Schadensfälle -

Industrieboden stark ölverschmutzt: Sanierung oder Reinigung?

Jahrelang nutzte ein metallverarbeitender Betrieb die Halle und verursachte starke Ölverschmutzungen auf dem Boden. Nach dem Auszug des Mieters sollte ein Sachverständige klären, ob die Verschmutzungen durch Reinigungsmaßnahmen beseitigt werden können. Oder doch eine Sanierung des Bodens notwendig wird?

Wie heutzutage leider oftmals üblich, kamen im vorliegenden Schadensfall nach der Beendigung eines Mietverhältnisses verschiedene Unstimmigkeiten und Streitigkeiten auf: Nachdem eine Industriehalle über mehrere Jahre hinweg durch einen metallverarbeitenden Betrieb genutzt worden war, wurde nach Auszug die Frage aufgeworfen, ob die Halle in dem vertraglich vereinbarten Zustand hinterlassen worden war.

Vornehmlich ging es hierbei um die Frage, ob die vorhandenen Ölverschmutzungen, hervorgerufen durch die bei der Zerspanungstechnik eingesetzten Schneidöle, durch Reinigungsarbeiten entfernt werden können oder ob die Verschmutzungen durch die jahrelange Nutzung derart verharzt sind, dass eine Komplettsanierung notwendig wird.

Musterflächen anlegen

Um dies zu überprüfen, wurden in den Bereichen mit den optisch stärksten Verschmutzungen Musterflächen angelegt. Darüber hinaus sollte der Aufwand mit dem tatsächlichen Ergebnis abgeglichen werden. Aufgrund der Gesamthallenfläche und den daraus resultierenden hohen Kosten entschied sich der Sachverständige dafür, einen Standardindustriereiniger einzusetzen, um bereits im Vorfeld Kosten minimieren zu können, falls es zu einem positiven Ergebnis kommen sollte.

Da der Hallenboden zwar optisch stark beeinträchtigt war und auch olfaktorisch die Verschmutzungen wahrnehmbar waren, durch bloßes Begehen der Fläche (ohne weitere objektive Messungen) jedoch keine Beeinträchtigung festgestellt werden konnte, entschied sich der Sachverständige dafür, die Musterfläche den Gegebenheiten entsprechend anzupassen, das heißt, vor allem die Einwirkzeit wurde entsprechend verlängert.

Klassische Nassgrundreinigung

Wie bei jeder klassischen Nassgrundreinigung wurde die zu bearbeitende Fläche mit einer entsprechend ausreichenden Menge an Reinigungsflotte belegt, damit der Boden über den gewählten Zeitraum der Einwirkzeit von zehn Minuten vollständig benetzt blieb. Der gewählte alkalische Industriereiniger wurde in der vom Hersteller vorgegebenen maximalen Konzentration eingesetzt.

Um ein ungewolltes Auftrocknen der bereits gelösten Schmutzpartikel zu verhindern, wurde die Oberfläche nach der Einwirkzeit unter Zuhilfenahme einer Schrubbbürste und von Wasser mechanisch bearbeitet. Eine erste Beurteilung des Reinigungsergebnisses erfolgte nach Aufnahme der Schmutzflotte.

Nach Abtrocknen der Oberfläche wurde diese noch einmal auf vorhandene Restverschmutzungen kontrolliert. Hierbei wurde abschließend festgestellt, dass die vorhandenen verharzten Ölverschmutzungen vollständig entfernt werden konnten.

Ölverschmutzter Industrieboden: So geht der Sachverständige vor

Entfernung der Ölverschmutzungen

Der Vorgang wurde anschließend an einer weiteren Stelle wiederholt, um ausschließen zu können, dass in einem anderen Bereich eventuell andere Öle zur Verwendung kamen, die eine Reinigung nicht möglich machen oder aber andere Reinigungstechniken erforderlich machen würden.

Da hierbei das Ergebnis bestätigt wurde, konnte festgehalten werden, dass eine Reinigung der Oberfläche zur Entfernung der Ölverschmutzungen trotz der langen Einwirkzeit möglich und somit eine umfangreichere Sanierung nicht erforderlich ist.

Weitere Schadensfälle finden Sie in unserer Schadensfalldatenbank.

Tipp des Sachverständigen: Die Einwirkzeit anpassen

Die Reinigung des hier begutachteten Bodens ist unbedingt notwendig, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine erhebliche gesundheitliche Belastung durch die Immission des verwendeten Schneidöls vorhanden ist und es zusätzlich zu einer Rutschgefahr unter Betriebsbedingungen bei erneuter gewerblicher Nutzung kommen kann.

Um die Reinigungsfähigkeit ermitteln zu können, sollten an den Stellen mit den größten vorhandenen Verschmutzungen Musterflächen angelegt werden, um eine optimale Aussage hierzu treffen zu können. Gerade bei älteren Verschmutzungen mit einer langen Einwirkzeit auf die Oberfläche ist die Einwirkzeit der Reinigungsflotte (abgestimmt auf die Oberfläche) entsprechend durch Verlängerung (Sinner’scher Kreis) anzupassen und der Vorgang eventell zu wiederholen.

Der Autor: Sascha Hintze

Sascha Hintze, Sachverständiger

Sascha Hintze ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter ­Sachverständiger.

Sachverständigenbüro für Gebäude­reinigung & ­Entwicklung, Duisburg.

Kontakt: hintze@sach­ver­staendigenbuero-hintze.de

© rationell-reinigen.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Log-in

* Pflichtfelder bitte ausfüllen