Glas und Fassade -

Bauendreinigung einer Messing-Glas-Fassade Nobles Prunkstück in St. Pauli

Kupfer ist ein üblicher Baustoff und fällt an Vorsprüngen oder Verschalungen nicht weiter auf. Die Fassade des Empire Riverside Hotels in Hamburg besteht ausschließlich aus Tombak-Blechen und Glas. Eine architektonische Seltenheit und Schauplatz eines mitunter frostigen Reinigungsmanövers, bei dem die natürliche Patina der Legierung auf keine Fall Schaden nehmen durfte.

-Knapp 65 Millionen Euro investierten Privathoteliers in das Empire Riverside Hotel im Herzen des Hamburger Szeneviertels St. Pauli. Am 22. November 2005 legten die Eigentümer Fraatz/Bartels den Grundstein auf dem ehemaligen Bavaria-Brauerei-Gelände, heute ragt dort der 65 m hohe Hotelturm mit 17 Geschossen auf. Zusammen mit dem benachbarten Brauhaus wurden hier auf 14.000 m² Glas und Messing verbaut. Das Hotel beherbergt 328 exklusive Zimmer. Erst kürzlich, am 11. Februar, war hier Bundeskanzlerin Angela Merkel während der CDU-Präsidiumssitzung zu Gast und trat danach mit Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust vor die Presse.

Strahlendschön soll der moderne Glas- und Messingbau aber gerade nicht sein. Der Entwurf dazu stammt vom britischen Stararchitekten David Chipperfield, der unter anderem das Literaturmuseum der Moderne in Marbach am Neckar und darüber hinaus weltweit eine Reihe von Museen und Galerien konzipiert und umgesetzt hat. Chipperfield sah vor, dass das Messing möglichst schnell eine natürliche Patina erhält und dadurch dunkel wird, der helle Glanz der kupferhaltigen Messinglegierung ist nicht erwünscht. Die natürliche Schutzschicht entsteht allerdings erst, nachdem das Tombak-Blech (siehe Fachbegriffe kurz erklärt) einige Wochen an der frischen Luft verbracht hat. Je nach Luftfeuchtigkeit bzw. Regenfall reagiert es schneller oder langsamer mit dem Luftsauerstoff. Erst wenn die braune Patina entstanden ist, hat das Gebäude nach den Vorstellungen des Architekten sein endgültiges Aussehen erhalten. Diese natürliche Patina zu erhalten, war das Kernproblem der Reinigungsaktion.

Zementschleier legte sich auf Glas und Messing

Das Empire Riverside Hotel war von zwei weiteren Baugruben umgeben. Die Arbeiten an diesen Gebäuden führten dazu, dass die Glas- und Messingfassade des bereits fertig gestellten Hotels stark mit Zementstaub und Sand verschmutzt wurde. Der Zementschleier war über große Teile der Fassade verteilt, so dass punktuelle Arbeiten mit einem sauren Reiniger von vorneherein ausschieden. „Dieses Vorgehen haben wir ohnehin schnell verworfen, denn die Säure hätte auch die Patina entfernt und das mussten wir vermeiden“, erklärt Nick Fabian Hauto, Geschäftsführer der NR Neue Raumpflege, Hamburg, die mit den Arbeiten betraut wurde. Der großflächige Einsatz von Chemie jeder Art war dem Geschäftsführer ohnehin nicht geheuer.

Die Lösung hätte sehr präzise und gleichmäßig aufgesprüht werden müssen. Hauto: „Das konnten wir in der großen Höhe und bei Wind und Wetter nicht gewährleisten. Außerdem war mir das Risiko zu groß, dass Passanten durch vom Wind verwirbelte Chemie zu Schaden kommen könnten.“

Auf der Suche nach geeigneten Reinigungsverfahren setzte sich Hauto mit dem Deutschen Kupferinstitut in Verbindung. Das Institut in Düsseldorf existiert seit 80 Jahren und dient als neutrale Beratungsstelle für jedermann. Mit der Unterstützung eines Fachberaters vom Institut und nach mehreren Probereinigungen wurden die einzelnen Reinigungsverfahren abgestimmt und im April 2007 mit der ersten Reinigung begonnen.

