Praxis -

Hochfrequenzreinigung effizient gestalten

In Zeiten von Corona wird häufig erwartet, dass Räume nach einem ­Standard gereinigt und desinfiziert werden, der bislang nur hygienekritischen ­Bereichen vorbehalten war. Das stellt Reinigungsverantwortliche vor Heraus­forderungen. Über Lösungen, die helfen sollen, die Reinigungsvorgaben der Zukunft zu erfüllen.

Die professionelle Reinigung ist derzeit ein besonders hartes Stück Arbeit. Denn viele Unternehmen haben strenge Hygiene- und Desinfektionsrichtlinien für sogenannte High-Touch-Bereiche erarbeitet, an denen eine Hochfrequenzreinigung unverzichtbar ist. Neben Geländern, Türgriffen, Aufzugsknöpfen, Telefonen und Sanitärbereichen gehören dazu vor allem die Fußböden. Wege, Flure, Aufenthaltsbereiche und Zonen mit hohem Publikumsverkehr sollen dabei stündlich bis zweistündlich gereinigt und desinfiziert werden. Der einzige Lösungsweg, wie Reinigungskräfte in der Lage sein werden, diesen Aufgabenkatalog zu bewältigen, liegt in der Bereitstellung hocheffizienter und zugleich prozesssicherer Technik. Denn mit Mopp und Eimer ist diesen Reinigungs- und Desinfektionszyklen nicht beizukommen.

Produktivitätssteigernde ­Reinigungstechnologien

Infolgedessen sind Unternehmen aller Branchen intensiv bestrebt, mithilfe produktivitätssteigernder Reinigungstechnologien ihr Sauberkeitsniveau zu erhöhen, ohne zusätzliche Arbeitskosten zu verursachen.

  • Dampfreinigung: Heißwasser-Hochdruckreiniger und Dampfreiniger spielen bei der effektiven Bekämpfung von Keimen eine zentrale Rolle. Schließlich trägt der Einsatz von heißem Wasser maßgeblich zur Abtötung von Bakterien und Viren bei. Im Zuge dessen hat die National Health Commission of the People’s Republic of ­China laut "COVID-19 prevention and control Plan 4th ­edition" herausgefunden, dass Coronaviren ab einer Temperatur von 56 Grad Celsius mit einer Rate von circa 10.000 Viruspartikeln pro 30 Minuten abgetötet werden könnten. Ein deutlicher Anstieg der Eliminationsraten lässt sich bei noch höheren Temperaturen verzeichnen. Vor allem die Tiefenreinigung des Dampfes über 100 Grad Celsius sorgt dafür, dass Bakterien und andere unerwünschte Mikroorganismen auf verschmutzten Oberflächen vernichtet werden.
  • Autonome Lösungen: Der Einsatz robotergestützer Reinigungstechnologie ist ein nachhaltiger Trend, der sich in allen Branchen durchsetzt. Ob Industriebetrieb oder ­Gebäudereiniger: Mittels vernetzter oder gar autonomer Reinigungskonzepte sind Unternehmen in der Lage, erhebliche wirtschaftliche Mehrwerte zu realisieren – von geringeren Prozesskosten bis zur besseren Ressourcennutzung. Diese Vorteile bringen in der aktuell angespannten Lage deutliche Entlastung.

Lösungen wie die autonome Nachläufer-Scheuersaugmaschine Liberty SC50 von Nilfisk oder autonome Aufsitz-Scheuersaugmaschine SC60, welche 2021 ihren offiziellen Marktstart in Deutschland haben wird, erfreuen sich deshalb branchenübergreifend einer großen Nachfrage. Das Szenario: Während die Scheuersaugmaschinen alle Aufgaben rund um die Bodennassreinigung in Eigenregie übernehmen, kann sich die Reinigungsmannschaft auf Aufgaben konzentrieren, die nur manuell durchgeführt werden können, etwa durch den Einsatz von Heißwasserhochdruck- und Dampfreiniger oder durch die Desinfektion unterschiedlicher Bereiche wie Klinken und Türgriffe. Zudem senkt die autonome Arbeitsweise das Infektionsrisiko, da das Personal nicht länger mit potenziell kontaminierten Böden in Kontakt kommt.

