Praxis -

Einsatz von wasch- und wiederverwendbaren Abfallsäcken Mehrweg statt Einweg

Umweltgesichtspunkte spielen eine große Rolle beim Gebäudebetrieb des Bundes­ministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in Bonn. Dies gilt auch für die Reinigung. Der beauftragte Dienstleister geht mit wasch- und wieder­verwendbaren Abfallsäcken neue Wege.

Um 17 Uhr, wenn die meisten Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlassen haben, schwärmt das Team von Dirk Müller Gebäudedienste (Bonn) zur täglichen Unterhaltsreinigung im Ministerium aus. Sechs Gebäudeflügel mit jeweils sechs Stockwerken sind zu bearbeiten, insgesamt 23.000 Quadrat­meter Fläche – vor allem klassische Büroräume und Flure, aber auch äußerst sen­sible Zonen wie Minister­bereich, Leitungsbereich und Lage­zentrum. Hinzu kommen 50 Teeküchen und 20 zentrale Toiletten­anlagen verschiedener Größe.

Rot für Papier, Blau für Biomüll

Corc Sautoglu ist einer von 20 Mitarbeitern, die an diesem Abend im Team von Objektleiter Turgut Yildiz für Sauberkeit im Ministerium sorgen. An seinem Reinigungswagen sind vier Abfallsäcke aus sta­bilem Poly­estergewebe in Rot, Gelb, Blau und Schwarz befestigt. Rot steht für Papier, Gelb für Kunststoff, Blau für Biomüll und Schwarz für Restmüll. So ist es auch auf den Säcken der Firma Harmsen Trading zu lesen. Los geht die Fahrt von der Reinigungs­kammer ins Revier.

Mülltrennung ist im Ministerium Pflicht

Teppichböden saugen, Tische und Oberflächen reinigen, Abfalleimer in Büros, Teeküchen und Sanitär­bereichen leeren: Corc Sautoglu sortiert in seinem Revier den von den Ministeriumsmitarbeitern vorgetrennten Müll in den entsprechenden Abfallsack am Reinigungswagen. Papier gehört ebenso dazu wie Teebeutel, Kaffeesatz oder Bananenschalen und die Verpackung vom Schokoriegel für zwischendurch. Am Ende seiner Schicht bringt Corc Sautoglu die Säcke in den zentralen Abfallraum und leert sie über den entsprechen­den Tonnen aus.

Bei 60 Grad in die Waschmaschine

Die Abfallsäcke werden je nach Inhalt und Verschmutzungsgrad in regelmäßigen Abständen bei 60 Grad gewaschen – in der Maschine des Dienstleisters im Keller des Gebäudes, in der auch die im Objekt verwendeten Reinigungstextilien gewaschen werden.

Rund 2.000 klassische Einwegmüllsäcke aus Poly­ethylenterephthalat (PET) pro Monat spart Dirk Müller, Geschäftsführer des gleichnamigen Gebäude­dienstleistungsunternehmens aus Bonn, im Objekt auf diese Weise ein. Das hat auch Wolfgang Pietsch vom Bundes­ministerium für Verkehr und digitale Infra­struktur überzeugt.

„Plastik ist jetzt einfach out“

„Umweltgesichtspunkte sind bei der Reinigung heute das A und O“, sagt der unter anderem für Reinigungs­angelegenheiten zuständige Fachbereichsleiter 2 im Referat Innerer Dienst Bonn. Die Firma von Dirk Müller sei bei der EU-weiten Ausschreibung im vergangenen Jahr nicht nur die günstigste, sondern unter Einbeziehung aller Umwelt­aspekte auch die wirtschaftlichste gewesen und habe deshalb den Zuschlag erhalten. Rund ein halbes Jahr nach dem Start des neuen Dienstleisters, der mit waschbaren Abfallsäcken gepunktet hat, sagt Wolfgang Pietsch: „Das sieht nach einem absolut positiven Ergebnis aus“. Plastik sei jetzt einfach out, die Vermeidung von Kunststoff sehr zu begrüßen. Dies werde sich im Gebäude in jedem Fall günstig auf die CO2-Bilanz auswirken. Auch die Mitarbeiter im Minis­terium seien von der Neuerung angetan.

