Hygiene -

Die Reinigungsbranche 2019 Mit Zuversicht und selbst­bewusst durch schwere Zeiten

Mindestlohn, Minijobs und Corona­krise, insbesondere auch die politischen Entscheidungen zur Bewältigung der Krise: Das sind die Themen, die bei den Teilnehmern unserer 26. Auflage der Umfrage Gebäudedienste in Deutschland ganz oben stehen. Trotz aller Probleme zeigen sich überraschend viele Dienstleister dennoch zuversichtlich mit Blick auf das aktuelle Geschäftsjahr.

Zwar blicken wir mit unserer Umfrage zur jährlichen Übersicht Gebäudedienste in Deutschland auf das Jahr 2019 zurück. Aber natürlich ist die Corona-Krise 2020 bei den teilnehmenden Unternehmen ein beherrschendes Thema, das nicht ausgeklammert werden kann. Corona hat übrigens auch uns mit Blick auf die Teilnehmerzahlen Sorgen bereitet, denn zunächst gingen die Antworten höchst zögerlich ein. Umso erfreulicher, dass trotz aller aktuellen Probleme über 100 Dienstleister sich die Zeit genommen haben, ­unsere Fragen zu beantworten.

Unterstützt wurden wir bei der Erhebung und Auswertung der Daten wie schon in den Vorjahren von der JMS Augsburg e.V. (Studentische Unternehmens­beratung der Universität Augsburg).

Beteiligt haben sich in diesem Jahr 105 Betriebe, die Bandbreite reicht vom Unternehmen mit über 30.000 Mitarbeitern und Milliardenumsatz bis hin zum Kleinstbetrieb mit gerade mal zweieinhalb Arbeitskräften und 90.000 Euro Umsatz.

Von den teilnehmenden Betrieben bieten 50 (48 Prozent) ihre Leistungen ausschließlich regional an. Zwölf der gefragten Unternehmen sind international tätig, acht unter anderem in Östereich und fünf in der Schweiz. Die Leistungspalette der Unternehmen reicht von der klassischen Unterhaltsreinigung, die nach wie vor ein wichtiges Betätigungsfeld ist, bis hin zu Winterdiensten. Neben der Unterhaltsreinigung sind Glasreinigung, Fassadenreinigung sowie die Reinigung von Aussenanlagen und Dienstleistungen im Gesundheitswesen die am häufigsten erbrachten Tätigkeiten.

Digitalisierung nimmt an Bedeutung zu

Wenden wir uns den Themenfeldern zu, die für die Unternehmen und für die Branche wichtig sind.

Hier ist die Digitalisiserung ganz weit vorne. Sie ist für die meisten Betriebe von großer Bedeutung und nimmt im betrieblichen Alltag den entsprechenden Raum ein: Über 75 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, sich bereits intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, bei knapp 18 Prozent laufen erstaunlicherweise erst jetzt die ersten Überlegungen in puncto Digitalisierung an beziehungsweise sind erste Aktivitäten in diese Richtung eingeleitet.

Robotik wird noch skeptisch betrachtet

Robotikbasierte und autonome Systeme im Reinigungsumfeld – Hersteller und viele Experten befassen sich intensiv mit dem Thema Reinigungsroboter und treiben Entwicklungen voran, Dienstleister informieren sich, tauschen Erfahrungen aus und entwickeln Szenarien, wie sich die Robotik letztlich auf die Branche auswirken könnte.

Die aktuelle Einschätzung dieser Thematik durch die Teilnehmer an unserem Branchenspiegels ist allerdings etwas ernüchternd: Die Antworten reichen von „wir haben uns mit dem Thema noch nicht beschäftigt“ (7,6 Prozent) oder „die Ansätze sind grundsätzlich interessant, aber wirtschaftlich nicht darstellbar“ (16,2 Prozent) oder „die Lösungen sind nicht ausgereift“ (24,2 Prozent) bis hin zu der Erklärung von 32,4 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass man den Trend zwar aufmerksam beobachte, aber derzeit keine Notwendigkeit sehe, sich für eine entsprechende Lösung zu entscheiden. Nur 13 Prozent der beteiligten Unternehmen haben tatsächlich schon in verschiedenen Objekten robotikbasierte oder autonome Systeme im Einsatz. Über die bislang gemachten Erfahrungen gibt es keine allerdings keine Aussagen.

