Mit Probiotika gesunde ­Innenräume schaffen

Probiotika sind natürliche Mikroorganismen, die einen positiven Einfluss auf die ­Gesundheit haben, indem sie den Kampf gegen pathogene Keime und Allergene ­aufnehmen. Wer sich näher mit den Wirkungsweisen der Kleinstlebewesen ­beschäftigt, entdeckt ihr Potenzial und ihre vielseitigen Einsatzgebiete. Denn Probiotika landen nicht mehr länger bloß in den Kühlschränken und in Reinigungs­mitteln. Sie können zum Beispiel auch im Gesundheitswesen eingesetzt werden.

Das israelische Biotechnologie-­Unternehmen Better Air bietet probiotische Reinigungssysteme für den stationären und mobilen Einsatz, aber auch in der Kombination mit raumlufttechnischen Anlagen oder mit Klimageräten. - © BetterAir

Probiotika, die nützlichen Bakterien für unsere Gesundheit, sind keine Neuentdeckung. Sie finden sich in Lebensmitteln, Kosmetikartikeln und selbst in der Wasseraufbereitung oder in Reinigungsmitteln werden die Mikro­organismen eingesetzt, um schädliche organische Stoffe zu dezimieren. Probiotika wirken ohne Chemie, ganz biologisch. Völlig neue Potenziale eröffnen sie beim Einsatz in Luftreinigungssystemen für Innenräume. Hygieniker messen den Kleinstlebewesen gute Chancen im Kampf gegen gefürchtete Krankenhauskeime bei; Architekten planen ihre Gebäude und deren Belüftung bereits so, dass sich gesundheitsfördernde Mikrobiome einfacher ausbreiten. Die Zukunft von gesunden Gebäuden mit einem ausbalancierten Klima wird abhängig sein von einem gepflegten mikrobiellen Ökosystem.

Viel zu lange ging man davon aus, dass ein steriles Umfeld gesund sei. Jahrelang wurde mit Chemikalien jeder Keim abgetötet – mit dem unerwünschten Resultat, dass schädliche Organismen für den Menschen gefährliche Resistenzen entwickelten.

Die Reinigung mit Probiotika hingegen ist natürlich, schonend und unbedenklich für Mensch und Tier. Resistenzen sind nicht zu befürchten. Diffundieren die nützlichen Mikroorganismen durch einen Spender oder ein Lüftungssystem automatisch und regelmäßig in den Raum, stellt das sicher, dass alle Oberflächen und Gegenstände vollständig mit einem nützlichen Mikrobiom überzogen sind.

Mikrobiome sind kom­plexe Ökosysteme aus sehr unterschiedlichen Mikroorganismen und die natürlichen Gegenspieler schädlicher Stoffe wie Viren, Bakterien, Schimmelpilze oder Allergene von Haustieren und Hausstaubmilben. Die Probiotika entziehen diesen Stoffen die Nahrungsgrundlage, indem sie sich selbst von den gleichen Proteinen ernähren. Diese ständige probiotische Reinigung eignet sich insbesondere für Gegenstände und Oberflächen, denn hier ist in der Regel die größte Verunreinigung zu finden.

Dauerhaft sauber und frisch

Ein Luftreinigungssystem mit Probiotika unterscheidet sich deutlich von anderen Luftreinigern oder der mechanischen beziehungsweise manuellen Reinigung: Luftreiniger entziehen dem Raum in der Regel alle, auch die nützlichen Keime, teilweise entstehen Reizstoffe je nach Reinigungsmethode (UV-C-Strahlung, Ozon). Die mechanische Oberflächenreinigung hingegen findet zu selten statt, als dass man unerwünschte Stoffe dauerhaft unter Kontrolle bringen könnte. Denn jede Berührung bringt sogleich wieder neue Keime auf die Fläche. Der Hygienestatus ist also zeitlich sehr begrenzt, ganz egal womit man reinigt.

Ein sanftes, automatisches und kontinuierliches Versprühen von Probiotika über Spender oder die Lüftungsanlagen wirkt einem Überhang an organischen Schadstoffen entgegen. Die nützlichen Bazillen sind auf Dauer in der Überzahl und lange aktiv. Sie vertilgen pathogene Keime und schränken durch Nahrungsentzug deren Wachstum ein, bis ein gesundes Gleichgewicht hergestellt ist.

Das Resultat ist eine schadstoffärmere, frischere Luft und eine entlastete Umgebung. So entsteht ein Raumklima in Balance, in dem auch von Asthma und Allergien Betroffene freier durchatmen können. Das ersetzt nicht die herkömmliche Reinigung von Oberflächen, aber ergänzt diese sinnvoll.

