Gebäudedienste -

Plastikmüll vermeiden: Abfall kommt nicht mehr in die Tüte

Wo immer es geht verzichtet ein Hamburger Gebäudedienstleister in den von ihm betreuten Ob­jekten auf Plastiktüten als Einlage in Mülleimern. Gleichzeitig setzt er auf wasch- und wiederverwendbare Säcke für den Abtransport des Abfalls. So vermeidet er pro Jahr rund 15 Tonnen Plastikmüll. Ein Blick in die Fakultät für Erziehungswissenschaft der Uni Hamburg.

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag ist vor der Corona-Krise entstanden.

Um fünf Uhr morgens sind Vorarbeiterin ­Leyla ­Ücgül und ihr Team von Marling ­Gebäude­service noch ­alleine in dem Gebäude im Stadtteil Rotherbaum. ­Sieben Stockwerke sind zu reinigen, bevor der ­übliche ­B­etrieb beginnt, Bibliothek, Hörsaal und Seminar­räume ­stehen ebenso auf dem Plan wie ­Büros, ­Sanitärbereiche und Teeküchen. Abfall kommt hier in meisten Fällen nicht mehr in die Tüte, sondern ­direkt in den Eimer.

Plastikmüll vermeiden ist das Ziel. ­Dazu tragen auch wasch- und wiederwend­bare Säcke auf dem Reinigungswagen bei. Nur die Mülleimer in Sanitär­räumen, Teeküchen und im Eingangsbereich des Gebäudes sind noch mit Beuteln ausgekleidet – aus Maisstärke und damit biologisch abbaubar.

"Wir wollen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten", ­betont Oliver Kühnel, Geschäftsführer von Marling Gebäudeservice, der das Konzept mittlerweile in allen von ihm betreuten Objekten umgesetzt hat.

Rund 850.000 Plastiktüten – kleine Müllbeutel ebenso wie große Abfallsäcke – spart er auf diese Weise pro Jahr ein. Das entspricht einer Menge von 15 Tonnen Plastik. "Ich habe nie verstanden, warum ein Behälter aus Kunststoff mit Kunststoff geschützt wird, wenn er grundsätzlich ausgewischt werden kann", sagt Oliver Kühnel, und fügt hinzu: "Wir alle produzieren und entsorgen über sechs Millionen Tonnen Plastikmüll in Deutschland."

Alle Objekte auf neues Konzept umgestellt

Das habe er nicht länger hinnehmen wollen. Erste Schritte in Richtung Plastikvermeidung sind er und sein Bruder Tobias Kühnel, der als Betriebsleiter im Familienunternehmen tätig ist, bereits vor drei Jahren gegangen. Beginnend mit Neuaus­stattungen wurden nach und nach alle vom Unternehmen betreuten Objekte auf das neue Konzept umgestellt. Seit Oktober 2019 ist es vollständig umgesetzt.

Erste Säule: Mülleimer ohne Plastiktüte

"Tschüss Tüte, hallo Umweltschutz": Auf ­Plakaten in Teeküchen oder Eingangsbereichen und mit Flyern informiert Marling in den Objekten über die Neuerungen, die zugleich mit verstärkter Abfalltrennung verbunden sind. Papier aus dem Drucker, Pizzakartons und Plastikverpackungen von Schokoriegeln oder Bananenschalen und Kaffeesatz müssen nun von den Nutzern sortiert entsorgt werden.

"Die Mitarbeiter halten sich daran. Die Studenten müssen wir noch ein bisschen sensibilisieren", berichtet Ali Alici, Hausmeister im Gebäude der Fakultät für Erziehungswissenschaft. Aber auch die Reinigungskräfte, teilweise jahrzehntelang an den Einsatz von Müllbeuteln gewöhnt, mussten umdenken. "Es hat vier Wochen gedauert, bis alle das neue System verinnerlicht haben", erinnert sich ­Betriebsleiter Tobias Kühnel.

Tschüss Tüte, hallo Umweltschutz: So funktioniert das Konzept

Jeder Mülleimer, der nicht mehr mit einer Plastiktüte bestückt ist, wird nach der Entleerung nun mit einem grauen Mikrofasertuch in Ergänzung des Vier-Farb-Systems und Reiniger auf Alkoholbasis sorgfältig ausgewischt. "Das war eine erhebliche Umstellung für die Reinigungskräfte", berichtet Rainer Tiedemann, Konzepttrainer bei ­Marling, der die Schulung der Mitarbeiter übernommen hat. Deren größte Sorge habe jedoch schnell ausgeräumt werden können: "Die neue Vorgehensweise kostet nicht mehr Zeit", ergänzt Bereichsleiter Sebastian Plötz.

Zweite Säule: Müllsäcke waschen und wiederverwenden

Statt eines herkömmlichen blauen Einwegmüllsackes sind zwei bis drei wasch- und wiederverwendbare Säcke aus reiß- und auslauffestem Polyamid am Reinigungswagen befestigt – für Papier und Restmüll beziehungsweise Plastikmüll. Der Inhalt wird am Ende der Schicht über der entsprechenden Entsorgungseinheit ausgeleert, der Sack in regelmäßigen Abständen bei 60 Grad gewaschen – in der Waschmaschine für Mopps und Tücher, die auch in der Fakultät für Erziehungswissen­schaft im Keller steht. 1.500 dieser Säcke – in Blau wie die herkömmlichen Einwegvarianten – sind bei Marling im Umlauf. "Bei richtiger Behandlung halten sie drei Jahre", sagt Geschäftsführer Oliver Kühnel.

Müllbeutel aus Bioplastik für sensible Bereiche

Lediglich in hygienerelevanten Bereichen oder bei Nassmüll zum Beispiel in Teeküchen und im Eingangsbereich des Gebäudes – dort befinden sich größere Entsorgungsstationen – werden die Müll­eimer mit Beuteln bestückt. Oliver und Tobias Kühnel setzen auf eine biologisch abbaubare Variante aus Mais­stärke. Die Beutel aus sogenanntem Bioplastik müssen zwar im Restmüll entsorgt werden, im ­Gegensatz zu Plastiktüten verrotten sie aber deutlich schneller. Rund 250.000 davon werden für alle von Marling betreuten Objekte benötigt. Die Beutel sind bewusst rationiert, um die Reinigungskräfte im ­Objekt zum sparsamen Umgang damit anzu­regen.

Auch Thomas von Ehren, als Reinigungs­sach­bearbeiter an der Universität Hamburg zuständig für 168 Objekte, ist mit den Neuerungen im Gebäude der Fakultät für Erziehungswissenschaft zufrieden: "Ich finde die Initiative sehr, sehr gut. Wir müssen viel mehr in dieser Richtung machen!".

Über das Unternehmen: Marling Gebäudeservice

Dienstleister Marling Gebäudeservice

Das Unternehmen wurde 1979 von Harald Martens und Wolfgang Zerling als Gebäudereinigung Marling in Hamburg gegründet. 1986 kam Jürgen Kühnel als Gesellschafter dazu. 2010 übergab er die Geschäftsleitung an seinen Sohn Oliver Kühnel. Als Betriebsleiter ist Tobias Kühnel eingesetzt. Das Unternehmen beschäftigt rund 550 Mitarbeiter in Objekten im Raum Hamburg. Marling Gebäudeservice ist zu 60 Prozent für öffentliche Auftraggeber tätig und nach DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement), 14001 (Umweltmanagement) und 18001 (Arbeits- und Gesundheitsschutz) zertifiziert.

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