Der Dienstleister musste nicht nur darauf achten, die Patina zu erhalten, natürlich durfte er auch keinesfalls die Messingelemente zerkratzen. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass sich von den Tombak-Blechen Mineralstoffe abwaschen, die auf den Glasflächen Verunreinigungen hinterlassen. Um diesem Problem entgegenzuwirken, setzte der Dienstleister ein System mit entmineralisiertem Wasser ein (Puraqleen).

Die Mitarbeiter der Neuen Raumpflege konnten so die staubige Verschmutzung mit viel Wasser vorsichtig abwaschen, ohne dass an anderer Stelle beim Abtrocknen Kalkflecken entstanden wären. Die eingesetzten Nylonbürsten entfernten die Zementschleier dabei schonend ohne den Untergrund zu beschädigen. Bei hartnäckigen, größeren Zementspritzern und Silikonresten verwendeten die Gebäudereiniger einen weißen Schwamm und einen Glashobel.

Wasser gefror im Schlauch

Dann tauchten zwei weitere Probleme auf. Als erstes wurde bekannt, das die Sonnenschutzbehänge am Brauhaus verschmutzt und in Teilen verschimmelt waren und zusätzlich gereinigt werden mussten. Die Behänge sind aus einem Stoff, der, genau wie die Tombak-Bleche, chemiefrei gereinigt werden musste. Das Reinigen der Behänge mit den Nylonbürsten brachte den gewünschten Erfolg. Nur einzelne Behänge mussten ausgetauscht werden.

„Trotz der kalten Jahreszeit haben wir weiter an der Fassade gearbeitet“, berichtet Matthias Zabel, Geselle bei NR Neue Raumpflege. „Am 22. Dezember ging es jedoch nicht mehr weiter. Wie am Tag zuvor bauten wir unsere Anlage auf. Doch als wir am Brauhaus in 25 m Höhe unsere Anlage aufdrehten, rührte sich nichts mehr. Bei kaltem Wind und eisigen Temperaturen ist uns das Wasser im Schlauch gefroren.“

Kurz zuvor stellte sich heraus, dass die Befahranlage auf dem Dach des Empire Riverside Hotels nicht auf Anhieb den TÜV-Anforderungen standhielt. Die notwendigen Korrekturmaßnahmen dauerten mehrere Wochen an, in denen nicht gereinigt werden konnte. Die Verunreinigungen durch den Staub der Baustelle konnten sich daher stark festsetzen.

Mit der fachlichen Hilfe seines Puraqleen-Vertragshändlers (M. Schulze-Paschen OHG) wurde jetzt nach neuen Möglichkeiten gesucht. Mit einem Hochdruckreiniger konnte die Reinigungsleistung erhöht werden, ohne auf den hohen Reinigungseffekt des entmineralisierten Wassers verzichten zu müssen. Um die Verschmutzung gründlich lösen zu können, waren an stark verschmutzten Stellen mehrere Arbeitsgänge notwendig. „Trotz schwieriger Bedingungen stehen wir zu unserem Wort. Die Fassade wird chemiefrei und gründlich von uns gereinigt und unser Team wächst mit den gestellten Aufgaben“, sagt Hauto.

Nachdem die Einweisung in die neue Befahranlage stattgefunden hatte, konnte es endlich losgehen. Der Teleskoparm der Befahranlage ist in einer Höhe von 74 m mehr als 8 m lang. Je nach Windstärke und Windrichtung konnte an zwei Ansichten begonnen werden. Doch der Wind vom Hafen kann tückisch sein, weiß Nick Fabian Hauto: „Die Windböen kommen zu dieser Jahreszeit ohne Vorwarnung. Dann kann der Korb von der Fassade weggedrückt werden. Die Arbeiten werden dann sofort eingestellt. Zudem stehen unseren Jungs Saugnäpfe zur Verfügung, sodass sie sich beim Reinigen stark verschmutzter Flächen nicht immer selbst von der Fassade wegdrücken müssen.“

Die Arbeiten am Empire Riverside Hotel sind nahezu abgeschlossen. Da mit entmineralisiertem Wasser gearbeitet wurde, sollen die Glasflächen im Gegensatz zu einer Reinigung mit Tensiden nur sehr langsam wieder anschmutzen. So bleibt die einzigartige Messing-Glas-Fassade des Luxushotels auch in Zukunft eine Attraktion zwischen Hafen und Reeperbahn.

Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de

© rationell-reinigen.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Log-in

* Pflichtfelder bitte ausfüllen