Praxis -

Reinigung strukturierter Beläge: Erfolgreich auf schwierigem Terrain

Strukturierte Bodenbeläge wie Feinsteinzeugfliesen oder Gumminoppenböden gelten als rutschhemmend und sind vor allem dort anzutreffen, wo die Sturzgefahr vermindert werden soll. Die Reinigung dieser Beläge kann sich wegen der Struktur allerdings mitunter schwierig gestalten. Was im Fall der Fälle zu tun ist.

In vielen Bereichen sind rutsch­hemmende – also strukturierte – Bodenbeläge vorgeschrieben, um die Rutsch- und Sturzgefahr zu minimieren. Sie sind überall dort anzutreffen, wo die Gefahr besteht, im Nassen oder Trockenen den Halt zu verlieren und auszu­gleiten. Dies gilt für Schwimmbäder, Wellnesseinrichtungen oder Sanitäranlagen und Umkleide­kabinen ebenso wie für Großküchen oder Schlachtereien und öffent­liche Gebäude, Eingangsbereiche, Schalter­hallen oder Ladengeschäfte.

Häufig nur maschinell zu reinigen

Strukturierte Stein- oder Keramikbodenbeläge ­verursachen bei der Reinigung oft erhebliche Prob­leme. Für Feinsteinzeugfliesen gilt das ebenso wie für gesandete Fliesen, Steinteppichböden, strukturierte Natur- und Kunststeinbeläge oder Epoxidharzböden mit Chipeinstreuung. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie können nur mit erhöhtem Aufwand und häufig nur mit maschineller Hilfe gereinigt ­werden. Dennoch gibt es große Unterschiede in ­Sachen Reinigungsfreundlichkeit und dabei gilt: Je höher die Anforderungen an die Begehsicherheit, die Rutschklasse oder die Flüssigkeitsverdrängungsklasse, umso zeitaufwändiger ist die Reinigung. Entscheidend für eine stressfreie und wirtschaft­liche Reinigung sind das Equipement, die Maschinen, das Nasswischtextil und natürlich die passende Reinigungschemie.

Allrounder Feinsteinzeugfliese

Die Feinsteinzeugfliese ist unter den strukturierten Hartbodenbelägen ein besonderer Allrounder. Sie ist abriebfest, frostbeständig, ihre Wasseraufnahme liegt bei unter 0,5 Prozent, sie ist durchgefärbt und besitzt durch die spezielle Herstellungsart mindestens die Rutschklasse R9 ab Werk. Diesem Umstand sowie dem günstigen Preis und ihrer Langlebigkeit verdankt die Feinsteinzeugfliese ihren kometen­haften Aufstieg. Sie ist heute die meistverbaute Fliese ­sowohl in ­privaten Innen- und Außenbereichen als auch im öffent­lichen Raum. Dies sicherlich auch deshalb, weil in allen ­öffentlich zugänglichen Bereichen rutsch­hemmende Bodenbeläge der Rutschklasse R9 vorgeschrieben sind.

Feinsteinzeugfliesen sind mittlerweile in nahezu ­allen Farben und Schattierungen erhältlich. Erkennen kann man sie an ihrer Reinigungsproblematik ­beziehungsweise dem d urch unsachgemäße Reinigung ent­stehenden Grauschleier. Feinsteinzeug­fliesen gibt es in allen Rutschklassen, mit und ohne Flüssigkeitsverdrängungsnoppen wie für Großküchen (Klassen V4 bis V10), gesandet für den Barfußbereich in Duschen (Klassen R9 bis R13) oder auch auf Hochglanz poliert für die edle Hotellobby.

Ein Igel-Mopp kann hilfreich sein

Sicherheitsfliesen der Klassen R11 bis R13 und V können in der Regel nur maschinell gereinigt ­werden. Die Klassen R9 und R10, unter Umständen auch R11, ­lassen sich grundsätzlich manuell reinigen – allerdings nur mit einem entsprechendem M ikrofaser-Nasswischbezug und einem alkalischen oder sauren Feinsteinzeugreiniger. Bei der manuellen ­Reinigung von Fliesen der Klasse R11 kann ein soge­nannter Igel-Mopp zum Vorschrubben sehr hilfreich sein.

