Gebäudedienste -

Ökologisch reinigen, Plastikmüll vermeiden

Wiederverwert­barkeit, ­Abfallreduktion und nachhaltige Reinigungsmethoden: Ein Potsdamer Gebäudedienstleister hat in enger Kooperation mit einer Bio-Bäckerei ein entsprechendes Pilotprojekt initiiert. Eingesetzt wird auch ozonisiertes Wasser.

Wem fällt es nicht auf: Immer wieder trifft man etwa bei einem Spaziergang im Urlaub auf Plastikmü ll – am Strand selbst oder im Meer schwimmend. Auch an deutschen Stränden. Oder wie oft sieht man Meeres­tiere verenden, weil sie beispielsweise Plastikmüll gefressen haben. Allein wir Deutschen produzieren jedes Jahr 38,5 Kilogramm Plastikmüll pro Einwohner. Das mag zunächst nicht nach viel klingen, denn Plastik ist ja leicht. Dennoch liegt Deutschland in diesem Punkt im EU-Vergleich über dem Durchschnitt. Schweden beispielsweise ist mit seinem Recycling-Management bereits um einiges weiter. Zwar produzieren die Skandinavier immer noch 23,9 Kilogramm Plastikmüll pro Einwohner im Jahr; sie sind jedoch in der Lage, 99 Prozent davon zu recyceln.

Plastiktüte im Mülleimer? Unlogisch

Zumindest im privaten Umfeld sind viele Dinge in puncto nachhaltiges Handeln relativ leicht umsetzbar: plastikfrei einkaufen, Hygieneprodukte auf fester Seifenbasis nutzen, Einsatz von Biomülltonnen und so weiter. Was die Gebäudereinigung betrifft, scheint es vergleichsweise noch etwas schwerer, auf nachhaltige Methoden umzustellen, wie Enrico Rhauda, Geschäftsführer der Potsdamer G. Rhauda Gebäudereinigung, aus eigener Erfahrung weiß: "Geht man auch durch die eigene Region, fällt immer wieder auf, wie unachtsam Menschen durch ihr Verhalten die Umwelt belasten – und sei es nur der Apfelrest im Papiermülleimer. Von den Reinigungsunternehmen wird hier oft verlangt, eine Plastiktüte in den Mülleimer einzusetzen. Das ist für mich völlig unlogisch und an dieser Stelle – obwohl leider gang und gäbe – nicht richtig.“

In der Führungsebene der G. Rhauda Gebäudereinigung wird das Thema Müllvermeidung und Nachhaltigkeit schon länger heiß diskutiert. Immer wieder steht das Unternehmen etwa seinem Plastikverbrauch gegenüber, denn: Sämtliche Reinigungsmittel und kleineres Reinigungsmaterial sind stets in Plastik verpackt. Doch nicht nur das: "Die Reinigungsmittel im Abwasser sorgen für chemische Belastungen", weist Geschäftsführer Enrico Rhauda auf eine weitere Problematik hin und ergänzt: "Während man im privaten Bereich bereits einiges in Sachen Nachhaltigkeit umsetzt, fehlt es gerade im beruflichen Umfeld noch an einigen Stellen. Die Idee, hier gegenzusteuern, schlummert bereits seit mindestens zwei Jahren in mir und genauso lange bin ich schon auf der Suche nach Alternativen sowohl im Bereich der Abfall- und Wasserlogistik als auch was die chemiefreie Reinigung betrifft."

Pilotprojekt: Reinigung mit ozonisiertem Wasser in der Bio-Bäckerei

Reinigung mit ozonisiertem Wasser

Seit gut drei Monaten hat das Unternehmen eine Testlaufphase in Sachen ökologischer Reinigung ins Leben gerufen, um flächendeckend sowohl die Abfall- und Wasserlogistik zu optimieren, als auch die Reinigung mit chemischem Reinigungsmittel einzudämmen. Durch Reinigung mit ozonisiertem Wasser und den Einsatz intelligenter Reinigungsmaschinen konnten bereits im Rahmen erster Tests enorme Mengen an ­Wasser eingespart werden. Zudem führten die Tests zu einer deutlichen Reduzierung des ­Plastikverbrauchs um mehr als 95 Prozent und einer vollständig chemiefreien Abwasserwirtschaft. "Auch die Lagerwirtschaft wird dadurch effizienter und platzsparender", nennt Enrico Rhauda einen weiteren Vorteil der neuen Nachhaltigkeitsstrategie.

