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Factoring für Dienstleister: Schneller an sein Geld

Gereinigt werden muss immer, trotzdem leidet das Gebäudereiniger-Handwerk unter Corona-bedingten Einbußen. Um liquide zu bleiben, ist es umso wichtiger, nach Rechnungsstellung schnell an sein Geld zu kommen. Factoring kann einen Beitrag leisten.

Geldeingang bereits einen Tag nach Rechnungsstellung – viele Gebäudereiniger träumen von derartigen Zuständen. Denn gerade in dieser personalintensiven Branche lässt sich an den Ausgaben kaum drehen, die Gehälter sind fristgerecht zu zahlen. Der dadurch entstehende Druck wird sich vor dem Hintergrund, dass der Mindestlohn bis 2023 um insgesamt elf Prozent steigt, weiter verschärfen. Unter diesen Vorzeichen können mitunter schon die regulären Zahlungsprozesse genügen, um Liquiditätsengpässe auftreten zu lassen.

Kevin Osebold, Geschäftsführer der gleichnamigen Gebäudereinigung aus Sundern im Sauerland, kennt diese Situation: "Immer zum 15. des Folgemonats bezahle ich meine Angestellten mit dem Geld des Vormonats.“ Das Problem: Mit Rechnungsstellung Anfang des Monats und einem Zahlungsziel von nur 14 Tagen erfolgen bis zum 15. kaum Zahlungseingänge. So kommt bereits der pünktliche Geldfluss zu spät; es braucht dazu nicht einmal langsame Zahler. Die Gebäudereinigung Osebold mit ihren sechs fest angestellten Mitarbeitern und 39 Reinigungskräften ist sehr stark in den Bereichen Unterhalts- und Glasreinigung beschäftigt, aber auch in der Industrie- oder Bauschlussreinigung. Zum Kundenstamm gehören Kliniken und Reha-Kliniken, ebenso Schulen und Rathäuser.

Weniger abhängig vom Dispo der Hausbank

Die Zwischenfinanzierung über einige ­Tage oder Wochen ist normal in der Branche – und damit auch die Abhängigkeit vom Dispo der Hausbank. So ergibt es durchaus Sinn, über andere Optionen nachzudenken, mit denen sich die ­Zwischenfinanzierung sicherstellen lässt. Vor allem für größere Firmen ist ­Factoring längst Standard. Dabei werden offene Forderungen an einen Finanzdienstleister verkauft, den sogenannten Factor. Dieser übernimmt dann die Vorfinanzierung und das Ausfallrisiko. Dabei geraten Firmen keineswegs in Konflikt mit ihrer Hausbank. In Zeiten von Basel II bis IV begrüßen diese die positiven Auswirkungen auf Bilanz und ­Eigenkapitalquote sowie die Verbreiterung der Finanzierungsbasis. Eine ­Ergänzung zum bestehenden Finanzierungsmix gilt als sinnvoll.

Wer sich für Factoring interessiert, sollte seinen Partner mit Bedacht auswählen. Sehr stark unterscheiden sich die Bedingungen und Möglichkeiten. Für Kevin Osebold ging es zum Beispiel hauptsächlich um das Thema Flexibilität. Vorher musste der Unternehmer regelmäßig die Kreditlinie seiner Bank in Anspruch nehmen. "Das hat sich zum Glück geändert, Factoring ist deutlich flexibler. Ich kann jetzt immer nach Bedarf entscheiden, welche und wie viele Rechnungen ich verkaufe. Bei mir sind es vor allem die Großen. Den Rest stelle ich weiterhin direkt an meine Kunden.“ Wem diese Flexibilität wichtig ist, sollte bei der Wahl des Partners auf entsprechende Möglichkeiten achten. Dazu kommt: Für die Gebäudereinigerbranche braucht es Factoring-Unternehmen, die bereits kleine Rechnungssummen vorfinanzieren.

Kosten individuell verschieden

Keine generellen Aussagen lassen sich über das ­Thema Kosten treffen. Diese bemessen sich in der Regel an den individuellen Risikokennzahlen. Klar ist, dass der Factor beispielsweise einen Aufschlag kalkulieren muss, wenn es um die Bonität der Kunden eher schlecht bestellt ist oder wenn die durchschnittlichen Forderungslaufzeiten sehr hoch ausfallen. Zuverlässige Zahler brauchen dagegen weniger Risikopuffer. Den Kosten stehen jedoch Einsparungen gegenüber. In die entsprechende Berechnung gehören die sonst fälligen Ausgaben für die Bankenfinanzierung, eine eventuelle Kreditversicherung und der Aufwand für das eigene Forderungs­management. Noch ein entscheidender Punkt für die Kalkulation: Factoring verhindert Forderungsausfälle, der Finanzdienstleister übernimmt das Risiko.

Keine Veränderung für die ­Kunden

Obwohl ein Finanzdienstleister zwischengeschaltet ist – im Fall der Gebäudereinigung Osebold der auf klein- und mittelständische Unternehmen sowie auf Freelancer und Selbständige spezialisierte Anbieter Cashfox –, merken Osebolds Kunden kaum etwas von Factoring. Der Firmenname bleibt und auch die Abläufe sind wie zuvor, lediglich die Kontonummer ändert sich. Aufgrund eines engen Verhältnisses wissen jedoch viele Bescheid, wie Kevin Osebold betont: "Ich erzähle ganz offen vom Thema Factoring. Und weil jeder die Situation in puncto Liquidität aus eigener Erfahrung kennt, bekomme ich nur positive Rückmeldungen.“ Das ­Fazit des Geschäftsführers: „Wenn ich am ­Donnerstag die Rechnung schreibe und an den Factor schicke, ist das Geld am Freitag da. Damit ist immer genug Liquidität vorhanden, um meine Leute zu bezahlen.“ Was dem Gebäudereiniger zugute kommt: Anders als viele Factoring-Angebote zahlt Cashfox direkt 100 Prozent der Rechnungssumme aus.


Martin Schwer
| guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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