Editorial -

Markus J. Targiel, Redakteur, markus.targiel@holzmann-medien.de Konkurrenz um ­Arbeitskräfte  und Kapital

Dem deutschen Mittelstand bereiten derzeit zwei Entwicklungen besonders große Sorgen. Die eine ist nicht neu, verstärkt sich aber nochmals. Die andere ist das Ergebnis von radikalen Umwälzungen. Das ist das Ergebnis von zwei Untersuchungen, die jüngst vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und von Creditshelf veröffentlicht worden sind.

Dem vom DIHK veröffentlichten Arbeitsmarktreport 2019 zufolge kann fast jedes zweite Unternehmen (49 Prozent) offene Stellen längerfristig nicht besetzen. Das ist ein Prozentpunkt mehr als noch im Vorjahr. Besonders bemerkenswert daran ist, dass die Zahl trotz einer sich abschwächenden Konjunktur nochmals leicht gestiegen ist – ein Zeichen für die Verschärfung des Problems, passende Arbeitskräfte zu finden. Besonders ausgeprägt sei die Problematik bei Mittelständlern.

Von den Unternehmen, die ihre Stellen nicht besetzen können, sucht wiederum fast die Hälfte (49 Prozent) nach Personal mit dualer Berufsausbildung. In 38 Prozent der Fälle werden Fachwirte und Meister händeringend gesucht. Der DIHK konstatiert aufgrund der hohen Werte deshalb eine „erhebliche Engpasssituation“. Gleichzeitig suchen 30 Prozent dieser Unternehmen Personal ohne Berufsabschluss – ohne Erfolg.

Die Gründe dafür sind schon länger bekannt: Beispielsweise werden fehlende Bewerber in 71 Prozent der Fälle genannt, aber auch deren zu hohe Forderungen (37 Prozent). Als Konsequenz ergibt sich hieraus, dass die Attraktivität eines Unternehmens immer wichtiger wird. Neben einem adäquaten Lohn müssen Unternehmen weitere Anreize bieten, um attraktiv zu bleiben – und dies ist mit steigenden Kosten verbunden.

Diese stehen auch im Mittelpunkt des von Creditshelf herausgegebenen ­Finanzierungsmonitors 2019. Denn laut dieser Studie befürchten zwei Drittel der deutschen Mittelständler, dass die digitale Transformation ihres Betriebes sie finanziell überfordern könnte. Besonders die Dienstleistungsbranche, nämlich „besorgniserregende 71 Prozent“, blicke angespannt in die digitale Zukunft, konstatieren die Studienmacher. Dr. Daniel Bartsch, Vorstand Creditshelf, befürchtet, die aktuelle zurückhaltende Kreditpolitik der Banken könnte dafür sorgen, dass die Unternehmen wichtige Investitionen – es gehe hierbei darum, neues, zum Teil branchenfremdes Wissen aufzubauen – nicht tätigen könnten. Dabei räumen drei Viertel der Befragten der Digitalisierung eine wichtige beziehungsweise sehr wichtige Bedeutung bei.

Zwei Studien – ein Fazit: Die Konkurrenzsituation zwischen den Unternehmen dürfte sich weiter verschärfen, zum einen auf dem Arbeitskräftemarkt und zum anderen auf dem Finanzmarkt.

Ihr Markus J. Targiel

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