Praxis -

Pad oder Bürste? Wie die Bodenreinigung gelingt

Neben der richtigen Maschine tragen bei der Bodenreinigung vor allem geeignete Bürsten oder Pads zum ­Erfolg bei. Bei der Auswahl gilt es, die bestmögliche Abstimmung zwischen Effektivität und Effizienz zu finden.

Zur mechanischen Unterstützung bei der Fußbodenreinigung sowie zum Schleifen und Polieren steht dem Gebäudereiniger eine Vielzahl von Produkten zur Verfügung. Zunächst ist die Frage zu klären, wann eine Bürste und wann ein Pad die bessere Wahl darstellt? Während Bürsten sowohl auf glatten wie auch auf strukturierten Oberflächen einsetzbar sind, eignen sich herkömmliche Padscheiben speziell für Boden­beläge ohne Oberflächenstruktur.

Bei stärker strukturierten Oberflächen, wie zum Beispiel Gumminoppenbelägen oder rutschhemmenden Keramikfliesen mit Verdrängungsraum, erbringen Walzenbürsten in der Regel bessere Ergebnisse als Tellerbürsten. Die besten Ergebnisse sind auf strukturierten Belägen und Mörtelfugen jedoch mit oszillierenden Scheueraggregaten oder Exzenterscheueraggregaten in Verbindung mit Scheuerbürsten oder Borstenpads erzielbar. Steht für stärker strukturierte Beläge nur eine Einscheibenmaschine beziehungsweise eine Scheuersaugmaschine mit Tellerbürste(n) zur Verfügung, empfiehlt es sich, auf weichere oder sogenannte Hoch-Tief-Bürsten zurückzugreifen.

Weniger geeignet sind Bürsten zur Unterhaltsreinigung auf glatten, mit einer Selbstglanzdispersion beschichteten Bodenbelägen. Hier können Scheuerbürsten leicht Kratzer auf dem Pflegefilm verursachen, insbesondere wenn man die Bürsten auf dem trockenen Belag anlaufen lässt. Besonders kritisch sind diesbezüglich Walzenbürsten, die aufgrund der geringen Auflagefläche und der meist viel höheren Drehzahl eine hohe mechanische Wirkung ausüben, wodurch unter Umständen Streifen oder bei ungleichmäßiger Fahrgeschwindigkeit auch Wolken in den Pflegefilm poliert werden können.

Geschliffene Steinböden oder Feinsteinzeugfliesen, die bestimmte Anforderungen an die Rutschhemmung erfüllen müssen, dürfen nicht mit abrasivstoffhaltigen Bürsten (Grit- beziehungsweise Sica- oder SC-Bürsten, Diamantbürsten) oder Pads (Reinigungspads von rot bis schwarz, Diamantpads) gereinigt werden, da dies zu einer allmählichen Oberflächenveränderung durch Glättung und somit zu einer Beeinträchtigung der Rutschhemmung führen kann.

Pads und Bürsten: Ein Überblick

Wenngleich zur Entfernung von Beschichtungen im Rahmen einer konventionellen Grundreinigung die ausschließliche Verwendung von Pads sehr beliebt ist, empfiehlt es sich, dass der erste Scheuerdurchgang mit Grundreinigerflotte unter Verwendung einer Scheuerbürste erfolgt. Im Gegensatz zum Pad setzt sich die Bürste nicht (so schnell) mit abgelösten Pflege­filmresten beziehungsweise -klumpen zu, sodass eine höhere mechanische Wirkung erhalten bleibt. Abschließend sollte mit einem auf den Bodenbelag abgestimmten Grundreinigungspad gescheuert werden, um so die letzten Pflegefilmreste zu entfernen.

Alternativ lassen sich selbst sehr widerstandsfähige Hartbeschichtungen ohne Verwendung eines Grundreinigers mit einem geeigneten Diamant-Stripping-Pad im Nassscheuerverfahren mit klarem Wasser vollständig und schonend entfernen. Damit dieses Verfahren funktioniert, darf allerdings der Pflegefilm noch nicht durch einen Grundreiniger angelöst/aufgeweicht sein. Mit eckigen, oszillierenden Scheuermaschinen lassen sich so auch Altlasten entfernen, die durch chemische Grundreiniger nicht mehr löslich sind. Ein Beispiel hierfür wären alte Pflegefilmkrusten in Ecken- und Randbereichen, die durch Grundreiniger zwar angelöst wurden, jedoch wieder festgetrocknet sind.

