich um eine Inkrustation auf den Fasen des Mopps.

Um sicher zu gehen, kann das Gewicht Klarheit bringen. Dazu einen gewaschenen und getrockneten Mopp sowie einen neuen Mopp wiegen. Das Gewicht des gebrauchten Mopps muss immer niedriger sein als das Gewicht eines neuen Mopps. Ist das nicht der Fall, handelt es sich in aller Regel um eine Inkrustation oder einfach um einen dreckigen, nicht ausge­waschenen Mopp.

Der Fehler steckt häufig im Detail

Inkrustation: Verlust der Saugfähigkeit

Bei der Inkrustation bildet sich eine Kruste auf der Faser. Die Faser kann dann keine Nässe mehr aufnehmen, weil beim Befeuchten des Mopps die Reinigungsflotte auf der Faser liegt. Beim Wischen wird die Nässe zwar auf den Fußboden abgegeben und die Reinigungschemie löst den Schmutz; der Mopp kann den gelösten Schmutz jedoch nicht aufnehmen, da die Faser durch die Kruste ihre Saugfähigkeit verloren hat.

Die Kruste bildet sich durch das Zusammentreffen verschiedener Inhaltstoffe in der Reinigungschemie und dem Waschmittel. Meist handelt es sich dabei um Verbindungen aus kationischen und anionischen Tensiden. Das passiert, wenn die Vorwäsche nicht ausreichend oder die Waschmaschine überfüllt ist. Wird der Mopp mit überdosierter Chemie getränkt, ist das Ausspülen und/oder Vorwaschen aufwendiger als bei richtiger Dosierung. Wird die Waschmaschine über­laden, lassen sich die Mopps ebenfalls nicht richtig ausspülen und es verbleiben Reinigungsmittelrückstände im Textil, die dann eine chemische Verbindung mit dem Waschmittel eingehen. Wird letzteres auch noch überdosiert, ist die Katastrophe programmiert.

Neben dem Reinigungsergebnis ist die Haltbarkeit von Reinigungstextilien – ob Tuch oder Mopp – eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Größe und wird durch das Waschen in beide Richtungen beeinflusst: entweder positiv oder negativ. Anders ausgedrückt: Der Waschprozess kann so einiges verderben.

Drei Tipps für den Check

Fühlen und riechen: Fühlt sich der Mopp beziehungsweise das Tuch weich und sauber an? Riecht es frisch – ohne nach Waschmittel zu riechen? Dann ist davon auszugehen, dass alles in Ordnung ist. Ratsam ist, diesen Check regelmäßig durchzuführen.

Ausspülen: Schon bei leichten Auffälligkeiten beim Riechen und Fühlen oder bei der Bildung von Schmierstreifen beim ­Wischen sollte der Ausspültest – wie im Artikel beschrieben – durchgeführt werden. Ist die Lösung milchig, muss das Problem schnellstens beseitigt werden, um Reklamationen beim Reinigungsergebnis zu vermeiden. Wahrscheinlich wird das Waschmittel nicht vollständig ausgespült.

Wiegen: Gibt es größere Auffälligkeiten beim Riechen und Fühlen, fühlt sich der Mopp eher hart an und/oder wird das Reinigungsergebnis schlechter? Dann muss gewogen werden. Auch bei hohem Verschleiß der Reinigungstextilien empfiehlt sich das Wiegen. Faustregel: Der gewaschene Mopp muss leichter sein als ein neuer Mopp.

Problem erkannt – und dann?

Wie bereits erwähnt, gibt es zwei Hauptfehler im ­Zusammenhang mit dem Waschprozess: Zum einen das permanente Überfüllen der Waschmaschine – ein Fehler, der sich schnell beheben lässt. Zum anderen die Unter- oder Überdosierung der Waschmittel. Beim Waschen mit Pulver ist die Ursache schnell gefunden. Und auch bei Flüssigwaschmittel glaubt man sich zu oft auf der sicheren Seite.

