Hygiene -

Reinigungstextilien richtig waschen und aufbereiten

Mopps und Reinigungstücher für den gewerblichen Bereich sind auf ständiges Waschen und Trocknen ausgelegt. Aber nur die richtige Aufbereitung erhält die Funktionstüchtigkeit und gewährleistet eine lange Haltbarkeit. Die 7 häufigsten Fehler beim Waschen von Reinigungstextilien und wie Sie diese vermeiden.

Professionelle Wischbezüge und Tücher sind technische Textilien, die passgenau für ihren Verwendungszweck entwickelt werden. Alle verarbeiteten Komponenten sind im Hinblick auf den Einsatzbereich, die Reinigungstätigkeit und die eingesetzten Pflegemittel, aber auch auf zahllose Aufbereitungszyklen zugeschnitten. Bei den Reinigungstextilien handelt es sich also um Spezialprodukte, die eine fachgerechte Pflege brauchen.

Die wichtigen und notwendigen Parameter fasst der FRT -Leitfaden "Die richtige Aufbereitung von Reinigungstextilien" zusammen. Er wurde von der Europäischen Forschungsgemeinschaft Reinigungs- und Hygienetechnologie (Krefeld) in Zusammenarbeit mit dem Bundesinnungsverband der Gebäudedienstleister erarbeitet.

Doch obwohl diese Handlungshilfe bereits im Herbst 2014 erschien, kommt es insbesondere beim Waschen und Trocknen von Wischbezügen nach wie vor zu Falschbehandlungen, die einer langen Lebensdauer der Textilien ein rasches Ende setzen können.

Die 7 häufigsten Fehler beim Waschen von Reinigungstextilien

Zu den häufigen Fehlern gehören nach Beobachtung von Waschexperten:

  • unzureichende Sortierung der Textilien
  • zu hohe Beladung beziehungsweise ein Überfüllen der Waschmaschinen
  • zu geringe Wassermenge (niedriger Flottenstand) in der Waschmaschine
  • Weglassen der Vorwäsche
  • falsche oder zu geringe Dosierung von Waschmitteln
  • Verwendung ungeeigneter Waschmittel
  • falsche Waschtemperaturen

Jeder einzelne Faktor entscheidet über die Langlebigkeit eines Mopps und sollte jedem Gebäudereiniger, dem sein Equipment wertvoll und wichtig ist, bekannt sein. 

Fehler #1: Unzureichende Sortierung der Textilien

Für die Herstellung von Wischbezügen werden überwiegend Baumwolle, Viskose und Polyester eingesetzt. Jede dieser Fasern zeigt beim Waschen und Trocknen ein unterschiedliches Verhalten. So tendieren Cellulose-Fasern – also Baumwolle und Viskose – zum "Flusen". Die beim Waschen und Trocknen herausgelösten Teilchen lagern sich dann in Polyester-Mikrofasergarn-Strukturen ein und bewirken auf der Oberfläche der Wischbezüge die Bildung von Knötchen (Pillings). Diese verringern die mechanische Reinigungswirkung und beeinträchtigen ein streifenfreies Wischen.

Tipp: Reinigungstextilien im Vorfeld sortieren

Daher sollten Reinigungstextilien unbedingt sortenrein sortiert und behandelt werden. Dieser Grundsatz gilt auch für unterschiedlich farbige Artikel: Um zu verhindern, dass dunkle Textilien ausbluten und dadurch hellere anfärben, empfiehlt sich eine getrennte Bearbeitung.

Das wichtigste Sortiermerkmal – und ökonomischer Faktor – ist jedoch der Verschmutzungsgrad: Sehr schmutzige Reinigungstextilien benötigen mehr Waschmittel als weniger schmutzbelastete, fett- und ölbeladene Bezüge aus Kantinen brauchen andere Waschsubstanzen als solche, die in repräsentativen Eingangsbereichen benutzt werden.  

Tipp: Wischbezug vor dem Waschen ausschütteln

In jedem Fall ist es aber ratsam, die Schmutzfracht zu verringern und jeden Wischbezug vor dem Waschen auszuschütteln und von grobem Dreck zu befreien. Das gilt insbesondere bei einer hohen Sandbeladung. Wenn diese in die Waschmaschine eingetragen wird, setzt der Sand sich an der tiefsten Stelle der Maschine ab und verstopft möglicherweise die Abflüsse. Zuvor beschädigt das hoch abrasive Material aber noch die Textilien und reibt sie im wahrsten Sinne des Wortes auf. 