Auẞenluft im Innenraum ist das Ziel

Rund 90 Prozent unseres Lebens verbringen wir in Gebäuden. Heizungs- und Klimaanlagen sowie zunehmend Raumluftfilter beeinflussen hier das Klima. Frischluftzufuhr wird aus Gründen der Energieeffizienz stark reguliert und die ventilierte Luft weist wenig Diversität auf, was der Gesundheit nicht zuträglich ist. Die Wahrscheinlichkeit, mit pathogenen Keimen in Kontakt zu kommen, ist in Innenräumen viel größer als draußen, wo eine Vielfalt mikrobieller Arten vorkommt.

Zukunftsorientierte Architekten und Facility Manager berücksichtigen bei der Planung nicht nur nachwachsende Rohstoffe, smarte Technologien und größtmögliche Energieeffizienz für ihre Gebäude. Sie arbeiten zunehmend mit Biologen zusammen, um gesündere Gebäude mit sauberer Luft zu schaffen, indem sie die Innenraumluft nach der sprichwörtlich frischen Luft im Außenbereich modulieren. Der Weg dahin führt über die Probiotik.

Hierzu hat Jessica Green, Ingenieurin und Ökologin mit dem Forschungsschwerpunkt mikrobielle Ökologie und Genomik, vielbeachtete Vorträge gehalten. Sie stellt die Frage: "Können wir unsere Gebäude so bauen, dass die nützlichen Mikrobenpopulationen begünstigt werden?" In herkömmlichen Gebäuden meint sie, würden die falschen Stoffe gefiltert. Das erleben all diejenigen, die zum Beispiel morgens als Erste das Büro aufsperren und denen dann die muffige Bakteriensuppe der Personen entgegenschlägt, die dort tags zuvor gearbeitet haben.

Krankenhauskeime natürlich bekämpfen

In besonders sensiblen Bereichen, zum Beispiel in Kliniken oder industriellen Reinräumen der Luftfahrt, der Chipherstellung oder der Chemie- und Pharma­branche, wird landläufig auf Desinfektion und Sterilisierung, spezielle Lüftungen und Filter gesetzt. Kein schädlicher Keim soll von außen nach innen dringen und die Arbeitenden oder die Produktion gefährden. Dafür werden extrem energieintensive Lüftungs­systeme installiert. Was aber passiert mit der Innenluft?

Mikrobiotische Ökosysteme variieren selbst innerhalb von Gebäuden teilweise erheblich. Sie interagieren und tauschen sich aus. Sie verändern sich, wenn sich gewisse Rahmenbedingungen ändern: Offene Fenster und Türen bringen neue Keime in die Räume. Mikroben werden durch Luftzug, Bewegungen der Personen und Berührungen von Gegenständen im Raum verteilt. Wir verändern das Mikrobiom also durch die Art der Reinigung und durch unser Verhalten.

Im Krankenhaus erworbene Infektionen entstehen laut Jessica Green häufig eben nicht durch die Existenz schädlicher Mikroben, sondern durch das Fehlen nützlicher Arten. Eine Lösung gegen gefürchtete ­Keime kann in der Kultivierung von guten, nichtpatho­genen Bakterien auf (Krankenhaus-)Oberflächen liegen. Gebäude können so konstruiert werden, dass diese Mikroben gedeihen.

Gezielter Einsatz von Probiotika

Wir haben also verschiedene Maßnahmen, um das gesunde Raumklima im privaten, beruflichen und öffentlichen Raum zu fördern. Richtiges Lüften beziehungsweise geeignete Lüftungssysteme gehören in jedem Fall dazu. Architekten sorgen darüber hinaus für eine entsprechende Bauweise, die verschiedene Mikrobiome berücksichtigt, und eine Vielfalt an Baumaterialien, die zugleich eine größere mikrobielle Diversität fördern.

Der gezielte Einsatz von Probiotika über Spender in den Räumen oder große Lüftungsanlagen trägt zu einer beständigen Balance des Raumklimas durch die umfassende Reinigung von Luft, Oberflächen und Gegenständen bei. Das Angenehme an dieser natürlichen Raumreinigung: Sie ist komplett nebenwirkungsfrei, da sie ohne Reizgase wie Ozon oder Strahlung auskommt und selber keine Schad­stoffe bildet.

Ein Raumreinigungssystem, das sich die reinigende Wirkung von Probiotika via Diffusion zunutze macht und inzwischen weltweit in vielen Branchen zur bewährten Methode gegen Viren, Bakterien, Schimmelpilze und Allergene geworden ist, lässt uns nach den Sternen greifen: Denn selbst die Weltraumstation ISS hat mit pathogenen Keimen zu kämpfen.

Ekke Uhr, Pare/Better Air |markus.targiel@holzmann-medien.de