Praxis -

Mit plasmaaktiviertem ­Wasserdampf desinfizieren

Am wfk-Institut in Krefeld wird ein Verfahren zur Desinfektion und Desodorierung ­(Hygienisierung) textiler Bodenbeläge auf Basis von plasmaaktiviertem Wasserdampf bei der täglichen Unterhaltsreinigung entwickelt.

Die sachgerechte und zugleich wirtschaftliche Reinigung textiler Bodenbeläge stellt die Reinigungsdienstleister vor eine große Herausforderung. Derzeit ist eine vollflächige Desinfektion bei textilen Bodenbelägen im Rahmen der täglichen Unterhaltsreinigung nicht möglich und erfolgt vollflächig nur im Rahmen einer Grundreinigung.

Grundreinigungen werden in größeren Zeitintervallen, zum Beispiel halbjährlich oder jährlich, durchgeführt und sind mit hohem Personal- und Zeitaufwand verbunden, woraus hohe Kosten für die Reinigungsdienstleister resultieren. Ferner stören lange Trocknungszeiten, in denen der textile Bodenbelag nicht begangen werden darf, den Betriebslauf des Gebäudebetreibers.

Darüber hinaus ist auch die Detachur beziehungsweise die Reinigung und Desinfektion von lokalen Anschmutzungen personal- und zeitaufwändig. Des Weiteren lassen sich im Rahmen der täglichen Unterhaltsreinigung geruchsbildende Anschmutzungen sowie Mikroorganismen nur unzureichend entfernen, was bei nicht ausreichend häufig durchgeführten Zwischen- und Grundreinigungen zu erheblicher Geruchsbelastung der textilen Bodenbeläge führen kann. Vor diesem Hintergrund besteht Bedarf nach einem Verfahren, das eine Desinfektion und Desodorierung textiler Bodenbeläge im Rahmen der täglichen Unterhaltsreinigung erlaubt.

Ziel eines Forschungsprojektes des wfk-Instituts in Krefeld ist daher die Bereitstellung eines Verfahrens zur Desinfektion und Desodorierung (Hygienisierung) textiler Bodenbeläge auf Basis von plasmaaktiviertem Wasserdampf bei der täglichen Unterhaltsreinigung.

Von der Unterhalts- bis zur Grundreinigung

Durch plasmaaktivierten Wasserdampf wird eine Hygienisierung der behandelten Bodenbeläge erzielt, während die Schmutzentfernung wie bisher durch Bürstsaugen erfolgt. Ein derartiges Verfahren kann damit zur täglichen Unterhaltsreinigung textiler Bodenbeläge, das heißt sowohl zur vollflächigen Hygienisierung und Schmutzentfernung als auch bei Bedarf zur Detachur beziehungsweise zur Reinigung und Desinfektion von lokalen Anschmutzungen eingesetzt werden. Außerdem ist auch eine Anwendung eines solchen Verfahrens zur chemikalienfreien Desinfek­tion und Desodorierung im Rahmen der Zwischen- und Grundreinigung vorstellbar.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird dazu eine Prozessführung zur Desinfektion und Desodorierung textiler Bodenbelagsproben mit plasmaaktiviertem Wasserdampf entwickelt. Die Aktivierung von Wasserdampf erfolgt mit einer Plasmaanlage, die über dielektrische Barriereentladungs-Düsen (DBE-Düsen) verfügt, in denen ein in den Plasmazustand versetztes Prozessgas (mit Sauerstoff angereicherte Druckluft) mit herkömmlichem Wasserdampf vermischt wird. Dadurch werden im Wasserdampf reaktive Sauerstoffspezies (unter anderem Hydroxylradikale) erzeugt und der Wasserdampf aktiviert.

Der plasmaaktivierte Wasserdampf wird anschließend über einen speziellen Düsenbalken gezielt auf den textilen Bodenbelag geleitet (Abbildung 1) und wirkt dort in hohem Maße keimreduzierend und desodorierend. Ferner unterstützt der plasmaaktivierte Wasserdampf die Schmutzentfernung, indem durch Angriff der Hydroxylradikale an Schmutzkomponenten deren Wasserlöslichkeit erhöht wird. Dies erleichtert die Schmutzentfernung durch Absaugen sowie die Detachur mit Wasser beziehungsweise wässrigen Reinigungslösungen.

In bisherigen Ergebnissen konnte gezeigt werden, dass unter Einhaltung optimaler Prozess- und Plasmaparameter eine Desinfektion textiler Bodenbeläge zu erzielen ist. Außerdem wurde eine nahezu vollstän­dige Desodorierung (Abbildung 2) erzielt, wobei für die Untersuchungen verschiedene Lebensmittelge­rüche und synthetischer Fußgeruch als Anschmutzungen eingesetzt wurden.

Anhand dieser Versuche zeigte sich auch, dass den textilen Bodenbelägen aufgrund der Plasmabehandlung kein Eigengeruch aufgeprägt wird. Des Weiteren zeigte sich auch nach mehrfacher Behandlung mit plasmaaktiviertem Wasserdampf keine Schädigung der eingesetzten textilen Bodenbeläge.

Funktionsmuster im Einsatz

Parallel zur Entwicklung der Prozessführung zur Desinfektion und Desodorierung wird derzeit ein Funktionsmuster eines DBE-Bürstsaugers konstruiert, das aus einem herkömmlichen Bürstsauger besteht, der um die erforderliche Plasmatechnik zur Erzeugung von plasmaaktiviertem Wasserdampf erweitert wird (Abbildung 3).

Die Hygienisierung erfolgt durch den plasmaaktivierten Wasserdampf, wobei die Schmutzentfernung durch eine Walzenbürste im selben Arbeitsgang erfolgt. Das Funktionsmuster des DBE-Bürstsaugers wird zur Erprobung des entwickelten Reinigungsverfahrens unter praxisnahen Bedingungen eingesetzt. Zusätzlich soll untersucht werden, ob das entwickelte Reinigungsverfahren zur Detachur und zur Milben­dekontamination geeignet ist.

Europäische Forschungsgemeinschaft Reinigungs- und Hygienetechnologie e.V. (FRT) | markus.targiel@holzmann-medien.de

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