Nachdem die Testphase im eigenen Unternehmen sehr gut verlaufen ist, wurden erste beratende Gespräche mit Kunden geführt. Mit der Beelitzer Bäckerei Exner konnte eine bekannteste Traditionsbäckerei der Region für ein Pilotprojekt gewonnen werden. Seit Mitte Juni wird in der Bäckerei Exner und einigen angeschlossenen Fachgeschäften nun mit einem Reinigungsmittel gearbeitet, welches auf ozonisiertem Wasser basiert. Durch die Nutzung dieses Mittels benötigt das Unternehmen 85 Prozent weniger Wasser im Vergleich zur bisher üblichen Reinigung, und es werden auch keine chemischen Zusätze mehr ins Abwasser geleitet.

Umstellung auf wiederverwertbare Flaschen

In der Vergangenheit beziehungsweise beim bislang üblichen Einsatz chemischer Reinigungsmittel ist es Enrico Rhauda zufolge so gewesen, dass leere Plastikflaschen oder -kanister normalerweise einfach weggeschmissen wurden. Auch bestanden diese in der Regel nicht aus recyclingfähigem Plastik. Mit dem Umstieg auf ozonisiertes Wasser wurde gleichzeitig auf wiederverwertbare Sprühflaschen umgestellt. Diese enthalten eine Patrone aus Metall mit dem Ozon. "Man muss sich das ähnlich vorstellen wie bei einem Sodastream-Gerät", zieht Enrico Rhauda einen Vergleich und erläutert: "In dem Moment, wo gesprüht wird, kommt aus der Flasche Wasser mit gebundenem Ozon. Dieses wird dann wie bei einer herkömmlichen Reinigung angewendet."

"Ein Leuchtturm für ­andere Bäckereien"

Tobias Exner

Herr Exner, was hat Sie dazu bewogen, an dem Pilot­projekt "Ökö logisches Handeln in der Gebäudereinigung" mitzu wirken?

Tobias Exner: Ich selbst habe drei Kinder und bin stark daran interessiert, eine bessere und gesündere Umwelt für uns alle zu schaffen. Zudem sehe mich in der Verantwortung auch für meine Mitarbeiter. Im Sinne der Nachhaltigkeit setzen wir zum Beispiel auf kurze Lieferwege- und Ketten, beziehen unsere Materialen regional und stellen Bioprodukte her. Einer nachhaltigeren Reinigungsmethodik und der damit verbunden Müllreduktion stehe ich somit sehr gespannt und erwartungsvoll gegenüber. Denn wenn jeder etwas für die Umwelt tut – auch wenn es nur im Kleinen ist – bedeutet dies einen großen Mehrwert für uns alle.
 
Was erhoffen Sie sich von der Umstellung auf ökologische Reinigungsmethoden?

Tobias Exner: Ich habe mich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt, noch bevor mir die G. Rhauda Gebäudereinigung ein entsprechendes Konzept vorgelegt hat. Dementsprechend haben wir in unseren Filialen sowie in der Bäckerei bereits einiges umgestellt, um unseren Plastikmüll stark zu dezimieren. Da wir ein innovatives Unternehmen sind, stand es für mich außer Frage, auch im Bereich der Reinigung nachhaltigere Wege zu gehen. Dass sich nun die Abfalllogistik aufgrund der wiederverwertbaren Flaschen sowie der Anlage für das ozonisierte Wasser in meinem Bäckereibereich im Sinne der Umwelt weiter verbessert, freut mich umso mehr.
Mein Wunsch wäre es, diese Methodik flächendeckend auf alle unsere Fachgeschäfte ausweiten zu können und somit das erste Bäckerei- und Konditorei-Unternehmen zu sein, das auch in Sachen Reinigung umweltbewusst und nachhaltig agiert – quasi als Leuchtturm auch für andere Bäckereien und Lebensmittelbetriebe.

