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Ressourcen schonen, Prozesse optimieren, Kosten einsparen Gebäudereinigung ­nachhaltig ausrichten

Klimawandel und globale Erderwärmung sind die Megathemen ­unserer Zeit. ­Jeder kann im Sinne der Nachhaltigkeit zum Klimaschutz beitragen und ­Verantwortung für den eigenen ökologischen Fußabdruck übernehmen – nicht nur durch ein verändertes Energieverbrauchs- und Konsumverhalten, ­sondern auch durch intelligente Unternehmensprozesse.

Nachhaltige Aspekte und ökologische Verantwortung finden auch in der Gebäudereinigungsbranche immer mehr Eingang in Unternehmensphilosophie und -praxis. Zum einen tritt hier eine zunehmend kritische Öffentlichkeit als Treiber auf. Zum anderen gibt es im Umweltbereich eine Vielzahl von Gesetzen, Verordnungen und Regelungen, die auch auf die Förderung und Weiterentwicklung einer nachhaltigen Unternehmensführung abzielen.

Zudem sehen immer mehr Unternehmen Nachhaltigkeit als elementaren Bestandteil ihrer Gesamtstrategie, weshalb Dienstleister und Hersteller diese in Lieferketten, Qualitätszielen und freiwilligen Selbstverpflichtungen festschreiben.

Nachhaltigkeit basiert auf mehreren Säulen: ökologischen Verpflichtungen, Qualitäts- und sozialem Management, einschließlich Produktion, Prozesse und Entwicklung. Optimierte Prozesse und Betriebsabläufe und Produktinnovationen tragen zu einem umweltschonenderen Energie- und Ressourcenverbrauch bei und senken die Betriebskosten. Damit ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor in Industrie und Handwerk, der mit der gesellschaftlichen Debatte Hand in Hand geht.

Nachhaltige und umweltfreundliche ­Reinigungsmittel

In der Gebäudereinigung beginnt Nachhaltigkeit schon mit der richtigen Einschätzung des Reinigungsauftrags für das Objekt und der frühzeitigen Kommunikation mit den relevanten Ansprechpartnern auf Kundenseite. Dabei gilt es, die örtlichen Gegebenheiten mit der Zieldefinition abzugleichen und anhand dieser Analyse das optimale Werkzeug für die jeweilige Reinigungsaufgabe auszuwählen, um ideale Leistungswerte zu erzielen. Je nach Anwendung enthalten Reinigungsmittel verschiedene chemische Inhaltsstoffe. Ihre Herstellung wie auch ihre Entsorgung belasten Wasser, Luft und Böden.

„Es gibt keine umweltfreundlichen Reinigungsmittel, sondern lediglich mehr oder weniger umweltbelastende. Nur Reinigungsmittel, die nicht gebraucht werden, schaden der Umwelt nicht“, weiß Peter Hennig, Geschäftsführer von Visionclean, Landshut. Das Unternehmen befasst sich mit dem Thema Qualitätssicherung und hier vor allem mit dem Transfer von Hygienestandards auf die operative Ebene. „Kennen Reinigungskräfte den Unterschied zwischen Trocken-, Feucht- und Nassreinigung, kann sehr viel Chemie eingespart werden, wenn lose aufliegende Verschmutzungen nur trocken und leicht haftende Verschmutzungen wie Fingerabdrücke nur feucht mit Mikrofasertüchern entfernt werden. Es ist nicht erforderlich, zweistufig nass mit Chemieprodukten vorzugehen.“

Was biologisch abbaubare Reinigungsmittel betrifft, findet in der Reinigungsindustrie ein Paradigmenwechsel statt. Die klassische Gebäudereinigung wird zunehmend chemiefrei. Das Besondere an diesen Mitteln ist, dass bei der Entwicklung neuer Produkte alle Stoffe ausgeschlossen oder minimiert werden, die Mensch und Umwelt belasten können: Duftstoffe, Polymere, Lösungsmittel, Phosphate, Tenside und Weichmacher. Die Reinigungsleistung übernehmen Enzyme und Mikroorganismen, die sicher und schonend für die Oberfläche, Anwender und Natur sind. Die meisten Produkte sind wenig allergen und in kurzer Zeit vollständig biologisch abbaubar. Mit der Ecologo- und Ecolabel-Zertifizierung erfüllen diese Reinigungsmittel hohe internationale Umwelt­standards.

Reinigungstextilien – leistungsfähig und ­langlebig

Häufig setzen Gebäudedienstleister Reinigungstextilien aus synthetischen Materialien wie Polypropylen und Polyester ein. Diese erdölbasierten Synthetikfasern enthalten jedoch Partikel aus Mikroplastik, die beim Waschen durch Abrieb freigesetzt werden und nahezu ungehindert in Gewässer gelangen. Damit tragen die Reinigungstextilien, die aus synthetischen Rohmaterialien bestehen, erheblich zum Umweltproblem bei. Dabei sind diese Textilien aus Vliesstoffen aus der Gebäudereinigung nicht mehr wegzudenken. Sie sind strapazier- und saugfähig, reißfest und können mehrfach verwendet werden. Es gibt sie, je nach Bedarf, in verschiedenen Stärken, Strukturen und Farben.

