Praxis -

Von Pandemie bis Nachhaltigkeit

Zwei Jahre Pandemie: Wie gehen die ­Hersteller von Reinigungschemie damit um? Wie geht die Branche das Thema Nachhaltigkeit an? ­Markus Häfner, Vorsitzender des Fachbereiches ­Gebäudereinigung im Industrieverband ­Hygiene & Oberflächenschutz (IHO), bezieht Stellung.

Herr Häfner, zwei Schlagworte bestimmen derzeit die Wirtschaft: Preissteigerungen und Rohstoffknappheit. Wie stark sind die im IHO organisierten Hersteller von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln davon betroffen?

Markus Häfner: Sie sind sehr betroffen. Seit der Pandemie ist alles, was wir bisher als normales Gefüge kannten – sprich stabile internationale Lieferketten, kurzfristige Verfügbarkeit von Waren oder auch eine gewisse Preisstabilität –, außer Kraft gesetzt.

Allein die Preise für Vorerzeugnisse der ­chemisch-pharmazeutischen Industrie lagen per September 2021 im Durchschnitt mehr als 14 Prozent über Vorjahresniveau. Für uns sind insbesondere die Tenside – sowohl klassisch synthetische als auch nachwachsende – relevant. Hier sehen wir bei Einzelrohstoffen Teuerungsraten von teilweise über 300 Prozent. Auch im Bereich Lösemittel und Biozide, die für Desinfektionsmittel und immer auch zur Konservierung zum Einsatz kommen, haben wir auf Jahressicht Preissteigerungen von weit über 40 Prozent. Gleiches gilt für Polymerdispersionen auf Gesamtrezepturebene. Kurzum: Die massiven Preissteigerungen betreffen den gesamten chemischen Baukasten. Doch damit nicht ­genug: Bei den zusätzlichen Vormaterialien wie Kartonagen oder Paletten reden wir ebenfalls über Verteuerungen von durchschnittlich 14 Prozent und bei der Energie liegen wir bei mehr als 20 Prozent über Vorjahr.

Erschwerend kommt noch die sehr volatile Situation am Markt hinzu. So können wir im Moment nicht sagen: Jetzt ist die Preissteigerungsrunde durch und wir haben wieder für ein Jahr lang Ruhe. Insofern werden wir unsere Kunden zwangsläufig nachgelagert mit Preissteigerungen konfrontieren müssen – sicherlich auch in einem höheren Maße, als sie das bisher gewohnt waren.

Was mir aber viel mehr Sorgen macht, sind diverse Rohstoffengpässe gerade im Bereich der internationalen Lieferketten. Wir versuchen zwar, dies zu kompensieren, indem wir uns zum Beispiel nach Ersatzrohstoffen auch aus europäischen Quellen umsehen; das braucht aber natürlich eine gewisse Zeit. Kurzum: Wir haben eine Situation, wie wir sie bisher so nicht kannten.

Mit welchen Preissteigerungen werden Ihre Kunden konkret rechnen müssen?

Markus Häfner: Innerhalb der Branche dürfen wir uns zu Preisen selbstverständlich nicht austauschen. Im Durchschnitt sehen wir branchenweit aber schon Steigerungen im Bereich zwischen fünf und zehn Prozent. Was wir im Moment aufgrund der hohen Dynamik in der gesamten Supply-Chain noch nicht sagen können, ist, für welchen Zeitraum die Preisadaption gilt.

Zwar hatten wir in der Vergangenheit bei einzelnen Rohstoffen auch immer wieder den ein oder anderen Peak bei den Preisen; meist konnten wir dies jedoch irgendwie abpuffern. Da aktuell die Kosten in der Breite explodieren, wird das in der jetzigen Situation nicht möglich sein.

Mit welchen konkreten Konzepten ­reagiert die Branche auf das geschilderte Lagebild?

Markus Häfner: Eines hatte ich ja bereits erwähnt: Basierend auf den Erkenntnissen der Pandemie muss man sich hinsichtlich der Lieferketten Gedanken machen, ob diese Internationalisierung mit ihrer permanenten Warenverfügbarkeit, wie wir es die letzten Jahrzehnte gewohnt waren, tatsächlich noch das Konzept der Zukunft ist. Wir haben diesbezüglich sicherlich gelernt, dass wir die Abhängigkeit gerade von asiatischen Märkten eher reduzieren müssen. Dementsprechend sind wir aktuell in der Branche dabei zu schauen, inwieweit man künftig auf alternative, verkürzte Lieferwege zurückgreifen kann – zum einen, um die Supply-Chain besser abzusichern, zum anderen aber auch mit dem Ziel einer verbesserten Nachhaltigkeit. Denn lange Lieferwege bedeuten zwangsläufig auch einen hohen C02-Ausstoß.

