Glas und Fassade -

Arbeitsbühnen richtig eingesetzt Kommunen im Fokus

Arbeiten und Arbeitsbühneneinsätze im öffentlichen Raum standen im Mittelpunkt des Tages der Arbeitsbühnensicherheit. Sechs Referenten, ein breites Themenspektrum sowie über 100 Zuhörer machten die dritte Auflage der Veranstaltung zu einem großen Erfolg.

-Im Daimler-Werk in Wörth bei Karlsruhe fand diesmal der Tag der Arbeitsbühnensicherheit, kurz TABS, statt. Neu am Konzept der Veranstaltung: Der TABS soll nicht immer am gleichen Ort stattfinden, sondern zum Kunden, zum Anwender, zum Besucher kommen, wird also künftig an wechselnden Orten veranstaltet. Ausgerichtet wird der Tag der Arbeitsbühnensicherheit vom Vertikal Verlag, Herausgeber der Magazine „Kran & Bühne“, „Cranes & Access“ sowie „Vertikal.Net“, und dem weltweit tätigen Verband IPAF (International Powered Access Federation). Beide haben sich die Förderung der Sicherheit im Umgang mit Hubarbeitsbühnen auf die Fahnen geschrieben. Die Sicherheit im Umgang mit Arbeitsbühnen im öffentlichen Raum war denn auch das Thema der Referenten. Die Themenvielfalt reichte vom Arbeiten mit der Motorsäge auf Bühnen oder dem Einsatz isolierter Bühnen über die fachgerechte Wartung und Instandhaltung bis hin zu abstrakteren Themen wie Gefährdungsbeurteilung und Instruktionspflicht.

Einschneidendes Thema Baumpflege

Den „richtigen Schnitt“ machen konnten die Zuhörer dank der flotten und anschaulichen Anleitung von Matthias Müller, Diplom- Sicherheitsingenieur und Geschäftsführer der AST GmbH. Er erläuterte, welche Gefahren beim Umgang mit der Motorsäge auf Hubarbeitsbühnen lauern – und nahm dabei selbst die Säge zur Hand. „Ein einschneidendes Thema“, wie Müller treffend bemerkte. Er erörterte die Aspekte Schnittschutzbekleidung, Trenngitter und versicherungstechnische Hinweise. Der gelernte Zimmermann gab als Marschroute aus: „Ziel muss es sein, keinen zweiten Mann im Korb zu haben.“ Sein Vortrag war zwar mit Informationen vollgepackt, aber trotzdem kompakt und plastisch. Kurzum: ein flotter Ritt durch den Blätterwald von knapp 100 Folien. Alles im grünen Bereich also bei der Baumpflege.

Gefährdungsbeurteilung bringt Sicherheit

Ein weiterer Experte in Sachen Sicherheit ist Günter Schipper. Er legte dar, wer wann wie welche Gefährdungen ermitteln muss; schließlich schreibt der Gesetzgeber Gefährdungsbeurteilungen bei Arbeiten auf Hubarbeitsbühnen zwingend vor. Er schlug unter anderem vor, dass Mitarbeiter Beinaheunfälle melden können sollten – ohne dadurch Nachteile zu erleiden. „Gefährdungsbeurteilung müssen Sie betrachten wie Qualitätsmanagement: Sie können sich damit beschäftigen oder den Ordner in den Schrank stellen“, so der Inhaber von Industrieberatung Schipper. Er zeigte, wie ein Unternehmer mit Listen und Fristen eine optimale Gefährdungsbeurteilung für seinen Betrieb erarbeiten kann – als Präventionsmaßnahme und zur rechtlichen Absicherung.

Hütchen sind das Minimum

„Ich lebe seit 25 Jahren auf der Straße“, bekannte freimütig André Hidde vom Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter e.V. Er erläuterte, wie man den öffentlichen Raum richtig absichert. Für viele überraschend: Selbst ein privates Firmengelände gilt als öffentlicher Raum, wenn das Tor offen steht. Der Redner ist in doppelter Hinsicht bühnenerfahren: Seit 20 Jahren hält Hidde Vorträge, seit zehn Jahren beschäftigt er sich mit „Hubbühnen im öffentlichen Verkehrsraum“, so der Titel seines Vortrags. „Hütchen aufstellen ist das absolute Minimum“, mahnte er und verwies auf die Verwendung von rot-weiß-roten Warneinrichtungen an den eingesetzten Fahrzeugen. In seinem Vortrag nannte sich Hidde selbst „Arbeitsschutz-Papst von Nordhessen“.