Fehler #2: Zu hohe Beladung oder Überfüllung

Die Waschmechanik ist wesentlich an dem Reinigungsergebnis beteiligt. Die Wäsche muss sich in der Waschtrommel ausreichend bewegen können und gut von der Waschflotte durchflutet werden. Fehlt dieser Bewegungsspielraum, bleiben Schmutzrückstände zurück.

Die fehlende Waschwirkung geht aber auch auf eine Unterdosierung der Waschmittel zurück, zu der es insbesondere dann kommt, wenn an die Waschmaschine eine Dosieranlage mit voreingestellten Mengen für das jeweilige Waschprogramm angeschlossen ist. Ein Zuviel an Textilien wird dann ein Zuwenig an Waschsubstanz und beeinträchtigt die Sauberkeit, vor allem aber die Hygiene. Denn wenn die benötigte Menge an Desinfektionschemie fehlt, kann die geforderte Reinheit nicht gewährleistet werden. 

Problematisch ist aber nicht nur eine zu hohe Beladung der Waschmaschine, sondern auch eine Unterladung. Dann steigt die mechanische Belastung für die Textilien und das Risiko vorzeitiger Schäden, höherer Einlaufwerte und einer verringerten Haltbarkeit nimmt zu.

Tipp: Faustformel für das Füllvolumen von kleineren Waschmaschinen 

Der FRT-Leitfaden hat daher eine Faustformel aufgestellt, nach der das Füllvolumen von kleineren Waschmaschinen dosiert werden kann: "Eine hochgestellte, gespreizte Hand sollte oberhalb der Wäsche auf jeden Fall noch in die Trommel hineinpassen". Für größere Maschinen ist diese Regel jedoch nicht anwendbar. 

Fehler #3: Zu geringe Wassermenge

Je höher das Füllvolumen einer Waschmaschine ist, desto kleiner wird das Flottenverhältnis, also jene Wassermenge, die pro Kilogramm Ware zur Verfügung steht. Ist das Waschprogramm beispielsweise auf sechs Kilogramm Ware und ein Flottenverhältnis von 1:4 eingestellt, befinden sich im Chassis der Maschine 24 Liter Waschwasser. Steigt die Beladung nun auf acht Kilogramm, verändert sich das Verhältnis Ware zu Wasser deutlich, nämlich auf 1:3.  

Die Wassermengen können aber auch durch fast trockene Wischbezüge verändert werden. Während feuchte Mopps bereits Wasser in die Waschmaschine einschleppen, haben wenig gebrauchte Bezüge noch ihre volle Saugfähigkeit. Sie binden dann das Frischwasser und bringen ein ungewolltes Ungleichgewicht in das Flottenverhältnis.

Tipp: Auf die Wahl des richtigen Waschprogramms achten 

Natürlich kann auch die Wahl eines falschen Waschprogramms Ursache von zu niedrigen Wassermengen sein. Mit schwerwiegenden Folgen: Die Waschwirkung wird schlechter, der Schmutzaustrag nimmt ab, dafür steigt die mechanische Schädigung der Textilien. Außerdem können die Abflüsse der Waschmaschine schneller versanden und müssen öfter gereinigt werden. 

Fehler #4: Weglassen der Vorwäsche

Besonders schwerwiegende Auswirkungen auf das Waschergebnis von Reinigungstextilien hat das Einsparen der Vorwäsche. Denn die hat eine ganz wichtige Funktion: Sie entfernt die an Wischbezügen und Tüchern anhaftenden Reinigungsmittelreste, Bodenpflegeprodukte, Wachse oder Glanzemulsionen.  

Diese können nicht nur den eigentlichen Waschprozess stören, sondern auch zu einer unkontrollierten Schaumbildung führen, die fälschlicherweise als "waschaktiv" interpretiert wird. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Schaum verringert die Waschmechanik und verschlechtert den Reinigungseffekt. 

Das Vorwaschen dient außerdem dazu, die pH-Werte von alkalischen oder sauren Reinigungsmitteln zu neutralisieren, groben Schmutz zu entfernen und eiweißhaltige Flecken auszuwaschen, die andernfalls als gelbes Koagulat in den Mopps zurückbleiben.

Tipp: Schleudern der Waschladung nach Vorwäsche

Auf einen ersten Spülgang, der bei stark verschmutzten Textilien durchaus ohne Waschmittel und mit viel Wasser erfolgen kann, sollte man daher nicht verzichten. Im Anschluss daran empfiehlt sich das Schleudern der Waschladung, um möglichst wenig Wasser aus der Vorwäsche in den nächsten Prozess-Schritt einzutragen und dadurch das Verhältnis Waschmittel zu Ware nicht zu "verwässern". 

