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Unser Zinsbarometer Paradigmenwechsel der EZB

Akzeptieren Sie nie einen Rat (oder ein Mitwirken) der Bank, den Sie nicht uneingeschränkt verstanden haben und der auch alle - auch angeblich unwahrscheinlichen - Kehrseiten der Medaille beleuchtet! Hat doch jede Münze ausnahmslos zwei Seiten. Und protokollieren Sie das Beratungsgespräch mit Unterschrift des Beraters.

-Als wichtigste Aufgabe wurde unserer Notenbank, der EZB, die Wahrung von Preisstabilität mit einer nachhaltigen Geldentwertungsrate von jährlich maximal zwei Prozent aufgetragen. Ein weiteres Ziel waren hohes Beschäftigungsniveau und dauerhaftes Wachstum - freilich dies nur, insoweit dadurch die primär angestrebte Preisstabilität nicht gefährdet wird. So wurde die EZB in der Vergangenheit nicht müde zu betonen, dass eine prosperierende Konjunktur diese Stabilität voraussetzt - eine zutreffende Erkenntnis, wie die Vergangenheit lehrt. Daher überraschten bereits angesichts anziehender Preise die zwei nur recht zaghaften Leitzinsanhebungen. Noch mehr aber der Paukenschlag in der zweiten Jahreshälfte 2011, der eine Abwendung von den ehernen Grundsätzen bedeutete, der der EZB anlässlich ihrer Gründung am 1. Juni 1998 in die Wiege gelegt worden waren.

Denn seither pumpt die EZB durch den Ankauf von gefährdeten Papieren (Ramschpapieren) in wachsendem Umfang trotz steigender Inflationsraten Geld in den Wirtschaftskreislauf, aus dem nach eigener Aussage „Preisdruck resultieren könnte“. Ja man senkte sogar kurz hintereinander in zwei Schritten die Leitzinsen wieder auf den historisch niedrigen Satz von einem Prozent (Stand Mitte Januar 2012), was die Geldhäuser - hoffentlich - auch zur zeitnahen Kreditzinsermäßigung nutzten. In unseren beiden letzten Folgen gingen wir auf die Bedeutung der Betreuung einer Bank ein, die Qualifikation und ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit voraussetzt. Doch Glaubwürdigkeit setzt umfassende wie aufrichtige Beratung auch in Interessenkonflikten voraus, die im Zweifel eigene Interessen denen des Kunden unterordnet. Doch sie scheint im deutschen Kreditgewerbe inzwischen unterschiedlich gehandhabt zu werden.

So ermittelte in Südkorea die Staatsanwaltschaft gegen eine namhafte Bank mit Hauptsitz in Deutschland nach einem ungewöhnlichen Börsenkurssturz gegen vier, darunter einen hochrangigen Mitarbeiter. Die Bank bedauerte und ergriff angabegemäß „abstellende Maßnahmen“ und „disziplinarische Schritte“. In den USA warf der Senatsausschuss der gleichen Bank Befeuerung der Finanzkrise und wissentliche Mitwirkung bei Bündelung und Verkauf problematischer Hauskredite vor. Die US-FHFA verklagte sie auf Schadenersatz wegen Geschäften im Volumen von nahezu 200 Milliarden Dollar. In einem außergerichtlichen Vergleich mit dem Finanzregulierer NCUA zahlte die Bank 145 Millionen Dollar.

Auch in Großbritannien geriet sie in das Visier einer Aufsichtsbehörde. Weiter erging ein Anerkenntnisurteil gegen die Bank wegen eines gefloppten Fonds. Erst im Dezember wurden sechs sogar weitgehend geständige Personen (keine Bankmitarbeiter) zu hohen Haftstrafen wegen Emissionshandels-Betrugs verurteilt. In diesem Zusammenhang erklärte der Oberstaatsanwalt, ohne Mitwirkung der Bank hätten die Betrügereien nie stattfinden können. Nach Ansicht der Ermittler werden weitere Anklagen folgen. Auch soll das Institut an rund 700 Kunden mit einer Art „Zinswetten“ hoch komplizierte Finanzprodukte verkauft haben. Zwar verweist es auf bereits einschlägige Verfahren, die zu seinen Gunsten oder durch Vergleich abgewickelt wurden. Bis ein schwäbisches Unternehmen, das trotz bereits eingesteckter Niederlagen in den Vorinstanzen, schließlich das höchste deutsche Gericht anrief, das die Bank zu einer halben Million Euro Schadenersatz verdonnerte. Dazu der Vorsitzende Richter: Die Bank habe die Swaps bewusst zu Lasten des Anlegers konstruiert und ihre Schäfchen vorher ins Trockene gebracht. Er hatte sich also nicht von der Warnung des Bankanwalts während des Verfahrens beeinflussen lassen, bei einer Prozessniederlage „lösen Sie eine zweite Finanzkrise aus“. Nicht zu übersehen ist, dass auch andere Geldhäuser zum Teil derartige oder auch ähnliche Finanzprodukte vertrieben.

Abschließend haben wir den Geldhäusern zu danken, die durch ihre Beteiligung an unserer Umfrage verantwortungsbewusste Kundenbetreuung signalisiert haben. Vor diesem Hintergrund bedauern wir das Ausscheiden von SEB AG und Sparkasse Allgäu aus dem Kreis der Teilnehmer.

Michael Bandering | markus.targiel@holzmann-medien.de

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