Glas und Fassade -

Abrasiv oder chemisch – das ist die Frage Gesprühte Farbe beeinflusst Reinigungsverfahren

Von wenigen Ausnahmen abgesehen – es gibt mittlerweile Auftragsarbeiten für Sprayer – sind Graffiti unerwünschte Verunzierungen beziehungsweise Verunreinigungen von Oberflächen. Die Entfernung ist in der Summe eine oft kostspielige Angelegenheit, die zudem fundiertes Fachwissen voraussetzt.

-Peter Blumgrund merkt bewusst, was den meisten Wienerinnen und Wienern wohl nur unterschwellig auffällt: täglich neue Graffiti in der Stadt. Denn Blumgrund, tätig beim Wiener Unternehmen A.S.S. Anlagen Service System GesmbH, beschäftigt sich seit Jahren beruflich mit deren Entfernung.

Der Wiener Dienstleister für Hausbetreuung und Gebäudereinigung, mit 130 Mitarbeitern der drittgrößte in Wien, verzeichnet einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Entfernung der meist unerlaubten und von den Besitzern oft unerwünschten Bemalungen. Blumgrund meint, es sei schwierig für Kinder und Jugendliche zu unterscheiden, wo Graffiti gestattet sind und wo nicht, obwohl er den grundlegenden Aspekt der gewollten sozialen Provokation von Graffiti im öffentlichen Raum nicht übersieht.

Untergrund und Sprühfarbe genau prüfen

Das Ziel bei der Entfernung von Graffiti ist klar: Das Graffito soll rückstandsfrei verschwinden und die Fassadenoberfläche nicht beschädigt werden. Das Ergebnis hängt im Wesentlichen von der Art und Durchlässigkeit (Porosität) des Untergrundes, den verwendeten Graffitifarben und dem eingesetz-ten Reinigungsverfahren ab. Je nach Farbe und Untergrund werden abrasive oder chemische Verfahren eingesetzt. Bei abrasiven Verfahren wird das Graffito samt der obersten Schicht des Untergrundes entfernt. Chemische Verfahren eignen sich, wo kein stark saugender Untergrund vorhanden ist, etwa bei polierten Oberflächen oder Glas. Einfaches Überstreichen – was Hausverwaltungen oft versuchen und damit den Schaden noch verschlimmern – ist meist keine gute Option. Das im Verhältnis zur Hauswand dunklere Graffito schlägt durch; Silberfarben kreiden und lassen sich deshalb nicht dauerhaft überstreichen. Eventuell verschließt ein mehrmaliger Anstrich die Fassade für Wasserdampf, was zu irreversiblen Bauschäden führt.

Abrasive, mechanische Graffitientfernung von nicht imprägnierten Oberflächen, besonders Naturstein und Putz, erfolgt mit Niederdruck-Nebelstrahl. Bei geringem Druck von 0,1 bis 3,0 bar wird die Oberfläche mit feinem Strahlgut, zum Beispiel mit silicatfreiem Schlamm, abgestrahlt. Dieses Verfahren wird oft bei der Restaurierung von denkmalgeschützten Objekten eingesetzt. Da der zu entfernende Lack dabei nicht aufgelöst wird, fällt kein Sondermüll an. Das schont ganz nebenbei die Umwelt.

Autolacke im Trend

Lackfarben werden von Sprayern zunehmend verwendet, größtenteils Zweikomponentenlacke und Unterbodenschutz in der Farbe Schwarz, beides aus der Autoindustrie. Unterbodenschutz und Problemfarben wie Gold, Violett und Rosa brauchen viel Erfahrung beim Entfernung. Meist bleiben da nach einer Grundreinigung noch Farbschatten, die zusätzlich Schattenentferner erfordern.
Bei chemischen Verfahren lösen Reinigungsmittel das Bindemittel des Graffito an; es kann anschließend von der Fassade gewaschen werden. Es sollten nur chemische Reiniger verwendet werden, die getestet wurden und nachweislich biologisch abbaubar sind. Nach dem Abwaschen mit Lösungsmitteln werden die betroffenen Flächen mit klarem Wasser gespült und alle Flüssigkeiten als Sondermüll entsorgt.

Relativ weiche Materialien wie Aluminium oder faserverstärkte Verbundwerkstoffe werden mit Trockeneis materialschonend bearbeitet. Das Trockeneisgranulat ist festes Kohlendioxyd. Kohlendioxyd löst sich buchstäblich in Luft auf. Es ist ungiftig, nicht brennbar, geschmacks- sowie geruchsneutral und verdampft rückstandsfrei. Bei der Reinigung prallen tiefkalte Pellets (–78 °C) mit hoher Geschwindigkeit auf die zu behandelnde Oberfläche und entfernen durch den Aufprall und die punktuelle Unterkühlung unerwünschte Beschichtungen. Trockeneispellets rechnen sich. Die Bearbeitungszeiten sind kürzer und es fällt weniger Abfall an, der gebührenpflichtig zu entsorgen ist. „Die sachkundige Entfernung von 1 m2 Graffiti kostet bei spezialisierten Dienstleistern wie etwa unserem Unternehmen weniger als 20 Euro“, lässt Monika Gentner, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing bei A.S.S., wissen. Dennoch: Angesichts der Menge zu entfernender Graffiti entstehen für Hausbesitzer oder die Kommunen hohe Kosten.

Jede unsachgemäße Anwendung von Reinigungsmitteln und Verfahren kann zu irreversiblen Schäden an der Bausubstanz führen, beispielsweise auch zu tiefreichenden Verfärbungen oder Salzausblühungen. Deshalb sollten Reinigungsarbeiten nur von sachkundigen Betrieben durchgeführt werden. Auf Wunsch kann nach einer Reinigung eine Schutzschicht auf farbabweisender Wachsbasis aufgetragen werden, von der künftige Graffiti unkompliziert zu entfernen sind.

Monika Gentner (A.S.S.) | peter.hartmann@holzmannverlag.de

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