Desinfektion groẞer Bodenareale

Dieses Set an Lösungen ist effektiv bei der Bekämpfung von Keimen und Viren auf mittelgroßen Flächen. Die hochfrequente Reinigung und Desinfektion großer Bodenbereiche mittels klassischer Bediener­maschinen blieb bislang außen vor. Doch gerade hier förderten aktuelle Kunden- und Expertengespräche eine hohe Nachfrage in der Gebäudereinigung, aber auch im Handel und Health-Care-Bereich zu Tage. Hintergrund dafür ist die Gefahr der Keimverschleppung durch Schuhwerk, Rollwagen oder kontami­nierte Kleidung, sei es in Krankenhausfluren, Eingangshallen, Korridoren und Windfängen. Aber auch im Einzelhandel gehören die hochfrequentierten Laufwege und Publikumsbereiche zu den kritischen Bodenflächen.

So gelingt die Bodenreinigung mit einer Scheuersaugmaschine

Mithilfe folgender Tipps kann die Leistung einer Scheuer­saugmaschine optimiert werden:
  • Ein Dosiersystem für Reinigungsmittel verwenden. Wenn man nicht genügend Reinigungsmittel verwendet, kann nicht wirkungsvoll gereinigt werden. Aber wenn man zu viel verwendet, wird nicht nur Geld verschwendet, sondern man riskiert auch, auf dem Boden Reinigungsmittelreste zu hinterlassen. Ein Dosiersystem für Reinigungsmittel ­erspart es den Mitarbeitern außerdem, das Reinigungs­mittel von Hand mit Wasser zu mischen und den Behälter für die Reinigungslösung nach jedem Gebrauch zu entfernen und zu entleeren.
  • Maschine sauber und trocken halten. Mit schmutziger Ausrüstung kann man keine Böden säubern. Alle Teile der Maschine, einschließlich aller Bürsten und Pads, ­müssen nach Gebrauch gründlich abgespült und getrocknet werden.
  • Saugleisten und -lippen regelmäßig überprüfen. Wenn die Sauglippen in keinem gutem Zustand sind, kann die Maschine das verschmutzte Wasser nicht wirkungsvoll aufnehmen.
  • Den Schmutzwassertank nach der Reinigung ­geöffnet lassen. Dadurch kann die Maschine trocknen, was ­geruchsverursachende Bakterien verhindert.
  • Eine zu hohe Arbeitsgeschwindigkeit vermeiden. Gute Reinigungsergebnisse hängen davon ab, dass die richtigen Mengen an Wasser und Reinigungsmittel verwendet werden und der Maschine ausreichend Zeit für ihre Arbeit zur Verfügung steht. Deshalb gilt es, den Wasserdurchfluss und den Bürstendruck auf die richtigen Werte für den Verschmutzungsgrad des Bodens einzustellen, um so für eine ausreichende Einwirkzeit zu sorgen.
  • Bei Bedarf eine Walzenmaschine einsetzen. Walzen-­Scheuersaugmaschinen nehmen auch groben Schmutz auf und können den Boden in nur einem einzigen Arbeitsdurchgang reinigen. Bei Anwendungen mit viel losem, gro­bem Schmutz kann eine Walzen-Scheuersaugmaschine viel Zeit sparen, da kein vorheriges Kehren erforderlich ist.
  • Ein Pad mit Diamant- oder Zirkoniabeschichtung verwenden. Pads mit mikroskopisch kleinen Diamanten oder Zirkonia liefern bei bestimmten Bodenarten hervorragende Reinigungsergebnisse. In Praxistests wurde nachgewiesen, dass diese Pads auch die Bakterienmenge auf Böden deutlich verringern.
  • Bei Bedarf zwei Reinigungsdurchgänge anwenden. Wenn ein Bereich besonders stark verschmutzt ist, sind manchmal zwei Reinigungsdurchgänge notwendig, um ein überzeugendes Ergebnis zu erzielen.

Dem Bedarf an maschineller Hochfrequenzreinigung inklusive Desinfektion stand und steht noch immer eine gewisse Investitionszurückhaltung entgegen. "Viele Kunden sind derzeit nicht in der Lage, in kostenintensive Innovationen zu investieren. Vielmehr geht es darum, die gesteigerten Anforderungen an prozess­sichererer und effizienter Hochfrequenzreinigung mit dem bestehenden Fuhrpark an Scheuersaugmaschinen abzudecken", sagt Sascha Nina Keller, Produktmanagerin Bodenreinigung bei Nilfisk.