Strukturierte Bodenbeläge: Was bei der Reinigung zu beachten ist

Viel Mechanik, am besten maschinell

Zu den strukturierten Hartbodenbelägen, die nicht ganz einfach zu reinigen sind, gehören auch Stein­teppiche, Epoxidharzböden mit Chipeinstreuung sowie gelaserte Granitfliesen und bruchraue ­Natursteinbeläge. Reinigungstechnisch gilt für diese ­Beläge die Vorgehensweise wie für Feinsteinzeugfliesen: Viel Mechanik, am besten maschinell ausgeführt mit Hilfe von Einscheiben- , Oszillations-, Dreischeiben- oder Walzenbürstenmaschinen. In Kombination mit Mikrofaser oder weichen Bürsten und eventuell Hoch-tief-Beborstung ist dies fast schon ein Garant für ein optisch ansprechendes Reinigungsergebnis. In manchen Nass- oder Groß­küchenbereichen, auch bei Steinteppichböden, kann die Anwendung eines Hochdruckreinigers mit gekapselter Lanze sehr hilfreich sein. Bei poliertem Feinsteinzeug empfiehlt es sich, bei der maschinellen Reinigung Melaminharz-Pads zu verwenden. Sollte die Optik trotz Einsatz eines solchen Pads nicht ­zufriedenstellend sein, ist es einen Versuch wert, als mechanischen Reinigungsverstärker Scheuermilch in entsprechender Verdünnung anzuwenden. Dies gilt auch für gelaserte Granitfliesen.

Reinigungschemie genau abstimmen

Die Reinigungschemie muss im Unterschied zur ­Mechanik sehr genau auf die zu reinigende Belagart beziehungsweise deren Eigenschaften abgestimmt werden. Schiefer und Terrakotta vertragen keine ­alkalische Reinigungschemie, deren pH-Wert größer als 9 ist. Dem Schiefer werden dadurch Öle entzogen und der Bodenbelag nimmt eine gräulich-matte Optik an. Beläge aus Terrakotta werden hingegen fleckig, wirkten ausgelaugt und saugen sich mit dem Grund- beziehungsweise Intensivreiniger voll.

Auf den pH-Wert achten

Betonwerkstein, Terrazzo (rau oder geschliffen) und kalkhaltige Bodenbeläge aus Travertin, Soln­hofener oder Jura-Marmor (bruchrau oder geschliffen) reagieren auf Reinigungschemie mit einem pH-Wert kleiner als 6 mit Verätzungen, also Dekristallisierung des Calcits. Dies macht sich bei Anwendung von Reinigungschemie mit pH-Wert kleiner als 3 bis 4 durch ein Aufschäumen bemerkbar. Bei Reinigungschemie mit einem pH-Wert zwischen 4 und 6 ist die Reaktion bei der Reinigung optisch eher nicht festzustellen. Aber die strukturierten kalkhaltigen Naturstein­beläge reagieren nach der Reinigung mit zu saurer Reinigungschemie immer mit einer matten, fleckigen, rauen, zerstörten Oberflächenoptik. Im entsprechenden Schadensfall müssen Schiefer oder Terrakottabeläge geölt oder gewachst werden. Kalkstein muss neu kristallisiert werden, soweit fachlich möglich. Für kalkhaltige Steinbeläge gilt zudem, dass das Ausmaß des Schadens immer mit dem ­pH-Wert korreliert: je niedriger der pH-Wert, umso größer der Schaden.

Elastische Beläge haben andere Probleme

Anders stellt sich die Situation bei strukturierten elastischen Bodenbelägen dar. Sie verursachen bei der Reinigung zwar erheblich weniger Probleme, sind aber auch nicht ganz einfach zu reinigen. Strukturierte Elastomerbeläge gibt es neben der Ausführung als Gumminoppenbelag auch in Hammerschlagoptik, ­gesandet mit oder ohne Verdrängungsnoppen sowie mit Riffelblechmuster. Elastomerbeläge aus Kautschuk neigen unter UV-Einstrahlung zur Auskreidung und Weichmacherwanderung – und zwar aus dem Gefüge an die Oberfläche.