Doch Vorsicht: Auch einem Monteur sei es zugestanden, die Waschmittelmenge einmal falsch zu berechnen beziehungsweise einzustellen. Die Prüfung durch einen anderen Monteur – sprich eine zweite Meinung – ist daher unter Umständen sehr zu empfehlen.

Besonders bei der Inkrustation sind das Vorspülen und die Vorwäsche als Fehlerursache nicht zu unterschätzen. Bei stark verschmutzten Mopps beziehungsweise Tüchern und beim Reinigen mit Desinfektionsmittel ist das Vorspülen und Vorwaschen ohne Waschmittel besonders wichtig. Daher ist zu ­prüfen, ob mit einem ausreichenden Wasserstand gespült und gewaschen wird. Erfolgt das Spülen nach der Wäsche nicht ausreichend, kommt es zu Waschmittelrückständen im Reinigungstextil, die in der Folge mit der gelösten Reinigungsflotte als Schmierfilm auf der Oberfläche verbleiben.

Die fasche Wahl des Waschprogramms sollte in der Anwendung zwar nicht vorkommen. Der Waschprozess ist jedoch so vielfältig und komplex, dass in der Praxis noch weit mehr Fehlermöglichkeiten lauern: Neben der Wahl des Waschmittels zum Beispiel auch die Spül- und Waschtemperatur, das Flottenverhältnis, die Mechanik der Waschmaschine (Bauart der Trommel, Programmierung des Waschprogramms sowie Rechts-/Linksdrehungen und Pausen), die Wasserqualität und so weiter.

Vorbeugen ist besser als Beheben

Gerade bei der Neueinrichtung eines Reinigungsobjektes gibt es sehr viele und wichtige Aspekte zu berücksichtigen. Das Waschen von Reinigungstextilien wird meist als selbstverständlich hingenommen: Einen Mechaniker und Waschmittel bestellen – der Rest läuft dann von allein! In den meisten Fällen ist das auch so. Wenn sich aber ein Fehler einschleicht – sofort oder erst allmählich –, ist der Ärger groß und es kann teuer werden. Insbesondere dann, wenn der Fehler bereits zu einem Verschleiß der Mopps geführt hat, oder – noch schlimmer – der Kunde die Reinigungsqualität reklamiert.

Auch wenn es selbstverständlich erscheint, sollten vor diesem Hintergrund ein paar wichtige Grundsätze zum Waschvorgang stets mit einbezogen werden:

  • Den richtigen Waschmaschinentyp und die passende Größe (Waschkapazität) wählen: Wie immer ist die billigste nicht unbedingt die wirtschaftlichste Wahl. Oft ist eine größere Maschine nicht wesentlich teurer.
  • Waschtemperatur definieren: Beim desinfizierenden Waschen kann thermisches Waschen günstiger als chemothermisches Waschen sein. Wenn die Desinfektion der Reinigungstextilien nicht im Pflichtenheft steht, ist oft die niedrige Temperatur eine gute Wahl, was allerdings vom Verschmutzungsgrad abhängt.
  • Die Konsistenz des Waschmittels definieren: Soll mit Flüssigwaschmittel oder mit Pulver gewaschen werden? Im Zweifelsfall ist das Waschen mit Pulver immer wirtschaftlicher und umweltverträglicher. Kritisch zu betrachten ist jedoch stets die Dosierung. Sehr hilfreich für ein gutes Ergebnis sind eine gute Dosierhilfe und wenige Bediener an der Waschmaschine. Ein beiläufiges Zusehen beim Dosieren bringt so manche Überraschung! Daher gilt: Beim Pulver hilft schulen und beobachten.
  • Alle nicht zu nutzenden Waschprogramme sperren: So lässt sich das Waschen mit einem falschen Programm verhindern. Wichtig zu erwähnen ist in diesem Kontext allerdings auch: Wie bei vielen anderen Dingen könnte man davon ausgehen, dass die Standardprogramme bereits alles berücksichtigen. Weit gefehlt! Nur ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wer benutzt am Smartphone allein die Standardeinstellungen?
  • Protokoll der Einstellung der Waschmaschine ­ prüfen.

Andreas Carl, Beratung und Planung für Reinigung und Hauswirtschaft | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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