Ein Aspekt, der im Zusammenhang mit alternativer Beschaffung ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, sind die damit verbundenen Investitionen in Technologie und Forschung. Ein Beispiel dazu: Ein Tensid, welches bis dato auf Basis von Kokos- oder Palmöl aufgebaut war und somit aus den tropischen Regionen dieser Welt kommt, lässt sich nicht ohne weiteres 1:1 durch ein heimisches Sonnenblumen- oder Rapsöl-basiertes Tensid austauschen, da dies die Produkteigenschaften verändern würde. So etwas tatsächlich umzusetzen, erfordert unter anderem einen sehr langen Forschungsvorlauf.

Mit dem Ausbruch von Corona wurden innerhalb kürzester Zeit Unmengen an Desinfektionsmitteln benötigt und dementsprechend enorme Produktionskapazitäten hierfür aufgebaut. Wie stellt sich die Situation heute – nach nahezu zwei Jahren Pandemie – dar?

Markus Häfner: Im ersten Halbjahr 2020 hatten wir tatsächlich einen extremen Nachfrageanstieg sowohl nach Hände- als auch nach Flächendesinfektionsmitteln. Daraufhin wurden die Produktions­kapazitäten nahezu verfünffacht. Wenige Monate später mussten wir jedoch einen genauso schnellen Rückgang der Nachfrage feststellen und befinden uns – von einigen Bereichen wie etwa dem Gesundheitswesen abgesehen – aktuell nahezu wieder auf Vorpandemie-Niveau.

Ein Grund hierfür mag sein, dass sich viele Unternehmen aufgrund der anfänglichen Lieferengpässe bevorratet haben und diese Bevorratung teilweise bis heute anhält. Die Problematik dabei: Bei Desinfektionsmittel reden wir über Biozide, die in der Regel nach zwei Jahren an die Grenze ihrer Haltbarkeit kommen. Diese Produkte nun einfach wieder zurückzunehmen – wie von Kunden vereinzelt angefragt – ist für uns als Hersteller überhaupt nicht möglich, da wir in einem solchen Fall erst wieder sehr umfangreiche Qualitätskontrollen durchführen müssten. Wirtschaftlich stünde dies in keinem Verhältnis.

Gerade mit Blick auf das aktuelle pandemische Geschehen müsste der Bedarf nach Desinfektionsmittel in Deutschland allerdings deutlich höher sein. Leider zeigt die Realität oft ein anderes Bild: Wenn man heute etwa an den Desinfektionsmittelspendern im ­Supermarkt vorbeiläuft, sieht man, wie wenige Menschen diese tatsächlich noch benutzen.

Eine Schlüsselrolle bei der Bereitstellung von Desinfektionsmitteln kommt dem alkoholischen Wirkstoff Ethanol zu. Im Herbst 2020 hat Griechenland eine Änderung der Einstufung von Ethanol vorgeschlagen. Was würde dies in der Konsequenz bedeuten?

Markus Häfner: Ethanol ist bekanntermaßen ein Stoff, der kanzerogen – sprich krebserregend – wirken kann. Dies ist nachgewiesenermaßen der Fall, wenn er oral und in entsprechend hoher Menge aufgenommen wird. Griechenland hat dies zum Anlass genommen vorzuschlagen, dass Ethanol als sogenannter CMR-Stoff (kanzerogen, mutagen, reproduktionstoxisch) gekennzeichnet werden müsse. Dies ist natürlich insofern irreführend, da unsere Produkte nicht getrunken werden. Zudem ist der hier enthaltene Alkohol vergällt, damit wir ihn überhaupt in den Markt bringen dürfen.

Mit anderen Worten: Wenn überhaupt, ist eine Aufnahme dieses Stoffes bei unseren Produkten lediglich über die Haut denkbar. Und dafür gibt es im Moment keinerlei belastbare Studien, die eine vergleichbare Wirkung wie bei einer oralen Aufnahme nahelegen würden. Insofern gibt es EU-weit entsprechenden Widerstand, weil Ethanol natürlich für viele Branchen ein enorm wichtiger Rohstoff ist. Gerade während der Pandemie wären wir ohne ihn überhaupt nicht in der Lage gewesen, die benötigten Desinfektionsmittelmengen zu liefern.

