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Teppichreinigung Mangelhafte Arbeit führt zu Verfleckungen

In einem Bankgebäude wurden nach erfolgter Reinigung und Detachur durch ein Gebäude reinigungsunternehmen auf einem beigefarbenden Teppichboden dunkle und gelbe Flecken (Ausbleichungen) sichtbar.

-Nachdem die Flecken festgestellt worden waren, wurden mehrere Reinigungsversuche unternommen, um die reklamierten Verfärbungen zu beseitigen. Ohne Erfolg. Gutachter Wolfgang Knöchlein (Raesfeld-Erle) wurde mit der Untersuchung der Schadensursache beauftragt.

Beim beschädigten Belag handelt es sich um den Teppichboden Waron (Tisca Tischhauser & Co.AG). Waron-Teppiche werden aus feinster Kammgarnqualität aus Neuseelandwolle in vier Qualitäten hergestellt. Das Grundgewebe aus Jute und der Zweitrücken aus Baumwolle machen den Teppich zu einem hochwertigen Qualitätsprodukt.

Auf der Suche nach der Schadensursache stellte sich heraus, dass der Gebäudereiniger gegenüber dem Auftraggeber verschiedene, auch teilweise widersprüchliche, Aussagen zu Ursache und Beseitigung der Flecken gemacht hatte. So hätten wegen starker Verschmutzung Teilstücke des Belages mehrfach mit dem Shampooniergerät bearbeitet werden müssen. Auch habe man mit einer Wurzelbürste gearbeitet. An diesen Stellen hätte sich der Teppich verfärbt und sei heller geworden. Zudem vertrage der Teppichbelag keine Chemie (eingesetzt wurde das Teppichreinigungsmittel Sapur Duo).

Auf Anforderung durch den Auftraggeber lieferte der Dienstleister eine schriftliche Darstellung der durchgeführten Arbeiten. Darin wurde eine Kombination von Shampoonierung mit anschließender Extraktion geschildert, die hellen Flecken seien bei der ersten Reinigung entstanden, aber nicht auf den Einsatz falscher Reinigungsmittel zurückzuführen. Die hellen Flecken seien nicht zu entfernen, die dunklen Flecken könnten mit entsprechender Chemie behandelt werden; allerdings nur mit dem Risiko, den Bodenbelag dabei weiter zu beschädigen.

Das Urteil des Gutachters

Der Reinigungszustand des Teppichbodens ist als mangelhaft zu beurteilen. Zahlreiche helle Reinigungsflecken sind auf der ganzen Bodenfläche (ca. 120 m2) verteilt. Die gewünschte Optik ist nicht mehr gegeben.

Alle Reinigungen, Shampoonierungen und Detachurversuche wurden, wie dem Gutachter berichtet, ausschließlich nur von ein und demselben Gebäudereiniger ausgeführt, allerdings mit verschiedenen Reinigungstrupps.

Die unsachgemäße Reinigung und Fleckentfernung, bei gleichzeitiger Verwendung eines zu starken Fleckentferners, führte dazu, dass die bearbeiteten Stellen ausgeblichen sind. Zudem wurde die Farbechtheit vor Beginn der Fleckentfernung nicht geprüft.
Das eingesetzte Produkt (Sapur Duo) ist auf diesem Belag nicht zur Fleckentfernung geeignet, da es zu stark ist. Zu starke Fleckentfernungsmittel führen aber, wie in diesem Fall, zu Verfärbungen der Faser und zu Ausbleichungen. Außerdem darf nicht wie hier mit einer Wurzelbürste gearbeitet werden.

Falsche Reinigungs- bzw. Detachurmittel und ungeeignete Reinigungsmethoden sind die Ursache der Schäden, die dem Gebäudedienstleister anzulasten sind.

Der Auftraggeber machte folgerichtig seine Ansprüche (etwa 18.000 Euro) zur Erneuerung des Teppichs gegen den Dienstleister geltend.

Wolfgang Knöchlein, Gebäudereinigermeister und
Sachverständiger | peter.hartmann@holzmannverlag.de

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