Borste ist nicht gleich Borste

Bei Bürsten finden pflanzliche Borsten (zum Beispiel Bassine, Fibre, Union, Piassava) tierische Borsten (etwa Schweineborsten) und hauptsächlich Kunststoffborsten (zum Beispiel Polyamid, Polypropylen, Schleifkornfaser) Verwendung. Naturborsten sind in Länge und Querschnitt ungleichmäßig und sie laden sich nicht elektrostatisch auf. Durch die Quellung verändern sie ihre Eigenschaften beim Arbeiten im Nassbereich und trocknen langsamer als Kunststoffborsten.

Kunststoffborsten sind gegen heißes Wasser relativ empfindlich, in der Regel jedoch widerstandsfähiger gegen Abrieb. Bürsten aus Polyamid (Nylon) sind nur bedingt säurebeständig und eignen sich daher nicht für alle Anwendungsgebiete (zum Beispiel Schwimmbadreinigung, Sanitärgrundreinigung).

Pads: Je dunkler, desto abrasiver

Bodenreinigungsscheiben beziehungsweise Pads sind scheibenförmige Vliesstoffe aus Polyester und/oder Polyamid-(Nylon-)material. Sie werden als ­Zubehör für Scheuer- und Scheuersaugmaschinen mit Einscheiben-, Mehrscheiben-, Walzen-, Exzenter- oder oszillierendem Scheueraggregat angeboten. Man ­unterscheidet:

  • Normalpads,
  • Superpads,
  • High-Speed-Polierpads,
  • Spezialpads.

Je nach Stärke des Abriebs (Abrasivität) sind die Pads durch unterschiedliche (nicht genormte, jedoch praxisübliche) Farben gekennzeichnet. Grundsätzlich gilt bei Reinigungspads: je dunkler die Farbe, umso abrasiver die Wirkung. Dabei ist zu beachten, dass die Abrasivstoffe beziehungsweise Schleifkörner eines helleren Pads nicht unbedingt weicher, sondern oft nur feinkörniger sind als die eines dunkleren Pads.

Seit einigen Jahren gibt es auf dem Markt unterschiedliche Diamantpads. Bei diesen Spezialpads sind feine Diamantpartikel unterschiedlicher Körnungen entweder mit einem Kunststoffbindemittel in das Vlies eingebracht (meist einseitig) oder die Diamantpartikel befinden sich in einseitig aufgeklebten Noppen.

Mit rotierenden, oszillierenden und (Orbital-)Scheuermaschinen sind Diamantpads zum Feinschleifen und Polieren von plan geschliffenen/polierten Natur- und Kunstwerksteinböden sowie kunstharzvergüteten Industrieböden einsetzbar. Auch verschlissene Poly­merbeschichtungen und Polyurethanvergütungen auf elastischen Belägen lassen sich mit Diamantpads abschleifen. Außerdem eignen sich bestimmte Diamantpads hervorragend zur Sanierung gekreideter Elastomerbeläge (Gummi-/Kautschukbeläge).

Zu beachten ist beim Einsatz von Diamantpads: Deren Farbcodierung entspricht nicht der oben genannten Farbcodierung herkömmlicher Bodenreinigungs­scheiben. Vor der Anwendung bestimmter Diamantpads auf elastischen Belägen müssen zudem die ­Diamanten auf einer sauberen Steinplatte oder einem sauberen Betonestrich über wenige Sekunden freigescheuert werden, so dass die Pads aktiviert sind und ihre volle Wirkung entfalten können. Doch Vorsicht: Das „Freischeuern/Aktivieren“ hinterlässt sicht­bare Spuren auf der Steinplatte beziehungsweise dem ­Betonestrich, weshalb es an einer Stelle durchgeführt werden sollte, wo dies nicht stört.