Fehler #5: Falsche oder zu geringe Dosierung

Ein Waschprozess und die eingesetzten Waschmittel sind ein perfekt aufeinander abgestimmtes System. Wird eine Komponente eingespart, funktioniert es nicht mehr. Die Auswirkungen können erheblich sein. Die Waschladung wird nicht sauber und die Textilien können die erwarteten Effekte nicht mehr erbringen.  

Durch fehlende Waschhilfsmittel kann es aber auch zu Inkrustationen kommen, die zu unlöslichen Ablagerungen auf den Textilien und frühzeitigem Verschleiß führen. Überschüssig dosierte Waschsubstanzen haben neben der unnötigen Verteuerung der Wäsche möglicherweise auch Auswirkungen auf die Haltbarkeit der Reinigungstextilien. Hohe Mengen an Alkalien haben eine allmähliche zerstörende Wirkung auf Polyester-Qualitäten, ein zu niedriger, saurer pH-Wert schädigt wiederum Cellulose, also Baumwolle und Viskose.  

Neben den sicht- und spürbaren Folgen birgt eine fehlende oder falsche Dosierung auch ein hohes Hygienerisiko in sich. Wenn nämlich die desinfizierende Komponente zu gering bemessen ist, können die aus dem Gesundheitswesen eingebrachten Keime nicht auf das geforderte Minimum reduziert werden und es kommt zu einer Verschleppung der Mikroorganismen in die nachfolgenden Stufen.

Tipp: Automatische Dosieranlage an Waschmaschine anschließen 

Für eine hohe Verfahrenssicherheit empfehlen Wasch-Experten daher, eine automatische Dosieranlage an die Waschmaschine anzuschließen. Falschanwendungen würden dadurch praktisch ausgeschlossen. 

Fehler #6: Verwendung ungeeigneter Waschmittel

Schmutz ist nicht gleich Schmutz. In Großküchen fällt er in Form von Fetten, Blut, Zucker, Mehl und Ähnlichem, in Bürogebäuden als Staub, Sand, Sporen oder Matsch und in Krankenhäusern oder Altenheimen in Gestalt von Mikroorganismen an.  

Um diese Verschmutzungen aus den Reinigungstextilien zu entfernen, müssen die Waschmittel und Waschverfahren spezifisch auf die Fracht ausgelegt sein. Durch die Auswahl der geeigneten Tenside werden selbst hartnäckige Pigment- und Fett-/Öl-Verschmutzungen während der Wäsche herausgelöst.  

Gleichzeitig muss das Waschmittel aber auch ein hohes Schmutztragevermögen besitzen, um eine Vergrauung der Reinigungstextilien zu verhindern. Reinigungstextilien aus dem Gesundheitswesen stellen besondere Anforderungen an die Keimabtötung: Hierfür kommen ausschließlich RKI-gelistete Waschmittel und Prozesse in Frage. 

Tipp: Systeme der Waschmittelindustrie nutzen

Obschon die Waschmittelindustrie speziell auf die Branchenanforderungen zugeschnittene Systeme anbietet, zeichnet die Praxis häufig ein anderes Bild: Es werden Waschsubstanzen eingesetzt, die gerade zur Hand sind oder die als Vollwaschmittel die Lösung aller Probleme in einem Produkt versprechen oder die im Einkauf besonders günstig sind. Diese Rechnung geht allerdings in den seltensten Fällen auf.

Falsche Waschmittel bringen nicht die gewünschte Sauberkeit, beeinträchtigen die Wirkung der Reinigungstextilien und bedeuten damit einen vorzeitigen Verschleiß. Was also auf den ersten Blick billig erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ziemlich kostspielig. 

Fehler #7: Falsche Waschtemperaturen

Bei jedem Reinigungstextil sind grundsätzlich die Pflegehinweise des Herstellers einzuhalten. Dies gilt insbesondere für die Wasch- und Trockentemperaturen. Wenn das Etikett eine Kochwäsche erlaubt, sollte geprüft werden, ob diese notwendig ist. Denn 90-°C-Verfahren gehen mit langen Waschzeiten einher und wirken sich in der Regel negativ auf die Lebensdauer der Mopps aus.  

Die Wahl der Waschtemperatur hängt aber nicht nur vom Material der Reinigungstextilien ab, sondern auch von der Art und Intensität der vorliegenden Verschmutzung. Um fettige und ölige Substanzen zu lösen, werden höhere Temperaturen benötigt als bei wasserlöslichen Flecken. Bei Missachtung solcher chemisch-physikalischen Regeln bleibt ein vernünftiges Waschergebnis aus.