Sicht- und Funktionsprüfung ungenügend

„Unbequeme Wahrheiten“ kündigte Roland Jäkel an. Der Geschäftsführer der Firma Lift-Manager demonstrierte eindrucksvoll, warum es sich empfiehlt, Wartung und Instandhaltung beim Profi durchführen zu lassen. Er bemängelte, dass es der Gesetzgeber (in der BGR 500 „Betreiben von Hebebühnen“) bei der lapidaren Bezeichnung „Sicht- und Funktionsprüfung“ belassen habe. Jäkel wies auf die sehr hohe Verantwortung des Sachverständigen hin, der die Bühne prüft. „Ich behaupte, es gibt leider Sachverständige, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden.“

Er präsentierte Prüfprotokolle, die vollkommen leer waren, und das über Jahre hinweg! Er zeigte Anschlusskabel mit zwei Steckern, gerissene Schenkelstücke, ungesicherte Kolben, gebrochene Antriebsachsen, gebrochene Gegenlager – einen Tag nach der Sicherheitsprüfung! Das heißt, hier hat keine Prüfung stattgefunden, aber der Nutzer wird in Sicherheit gewiegt. Absolut mangelhaft – nur: Wer haftet für die Mängel? Mit viel Verve und Hingabe forderte Roland Jäkel einen neuen Status für die Prüfplaketten ein. Sein flammender Appell: „Denken Sie daran: An einer Schraube hängt möglicherweise ein Menschenleben!“ „Eindrucksvoll“ nannte denn auch Moderator Rüdiger Kopf, Chefredakteur des wichtigsten deutschsprachigen Magazins für die Kran- und Bühnenbranche, diesen engagierten Vortrag.

Auf die Instruktionspflicht wies Lars Kothes hin, der sich seit knapp zehn Jahren mit technischer Dokumentation, sprich Bedienungsanleitungen, beschäftigt. Grundlage hierfür bildet die EU-Maschinenrichtlinie, die zum 1. Januar 1993 in Kraft getreten ist. Erst seitdem, so Kothes, beschäftigen sich die Hersteller intensiver mit diesem Thema. Für wen gilt die Instruktionspflicht? Wer haftet bei Schäden? Der Hersteller? Der Importeur? Der Händler? Der Kunde? Der Verleiher? Der Bediener? Kothes: „Die Behörden können sich jeden in der Kette krallen.“ Viel zu oft wird die Betriebsanleitung als notwendiges Übel angesehen. Schlicht und ergreifend mehr Aufmerksamkeit für die Anleitung forderte Kothes.

Spannungsgeladenes Thema

Ulrich Kleine-Boes berichtete – vom Plenum mit Spannung erwartet – zum Abschluss der Konferenz vom Einsatz isolierter Hubarbeitsbühnen. Unbestritten sorgt der Einsatz isolierter fahrbarer Bühnen dafür, dass viele Arbeiten ohne Stromunterbrechung durchgeführt werden können – ein großer Vorteil für den Kunden. Nur – was ist hersteller- und kundenseitig zu beachten? Kleine-Boes verwies auf die entsprechenden Normen, Vorschriften und anderweitige Regelwerke und Informationen. Vor allem den Technikern konnte er einiges bieten: Er zeigte die Isolierstrecken zwischen Untergestell und Hubeinrichtung und diejenige zwischen Hubeinrichtung und der Arbeitsbühne. Gefahren lauern, wenn diese wiederum überbrückt werden – weil zum Beispiel ein Bediener zusätzliche Metallschrauben im Korb anbringt. Selbstverständlich müssen elektrische Anbauten wie Sensorik und Antriebe nochmals extra isoliert werden. Ebenso legte der Konstruktionsleiter des Lkw-Bühnen-Herstellers Ruthmann dar, wie die Typprüfung sich in Spannungsprüfung, Ableitstrommessung und Isolationswiderstandsmessung sowie in eine Sichtkontrolle des Potenzialausgleichs gliedert. Ein spannendes Thema – mit Potenzial. Und wenn Kleine-Boes am Ende „isoliert“ dastand, dann lag das nur daran, dass die Veranstaltung an ihr Ende gelangt war.

Fazit: Eine hochkarätige Konferenz, der man viele Teilnehmer und viel Aufmerksamkeit wünscht – zu wichtig ist das Thema Sicherheit. Eine Neuauflage unter anderen Vorzeichen, also mit anderem Schwerpunkt, ist für die Zukunft geplant.

Quelle: TABS |
peter.hartmann@holzmannverlag.de

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