Der schonende Umgang mit Ressourcen, ein verantwortungsvoller Umgang mit Energie und Wasser, nachhaltige Produktions­technologien sowie der verstärkte Einsatz natürlicher und kompostierbarer Rohstoffe sind nur einige Beispiele, wie in der Gebäudereinigung die Umwelt nachhaltig entlastet werden kann. „Erfreulich ist, dass die Hersteller inzwischen darauf reagiert und zum Beispiel Fasern aus Biokunststoff auf den Markt gebracht haben“, betont Reinigungs- und Hygienefachmann Hennig. „Ein bereits häufig eingesetztes Substitut ist die Polylactid-Faser, eine biobasierte Polyesterfaser, die aus Milchsäure hergestellt wird und industriell kompostiert werden kann.“

Eine Alternative können Viskosefasern sein, die aus dem natürlichen Rohstoff Cellulose gewonnen werden. Sie haben eine höhere Saugfähigkeit und weichere Materialbeschaffenheit als synthetische Fasern, weisen jedoch nicht immer die nötige Stabilität auf und sind im Rohstoffbereich teurer als synthetische Fasern oder Fasergemische. Auch wenn Cellulose biologisch abbaubar ist, stehen der chemische Herstellungsprozess und die Herkunft aus gefährdeten Regenwäldern in der Kritik. Zertifizierungssysteme geben Aufschluss über die Nachhaltigkeit beim Rohstoffabbau und bei der Weiterverarbeitung. Etablierte Zertifizierungslabels sind PEFC und FSC.

Zurück in den Produktionskreislauf

Auch beim Herstellungsprozess gibt es ein praxistaugliches Verfahren, das auf den Einsatz von Chemikalien in der Fertigung verzichtet. Das Ergebnis ist die Lyocell-Faser, die ebenfalls auf Cellulose verzichtet. Die verwendeten Lösungsmittel können beinahe vollständig wieder dem Produktionskreislauf zugeführt werden und gelangen nicht in die Umwelt. Noch wird Lyocell im Reinigungsbereich nicht im großen Stil eingesetzt. Da die Faser im Nasszustand jedoch deutlich reißfester ist als Viskose, ist von einer Trendumkehr zugunsten der Lyocell-Faser auszugehen. Auch andere Fasern wie die Flachsfaser rücken zunehmend ins Blickfeld. Mit Viskose gemischt weisen Reinigungstextilien mit Flachsbestandteilen im Reinigungsbereich eine sehr hohe Eigenstabilität und Saugfähigkeit auf.

Das unabhängige Produktlabel für schadstoffgeprüfte Textilien aller Art – vom Garn bis zum gebrauchsfertigen Artikel – ist die Zertifizierung Standard 100 by Oeko-Tex. Sie ist nicht auf den Rohstoff begrenzt und gibt Auskunft über den verantwortungsbewussten Umgang von Unternehmen mit Chemikalien – und damit über die gesundheitliche Unbedenklichkeit sowie sozial- und umweltverträgliche Produktionsbedingungen. Auf der Grundlage eines strengen Maßnahmenkatalogs trägt dieser Standard aus Verbrauchersicht zu einer hohen Produktsicherheit bei.

Wiederverwendbare Reinigungstücher vs. ­Einwegprodukte

Wenn es um die Reinigung großer Räume und stark frequentierter Bereiche geht, sind vorgetränkte Wischbezüge für Mopps und Reinigungstücher aus Mikrofaser häufig das Mittel der Wahl. Direkt nach Gebrauch können sie gewaschen, desinfiziert, gebleicht und aufbereitet, das heißt für den nächsten Einsatz in speziellen Waschmaschinen mit Reinigungschemie ausgerüstet werden – zum Beispiel mit tensidfreien Allzweckreinigern zum Reinigen auch von Parkettböden.

Die Praxiserfahrungen sind sehr positiv. Die Anwender sparen Zeit, verbessern den hygienischen Standard und tun zugleich etwas für die Umwelt und Nachhaltigkeit. Ein zu hoher Verbrauch von Reinigungschemie ist bei vorgetränkten Mopps und Tüchern nahezu ausgeschlossen. Außerdem wird weniger Wasser benötigt. Den Reinigungskräften erleichert dieses System die Arbeit, weil sie sich nicht mehr so häufig bücken und keine schweren Wassereimer mehr tragen müssen.

Meist eher nicht für Nachhaltigkeit steht „Einweg“. Neue Hightech-Materialien verbinden bei geringen Kosten hohe Reinigungsleistung mit Umweltfreundlichkeit – und ermöglichen es dem Personal, den Verbrauch von Wasser und Chemikalien zu reduzieren. Die Einführung von Mikrofasern in Reinigungsprozesse hat diese grundlegend verändert. Mikrofasern lassen sich in vielen Bereichen, von der Gastronomie über das Gesundheitswesen bis zur Industrie, einsetzen. Sie sind in der Lage, Bakterien ohne Einsatz von Chemikalien zu entfernen. Mikrofasertücher der neuesten Generation können durch ihre offene, wellenförmige Struktur jede Art von Verschmutzung effizient aufnehmen. Ideal, um Oberflächen nass oder trocken zu reinigen und zu desinfizieren.

Hochwertige, für die kurzfristige Nutzung entwickelte Tücher liefern dieselbe Reinigungsleistung wie herkömmliche, ohne jedoch gewaschen werden zu müssen, da sie nach Gebrauch entsorgt werden. Manche von ihnen sind sogar vollständig biologisch abbaubar, so dass sie nach der Entsorgung nicht auf der Deponie landen.

Simone Bittner-Posavec, maintext markus.targiel@holzmann-medien.de

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