Mülltrennung ist Voraussetzung

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in Bonn setzt nicht nur komplett auf Ökostrom. Der Müll wird im Gebäude bereits seit Jahrzehnten sorgfältig getrennt – eine Vor­aussetzung für den sinnvollen Einsatz von Mehrwegmüllsäcken für unterschiedliche Abfall- und Wertstoffarten. In den Teeküchen auf den Fluren gibt es Trennstationen für Biomüll, Papier, Kunststoff und Glas sowie Restmüll. In Abfalleimern und Papierkörben sind kaum noch Einwegmüllbeutel aus Kunststoff zu finden. Der Biomülleinsatz in den Papierkörben – für Teebeutel oder einen Apfel­­rest – ist entweder mit einer Papierserviette aus­gelegt oder mit einem Einwegplastikbeutel, der nicht jeden Tag gewechselt wird. Dieses Prinzip gilt auch für die Waschräume. Weil den Nutzern dort Stoffhandtuchspender zur Verfügung stehen, ist in den Drahtkörben an den Wasch­becken ohnehin nur wenig Abfall zu finden.

Beschichtung je nach Anforderung

In den Trennstationen in den Teeküchen wird der feuchte Biomüll derzeit noch in einer Plastiktüte aufgefangen, die täglich er­neuert wird. Dies soll sich in Kürze ändern – vielleicht durch einen waschbaren Müllsack im Kleinformat, so überlegt Dirk Müller. Sabine Harmsen könnte eine solche Variante liefern. Die Chefin der Firma Harmsen Trading (Troisdorf) lässt die Abfallsäcke aus 100 Prozent Polyester nach ihren Vorgaben beziehungsweise je nach Kundenwunsch herstellen. Sie können der jeweiligen Nutzung ent­sprechend unterschiedlich beschichtet und indi­viduell beschriftet werden und sind sogar ­recycelbar.

„Wir rennen bei Kunden offene Türen ein“

In kleineren Objekten und in kleinerem Rahmen setzt Dirk Müller Gebäudedienste bereits seit mehr als drei Jahren auf Mehrwegmüllsäcke von Harmsen Trading. Richtig angekommen in den Köpfen der Menschen sei das Thema Plastikvermeidung und Klimaschutz aber erst vor rund einem Jahr – „Dank Greta“, sagt Sabine Harmsen, die an ihrem Stand auf der CMS Berlin im September 2019 großen Zulauf erlebt hat. Kurz darauf startete Dirk Müller im Bundes­ministerium für Verkehr und digitale Infra­struktur mit dem System. In nächster Zeit will er alle Objekte seines Unternehmens von Einweg- auf Mehrwegmüll­säcke umstellen und dadurch den Verbrauch an PET-Säcken um mehr als eine Million Stück pro Jahr reduzieren. Sein Anreiz sei es nicht, Geld zu sparen, sondern Plastik zu vermeiden und eine klima­neutrale Lösung zu finden, betont der Geschäftsführer des Gebäudedienstleistungs­unternehmens. Neben den Anschaffungskosten für die Säcke schlagen auch die Wasch- beziehungsweise Energiekosten zu Buche. Aber wer weiß: „Ein Sack hält mindestens ein Jahr, bei guter Pflege sogar zwei bis drei. Langfristig mag sich das rechnen“, glaubt Dirk Müller. Eines zumindest ist sicher: „Plastik in jeder Form muss weg. Wir rennen bei unseren Kunden mit waschbaren Müllsäcken offene Türen ein!“, sagt Axel Fassbender, Vertriebsleiter und Prokurist bei Dirk Müller Gebäudedienste.

Heike Hollandheike.holland@holzmann-medien.de

© rationell-reinigen.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Log-in

* Pflichtfelder bitte ausfüllen