Tipp: Temperaturen zwischen 60°C und 85°C verwenden 

Desinfizierende Waschverfahren sind – je nach Waschmittelanbieter – bei Temperaturen zwischen 60 °C und 85 °C eingestellt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wer sich nicht daran hält, riskiert die Hygienequalität seiner Textilien. Um die Langlebigkeit von Mopp und Co. auch im Trockner zu erhalten, sollten die Trockentemperatur für M ikrofaser-Bezüge auf maximal 60 °C und für Baumwolle auf maximal 80 °C eingestellt und die unterschiedlichen Materialien getrennt behandelt werden.  

Reinigungstextilien, so die Empfehlung aller Waschmittelhersteller, sollten grundsätzlich desinfizierend gewaschen werden, denn sie bringen eine hohe Sporenfracht mit. Und wenn sich das Personal an die eingestellten Verfahren, Mittel und Mengen hält, ist eine zuverlässige, hygienische und saubere Aufbereitung von Reinigungstextilien gewährleistet.  

Wer jedoch an den vier Sinnerschen Parametern ­"Chemie, Temperatur, Zeit und Mechanik" dreht, darf kein vernünftiges Waschergebnis erwarten und muss mit übermäßigem Verschleiß von Mopps und Tüchern rechnen. Ob sich unter diesen Gesichtspunkten ein Waschen nach Gutdünken lohnt, muss jeder Gebäudereiniger für sich selbst beantworten.

Waschempfehlungen von Herstellern

  • Ecolab: Für die Aufbereitung von Reinigungstextilien bietet Ecolab zwei Systeme an: ein desinfizierendes, schaumarmes Zwei-Komponenten-Flüssigsystem und ein Pulver-System mit einem RKI-gelisteten Desinfektionswaschmittel und Vergrauungsschutz von Wischbezügen.
  • Chemische Fabrik Kreussler: Das Waschmittel-Sortiment von Kreussler baut auf einem Baukasten-System auf. Für die Aufbereitung von Wischbezügen stehen v ier Mittel zur Auswahl: ein flüssiges, dosierfähiges Alleinwaschmittel, ein Bleich- und Desinfektionszusatz, ein RKI-gelistetes, pulverförmiges Vollwasc­hmittel-Superkonzentrat sowie ein flüssiges Colorwaschmittel-Konzentrat.
  • Burnus HyChem: Für die Wäsche von Feuchtwischbezügen hat Burnus HyChem verschiedene Produkte, zu denen zwei verschiedene desinfizierende, gut für Mikrofasertextilien geeignete Vollwaschmittel, ein Vollwaschmittel mit sporizider Wirkung und ein Wasch-System gehören, das aus drei verschiedenen, auf Verschmutzungsgrad und Material abstimmbaren Waschsubstanzen aufgebaut ist.
  • Seitz: Für die Wäsche von Wischbezügen bietet Seitz verschiedene Pulver- und Flüssigwaschmittel an. Die flecklösenden ­Pulver sind für einen Temperaturbereich von 40 bis 90 °C geeignet. Die Flüssigwaschmittel sind nach dem Baukastenprinzip aufgebaut. Sie werden entsprechend den Materialien und Verschmutzungen kombiniert und beinhalten eine Kombination, die für die zu desinfizierende Wäsche von Textilien aus dem Gesundheitsbereich bei 60 °C geeignet ist.
  • Christeyns: Je nach Verschmutzungsart, Herkunft der Textilien und vorhandener Maschinenlösung bietet das Unternehmen passende Lösungen an. Zur Einhaltung der RKI-­Richtlinie stehen verschiedene Waschmittel zur Verfügung. Diese reichen von einem enzymatischen Universal-Vollwaschmittel zur Entfernung von Blut- und Eiweißverbindungen bis hin zu komplexeren Mehrkomponentenverfahren auf Basis von Peressigsäure. Je nach Waschaufgabe können waschverstärkende Detergentien ergänzt werden.

FRT-Leitfaden: zur richtigen Aufbereitung von Reinigungstextilien

Herausgegeben von der Europäische Forschungsgemeinschaft Reinigungs- und Hygienetechnologie (FRT) gibt der Leitfaden zahlreiche Hinweise für die professionelle Reinigung und Pflege von Breitwischbezügen, Wischtüchern und Ähnlichem. Eine fachgerechte Aufbereitung dient dem Erhalt und der Sauberkeit der Textilien. Diese sind Voraussetzung für eine wirtschaftliche wie auch eine gute und hygienisch einwandfreie Reinigungsleistung. Der 38-seitige Leitfaden kann kostenlos per E-Mail unter info@frt.de angefordert werden.

 
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