Kolumne -

Die Wolff-Kolumne Fehler­kultur auf der Spur

Weil wir gerade davon sprechen. So unter uns und ohne Zuhörer: Wie reagieren Sie oder auch Ihre Führungskräfte darauf, wenn ein Mitarbeiter Fehler macht? Umgekehrt gefragt: Was erleben Sie an Ihrem Arbeitsplatz, wenn Ihnen ein Fehler passiert ist?

Jetzt bitte keine politisch korrekten Antworten wie etwa: „Ich bleibe ruhig und bespreche die Sache mit dem Mitarbeiter, damit er aus seinem Fehler lernt.“ Oder: „Ich muss dann keine Angst haben. Meine Chefin spricht die Sache ganz ruhig mit mir durch.“ Falls das in Ihrem Betrieb wirklich so ist, haben Sie den „weißen Raben“ gefunden.

Wie sieht die Realität in der Mehrzahl der Firmen, der Abteilungen aus? Ganz normal: Fehler bringen Probleme. Probleme ärgern den Vorgesetzten. Der Verursacher bekommt es zu spüren. Eric Berne, Vater der Transaktionsanalyse, würde feststellen: Das „kritische Eltern-Ich“ langt voll zu.

Masao Nemoto brachte Toyota mit seinen ausgefallenen Ideen an die Weltspitze. Dazu gehört, dass er sich besonders um die kleinen, grundsätzlichen Ärgernisse des Firmenalltags unerbittlich kümmerte. So auch um die Frage: Wie gehen meine Führungskräfte mit Fehlern um?

Seine Regel, Anweisung war kompromisslos: „Verteilen Sie keine Schelte!“ Im Einzelnen erläuterte er:

Nicht mit Strafe drohen. Nicht kritisieren!

Mitarbeiter müssen angstfrei Fehler zugestehen ­können, sonst wird vertuscht.

Gebetsmühlenartig hat er diese Forderungen zum zentralen Thema der Führungskultur gemacht. Denn er wusste auch: Was ich fordere, ist eine Abkehr von der normalen menschlichen Reaktion.

Ein Punkt ist jedoch in den Nemoto-Heldengeschichten nicht überliefert: Wie oft gelang es ihm tatsächlich, die eigenen Regeln durchzuhalten? Aber welcher Wegweiser geht schon seinen eigenen Weg?

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