Infolgedessen entwickelte das deutsche Projektteam des Maschinenherstellers unter der Federführung von Keller gemeinsam mit Kai Deckenbach, Techniker im Special Application Center von Nilfisk, eine praktikable und effektive Lösung, um große Bodenflächen in nur einem Reinigungsdurchgang zu schrubben, zu trocknen und gleichzeitig zu desinfizieren. Ergebnis der Sonderanfertigung ist eine neue Desinfektionseinheit, welche als optionales Anbaugerät für Aufsitz-­Scheuersaugmaschinen (BR652/752 und BR755/855 sowie auf Anfrage für andere Modelle) eingesetzt werden kann.

Wischen oder Sprühen?

Bei der Entwicklung der neuen Desinfektionseinheit für große Bestandsmaschinen stand die ­grundlegende Frage im Raum: wischen oder sprühen? Hier ­waren sich die Ingenieure schnell einig. Denn Hygie­ne­experten aller Institute raten davon ab, eine Desinfektionslösung aufzusprühen, da dieses Vorgehen mit einem gesteigerten gesundheitlichen Risiko einhergeht. Vielmehr sollte die Reinigungs-/Desinfektionslösung gleichmäßig vertropft und mit einem getränkten Tuch beziehungsweise Mopp nachbearbeitet werden. Ein Trockenreiben sollte dabei nicht stattfinden, um Einwirkzeiten einzuhalten und die Desinfektion wirksam zu gestalten.

Das von den Entwicklern präferierte Wischen und Schrubben mit einem tensidhaltigen Reiniger bringt neben dem Faktor Gesundheitsschutz weitere Vorteile mit sich: Zum einen wird eine Vielzahl an Keimen bereits durch die tensidhaltige Chemie abgetötet. Ein zusätzliches Wischen mit Desinfektionsmittel erzielt somit einen sehr hohen Grad an Reinheit.

Im Anschluss an die erste Lösungskonzeption durch die Produktmanagerin Sascha Keller und dem gemein­samen Prototypenbau mit Kai Deckenbach präsentierten die beiden Tüftler ein fertiges Anbaugerät in nur drei Monaten. Nach intensiven Feldtests wird die neue Desinfektionseinheit nunmehr am Standort in Linsengericht produziert.

Das derzeit zum Patent angemeldete System wird mit wenigen Handgriffen an der Rückseite der Scheuer­saugmaschine montiert. Während vorne Bürsten- und Scheuerdeck den Schmutz vom Boden entfernen, bringt hinten eine spezielle Vertropfungseinheit das Desinfektionsmittel auf, welches dann von einem festinstallierten Mopp gleichmäßig und kontrolliert verteilt wird. Die Bildung gesundheitsschädlicher Aerosole wird somit vollständig vermieden. Bediener und Mitmenschen in der näheren Umgebung atmen keine schädlichen Chemikalien ein.

Für den steten Fluss des Desinfektionsmittels sorgt ein neu entwickeltes Doppelpumpensystem, welches das Desinfektionsmittel aus zwei separaten Zehn-Liter-­Kanistern mit gleichbleibendem Druck zur Vertropfungseinheit befördert. Die Menge kann individuell eingestellt werden, bei einer Geschwindigkeit von vier bis fünf Kilometern pro Stunde lässt sich von etwa 40 Millilitern pro Quadratmeter ausgehen.

Viel hilft nicht viel

Beim Einsatz von Reinigungsmitteln liegt die Kunst in der richtigen Dosierung. Dies gilt vor allem, wenn die Desinfektion ihre volle Wirkung entfalten soll. Kommt es zu einer Überdosierung, können Tensidreste auf den Oberflächen verbleiben und beim nachfolgenden Auftrag des Desinfektionsmittels zu einem sogenannten Seifenfehler führen. Dies bedeutet, dass die Wirkung des Desinfektionsmittels reduziert oder gar aufgehoben wird. Der Maschinenhersteller empfiehlt deshalb den Einsatz eines automatischen Dosiersystems. Kombiniert mit der zusätzlichen Reinigungskraft von Diamant-Pads erhöht sich die Reinigungswirkung und Entfernung von Viren deutlich.

Quelle: Nilfisk | markus.targiel@holzmann-medien.de

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