Die Patrone und auch die Wassersprühflasche lassen sich jederzeit nachfüllen. So entstehe auch kein Müll. In großen Bereichen, wie beispielsweise in einem Foyer, in Lagern oder auch in Großbetrieben wie der ­Bäckerei Exner, arbeiten die Reinigungskräfte anstelle der Flaschen samt integrierter Ozonpatrone mit einer speziellen Ozonanlage, die direkt mit einer Wasseranschlussleitung verbunden wird. In der Anlage befindet sich wiederum eine größere Patrone mit Ozon. Nutzt man diese Anlage, wird das ozonisierte Wasser zur Reinigung direkt in Eimer gefüllt. "Unsere Mitarbeiter sind somit in der Lage, an dieser Anlage jederzeit ihr ökologisches Reinigungsmittel aufzufüllen. Das spart nicht nur Zeit, sondern es kommt auch zu keinen Dosierproblemen mehr oder gar zu Haut- und Gesundheitsunverträglichkeiten, wie es manchmal bei chemischen Reinigungsmitteln der Fall ist.“

Plastikmüll stark reduziert

Durch die starke Reduktion des Plastikmüllaufkommens und der optimierten Reinigungsmethodik lasse sich einiges einsparen – wirtschaftlich betrachtet, aber auch im Sinne der Umwelt. In Zahlen: "Allein im Mai haben wir 34 Plastikflaschen Gebrauchslösung einsparen können. Bis zum Ende des Jahres wird sich das – wenn wir bei dieser Reinigungsmethodik bleiben – auf 272 Flaschen erhöhen. Das bedeutet in Summe rund 55 Kilogramm weniger Plastikverbrauch", rechnet Enrico Rhauda vor und bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: "Mit dieser Reinigungsmethode entlasten wir auch das Abwasser der Bäckerei bis zum Ende des Jahres um 5.200 Liter. Das ist erheblich, wenn man bedenkt, dass es hier lediglich um einen Kunden geht.“"

Eine Sache der Einstellung

Die Entscheidung für ökologische Reinigungsmethoden ist in den Augen von Enrico Rhauda in erster Linie eine Einstellungssache für die Umwelt. Allerdings sei die seit kurzem eingesetzte Methode des ozonisierten Wassers – obwohl schon lange auf dem Markt – in der Breite der Branche einfach noch zu wenig bekannt. Der Geschäftsführer des Potsdamer Dienstleisters ist jedenfalls überzeugt: "Wenn jeder einen Schritt weiter aus seiner Komfortzone geht und sich auf vielen Ebenen überlegt, wo und wie er nachhaltiger handeln kann, bedeutet dies einen Mehrwert für alle Bewohner des Planeten."

Last but not least profitiert auch – wie bereits angesprochen – die L agerwirtschaft des Dienstleisters, wenn mehr und mehr Kunden auf ökologische Reinigung umstellen. Denn wenn in der Gebäudereinigung vermehrt wiederverwertbare Flaschen und Kanister zum Einsatz kommen, muss weniger Material bestellt werden, was letztlich Platz im Lager spart. In einem weiteren Schritt plant das Unternehmen, auch die hauseigenen Industriewaschmaschinen von chemischer Reinigungsmitteldosierung auf eine ökologische Variante umstellen zu lassen und damit einen weiteren positiven Effekt im Hinblick auf Abwasserbelastung zu erzielen.

Damit nicht genug: "Mit der zunehmenden Beratung unserer Kunden hinsichtlich eines möglichen Verzichtes auf Plastiktüten beziehungsweise Alternativen in Sachen Reinigungsmethoden sind wir in der Lage, auch im Bereich des Arbeitsschutzes für unsere Mitarbeiter vieles zu erreichen – etwa indem bei chemiefreier Reinigung keine Verätzungen durch Gase oder Hautunverträglichkeiten entstehen können", merkt Enrico Rhauda abschließend an, ist sich aber durchaus bewusst: "Der nachhaltigste Gedanke bringt nichts, wenn nicht auch die Mehrzahl der Kunden umdenkt und mitzieht.“"

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