Die griechische Behörde ist mittlerweile auf die Kritik eingegangen und das Verfahren ist aktuell "on hold" . Die Industrie wird nun neu­trale Gutachten beauftragen, um zu klären, ob die Kritik an Ethanol bei der Anwendungsform, wie wir sie haben, überhaupt gegeben ist.

Der Umsatz mit Desinfektion und Hygiene in der Pandemie hat vielfach die Umsatzrückgänge der Dienstleister in anderen Bereichen kompensiert, zum Teil auch überkompensiert. Wie ist aktuell der Bedarf nach Reinigungsmitteln?

Markus Häfner: Je nach Produktsegment und abhängig von den Schwerpunkten der einzelnen Hersteller liegen deren Verkäufe zum Teil noch massiv unter dem Vorkrisenniveau. Die Einbrüche im Bereich der Gebäudereinigung selbst sind gar nicht so stark und dürften alles in allem um die zehn Prozent betragen. Aber gerade in den Bereichen Grundreinigung und Sonderreinigung beispielsweise mit Pflegedispersionen wurde bekanntlich aus nachvollziehbaren Gründen wenig gemacht – etwa in Schulen oder Kindergärten.

In Bereichen wie Gastronomie, Hotellerie und Event waren die Einbrüche deutlich massiver, sprich im hohen zweistelligen Bereich. Bis vor kurzem hatten wir die Hoffnung, dass sich die Lage hier Richtung Herbst/Winter wieder normalisiert. Angesichts der vierten Corona-Welle ist momentan jedoch absolut nicht absehbar, wann 2022 wieder mit einer Normalisierung zu rechnen ist.

In Zeiten immer knapper werdender Ressourcen und angesichts der nicht mehr zu leugnenden Auswirkungen des Klimawandels rückt neben Corona immer stärker das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund. Der IHO hat dazu im vergangenen Jahr einen speziellen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Was genau steht hier auf der Agenda?

Markus Häfner: Zunächst betrachten wir die Nachhaltigkeit nach den klassischen drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales und schauen, wo wir diesbezüglich als Branche insgesamt entsprechende Berührungspunkte haben. ­Parallel dazu haben wir uns die 17 Sustainable Development Goals der UN vorgenommen und dementsprechend verschiedene Kernthemen identifiziert. Aktuell arbeiten wir mit der Arbeitsgruppe daran, diese zu konkretisieren und zu priorisieren. Unser klares Bestreben dabei ist: Wir wollen Nachhaltigkeit messbar machen. Messbar heißt auch, Dinge im Zeitverlauf über mehrere Jahre bewerten zu können und das über die verschiedenen Hersteller hinweg – zugegebener­maßen eine sehr große Herausforderung.

Zur Nachhaltigkeit gehört auch der Umweltschutz. Ein großes Problem diesbezüglich ist Mikroplastik. Wie stellt sich der IHO diesem Thema?

Markus Häfner: Grundsätzlich ist es ja zunächst die Frage, was überhaupt als Mikroplastik definiert ist. Man geht allgemein von Dimensionen zwischen einem und 100 Nanometern aus. Das ist vergleichbar mit einem Bruchteil unserer DNA und zeigt auch, wieso diese Stoffe nur schwer aus der Umwelt zurückzuholen sind, wenn sie erst einmal dorthin gelangt sind.

Schon lange bevor das Thema jetzt auch gesetzlich, respektive über entsprechende Verordnungen, aufgegriffen wurde, hat sich der IHO diesbezüglich einen Selbstverzicht auferlegt – darauf sind wir auch stolz. Bereits im Jahr 2020 haben wir beschlossen, in unseren Rezepturen vollständig auf nicht funktionales Mikroplastik zu verzichten. Hierzu zählen zum Beispiel Trübungsmittel oder Abrasivstoffe.

In unserer Branche haben wir nur noch eine nennenswerte Produktgruppe, über die man diskutieren kann – und zwar die Polymerdispersionen. Denn auch dabei handelt es sich letztendlich um einen Kunststoff, der sich aber in den heutigen Kläranlagen komplett herausfiltern lässt und so nicht mit der Problematik von Mikroplastik zu vergleichen ist.