Melaminpads – die Schmutzradierer

Bodenreinigungsscheiben aus Melaminharzschaumstoff, die auch als Schmutzradierer bezeichnet werden, sind gute Problemlöser für hartnäckige Verschmutzungen. Der hervorragende Reinigungseffekt dieser weißen oder auch weiß-grauen, feinstrukturierten Schaumstoff-Pads beruht auf der abrasiven Wirkung des harten Materials. Sie sollten ausschließlich nass zum Einsatz kommen. Bei der Verwendung werden sehr feine Melaminharzpartikel von dem Schaumstoffmaterial abgerieben, die wie ein extrem feines Scheuermittel wirken. Das heißt, der Melaminharzschaumstoff löst sich beim Reinigen allmählich auf. Besonders gut eignen sich Melaminpads beispielsweise zur Entfernung hartnäckiger Schmutzeinlagerungen bei mikroporösen Feinsteinzeugfliesen und fein geschliffenen Naturwerksteinbelägen. Pflegefilme von beschichteten Belägen werden durch die Anwendung von Melaminpads stumpf beziehungsweise fein zerkratzt.

Faserpads/Garnpads – nicht nur für ­Textilbeläge

Bei den Textilpads unterscheidet man Faserpads ­(Aktiv- und Mikrofaserpads) und Garnpads.

Faserpads haben einen veloursartigen Flor aus Poly­ester- und/oder Polyamidfasern (als Aktiv- oder Mikrofasern); je nach Ausführung beträgt die Florlänge circa fünf bis 15 Millimeter. Neben dem klassischen Einsatzgebiet der Zwischenreinigung textiler Bodenbeläge sind diese Pads in Kombination mit dem Sprühextraktionsverfahren auch zur Grundreinigung textiler Beläge einsetzbar. Darüber hinaus erzielt man beim Scheuersaugen von Gumminoppenbelägen und Feinsteinzeugfliesen mit mikroporöser Oberfläche einen sehr guten Reinigungseffekt mit Faserpads.

Mikrofaserpads haben im Vergleich zu Aktivfaserpads viel feinere Fasern und ein wesentlich höheres Wasser-/Schmutzaufnahmevermögen. Deshalb eignen sich Mikrofaserpads für textile Bodenbeläge auch besser als Aktivfaserpads. Beim Scheuersaugen hat diese Eigenschaft keine so wesentliche Bedeutung. Hier ist die geringere Wasseraufnahme von Aktiv­faserpads sogar vorteilhaft, da die Schmutzflotte ständig abgegeben und danach abgesaugt wird, so dass keine allzu schnelle Schmutzsättigung des Pads stattfindet.

Garnpads (Bonnets) haben eine schlingenartige Oberfläche. Je nach Ausführung beträgt die Schlingenhöhe rund fünf bis 25 Millimeter. Als Fasermaterial finden Polyacrylnitril, Polyester und Polyamid (auch in Mischungen) Verwendung. Zu den Einsatzgebieten zählen die Zwischenreinigung oder – in Kombination mit der Sprühextraktion – auch die Grundreinigung textiler Beläge sowie die Reinigung beziehungsweise das Polieren von Gumminoppenbelägen. Nach ihrem Einsatz werden die Pads gewaschen und sind dann wieder bereit für den nächsten Einsatz.

Nicht zuletzt gibt es noch Bürstenpads – ein Bürstenersatz, der universell einsetzbar ist mit rotierenden, oszillierenden und (Orbital-)Scheuermaschinen. Sie eignen sich insbesondere zur Reinigung von oberflächenstrukturierten Fußböden und verschmutzten Fugen.

Wiederaufbereitung von Pads

Wurden die Pads nur trocken verwendet (zum Beispiel beim Polieren oder Pflegefilmsanieren), so empfiehlt es sich, die Pads zunächst mit einem leistungsstarken Staubsauger trocken vorzureinigen. Anschließend werden Padscheiben aus Kunststoffvlies mit fließendem Wasser – vorzugsweise mit einem Wasserschlauch und Spritzdüse – gründlich ausgespült.

Während Faser- und Garnpads meist bei 40/60 Grad Celsius in einer Waschmaschine gewaschen werden können, sollte dies bei Pads aus Kunststoffvlies – insbesondere bei Pads mit Schleifkörpern – vermieden werden. Der Grund: D ie Abrasivstoffe gehen in der Regel zu einem großen Teil in der Waschmaschine verloren. Außerdem kann bei zu hohen Waschtemperaturen eine starke Krumpfung (Eingehen der Scheibe) entstehen. Ebenfalls wichtig: Bei waschbaren Pads darf die vom Hersteller angegebene Waschtemperatur nicht überschritten werden.

Martin Lutz, FIGR | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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