Wolkiger Belag: Cleanern kann helfen

Optisch ist die Diffusion leicht an einem weißen ­beziehungsweise gräulichen, wolkigen Belag auf der Oberfläche zu erkennen. Zwar ist diese Beaufschlagung rutschhemmend und schützt den Bodenbelag vor äußeren Beanspruchungen. Sie ist aber optisch nicht schön und vom Nutzer meist nicht gewollt und toleriert. Kautschukbeläge müssen aus diesem Grund immer wieder zwischengereinigt werden, um die ­ Beaufschlagungen, die über einen Zeitraum von sechs bis 16 Wochen entstehen, zu entfernen. Dazu wird der Kautschukbelag – sofern es sich nicht um einen ­Gumminoppenbelag mit Noppen höher als zwei bis drei Millimeter handelt – unter Zuhilfenahme einer Einscheibenmaschine mit roter Padscheibe und ­ lösungsmittelhaltigem Allzweckreiniger mit pH-Wert zwischen 7 und 9 gecleanert. Bei Riffelblechmuster und Hammerschlagoptik hat sich aufgrund der Struktur ein Mikrofaserpad wie das Bonnet-Pad bewährt. Sollte der Kautschukbelag nach dem Cleanern zu stumpf und optisch wenig ansprechend sein, kann er in einem zweiten Schritt mit einer 20-prozentigen Wischpflegelösung, am besten auf Basis von Poly­meren, natürlichen Wachsen oder Seifen einstufig ­gewischt werden. Nach Auftrocknung der Wischpflege wird der Bodenbelag nochmals mit einer Einscheibenmaschine und dieses Mal einem weißen Pad abgefahren und auspoliert. Und schon sieht der ­Boden optisch aus wie neu. Die Wolkenbildung ist verschwunden und der Kautschukbelag hat auch seine ursprünglich kräftige Farbe wieder.

Wenn die Gumminoppen zu hoch sind

Bei Gumminoppenbelägen mit Noppen höher als drei bis vier Millimeter helfen Padscheiben bei der Entfernung der Beaufschlagung nicht weiter. In solchen Fällen sollte der Anwender auf eine Walzenbürsten- oder Dreischeibenmaschine mit weicher Beborstung (eventuell hoch-tief oder extraweich) und/oder das Bonnet-Pad-Verfahren setzen. Schwierig wird es ­allemal, da die Gumminoppen theoretisch von 64 verschiedenen Winkeln, so das Ergebnis einer externen Praxisstudie, angefahren werden müssten, um alle Seiten der Noppen zu reinigen.

UV-Strahlung begünstigt Auskreidung

Bei Gumminoppenbelägen, die verstärkt UV-Strahlung – zum Beispiel bei bodentiefen Fenstern an der Südseite von Gebäuden – ausgesetzt sind, genügt diese Art der Reinigung oft nicht. In solchen Fällen ist es oft zielführend, als mechanischen Reinigungs­verstärker bei der maschinellen Reinigung Scheuermilch in entsprechender Verdünnung als Schleifmittel anzuwenden. Vorsicht ist geboten, wenn sich auf dem Kautschukbelag Risse, kleine Krater oder milli­meterdicke weißliche Ablagerungen zeigen. Dann hat der Belag durch die UV-Strahlung Schaden genommen. Die Weichmacher sind nahezu vollständig aus­diffundiert und der Bodenbelag ist irreparabel durch Versprödung zerstört.

Reinigungstechnisch weniger problematisch sind strukturierte Beläge aus Kork, Holz, Laminat, ­Linoleum, PVC oder Vinyl. Bis auf Holz ohne ­DD- oder PUR-Siegel und Laminat können die ­genannten Bodenbeläge unter Beachtung ihrer Grundeigenschaften sowie ihrer Verträglichkeit in Bezug auf pH-Wert und Mechanik klassisch gereinigt und grundgereinigt werden.

Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de

Uwe Büttner

Uwe Büttner

ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter ­und vereidigter Sachverständiger und selbst­ständiger Berater mit dem Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen | www.reinigungsexperte.de

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