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Gumminoppenboden: Nachpflegen ersetzt keine Grundreinigung

Ein Kunde ist der Meinung, dass ein ursprünglich einmal beschichteter Gummiboden – was eigentlich nicht üblich ist – im Rahmen der Unterhaltsreinigung aufzubereiten sei.

Im vorliegenden Schadensfall ging es vorrangig um die Beurteilung der Unterhaltsreinigung eines Gumminoppenbodens. Der Objektbetreiber bemängelte nach einem Dienstleisterwechsel den Zustand des Gumminoppenbodens (siehe Bilder).

Die Oberfläche der Noppen war verkratzt und zum Teil bläschenbehaftet, was darauf schließen ließ, dass keine vollständige Haftung vorhanden ist. In den Tälern des Elastomers wurde ein s tarker Schmutzaufbau deutlich sichtbar.

Fälschlicherweise beschichtet

Der Gumminoppenboden wurde vor längerer Zeit (nicht genau definiert beziehungsweise nicht bekannt) fälschlicherweise mittels eines Polymers beschichtet. Die Beschichtungsreste wurden danach jedoch nicht mehr im Rahmen einer Grundreinigung entfernt.

Daher bildeten sich im Pflegefilm unter anderem Risse und Kantenbrüche. Darüber hinaus war der Pflegefilm auf den Noppen abgelaufen, in den Tälern jedoch mit entsprechenden Kantenbrüchen noch vorhanden.

Strukturierte Bodenbeläge sollten grundsätzlich nicht beschichtet werden, da zum einen die vom Hersteller gewählte Struktur verändert wird (beziehungsweise zum Teil verschwindet) und zum anderen die Beschichtungsmittelreste kaum oder gar nicht mehr zu entfernen sind.

Ältere Beschichtungen oder Beschichtungen, die wie im vorliegenden Fall durch „einen Schuss“ des ­Beschichtungsmittels in der Reinigungsflotte nachgepflegt worden sind, neigen darüber hinaus zur ­Bildung von dunkleren Rändern in den Bereichen wo die Flotte stehen bleibt: Ein Gemisch aus Schmutz und Beschichtungsmittelresten. Ein alter Pflegefilm, der bereits die zuvor beschriebenen Mängel aufweist, kann nicht durch regelmäßiges Nachpflegen wieder saniert werden wie es vom Objektbetreiber gewünscht war.

Grundreinigung erforderlich

Der Pflegefilm ist im Rahmen einer aufwändigen Grundreinigung mittels Walzenbürstmaschine im Kreuzverfahren vollständig zu entfernen, um eine homogene Optik und Oberfläche zu erzielen. Danach sollte eine Hochleistungswischpflege zum Einsatz kommen, die regelmäßig auspoliert wird.

Es muss beachtet werden, dass die Hersteller­angaben bezüglich der gewählten Abrasivität der Mechanik eingehalten werden, um eine Beschädigung des Gumminoppenbodens zu vermeiden: Also keine Gritbürsten, grüne, braune oder gar schwarze Padwalzen ­verwenden.

Aufgrund des Aufbaus klassischer Treibteller kann die Mechanik die Struktur des Bodenbelags, also die Täler, nicht oder nur unzulänglich erreichen und stellt keine Alternative da. Dies ist bereits vor der Grundreinigung mit Erstellung eines Angebotes zu berücksichtigen.

Das zu erwartende Ergebnis wird jedoch tatsächlich vom Lebenszyklus beziehungsweise der tatsächlichen Abnutzung des Bodens abhängig sein und kann erst nach Entfernung der vorhandenen Pflegefilme beurteilt werden. Die Menge der aufzubringenden Pflegemittel steht in Abhängigkeit von der Oberfläche des verlegten Gumminoppenbodens, der Nutzung des Objektes in Verbindung mit den eingetragenen Verschmutzungen, aber auch von der Sonneneinstrahlung. Flächen, die der Sonneneinstrahlung mehr ausgesetzt sind, bedürfen einer verstärkten Pflege.

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Nachbeschichten ist kritisch

Als kritisch ist ein ständiges Nachbeschichten zu sehen. ­Diese zum Teil auch unfachmänisch als Hausmeistermethode genannte unsachgemäße Handlungsweise bedeutet, dass dem Wischwasser „ein Schluck“ des Beschichtungsmittels beigegeben wird. Hierdurch wird die Oberfläche anfänglich mit weiteren Polymerpartikeln aus der Beschichtung genährt und kleine Kratzer werden verschlossen.

Jedoch treten hierbei Probleme auf. Das Produkt lässt sich zumeist nicht mit Wasser verdünnen, wodurch eine gleichmäßige Verteilung nicht erreicht werden kann. Zudem werden Schmutzrückstände in die Oberfläche eingearbeitet, welche die Optik der Oberfläche in einem schleichenden Prozess weiter verschlechtern.

Es handelt sich bei dem Nachbeschichtungsprodukt nicht um ein Reinigungsmittel, so dass vorhandene Schmutzpartikel von den Polymerpartikeln in Bereichen, in denen es zu einer Anhaftung kommt, umschlossen werden und dauerhaft auf der Oberfläche verbleiben; hier vor allem im Bereich der Täler. Langfristig führt dies zu dunklen Rändern um die Noppen herum (siehe Bilder).

Der Sachverständige: Sascha Hintze

Sascha Hintze, Sachverständiger

Sascha Hintze ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter ­Sachverständiger.

Sachverständigenbüro für Gebäude­reinigung & ­Entwicklung, Duisburg.

Kontakt: hintze@sach­ver­staendigenbuero-hintze.de

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