Glas und Fassade -

Arbeitsplatz Leiter Körperhaltung entscheidend

Rund 9.000 Leiterunfälle pro Jahr in der Bauwirtschaft zeigen: Sicheres Arbeiten hängt nicht nur von der Wahl der Leiter ab, sondern auch von der richtigen Körperhaltung.

- Wer sich seitlich zu stark hinauslehnt, statt die Leiter umzustellen, kann leicht stürzen. Das zeigt sich bei Unfalluntersuchungen immer wieder. Ein unteres Holmende ist dann oft nach innen abgeknickt. Eine weitere Unfallursache ist der falsche Anstellwinkel bei Anlegeleitern. Selbst wenn die Leiter gegen Wegrutschen gesichert ist, führt ein zu flacher Anstellwinkel zu übermäßiger Biegebeanspruchung der Holme. Bei Belastung versagen sie dann.

Am Anfang: Eine Gefährdungsbeurteilung

Im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung ist erst zu entscheiden, mit welchem Arbeitsmittel man die vorgesehene Tätigkeit bei minimalem Risiko durchführen kann. Zwar gelten Gerüste und Hubarbeitsbühnen als sichere Alternative zur Leiter, sie lassen sich jedoch nicht überall einsetzen. Außerdem ist der Aufbau von Gerüsten oft gefährlicher als die Aufstellung von Leitern. Ziel der Gefährdungsbeurteilung ist es, mit Blick auf den Arbeitsumfang und Aufwand die Bereitstellung eines geeigneten Arbeitsmittels abzuwägen und zu prüfen, welches Risiko überwiegt. Als Alternative für Gerüste wurden jetzt auf der Basis einer „Podestleiter“ mobile Arbeitsplattformen entwickelt, die höhenverstellbar sind und seitliche Standverbreiterungen aufweisen. Derartige Konstruktionen sind sehr stabil und damit auch für den rauen Einsatz auf Baustellen geeignet. Bei komplizierten Arbeitssituationen, zum Beispiel in engen Treppenhäusern oder bei beengten Platzverhältnissen, können oft auch Stehleitern zum Einsatz kommen, die mit bis zu vier Holmverlängerungen zur sicheren Aufstellung auf unterschiedlichem Bodenniveau ausgerüstet sind.

Unterweisungen nutzen

Die vorgeschriebenen, regelmäßigen Unterweisungen der Mitarbeiter tragen ebenfalls zur Sicherheit von Leiterarbeiten bei. Grundlage dafür sind die auf der Leiter angebrachten Piktogramme sowie zusätzliche Empfehlungen der Hersteller, die oft auf deren Homepage im Internet verfügbar sind. Wer noch mehr über sicheres Arbeiten auf Leitern wissen möchte, sollte eines der von Herstellern oder unabhängigen Institutionen angebotenen Seminare besuchen. Die oft als „Sachkundigen-Seminare“ oder „Seminare für befähigte Personen“ bezeichneten Veranstaltungen sind meist eintägig und finden bundesweit an verschiedenen Standorten statt. Hier werden nicht nur Kenntnisse über die unterschiedlichen Bauarten und Einsatzmöglichkeiten von Leitern vermittelt, sondern auch Tipps zur Durchführung systematischer Prüfungen, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten gegeben.

Grundsätzlich gilt: Die üblichen Leiterbauarten müssen entsprechend den jeweiligen Einsatzbedingungen ausreichend stabil sein. Die Hersteller bieten oft bis zu fünf unterschiedliche Stabilitäts- und Qualitätsniveaus an, die sich in Verarbeitung und Verwendung unterschiedlicher Holm-, Stufen- und Sprossenprofile und Beschläge unterscheiden. Stabile Leitern sind meist deutlich teurer, bieten jedoch höhere Sicherheit, da sie sich unter Belastung weniger durchbiegen oder verwinden und dabei erfahrungsgemäß auch noch deutlich länger halten. Der höhere Preis ist also eine gute Investition.

Jürgen Chilian | Nachdruck aus BG BAU aktuell 1/2009

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