Zu nahezu jedem klassischen Reiniger gibt es mittlerweile eine Ecolabel-Variante. Wie hoch ist im Branchenschnitt der Anteil entsprechender Produkte am Gesamtumsatz?

Markus Häfner: Der Anteil beträgt etwa zehn Prozent und ist damit tatsächlich noch nicht so hoch, wie wir uns das wünschen würden. Am fehlenden Angebot liegt dies jedoch nicht. Ich glaube vielmehr, dass wir uns in der Branche einfach mehr trauen müssen, diese Produkte einzusetzen. Ganz wichtig bei der Entscheidungsfindung ist, wirklich Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen. Was ich damit sagen will: Wenn wir beispielsweise von einem Unterhaltsreiniger sprechen, dann ist es nicht "der" Unterhaltsreiniger. Je nach gefordertem Einsatzbereich gibt es hier eine enorme Bandbreite.

Genau dies stellt die Dienstleister aber vor die Herausforderung, ihre über viele Jahre erworbenen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Reinigern nun von Fall zu Fall auf das neue Sortiment der umweltfreundlichen Varianten zu übertragen. Vergleicht man nun einen sehr leistungsfähigen klassischen Unterhaltsreiniger mit einem vielleicht nicht ganz so leistungsfähigen umweltfreundlichen Produkt, kann durchaus der Eindruck entstehen, dass die Ecolabel-Version vermeintlich weniger tauglich ist. Fakt ist aber: Es gibt heute ein enorm vielfältiges Angebot sehr leistungsstarker, umweltfreundlicher Reinigungsmittel in allen Bereichen und von nahezu jedem Hersteller.

Persönlich glaube ich, dass wir in zehn Jahren nur noch über nachhaltige Produkte reden und die klassischen Produkte nicht mehr vorfinden werden.

Warum erst in zehn Jahren? Wenn die Effizienz vergleichbar ist und auch die Kosten nicht höher sind, könnte man doch zeitnah ausschließlich Ecolabel-zertifizierte beziehungsweise umweltverträgliche Reinigungsprodukte produzieren und verkaufen?

Markus Häfner: Das ist eine berechtigte Frage. Allerdings muss man dabei bedenken, dass unser Markt sehr traditionell ist und am Ende mitunter nicht allein die rationale Entscheidung auf ­Inhaber- oder Einkäuferseite ausschlaggebend ist. Daneben haben wir natürlich viele Reinigungskräfte, die zum Teil seit Jahrzehnten mit "ihren" Produkten arbeiten und diese liebgewonnen haben – und sei es nur aufgrund eines speziellen Duftes. Somit ist es einfach ein gewisser Prozess, auch die eigentlichen Anwender der Produkte auf dem Weg der Umstellung mitzunehmen. Wir investieren jedenfalls sehr viel in die Aufklärungsarbeit, um die Branche bei diesem wichtigen Thema in der Breite abzuholen. Denn eines ist klar: Am Ende muss diese Umstellung tatsächlich von allen Ebenen mitgetragen werden.

Ein weiterer Baustein in puncto Nachhaltigkeit ist der Einsatz von Konzentraten. Auch deren Anteil könnte durchaus höher sein – oder nicht?

Markus Häfner: Auch hier muss man genau hinsehen und auf die Terminologie achten: In der Vergangenheit haben wir zunächst von Konzentraten gesprochen, dann kamen die Ultrakonzentrate und neulich habe ich von einem Maximalkonzentrat gelesen. Hier ist sehr viel sprachliche Freiheit mit im Spiel. Grundsätzlich könnte man natürlich dahingehend argumentieren, Wasser auf ein Minimum – bei Pulvern und Granulaten sogar auf null – zu reduzieren, um am Ende ein möglichst hohes Konzentrat zu erhalten. Das Problem dabei ist allerdings: Wenn ich Wasser reduziere, geht das nicht ohne einen enormen Energieaufwand. Und dann stellt sich zwangsläufig die Frage: Ist das Produkt in der ganzheitlichen Betrachtung am Ende auch wirklich nachhaltiger? Dazu gibt es im Moment noch keine abschließende wissenschaftliche Ausarbeitung.

