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Linoleumboden durch starres Leistungsverzeichnis beinahe ruiniert Miteinander reden hilft

Fehlende Definitionen im Angebot und Unwissenheit der vom Objektbetreiber eingesetzten FM-Abteilung führten zu einer mangelhaften Reinigung. Dadurch wäre ein drei Jahre alter Linoleumboden beinahe ruiniert worden.

-In einem Verwaltungsgebäude war der Dienstleister verpflichtet, bei 2,5-facher Reinigung pro Woche die Büro- und Verwaltungsräume in einer kaufmännischen Abteilung per nebelfeuchtem Wischen zu reinigen. Das Ergebnis dieser Reinigung sollte eigentlich jedem klar sein.

Per Definition in „Gebäudereinigung kompakt, Grundlagenwissen für die Praxis“ (Holzmann Medien, ISBN 978-3-7783-0751-9) wird nebelfeuchtes Wischen folgendermaßen definiert: Als nebelfeuchtes Wischen bezeichnet man ein staubbindendes Wischen mittels vorgefertigter Tücher, in der Regel gebrauchsfertig gelieferte Gazetücher. Das nebelfeuchte Wischen bezeichnet mehr den Feuchtigkeitsgehalt des Reinigungstextils, als die Reinigungsmethode selber. Den Feuchtigkeitsgehalt eines Reinigungstextils, das nach dem Schleudervorgang mit 1.000 U/min die Waschmaschine verlässt, wird als nebelfeucht bezeichnet. Der Boden ist nach dem übergleiten mit dem Reinigungstextil unverzüglich trocken. Ziel ist es, keinen Staub aufzuwirbeln und losen Schmutz und Staub zu entfernen.

Das nebelfeuchte Wischen wird in der Regel auf empfindlichen glatten Bodenbelägen, z.B. auf unbehandelten Holzoberflächen, eingesetzt oder bei Bodenflächen mit geringer Verschmutzung, um eine hohe Flächenleistung zu erzielen.

Die kaufmännische Abteilung mit dem Fachreferat FM der Verwaltungsstelle hatte ein Leistungsverzeichnis erstellt und in ihrer Ausschreibung, trotz der schriftlichen Bedenkenanmeldung mehrerer Dienstleister, darauf beharrt, dass aus Gründen der Vergleichbarkeit von den im Leistungsverzeichnis gemachten Vorgaben nicht abgewichen würde. Diese Vorgaben wurden auch nach der Vergabe nicht weiter bemängelt oder von Seiten des nunmehr eingesetzten Dienstleisters mit der Anmeldung von Bedenken zur Richtigkeit der im Leistungsverzeichnis verankerten Reinigungstechnik belegt.

Zur Begutachtung und zum Anlegen von Test- und Musterflächen wurde ein Raum ausgeräumt und sollte als Beispiel für alle anderen Räume gelten. Die dem Gutachter gestellte Frage lautete: Ist die Unterhaltsreinigung gemäß der im Leistungsverzeichnis geforderten Definition ordnungsgemäß durchgeführt worden und wie lässt sich das optische Erscheinungsbild verbessern?

Grundlegend lässt sich hier erst einmal feststellen, dass der Objektbetreiber genau die Leistung erhalten hat, die er in seinem selbst erstellten Leistungsverzeichnis gefordert hatte. Dem Dienstleister wurde untersagt, die Reinigungstechnik zu ändern, geschweige denn eine Grundreinigung durchzuführen, da man die Auffassung vertrat, dass eine Grundreinigung nur dann notwendig sei, wenn die Unterhaltsreinigung vom Dienstleister nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden ist.

Der Schwerpunkt in der Begutachtung wurde daher auf die nachhaltige Verbesserung der Optik gelegt. Es wurde somit zuerst eine klassische Grundreinigung durchgeführt, um die stark haftenden Verschmutzungen vom Boden wieder zu entfernen. Das Bild links unten verdeutlicht, in welchem Zustand sich der Linoleumboden nach nur drei Jahren Nutzungsdauer wirklich befand: Auf der linken Seite ist von der ursprünglichen Farbstruktur nur noch eine Restfraktur zu erahnen. Wie sich später herausstellte, war der zu Testzwecken leergeräumte Raum einer der weniger verschmutzten! Auf Kundenwunsch wurden anschließend zwei unterschiedliche Beschichtungen mit den Glanzgraden „matt“ und „glänzend“ aufgetragen. Die Entscheidung fiel letztendlich zugunsten der matten Beschichtungsvariante aus.

Das Bild rechts unten zeigt die beiden unterschiedlichen Beschichtungen mit den unterschiedlichen Glanzgraden, im Vordergrund die glänzende Variante, im Hintergrund die matte Version, auf der rechten Seite der blaue Linoleum vor der Grundreinigung, begrenzt durch die Übergänge der Grundreinigung.

Um die Trocknungszeit des Linoleums zu verringern und um die zum Teil pockenartige Oberfläche wieder zu egalisieren, wurde der Linoleumboden nach der Grundreinigung mit einem Diamantpad (zu den unterschiedlichen Typen siehe hierzu Downloadbereich www.rationell-reinigen.de) und einer High-Speed-Einscheibenmaschine bearbeitet. Dennoch wurde hierbei darauf geachtet, dass die Trocknungszeit immer noch mindestens zwölf Stunden betrug, bevor die Beschichtung aufgetragen wurde. Nach Abschluss der Testflächen entschied man sich von Seiten der Geschäftsleitung, den hier eingesetzten Dienstleister mit der Durchführung der Grundreinigung zu beauftragen und das Leistungsverzeichnis von externer Stelle überarbeiten zu lassen. Der Teufel steckt also doch manchmal im Detail oder wie der Volksmund so schön sagt: „Sprechen wir die gleiche Sprache, können wir miteinander reden!“

Jedem dürfte bewusst sein, dass hier eine praktikable Lösung für die tägliche Unterhaltsreinigung gefunden werden musste. Die Frage ist, warum man so lange gewartet hat, bis die Oberfläche optisch scheinbar nicht mehr zu retten war?!

Den Vorwurf muss sich nicht nur die für das Verwaltungsgebäudes zuständige FM-Abteilung machen lassen, auch der Dienstleister trägt seine Schuld. Wer über eine langjährige und gute Ausbildung verfügt, der weiß genau, was er zu tun hat, und muss seinen Kunden höflich, aber bestimmt auf grundsätzliche Fehleinschätzungen hinweisen.

Ich zumindest bin jedes Mal froh, dass ich meinem Arzt nicht sagen muss, wie er mich behandeln soll, sondern vertraue auf seine Fähigkeiten. Geben auch Sie Ihre Fähigkeiten an Ihre Kunden weiter, denn wie Mario Ohoven einmal sagte: „Nichts erzeugt mehr Erfolg als der vorangegangene Erfolg. Und Erfolge sind gelöste Probleme!“ Wer seinen Kunden von seinen Fähigkeiten überzeugt hat, der wird sich auch durchsetzen können.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

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