Nachhaltigkeit wird eingefordert

Das Thema Nachhaltigkeit wird in der Gebäudereinigerbranche unter den Aspekten Ökonomie, Ökologie und Soziale Verantwortung mittlerweile durchaus als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor angesehen. Und die Kunden fordern nachhaltige Lösungen zunehmend mit Nachdruck ein, wie 37,1 Prozent der Umfrageteilnehmer angeben. Allerdings steht dieser Forderung nach Ansicht von 42,9 Prozent der befragten Gebäudedienstleister die mangelnde Bereitschaft der Kunden entgegen, entstehende Mehrkosten zu tragen.

Handlungsbedarf bei Minijobs

Die aktuelle Diskussion zu Minijobs, vor allem mit Blick auf die seit sieben Jahren gültige und starre Grenze von 450 Euro, treibt auch die Teilnehmer an unserer Umfrage um. Denn diese Grenze zieht Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen nach sich. So profitieren die derzeit rund 100.000 Minijobber in der Gebäudereinigung nicht von­ ­tariflichen Lohnerhöhungen. Jede Veränderung des Mindestlohnes bedingt dagegen eine Veränderung der Arbeitszeit. Dies führt zu finanziellen Einbußen auf Arbeitgeber und -nehmerseite, Arbeitnehmer entscheiden sich dann lieber für mehr Freizeit pro Tag. Die Folge: Die Flexibilität der Unternehmen leidet, die Bürokratie wächst, da mit jeder Lohnveränderung die Arbeitsverträge angepasst werden müssen.

So ist es auch nicht überraschend, dass 72,4 Prozent der Befragten eine Reform des Gesetzes im Interesse beider Seiten als dringend notwendig erachten und 16,2 Prozent Minijobs am liebsten ganz abschaffen möchten.

Angesichts dieser Antworten wundert es auch nicht, dass die Minijobs, nach Mindestlohn und Corona­krise, bei der Frage nach den politschen Entscheidungen mit großem Einfluss auf die Branche an dritter Stelle rangieren und damit ganz weit oben stehen (siehe Grafik).

Investitionen

Im Investitionsverhalten beziehungsweise bei den ­Planungen von Investitionen drückt sich eine ­gewisse Unsicherheit aus, es spielen hier gewiß die Auswirkungen der Corona-Krise mit, die zum Zeitpunkt der Umfrage die Branche schon mit voller Wucht getroffen hatte. Investionen in Maschinen und Equipment sind fürs Jahres­ende geplant (26,7 Prozent, für 2021 ­geplant 14,3 Prozent), verschoben (35,2 Prozent) und 23,8 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden ­Betriebe machen zu ihren Plänen keine Angaben.

jede Menge Herausforderungen

Die mit Abstand größte Herausforderung der Branche für die kommenden Jahre stellt der Mangel an qualifizierten Fachkräften dar. Das ist die Meinung von 47,2 Prozent der Befragten. Klare Aussage eines Befragten dazu: „Das oberste Ziel, der Imagewechsel der Reinigungsbranche, sollte hierbei elementar bleiben, um die Attraktivität der Branche für neues Fachpersonal zu erhöhen.“

Weitere große Herausforderungen sind die Digitalisierung (18,5 Prozent) sowie die Bekämpfung der Auswirkungen der Corona-Pandemie (15,7 Prozent).

Etwas überraschend ist, dass das Finden von Azubis, Umweltschutz/Nachhaltigkeit, Umstellung der Technik (zum Beispiel auf Robotik) sowie Aus- und Weiterbildung mit jeweils 4,6 Prozent bei den Umfrageteilnehmern einen vergleichsweise geringen Stellenwert einnehmen.

Als wir die Umfrage Gebäudedienste in Deutschland starteten, steckten die meisten Betriebe bereits tief in der Cornakrise, die laut BIV bei 84 Prozent der Unternehmen zu Umsatzeinbußen, zu Kurzarbeit (45 Prozent) und bei 16 Prozent sogar zu Entlassungen führte.

Um so mehr überrascht es, dass dennoch nur 16 Prozent der an unserer Umfrage teilnehmenden Dienstleister das aktuelle Geschäftsjahr weniger zuversichtlich ansehen. Die Mehrheit (71 Prozent) beurteilt die Aussichten trotz aller Probleme genau wie im Vorjahr eher zuversichtlich.

Wenn über die teils gegensätzlichen Beurteilungen durchaus diskutiert werden kann, zeigen die Einschätzungen doch, dass unsere Branche auch in stürmischen Zeiten stark und selbstbewußt genug ist, um Herausforderungen, so schwer sie auch sein mögen, anzunehmen und zu meistern.

Peter Hartmannpeter.hartmann@holzmann-medien.de

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