Aber dies ist schon ein Extremfall. Die Branche ist meines Erachtens schon sehr weit und setzt bereits überwiegend Konzentrate ein, deren Dosierung um die 0,25 Prozent liegt. Das heißt: Aus einem Liter Reinigungschemie kann ich bis zu 400 Liter Anwendungslösung herstellen. In meinen Augen ist das schon ein Hochkonzentrat.

Mehr und mehr werden Reinigungsansätze propagiert, die aus Umweltgründen auf den Einsatz von Chemie gänzlich verzichten. Könnte der Branche dadurch langfristig nennenswert Geschäft verloren gehen?

Markus Häfner: Nein, das sehe ich überhaupt nicht. ­Jeder gelernte Gebäudereiniger kennt den ­Sinner’schen Kreis und weiß: Grundsätzlich lässt sich Chemie reduzieren, indem man Mechanik, Temperatur und Zeit erhöht. Entsprechend wurde in den letzten Jahren etwa der Einsatz von Maschinen forciert. Tatsächlich kenne ich aber bisher kein System auf dem Markt, welches rein wasserbasiert ist und dabei auch nur annähernd an die Reinigungsleistung von Chemieprodukten herankommt.

Was ich bei der Diskussion problematisch ­finde: Chemie wird per se immer erst einmal als etwas Negatives dargestellt und dann kommt natürlich schnell die Forderung, dass Chemie reduziert werden muss. Wenn ich aber ein Reinigungsmittel habe, welches tatsächlich rein auf pflanzlichen Inhaltsstoffen basiert, umweltfreundlich hergestellt wurde und in der Anwendung etwa mittels Dosierhilfen für den Anwender ungefährlich ist, stellt sich mir die Frage: Warum soll ein solches Produkt etwas Schlechtes sein? Vor dem Hintergrund, dass es zunehmend wirklich gute Reinigungsmittel gibt, die ganzheitlich konzipiert sind, sehe ich schlicht keine Notwendigkeit, hier etwas ersetzen zu müssen. Im Gegenteil – mit diesen Produkten kann sogar noch effizienter gereinigt werden.

Vorhin fiel bereits das Stichwort Polymerdispersion. Auf Anfrage des BIV hat der IHO einen speziellen Arbeitskreis gebildet, der die korrekte Applikation derartiger Beschichtungen auch unter klimatisch schwierigen Bedingungen erarbeiten soll. Was ist der Hintergrund dafür und gibt es diesbezüglich bereits Ergebnisse?

Markus Häfner: Lassen Sie mich zunächst einen Dank an die Mitglieder des BIV für die sehr konstruktive Zusammenarbeit – nicht nur bei diesem ­Thema – aussprechen. Hintergrund für den von Ihnen angesprochenen Arbeitskreis ist: Gerade in besonders heißen Sommern, wie wir sie in den zurückliegenden Jahren hatten und die es vermutlich auch künftig immer häufiger geben wird, sind vereinzelt Probleme mit der Filmbildung bei Polymerdispersionen hinsichtlich Vernetzung und Verlauf beobachtet worden. Insofern waren wir aufgefordert zu prüfen, inwieweit man Polymerdispersionen entwickeln kann, die demgegenüber noch unempfindlicher sind.

In einer Expertengruppe haben wir darüber beraten, dabei aber auch festgestellt, dass die aus der Praxis bekannten Probleme häufig nicht allein aus den Produkteigenschaften resultieren. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Kenntnis darüber, unter welchen Bedingungen eine solche Einpflege vorgenommen werden sollte und was es dabei im Detail zu beachten gibt. Genau dazu möchten wir mit dem neu erarbeiteten Leitfaden zur Grundreinigung und Einpflege, der in Kürze veröffentlicht werden soll, nochmal ­konkretere Hilfestellungen geben.

Welchen sonstigen Herausforderungen wird sich die Branche in den kommenden Monaten und Jahren stellen müssen?

Markus Häfner: Zwei großen Schlagworte werden uns sicherlich lange intensiv beschäftigen: Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Insbesondere in puncto Nachhaltigkeit wird sich noch sehr viel tun, weil sich gerade sowohl die politischen als auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen ändern. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang etwa der European Green Deal, aber auch die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung klimafreundlicher Leistungen – kurz AVV –, die jetzt auf Bundesebene kommen wird.

Im Moment richten sich unsere Blicke jedoch – wie eingangs erläutert – ganz stark auf die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Liefer- und Warenverfügbarkeit und das Bestreben nach möglichst stabilen Preisen.

Günter Herkommer | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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